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Journalismus im Netz: Krautreporter will 900.000 Euro für eigenes Magazin einsammeln - Update

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krautreporterNoch immer tun sich große Verlage schwer, im Internet mit hochwertigen, journalistischen Artikeln Geld zu verdienen. Meist werden die Online-Inhalte großer Medien über das Printgeschäft querfinanziert während bezahlte Bannerplätze zumindest einen Teil der Kosten tragen.

Doch während das eigentliche Kerngeschäft mit immer weiter fallenden Auflagenzahlen und Anzeigenerlösen zu kämpfen hat, ist es auch im Internet nicht einfacher geworden. Die Akzeptanz für aufdringliche Werbung im Netz sinkt von Woche zu Woche, die Zahl der Downloads von Adblocker-Tools steigt trotz hitziger Diskussionen tagtäglich an. Viele Verlage experimentieren deswegen mit verschiedenen Paid-Content-Systemen und ziehen einfach eine Bezahlschranke nach oben, was meist aber einen Reichweitenverlust nach sich zieht. Die Leser wandern ab, konsumieren ähnliche Inhalte einfach an anderer Stelle oder gar bei der Konkurrenz.

Ein neues Online-Magazin will nun den Versuch starten, sich komplett über seine Leser zu finanzieren. Bislang konnten Journalisten auf der Onlineseite Krautreporter.de ähnlich wie es Entwickler auf Kickstarter oder Indiegogo tun, Geld für ihre Recherchen, Reportagen, Berichte oder Bücher einsammeln und mit dem Geld der Öffentlichkeit ihre Projekte realisieren. Fast 50 Projekte wurden über die Crowdfunding-Plattform speziell für Journalisten in den letzten Monaten realisiert. Meist erhielten sie mehrere tausend Euro im niedrigen einstelligen Bereich und konnten so ihren Lebensunterhalt aufbessern.

Nun sucht die Plattform in eigenem Interesse nach Unterstützern. Krautreporter.de will selbst zum Online-Magazin werden und hofft deswegen auf 15.000 Unterstützer, die für das erste Jahr des Magazins einen Jahresbeitrag von mindestens 60 Euro beisteuern, was einem Monatsbeitrag von immerhin fünf Euro entspricht. Insgesamt will man damit binnen der nächsten vier Wochen mindestens 900.000 Euro einsammeln. 

Prominente Autoren

Mit einem festen Team aus 25 namhaften Journalisten, Redakteuren und Bloggern, will man in den nächsten Monaten und vielleicht auch Jahren Texte oder Filme veröffentlichen, die aufwendig recherchiert und unique sein sollen. Dabei sollen verschiedenste Themengebiete, die nicht streng in irgendwelche Ressorts gepackt werden, abgedeckt werden. Hinter der Idee steht Krautreporter-Gründer Sebastian Esser. Chefredakteur soll Alexander von Streit werden, der zuletzt als Leiter der deutschen Ausgabe des Netz-Kultur-Magazins Wired arbeitete. Ebenfalls mit an Bord sind Stefan Tillmann, Frank Suffert, Stefan Niggemeier oder Andrea Hanna Hünninger. Die 25 Autoren sollen laut einem Bericht der aktuellen Print-Ausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel Pauschalen für ihre Arbeit 2.000 bis 2.500 Euro monatlich erhalten und dafür einen Text pro Woche abliefern müssen. Das Portal soll dabei werbefrei bleiben und für alle Internet-Nutzer frei abrufbar sein.

Krautreporter from Krautreporter on Vimeo.

Gegenüber dem sonst werbefinanzierten Journalismus im Netz sehen sich die Krautreporter-Journalisten im Vorteil. Sie glauben, dass im Internet vor allem Klicks vorherrschen, wodurch schnell eine Vielzahl an Meldungen publiziert wird, sodass sich Leser schnell überfordert fühlen könnten. Zudem sei bei ihrer Art der Finanzierung die Abhängigkeit von anderen Firmen nicht gegeben. Auf Google und andere Suchmaschinen getrimmte Texte seien ebenfalls durch eine unabhängige Finanzierung nicht notwendig. Kreutreporter.de würde endlich echten Journalismus ins Internet bringen.

Die zahlende Kundschaft soll allerdings Zugriff auf exklusive Inhalte erhalten und obendrein Texte und Videos kommentieren können, den Newsletter abonnieren dürfen und vollen RSS-Zugriff erhalten. Auch sollen die Mitglieder nicht nur einfache Leser des Magazins werden, sondern als Experten ihr Wissen in Spezialgebieten für die Redaktion zur Verfügung stellen. Weiterhin sollen Mitglieder zu Lesungen, Workshops und Diskussionen eingeladen werden. Im Laufe der Zeit werden weitere Vorteile hinzukommen - Vorschläge können schon jetzt gemacht werden.

Crowdfunding zur Finanzierung

Ob sich genug Menschen finden werden, die für die prominenten Autoren und die Leser-orientierten Texte sowie für das Versprechen aufwendig recherchierter Berichte mindestens 60 Euro im Jahr bezahlen, bleibt abzuwarten. Noch 31 Tage soll die Kampagne laufen. Stichtag ist der 13. Juni 2014. Zum aktuellen Zeitpunkt haben sich bereits 422 der 15.000 nötigen Unterstützer zusammengefunden.

Wie bei jeder Crowdfunding-Kampagne gilt: Wird die Finanzierungssumme nicht erreicht, wird das Projekt nicht realisiert, die Kreditkarten und Konten der Unterstützer nicht belastet. Wenn alles klappt, startet das Magazin im Herbst.

 

Update:

Das Krautreporter-Team bekommt nun tatsächlich die Chance, sein Projekt unter Beweis zu stellen. Wenige Stunden vor dem Ende der Sammelaktion konnten die benötigten 15.000 Abonnenten bzw. 900.000 Euro eingesammelt werden.