RunWithOne
Neuling
Thread Starter
- Mitglied seit
- 29.10.2026
- Beiträge
- 1
Der AFUL Miracle One wurde mir freundlicherweise von HiFiGo mit der Bitte um ein ehrliches Review zur Verfügung gestellt.
Unboxing und Lieferumfang
Der In-Ear-Monitor kommt in einer schwarzen Verpackung, die auf den ersten Blick hochwertig und unaufgeregt wirkt. Im Inneren überzeugt vor allem die schöne Textur, die dem Karton eine angenehme Haptik verleiht. Etwas kritisch anzumerken ist allerdings der relativ großzügige Einsatz von Schaumstoff: Für den Schutz des Inhalts ist er sicher sinnvoll, doch im Sinne der Nachhaltigkeit könnte hier durchaus optimiert werden, etwa durch weniger Material oder eine recycelbare Alternative.
Im Inneren der Box findet sich ein rundes, hochwertig verarbeitetes Hardcase. Es wirkt stabil, ist angenehm kompakt und schützt den In-Ear-Monitor zuverlässig vor Druck, Kratzern und den typischen Transportrisiken im Rucksack oder der Jackentasche. Für den täglichen Gebrauch ist das eine sehr gelungene Lösung.
Zum Lieferumfang gehören außerdem drei verschiedene Eartips in den Größen S, M und L. Die Auswahl ist grundsätzlich in Ordnung, wobei die Größe L aus meiner Sicht etwas klein ausfällt. Gerade bei größeren Gehörgängen könnte eine zusätzliche XL-Größe den Passkomfort und damit auch die Abdichtung deutlich verbessern. Da die Passform beim IEM bekanntlich einen erheblichen Einfluss auf Bass, Bühne und Gesamtklang hat, wäre das ein sinnvolles Extra.
Das Inlay ist ansprechend gestaltet und erklärt die Besonderheiten des Designs, insbesondere die Resonanzkammern sowie die Anordnung der Treiber. Es dokumentiert für den User das durchdachte akustisches Konzept des IEM. Die einzige größere Optimierungsmöglichkeit betrifft aus meiner Sicht die Verpack Das gibt dem Produkt nicht nur einen technischen Kontext, sondern zeigt auch, dass sich der Hersteller Gedanken über die akustische Konstruktion gemacht hat.
Das beiliegende Kabel ist silberfarben, geflochten und mit einem 4,4-mm-Anschluss ausgestattet. Es wirkt hochwertig, liegt angenehm in der Hand und passt optisch gut zum Gesamtauftritt des In-Ear-Monitors. Damit ist die Grundausstattung komplett und auf einem Niveau, das über dem vieler Mitbewerber liegt.
Haptik, Verarbeitung und Sitz
Die Gehäuse des Miracle One sind vollständig transparent und bieten damit einen uneingeschränkten Blick auf das Innenleben. Man erkennt nicht nur die einzelnen Komponenten, sondern auch, welche gestalterischen und akustischen Ideen die Entwickler in den In-Ear-Monitor eingebracht haben.
Besonders auffällig sind das Resonanzvolumen, die spiralförmig geformte Schallführung sowie der Dynamiktreiber. Auch die kleine Leiterplatte mit der Elektronik inklusive der entsprechenden Anschlüsse ist gut sichtbar. Diese Transparenz verleiht dem Miracle One einen hochwertigen, fast technisch-instrumentenhaften Charakter und macht die Konstruktion zu einem echten Blickfang.
Die Gehäuse passen sich meiner Ohrform sehr gut an und sind sehr kompakt. Aus der Erinnerung heraus wirken sie etwas größer als die Gehäuse der Sennheiser-iE-Serie und etwa so groß wie die des Beyerdynamic Xelento, um zwei weitere Single-Dynamic-Driver-IEMs als Vergleich heranzuziehen. Modelle wie der 3DD Penon Serial besitzen größere Gehäuse.
An der Schallaustrittsseite finden sich große Metallnozzles. Das gefällt mir grundsätzlich sehr gut, da die Eartips dadurch einen klar definierten Sitz erhalten. Die mitgelieferten Eartips sind für meine Gehörgänge allerdings etwas zu klein, sodass ich mit ihnen keine vollständig dichte Abdichtung erreichen konnte. Dazu später mehr im Abschnitt Eartipps.
