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Heinz Nixdorf MuseumsForum: Nicht nur was für Hardware-Nostalgiker

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Ganz im Zeichen von Marty McFly und Doc Brown hat sich auch Hardwareluxx auf eine Zeitreise in die Vergangenheit begeben. Allerdings beginnt unser Abenteuer weitaus früher als im Jahr 1955, wie es im Science-Fiction-Film "Zurück in die Zukunft" der Fall ist. Dafür werfen wir im Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) einen Blick auf die Geschichte der Entstehung und Entwicklung des Computers. Dabei begegnen wir Relikten aus vergangenen Zeiten, wie zum Beispiel die Rotor-Schlüsselmaschine Enigma, die im Zweiten Weltkrieg zur Verschlüsselung des Nachrichtenverkehrs der Wehrmacht eingesetzt wurde. Aber auch Steve Jobs und Steve Wozniaks Apple I begegnete uns auf unserer Entdeckungsreise in Paderborn. Im HNF lässt sich jedoch noch viel mehr entdecken. So erwartete uns neben geschichtsträchtigen Maschinen aus der Vergangenheit auch jede Menge Hardware und längst in Vergessenheit geratene Rechner.

Das Heinz Nixdorf MuseumsForum ist das größte Computermuseum der Welt. Auf insgesamt 6.000 m² Ausstellungsfläche werden 5.000 Jahre Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Informationstechnik gezeigt - von der Entstehung von Zahl und Schrift 3.000 v. Chr. bis in das Computerzeitalter des 21. Jahrhunderts. Im Heinz Nixdorf Museum werden die mehr als 2.000 ausgestellten Objekte in einem breit angelegten sozial- und wirtschaftshistorischen Kontext gezeigt, sodass die Ausstellung nicht nur für Hardware-Nostalgiker interessant ist, sondern auch PC-Enthusiasten in ihren Bann zieht. Zudem verfügt das Museum über ein Forum, welches die Ausstellung durch ein umfangreiches Veranstaltungsangebot, Vorträge, Workshops und Tagungen ergänzt. Das Heinz Nixdorf Museum und das Forum werden durch die von Heinz Nixdorf gegründete Stiftung Westfalen getragen. Diese fördert vorrangig Wissenschaft und Lehre, insbesondere auf dem Gebiet der Informationstechnik.

Das Museum bietet aktuell elf Dauerausstellungen, zu denen unter anderem der Ausstellungsbereich “Zahlen, Zeichen und Signale” gehört. Um eine fehlerfreie Verständigung zu gewährleisten, ist jedes System der menschlichen Nachrichtenübertragung mit Zeichen aufgebaut. Das früheste und bis heute wichtigste "symbolische System" des Menschen ist die eigene Sprache. Diese sorgt für eine gemeinsame Verständigung und ist für ein vorausschauendes Handeln verantwortlich. Bilder stellten dabei die frühen Vorformen der Schrift dar. Durch Höhlenbilder oder Felsmalereien war der Mensch in der Lage, seine Vorstellungen auszudrücken, bevor er überhaupt schreiben konnte. Noch älter als Schriftsysteme sind jedoch die Ziffernsysteme. Durch Steinchen, Tonkugeln oder Kerben in Holz, Knochen oder Ton wurde es möglich, Zahlenwerte im Abzählverfahren festzuhalten. 

Eine der wichtigsten Leistungen des Menschen war die Erfindung der Schrift. Jahrtausende lang waren Schrift und Zahlschrift das einzige Medium um Sprachen festzuhalten oder weiterzugeben. Naturnahe Bildzeichen waren hierbei der Ausgangspunkt für die ersten Schriftsysteme. Im Laufe ihres Gebrauchs wurden diese jedoch abstrakter und stilisierter. Die meisten Schriften wandelten sich zudem von ursprünglichen Wortschriften über Silben- zu Buchstabenschriften. Ungefähr ab dem Jahr 1450 wurde es aufgrund der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg möglich, das Vervielfältigen von Büchern in einem fast beliebigen Umfang durchzuführen. Jedoch brachte erst das 19. Jahrhundert mit der Stahlfeder, der mechanischen Papierherstellung, dem Maschinensatz und dem Rotationsdruck eine hohe Steigerung des Schriftgebrauchs im Alltag.

