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Deutsche Telekom plant offenbar schon mit bezahlten Spezialdiensten

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eu parlamentKaum sind die neuen Regeln zur Netzneutralität durch das EU-Parlament, schon melden sich die großen Anbieter zu Wort und präsentieren Pläne für bezahlte Spezialdienste. Ein Grundprinzip des Internets ist eigentlich, dass alle Daten gleich behandelt werden. Eben dieses Grundprinzip sollte durch ein Gesetz zur Netzneutralität festgeschrieben werden, beinhaltet aber derart viele Schlupflöcher und schwammig formulierte Ausnahmen, dass es den ISPs (Internet Service Provider) leicht gemacht wird, eigene Regeln aufzustellen.

Erst heute twitterte Günther Öttinger, seit 2014 EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft:

 

 

Da mutet es fast schon ironisch an, dass Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG, nun eine Stellungnahme veröffentlicht hat, in der es beispielsweise heißt:

"Gleichzeitig bleibt es aber möglich, auch in Zukunft innovative Internetdienste zu entwickeln, die höhere Qualitätsansprüche haben. Das sind die so genannten Spezialdienste."

Er liefert auch gleich die Beschreibung dieser Spezialdienste:

"Das Internet ist vielfältig und bringt Dienste hervor, an die bis vor kurzem noch niemand gedacht hat. Das fängt bei Videokonferenzen und Online-Gaming an und geht über Telemedizin, die automatisierte Verkehrssteuerung und selbststeuernde Autos bis zu vernetzten Produktionsprozessen der Industrie. Gemeinsam haben diese Dienste, dass sie andere, teilweise höhere Qualitätsanforderungen haben als das einfache Surfen oder die E-Mail, die auch ein paar Millisekunden später ankommen kann. Eine Videokonferenz sollte beispielsweise auch zu Stoßzeiten im Netz nicht ins Stocken geraten. Deshalb muss die Möglichkeit bestehen, dass die Daten empfindlicher Dienste im Stau Vorfahrt bekommen."

An dieser Stelle darf man sich natürlich die Frage stellen, warum nicht ein Ausbau der Netzkapazitäten eine Möglichkeit wäre, den Engpässen zu entgehen. In seiner Stellungnahme vergleicht Höttges Spezialdienste wie Premium-Zugriffe auf Xing und LinkedIn mit den durch die Netzneutralität betroffenen Spezialdienste – nur hat das eine mit dem anderen wenig zu tun. Bei den Zusatzangeboten geht es um einen Mehrwert für den Kunden, nicht um den grundsätzlichen Anspruch darauf, dass die eigenen Daten gleichberechtigt behandelt werden. Videostreams von Netflix sollten in 720p genauso schnell durch das Netz geleitet werden, wie Videostreams von 1080p – für die höhere Auflösung zahlt er dann natürlich.

Fast schon absurd wird die weitere Argumentation von Höttgens:

"Gegner von Spezialdiensten behaupten, kleine Anbieter könnten sich diese nicht leisten. Das Gegenteil ist richtig: Gerade Start-Ups brauchen Spezialdienste, um mit den großen Internetanbietern überhaupt mithalten zu können. Google und Co. können sich weltweite Serverparks leisten, damit die Inhalte näher zu den Kunden bringen und die Qualität ihrer Dienste so verbessern."

 

 

Eigentlich will die Deutsche Telekom aber beide zur Kasse bitten. Start-Ups sollen für die schnelle Anbindung zahlen und bei Anbietern wie Google oder Facebook will man an der Werbung beteiligt werden. Sollten die großen Unternehmen dem nicht zustimmen, könnte die Deutsche Telekom deren Werbung aus dem eigenen Netz blocken. Konkrete Pläne dazu gibt es aber noch nicht. Und so stellt sich die Deutsche Telekom das Geschäftsmodell gegenüber den kleinen Start-Ups vor:

"Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent. Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur. Und es sorgt für mehr Wettbewerb im Netz."

Jene Unternehmen, die sich also erst im Aufbau befinden und nicht mit Millionen an Risikokapital bedacht sind, sollen die Deutsche Telekom auch noch an ihrem Umsatz beteiligen. Es zeigt sich, dass genau die Gefahr die Kritiker einer fehlenden Regulierung der Netzneutralität hervorbeschworen haben, sich nur wenige wenige Tage nach der Neuregelung konkretisiert hat. Vodafone springt der Telekom bereits bei und bestätigt:

"Vodafone verfolgt derzeit keine solchen Planungen, die Aussagen der Telekom sind aus unserer Sicht aber richtig. Ein Ein-Klasse-Internet gibt es bereits heute nicht. (...) es wird natürlich künftig auch weitere Spezialdienste geben."

Letztendlich werden die zahlreich vorhandenen Lücken der Regelung deutlicher zu Tage gefördert als es selbst die pessimistischsten Kritiker erwartet haben. Zur Meldung über die neuen Neutzneutralitätsregeln warnten wir noch davor, dass es vermutlich nicht allzu lange dauern wird, bis wir die ersten Auswirkungen spüren werden – die erste drohende Ankündigung in dieser Richtung haben wir nun erhalten und das schneller als wir es erwartet hätten.