Das mitgelieferte Kabel besitzt im Bereich der Ohren eine vorgeformte, verstärkte Führung. Es ist sehr geschmeidig, liegt angenehm am Ohr an und zeigt erfreulicherweise keinerlei Mikrofonie. Ergänzend sei erwähnt, dass der Miracle One über eine Entlüftung verfügt, die als „Foil“ bezeichnet wird.
Klang
Kommen wir zum wichtigsten Teil eines Reviews: Wie klingt ein IEM, der nur von einem einzigen dynamisches Schallwandler angetrieben wird? Kann er mit den heute üblichen Tribird oder Multi BA IEM gleichziehen oder diese gar übertrumpfen?
Beginnen wir die musikalische Reise im Frequenzkeller. DD sind dafür bekannt, nicht ganz so knackige Bässe zu liefern wie BA. In diesem Fall haben wir es jedoch mit einem Treiber zu tun, der einen erstaunlich tiefen Bass mit einer hervorragenden natürlichen Klangfarbe verbindet.
Der Treiber spielt sehr kontrolliert, was uns einen schnellen und trotzdem äußerst elastisch Bass ins Ohr spielt. Der Tiefbass ist hervorragend, aber nicht überbordend. Auch der Mittelbass wird nicht zu stark betont – was wesentlich zur natürlichen Wiedergabe beiträgt. Trotz besitzt der Miracle One einen spürbaren Punch, grollt allerdings nicht sehr stark. Die Abstimmung des Miracle One vermeidet zudem ein Einbluten des Oberbasses in die Mitten und verfälscht den Klang dadurch nicht.
In den so wichtigen Mitten ist der IEM meiner Meinung nach hervorragend abgestimmt. Die Mitten präsentieren sich ausreichend körperlich, ohne dabei zu übertreiben oder die Musik aufzudicken. Dies zeigt sich sowohl in der Darbietung elektrischer Gitarren als auch bei moderner Popmusik. Die Mitten sind weder blutleer noch scharf, sondern fügen sich harmonisch in das Gesamtklangbild ein. Ich kann es hier schon vorwegnehmen: Die Abstimmung des Miracle One ist insgesamt hervorragend ausgeglichen und damit äußerst gelungen.
Auch ok Präsenzbereich und im High End gibt sich der neue IEM von Aful keine Blöße und sein musikalischen Weg weiter fort. Auch hier finden wir keine scharfen Kanten, die uns den Musikgenuss bei langen Hörsessions verderben könnten. Im Gegenteil: Sowohl die Stimmwiedergabe, Stimme sind leicht vor der Musik positioniert, als auch die Höhen präsentieren sich harmonisch. Trotzdem verfügt der IEM aufgrund seiner Konstruktion über eine hervorragende Trennung und eine sehr gute holographische Bühne. Dies ist breiter als tief, separiert die Instrumente trotzdem hervorragend.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, daß Miracle One ein hervorragender Single Dynamiker ist. Er spielt erstaunlich ausgewogen, sauber und erwachsen. Dabei ist ihm die Quelle ziemlich egal. Sowohl an meinem A&K SP2000T wie auch an der Violectric Combo liefert er erstklassig ab. Auch an meinem Einstiegsplayer HiFi Walker H20pro ist seine musikalische Darbeitung ohne Makel. Seine Abstimmung ist neutral-warm. Trotzdem ist er kein Bassmonster, begeistert aber mit einem knackigen Bass. Im weiteren Verkauf folgen auf körperliche Mitten musikalisch detaillierte Höhen. Es macht einfach Spaß das eine oder andere Detail zu hören, daß einem bis dato verborgen geblieben ist.
Tipps
Leider konnte ich mit den mitgelieferten Tipps, wie bereits erwähnt, keine vollständige Abdichtung der Gehörgänge erreichen. Dies liegt hier an der Inkompatibilität meiner Ohrmuscheln mit größeren Schallaustrittdurchmessern. Trotzdem mag ich diese definierten Metalleinsätze, bieten die doch einen festen Sitz für die die Eartipps.
