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Google profitiert trotz Kritik weiterhin von Steueroasen

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google 2013Trotz teils deutlicher Kritik von Seiten Politik und Gesellschaft nutzt Google weiterhin zahlreiche zwar rechtlich legale, moralisch aber fragwürdige Wege, um die Steuerlast zu senken. Im letzten Jahr konnte man einem Bericht der Financial Times zufolge den Steuersatz außerhalb der USA auf etwa fünf Prozent senken.

Insgesamt, so das Blatt, habe Google im Jahr 2012 8,8 Milliarden Euro auf Konten der Bermudes transferiert. Gelder, die aus dem Nicht-USA-Geschäft des Internet-Konzerns stammen, also beispielsweise aus Deutschland und anderen EU-Staaten. Dabei hat man sich auf das gleiche Prozedere wie in der Vergangenheit verlassen. Die Einnahmen werden dem sogenannten „Double Irish with a Dutch Sandwich“ zufolge an eine irische Google-Tochter überwiesen, die diese ihrerseits an eine niederländische Tochter überweist. Von dieser geht es zurück nach Irland, allerdings an ein drittes Tochterunternehmen. Dieses verwaltet die Einkünfte nahezu aller Nicht-USA-Geschäfte und überweist die Gelder im letzten Schritt auf die Bermudas.

In diesem Konstrukt kommen vor allem Irland und den Niederlanden besondere Rollen zu. Denn beide Staaten bieten besonders niedrige Steuersätze, wenn es um Gewinne aus Marken- und Patentgeschäfte geht. Dass in den USA keine Steuern auf die Überschüsse auf letztlich auf den Bermudas verwalteten Mittel gezahlt werden müssen, liegt an den verschiedenen, sich teils widersprechenden Steuergesetzen. Im Falle Googles sind hier die Vorgaben in der US-amerikanischen Heimat sowie die Irlands entscheidend. Erstere besagen, dass die Steuerlast im Gründungsland des Unternehmens anfällt, letztere, dass die Steuerlast am Verwaltungsstandort gezahlt werden muss. In der Praxis bedeutet dies: Die in Irland gegründete Tochter ist von US-Regeln nicht betroffen, da sie aber von den Bermudas und den USA aus gemanagt wird, treffen auch irische Vorgaben nicht zu.

Einzig um die irische Unternehmenssteuer kommt Google nicht herum, im vergangenen Jahr musste man 17 Millionen Euro bei einem Umsatz von 15,5 Milliarden Euro zahlen. Das Unternehmen selbst hatte das Vorgehen 2012 verteidigt. Verwaltungsratschef Eric Schmidt kommentierte Kritik mit den Worten „Das nennt man Kapitalismus“. Abzuwarten bleibt jedoch, wie lange derartige Steuersenkunsmöglichkeiten noch genutzt werden können. Denn im Sommer hatten die G20-Staaten beschlossen, derartige „Schlupflöcher“, die auch Unternehmen wie Amazon und Apple nutzen, schließen zu wollen.

 

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Kommentare (7)

#1
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Kapitänleutnant
Beiträge: 1619
Einerseits ne schweinerei, andererseits auch legitim, da es a) alle machen und b) es in unserer Gesellschaft sowieso nur um Geld geht. Da soll dann jeder nehmen, was er kriegen kann.

Aber wenn alle Unternehmen so Steuern zahlen würde, wie angedacht, ginge es einigen Staaten bedeutend besser, das steht fest.
#2
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zuhause
Admiral
Beiträge: 11287
Wenn ich könnte, würde ich mir auch alle Schlupflöcher suchen um Abgaben an den Staat auf ein Minimum zu drücken.

Klar geht es dem Staat dann besser, aber es ist schon lange genug Geld da - die Staaten können nur nicht damit umgehen.
Es gibt Sparpotentiale in Milliardenhöhe, ohne dass irgendwer dadurch negativ beeinträchtigt wird.

Unser Staat funktioniert leider so:
Werden 10% mehr Eingenommen, gibt man 15% mehr aus und verschuldet sich trotzdem.
Statt die 10% dazu zu nutzen Schulden abzubauen, wird einfach geklotzt weil ja Geld da ist.
#3
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Registriert seit: 10.06.2008
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Admiral
Beiträge: 11287
Kann man hier nicht editieren ?!
#4
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Leutnant zur See
Beiträge: 1047
Gerade bei Google finde ich es am legitimsten, da sie viel Geld in ihre Mitarbeiter und OpenSource Projekte stecken.
Oracle, Ikea, Starbucks, Apple, Microsoft, Intel usw. machen es ja alle auch, wieso sollte es Googel nicht dürfen?
#5
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Registriert seit: 16.12.2005
Von draußen, vom Walde komm ich her :)
SuMoFreak
Beiträge: 1034
Riesengroße Sauerei, aber wie heißt es:
Jeder macht was er will, keiner macht was er soll, aber alle machen mit!
#6
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Hamburg
Flottillenadmiral
Beiträge: 4899
Ich finds klug und auch richtig. Sie lassen nämlich ihr Europa-Geschäft legal in Irland versteuern. Und wir(Deutschland) sind ein Teil dieses Staatenbundes. Was sie anschließend damit machen, ob Bermudas oder USA, das ist deren Sache.
#7
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Registriert seit: 10.06.2008
zuhause
Admiral
Beiträge: 11287
Solange die Lobbyisten dieser Konzerne erfolgreich solche Schluflöcher in den Gesetzen unterbringen können, ist es doch völlig legitim.

Wenn ich die Wahl hätte, einen legalen Weg zu wählen wo ich deutlich weniger Steuern und Abgaben zahlen müsste, wäre ich ja blöd wenn ich es nicht tun würde.

Wer zahlt schon freiwillig mehr als er muss.
Dafür zahlt Google Mitarbeitern in Deutschland üppige Gehälter, und davon werden alle Abgaben auch in Deutschland abgeführt.

Wenn die Politik sich an diesen Schluflöchern stört, sollen sie diese schließen und Abgaben da fällig machen wo sie eingenommen wurden bzw. Anreize schaffen, die Abgaben im jeweiligen Land abzuführen.
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