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Google Reader: Wer übernimmt das Erbe?

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google100Es kommt, wie es kommt. Trotz großer Aufruhr - immerhin finden sich über 1,5 Millionen Suchergebnisse zu den Schlagwörtern google reader shutdown - hat sich der Internetgigant nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen und wird den RSS-Feedreader zum 1. Juli 2013 abschalten. Gründe dafür? Nennt Google in seinem Hausblog. Hauptgrund ist Googles Produktstrategie: viel Energie in wenige Projekte investieren. Und da der Reader nach Aussagen Googles zu den weniger erfolgreichen zählt, muss er wohl oder übel seinen Kopf lassen.

Wer mehr über die Abschaltung und Gründe eben dieser erfahren will, kann dies in einem Artikel von Wired tun. Mit dem Tod von Google Reader stirbt RSS jedoch nicht aus - ganz im Gegenteil. Jeder möchte nun einen Teil der Gestrandeten unter seine Obhut nehmen. Wir haben uns fünf Alternativen angesehen - und geben in einer Auflistung weitere Möglichkeiten, die wir nicht ausführlich vorstellen.

Feedly

Feedly ist wohl der große Gewinner der Google Reader Schließung - gut 3 Millionen neue User konnte der Dienst verzeichnen, der bislang nur ein schöneres Design für den Reader darstellte. Mit der Schließung hat man das Projekt Eigenständigkeit aber weiter vorangetrieben und ist seit einigen Tagen komplett unabhängig vom großen Bruder. Damit einhergehend hat man auch einen der größten Wünsche der User erhört: Feedly ist ab sofort über die "feedly cloud" auch ohne Browser-Extension aufrufbar, kann also Browser-unabhängig genutzt werden.

feed675

Der Aufbau von Feedly ist simpel und schnell zu verstehen. Auf der linken Seite gibt es unter "Today" gefeaturete Artikel, "Saved for Later" beinhaltet alle Artikel die beim Lesen markiert wurden, unter "Organize" können Feeds neu geordnet oder neue Kategorien angelegt werden. Letztere werden dann in der Seitenleiste mit einem Unread-Counter angezeigt. Für jede Kategorie kann man getrennt zwischen fünf Ansichten wählen:

  • Titles: die schlichte, "nur Überschriften"-Anzeige, wie man sie vom Google Reader kennt
  • Timeline: eine unendliche Liste von Artikeln mit kleinen Vorschaubildern und kurzem Text,
  • Magazin: ähnelt der Liste von Artikeln stark, jedoch getrennte Darstellung für jeden Feed und nur 6 ausführliche Artikel und 3 Überschriften je Feed
  • Cards: Karten-Darstellung mit größerem Bild, Text und Überschrift
  • Full-Article: stellt jeden Artikel (falls ein Full-Feed verfügbar ist) direkt in Feedly komplett dar

Bis auf den "Titles"-Modus nutzt keine der Ansichten die volle Breite des Bildschirms aus, ansonsten ist unserer Meinung nach neben den "Titles" gerade die "Timeline" interessant, wenn man sich nicht zu weit vom Google Reader entfernen will. Wer eher stöbern möchte, beispielsweise bei Abonnements von Food-Blogs, wird sicherlich mit der Karten-Ansicht gut fahren. Insgesamt ist Feedly äußerst performant und ein würdiger Nachfolger für Google Reader - selbst die Keyboard Shortcuts hat man größtenteils übernommen und angepasst. Mit der Öffnung der API für Entwickler sind auch einige Apps auf den Feedly-Zug aufgesprungen (siehe Tabelle unten). Die Umgewöhnungsphase ist hier - auch dank des One Click Imports von Google Feeds - besonders kurz - was man alles getan hat beim Umstieg von Google Reader auf die eigene Plattform, kann im "Building Feedly" Blog nachgelesen werden.

Digg Reader

Digg Reader ist aktuell erst als Beta verfügbar und extrem simpel aufgebaut. Es gibt nur zwei Ansichten: ausgeklappte Beiträge oder nur Überschriften. Nicht mehr, nicht weniger. In der "nur Überschriften"-Ansicht kommt der Reader dem alten Google Reader sehr nah - nur, dass das Design etwas schicker ist, als zuvor. Die Standard-Keyboard-Shortcuts j, n und v funktionieren auch im Digg Reader. Social-Media ist mit Facebook- und Twitter-Integration ebenso möglich, wie eine Read-Later-Einbindung (Pocket, Readability, Instapaper). Punkte neben den Überschriften signalisieren die Popularität eines Beitrags. Diese können auch in der Seitenleiste unter "Popular" eingesehen werden - wer es eilig hat, kann somit die Trending Topics schnell lesen und den Rest seiner Feeds als gelesen markieren.