Wie vermutlich jeder Enthusiast besitze ich jedoch eine umfangreiche Sammlung an alternativen Tipps, sodass ich den Miracle One dennoch ausgiebig mit verschiedenen Kombinationen testen konnte.
Grundsätzlich klingt der Miracle One mit allen getesteten Tipps sehr gut, wobei es natürlich subtile Unterschiede gibt. Und natürlich kennen wir alle die üblichen Tricks: Wide Bore Tipps, unterschiedliche Formen und Materialstärken. Dabei zeigt sich ein bekanntes Bild: Bei schmalen Bohrungen und tonnenförmigen Tipps, die gut im Ohr anliegen, klingt der IEM etwas voller und voluminöser. Ein Beispiel sind die Moondrop Spring oder SpinFit CP100 Tipps. Aber auch mit den brandneuen Dunu S&S Pro geht die Wiederhabe in diese Richtung. Mit einer weiteren Bohrung oder feineren Tipps bis hin zu den ursprünglichen Dunu Sound & Stage oder Lizer Lab Jiju Jet 3 entsteht dagegen ein nochmals saubererer Klang mit einer noch besser getrennten Instrumenten und einer räumlicheren Bühne. Auch wenn der Sound mit letzteren Tipps nochmals etwas analytischer wird, klingt der IEM niemals anstrengend, wofür ich ihn wirklich sehr schätze.
Mit den neuen Dunu Sound & Pro spielt der Bass des Miracle One und natürlich auch jedes anderen IEM in Qualität und Quantität verbessert. Auch wenn Mitten und Höhen nicht beeinträchtigt steht werden, wird der Klang eine Spur wärmer. Erfreulicherweise bietet die verbesserte Variante bessern halt und Sitz im Ohr. Die Textur der S&S Pro ist jetzt matt. Besaß der ursprüngliche S&S noch eine einfache zylindrische Form, so verfügt die PRO Version über eingearbeitete Verstärkungsrippen zwischen den Kanälen und sechs unabhängige, blütenblattförmige Schallführungskanäle. Laut Hersteller wird damit die Hochtonenergie bewahrt und der Ohrendruck minimiert. Der Eartipp wird auch in Zwischengrößen angeboten.
Equalizer
In fast allen meinen In-Ear-Reviews habe ich mich zu möglichen Klangoptimierungen beziehungsweise Anpassungen über einen (parametrischen) Equalizer geäußert. An dieser Stelle kann ich das Thema jedoch bereits abhaken: Den Miracle One habe ich ohne jegliche EQ-Anpassung gehört – und genau so hat er mich auch überzeugt.
Vergleiche
Aktuell habe ich keine Single-Dynamiker in meinem Portfolio. Aus der Erinnerung heraus kann ich den Miracle One jedoch noch gut mit dem Sennheiser IE 600/800 und den Xelento Modellen vergleichen. Allerdings ist dieser Vergleich verständlicherweise nicht sehr detailliert. Beide Sennheiser spielten ebenfalls einen hervorragenden Bass, vernachlässigten dabei jedoch die so wichtigen Mitten zu stark, um dann in den Höhen umso heftiger zurückzukommen. Hier wollte sich, auch für eine kurze Hörsession, kein wirklicher Musikgenuss einstellen.
Ähnlich gestaltete sich das Hören beim Beyerdynamic Xelento 1 und 2. Beide Varianten performten im Bass bis hinein in die Mitten sehr hervorragend. Leider zeigt der Frequenzverlauf zwei starke Peaks im Höhenbereich, welche die Langzeittauglichkeit dieser Hörer deutlich beeinträchtigen.
Vergleiche mit meinen kleinen Single-Dynamikern verbieten sich hier fast von selbst. Der Final Audio E3000 besitzt beispielsweise einen zu starken Oberbass und schafft es keineswegs Dynamik und Trennung sowie die Spielfreude des Miracle One abzubilden.