Diese Thematik findet sich auch im Ausstellungsbereich "Die Mechanisierung der Informationstechnik" des Heinz Nixdorf Museums wieder. Besagter Bereich widmet sich der Büro- und Nachrichtentechnik im 19. Jahrhundert. Seit den 1850er Jahren gab es bereits erste Ansätze zur Mechanisierung der Büroarbeit. Im Jahr 1880 hielten mechanische Maschinen zunehmend Einzug in die Büros. Diese übernahmen die zeitintensiven Tätigkeiten des Kopfrechnens und des handschriftlichen Schreibens. Gründe für den steigenden Umfang des Schriftverkehrs waren neben dem Bevölkerungswachstum, expandierenden Güterproduktionen oder der Ausdehnung zu weltweiten Handelsbeziehungen auch die Überwachungs- und Verwaltungsvorgänge in Fabriken und Büros. Ab 1900 steigerte sich der Umsatz bei den Büromaschinenherstellern um mehr als das Hundertfache. Das Zeitalter der Büromaschinen hatte somit begonnen. Die Mechanisierung der Büroarbeit begann in den Vereinigten Staaten von Amerika. In Deutschland hingegen setzte die Entwicklung erst ein Jahrzehnt später ein. Trotz des Vorsprungs der USA konnten sich deutsche Unternehmen sowohl in der Nachrichtentechnik als auch auf dem Büromaschinensektor einen weltweiten Erfolg sichern.

Aber auch der Ausstellungsbereich "Galerie der Pioniere" bietet interessante Einblicke. Hier werden in chronologischer Abfolge 15 Männer vorgestellt, die mit ihrem Engagement und Erfindungsreichtum die Informationstechnik von ihren Anfängen bis zum Computer beeinflusst haben. Es wird ein Bogen über vier Jahrhunderte gespannt. Von der ersten Rechenmaschinenerfindung im Jahre 1623 bis hin zur Entwicklung und Durchsetzung des Computers im 20. Jahrhundert. An dieser Stelle darf natürlich Alan Turing nicht fehlen. Der englische Mathematiker wurde 1912 in London geboren und wuchs zusammen mit seinem älteren Bruder in England bei Pflegefamilien auf. Seine Eltern lebten in Indien, wo der Vater in der Zivilverwaltung tätig war. Von 1931 bis 1934 studierte Alan Turing am King's College in Cambridge Mathematik und wurde dort 1935 zum "Fellow" gewählt. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er in der "Government Code and Cypher School" in Bletchley Park. Dort entwickelte er Verfahren zur Dechiffrierung der Rotor-Schlüsselmaschine, die im Zweiten Weltkrieg zur Verschlüsselung des Nachrichtenverkehrs der Wehrmacht genutzt wurde und den Namen "Enigma" trug. Nach dem Ende des Krieges wandte sich Turing allerdings der Computerentwicklung zu und entwarf am National Physical Laboratory in Teddington (1945/47) das Konzept der "Automatic Computing Engine" (ACE), dem damals schnellsten Rechner der Welt. 

Ebenfalls fehlt auch der Museums-Namensgeber Heinz Nixdorf in der "Galerie der Pioniere" nicht. Heinz Nixdorf gründete im Jahr 1952 ein Unternehmen, das unter seiner Leitung zum viertgrößten Computerkonzern Europas aufstieg. Mitte der 1960er Jahre hat Heinz Nixdorf Computer in einer Größenklasse geschaffen, die auch Klein- und Mittelbetrieben den Übergang von konventionellen Organisationsformen zur elektronischen Datenverarbeitung ermöglichte. Mit dieser Konzeption des arbeitsplatz- und anwenderorientierten Einsatzes von Computertechnologie stieg Heinz Nixdorf zum Wegbereiter der dezentralen Datenverarbeitung auf. Heinz Nixdorf wurde im Jahr 1925 in Paderborn geboren. Er wuchs in wirtschaftlich armen Verhältnissen auf. Durch die Arbeitslosigkeit und den frühen Tod seines Vaters musste sich die Familie finanziell einschränken. Diese Kindheitserfahrungen prägten nicht nur den Bildungs- und Berufsweg Nixdorfs, sondern auch sein späteres Unternehmertum. 