In Zukunft soll es einige Premium-Features geben, die nur über Bezahlung erreichbar sind - die Grundausstattung soll aber weiterhin frei erhältlich sein. iOS-Apps sind schon verfügbar, Android soll folgen. Insgesamt ist der Digg Reader für alle, die nur Grundfunktionen des Readers mit ein wenig Social-Media nutzen. Gut gefallen hat uns die einfache Sichtbarkeit der Trending Topics und das schlichte Design.

NewsBlur

NewsBlur ist ein weiterer großer Spieler im Kampf um Google Reader Veteranen. Für die einfache Nutzung (bis zu 64 Feeds, inkl. weiterer Einschränkungen) ist der Reader kostenlos, darüber hinaus zahlt man 24 US-Dollar pro Jahr. Dafür werden Features geboten, die kein anderer größerer Dienst bislang bieten kann: Es besteht die Möglichkeit den Reader auf seine Vorlieben zu trainieren, sodass nach einer gewissen Zeit die interessantesten Meldungen direkt angezeigt werden. Zudem kann man über die Story-View die Webseiten direkt ansurfen und nutzt den Reader quasi nur für die grobe Vorsortierung - sehr praktisch bei gekürzten Feeds. 

newsblur

Apps gibt es für iOS, Android, Windows Phone, Web, Meego, Mac, Windows 8 sowie einigen Browser-Erweiterungen hat man auch einen großen Fuhrpark an alternativen Zugangsmöglichkeiten bereitgestellt. Insgesamt ist NewsBlur eine runde Sache, wobei das Design etwas altbacken wird und die wenigsten wohl Geld für ihren Reader bezahlen wollen - wenngleich 24 US-Dollar nicht wirklich viel sind. NewsBlur kann ohne Anmeldung direkt mit einigen Testfeeds ausprobiert werden.

The Old Reader

The Old Reader ist gar nicht so alt - modernes Design und schnelle Benutzerführung zeichnen den kostenlosen Dienst aus, der quasi Google Reader 2.0 sein will. Auch hier kann man zwischen Listen- und Artikelansicht wechseln, es gibt auch hier eine Trending-Area und die Möglichkeit Pocket einzubinden. Es gibt eine API für The Old Reader, mobile Apps für alle Plattformen sind also nur eine Frage der Zeit. Eine iOS App gibt es schon, Android könnte durch die API schon recht bald folgen. Auch hier funktionieren die Standard-Keyboard-Shortcuts.

oldreader

Etwas schade: Die Seitenleiste nimmt viel Platz ein, verschieben kann man sie nicht. Sie passt sich lediglich der Fenstergröße an, somit nehmen die Artikel bei großen Fenster nur einen kleineren Teil des Fensters ein. Ebenso gibt es keinen Direktimport per OAUTH, nur der OPML-Import wird angeboten - der funktioniert dafür sehr gut. 

AOL Reader

engadgt aol

Der AOL-Reader (ja, AOL gibt es noch...) kommt mit einer API, nativen iOS und Android-Apps, einfachem OPML-Import sowie Direktimport aus Google Reader (per OAUTH), der Möglichkeit, Artikel mit einem Sternchen oder Tags zu versehen, vier Layouts (Liste, Dreigeteilt (Feeds, Liste der Artikel, Lesefläche), Karten, Artikel) und einem sehr schlichten, unspektakulären Design. Aktuell noch in der Beta-Phase, sollte etwas Geduld mitgebracht werden. Neuanmeldungen werden erst nach und nach zugelassen. So lange kann man sich das ausführliche Hands-on bei engadget.com ansehen. Einen Blick ist der AOL-Reader, der auch per mobiler Seite verfügbar ist, jedenfalls wert. Wer einen schlichten, schnellen Reader ohne viel "Drumrum" sucht, hat mit Digg und AOL zwei starke Spieler im Feld.

 

Weitere Alternativen

Name Preis Apps
EldonReader - Web, Chrome Web Store, Android 
Feedbin 2$/Mon Web, iPhone, iPad, Android, Windows 8, Windows RT, Mac
Pulse - Web, iPhone, iPad, Android
Newsvibe  Web
Tiny Tiny RSS  - Self-Hosting
Web, Android, iOS, Mobile Webseite
Fever 30$ Einmalzahlung
Web, Mobile Webseite, 3rd-Party Apps 
NetVibes 0 - 499$/Mon Web, iOS, Android
Windows Phone (3rd Party)
Feed Wrangler 19$/Jahr Web, Mobile Webseite
iOS, Android, Mac 
Curata Reader - Web, Mobile Webseite 
BazQux 9 - 29$/Mon.  Web, iPhone, iPad, Android

Yoleo Web (weitere Apps in Arbeit)

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