Die Dauerausstellung “Computer für alle 1980 bis 2000” beschäftigt sich hingegen mit dem Siegeszug einer Idee, an die zuvor nur ein paar Visionäre geglaubt hatten. Mit dem Intel-Mikroprozessor 4004 war im Jahr 1971 bereits alles vorhanden, was man für einen kleinen universellen Computer benötigte. Doch Vorschläge für PC-artige Produkte wurden in den frühen 70er-Jahren undankbar aufgenommen. Laut den damaligen Managern der Computerindustrie gäbe es hierfür schlichtweg keinen Markt. Wie sehr sie damit im Unrecht waren, wurde den Big-Playern der Branche Ende der 70er-Jahre demonstriert. So wurden in wenigen Jahren unzählige der bekannten "Garagenfirmen" gegründet, die sich zu einer milliardenschweren Industrie entwickeln sollten. Als IBM im Jahr 1981 letztendlich doch noch seinen ersten PC der Öffentlichkeit präsentiere, kritisierte man diesen zwar als zweite Wahl. Für die Kunden war dies allerdings nicht so relevant wie der Ruf des Giganten IBM. Aufgrund dessen wurde der IBM-PC zum Standard für Büroanwendungen. Der Apple Macintosh hingegen verkaufte sich erst, als mit dem computergestützten Layout eine Anwendung aufkam, für die der Mac wie kein anderer Computer geeignet war. Mit dem rasanten Fortschritt in der Halbleiterindustrie wurden immer mehr rechenaufwendigere Anwendungen möglich. Somit wurde der Apple Macintosh auch für Künstler interessant. Vor allem entstand jedoch ein gigantischer Markt für Unterhaltungsprodukte.

Auch Videospiele finden Platz im Heinz Nixdorf Museum. Mit der von Ralph Baer entwickelten Home-Spielekonsole "Odyssey" wurde der Grundstein für die Videospiele-Ära gelegt. Bei "Odyssey" handelt es sich um ein Ping-Pong ähnliches Spiel. Dieses wurde ab dem Jahr 1972 von der Firma Magnavox vertrieben. Insgesamt gelang es, weltweit 350.000 "Odyssey-Konsolen" zu verkaufen. Auch Nolan Bushnell griff die Idee des Ping-Pong-Spiels auf. Am 27. Juni des Jahres 1972 gründete er die Firma Atari und präsentierte bereits fünf Monate später den für Spielhallen entwickelten Videospiel-Automaten "Pong". Der Erfolg war so überwältigend, dass Atari “Pong” ab 1975 auch als Heimkonsole für den privaten Gebrauch vertrieb. Bis Anfang der 80er Jahre boomte der Videospielemarkt. Atari, Matell und Magnavox waren dabei die dominierenden Hersteller. Im Jahre 83/84 kam es jedoch zum großen Crash. Verantwortlich dafür waren leistungsfähige Homecomputer wie der Commodore-VC-20 und der Commodore-C64. Der japanische Hersteller Nintendo schaffte es jedoch im Jahr 1985 mit seinem Nintendo Entertainment System (NES) für ein Comeback der Videospielekonsolen auf den westlichen Märkten zu sorgen. Firmen wie Sega oder Sony machten es Nintendo nach und konnten so zu den neuen Stars der Videospielbranche werden.

Im Ausstellungsbereich "Global Digital" finden sich spezielle Rundvitrinen mit Prototypen und Innovationen aus der Mikroelektronik und Peripherie-Technik des letzten Jahrzehnts. Im Bereich "Mensch, Roboter!" sind Museumsbesucher seit Oktober 2018 in der Lage, auf 500 m² Roboter wie Beppo, Pepper, Aibo oder Cozmo und aktuelle Anwendungen der Künstlichen Intelligenz zu bestaunen. Hier erhalten Besucher nicht nur einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen, sondern können auch selbst Hand anlegen. Besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist der Industrieroboter Beppo.

Beppo verfolgt das Ziel im Verlauf eines Tages alle vier Millionen roten Kunststoffpartikel, in denen er steht, zu bewegen. Dabei fegt Beppo in einem Zyklus von circa 30 Minuten. Unterbrochen wird er dabei von einem Lichtkegel, dessen Bewegung die Museumsbesucher beeinflussen können. Zudem reagiert Beppo auf die Besucher, entwickelt menschliche Züge, wird wütend und beruhigt sich wieder. 

Natürlich gibt es im Heinz Nixdorf MuseumsForum in der Fürstenallee 7 in Paderborn noch viel mehr zu entdecken. Wer sich für einen Besuch entscheiden sollte, hat die Möglichkeit dies Dienstags bis Freitags von 09:00 bis 18:00 Uhr oder Samstags und Sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr in die Tat umzusetzen. Montags hat das Museum geschlossen. Zudem gibt es immer wieder Sonderveranstaltungen oder Sonderausstellungen, die nur für eine bestimmte Zeit im Museum ausgestellt werden. Aktuell dreht sich bei den Sonderausstellungen alles um das Thema Raumfahrt. Die Eintrittspreise belaufen sich für einen Erwachsen auf 8,- Euro, Kinder und Jugendliche (6 bis 18 Jahre), Schüler, Studenten, Auszubildende, Senioren ab 60 Jahren, Arbeitslose oder Menschen mit Behinderungen zahlen hingegen nur 5,- Euro Eintritt. Eine Familienkarte gibt es bereits für 16,- Euro.