Der Penon Serial ist ein immer noch beliebter 3D IEM, der mich bei seinem Erscheinen ebenfalls stark beeindruckt hat. Ich habe ihm gerne eine gewissen Magie unterstellt, so wie an einem Kaminabend: prasselndes Feuer und eine wärmende Decke über den Beinen. Eine leichte Überbetonung bei 4-5 kHz fällt angesichts der angesprochenen Wärme kaum in Gewicht. Zumal es darauf folgend um 6 kHz eine ausgeprägter Senke im Frequenzverlauf folgt. In den Höhen spielt er ebenfalls abgerundet.Mit anderen Worten: Der Miracle One übernimmt jetzt das Attribut magischer IEM. ER bietet trotz seiner angenehm spürbaren, leichten Wärme deutlich stärke Mitten und beeindruckt mit deutlich verbesserter Detailauflösung und eine größeren Bühne.
Ist ein Vergleich mit den Thieaudio V16 Divinity fair? Das darf jeder Leser gern für sich entscheiden. Da der V16 mein aktueller Referenzhörer ist, habe ich einen Vergleich hinzugefügt. Betrachten wir hier nicht nur die Technik, 16 BA gegen 1 DD, sondern tauchen in zwei unterschiedlicher Tonalitäts- und Technikphilosophien ein. Der Thieaudio V16 Divinity setzt auf 16 BA-Treiber pro Seite und eine sehr aufgelöste, kraftvolle Abstimmung, während der AFUL Miracle One mit einem einzigen Dynamiker primär durch Kohärenz, Timbre und organische Wiedergabe punktet.
Der V16 hat hier klar die Oberhand, wenn es um Subbassgewicht, Druck und körperhafte Präsenz geht. Seine BA-Bässe sind ungewöhnlich kraftvoll, texturiert und kontrolliert. Aber man hört immer das hier kein Dynamiker spielt, der Bass klingt immer etwas kühler und reservierter.
Der Miracle One spielt dagegen natürlicher im Bass: weniger ultimative Tiefbassmasse, dafür oft eine schönere Einschwung- und Ausklingcharakteristik. Genau das verbirgt sich für mich hinter der Formulierung „organischer im Bass. Der Bass ist am Ende elastischer, was der natürlichen Abbildung eines Schlagzeugs extrem nahem kommt.
Hier würde ich dem Miracle One ebenfalls, ganz knapp, den Gesamtsieg geben — zumindest für stimm- und instrumentenorientiertes Hören. Ein Single-DD kann Mitten oft weniger „zerlegt“ und weniger typisch BA-artig wiedergeben. Hier zeigt sich dann die Magie des Miracle One, insbesondere bei Vocals, Akustikgitarre, Klavier und Bläsern.
Der V16 ist aber kein kalter spielender Analytiker. Er bietet ebenfalls viel Substanz und vor allem mehr Trennschärfe, jedoch auf seine (BA) Art. Er wirkt durch seine hohe Präzision und den stärkeren Oberbass etwas insgesamt analytischer.
Der V16 ist der klarere, detailfreudigere und technisch lauter spielende Hörer. Er zeichnet Attack, Obertöne, Luft und Feinauflösung deutlicher heraus. Da macht der seiner Bezeichnung Divinity wirklich alle Ehre. Ist er doch eine 1,5k$ BA Flaggschiff IEM. Der Miracle One spielt für einen Single-DD erstaunlich gut in den Höhen. Ich mag es, das er weniger poliert spielt. Sein Sound besitzt weniger Kante und ein paar Mikrodetails weniger weniger. Dafür kennt sein Darbietung keinerlei Härte oder Sibilanz.
Der ISN Audio EST80 besitzt vergleichsweise größere Gehäuse. Seine Schallauslässe stehen etwas weiter nach vorn. Dadurch fällt das Einführen insgesamt ein wenig leichter. Technisch ist der EST80 ein Tri-Brid mit DD-, BA- und EST-Treibern. Der Dynamiker spielt auch hier einen hervorragenden Bass: trocken, kontrolliert und präzise. Gegenüber dem Miracle One verfügt der EST80 jedoch über mehr Oberbass, wodurch er im Low End wärmer klingt.
Mitten und Höhen präsentieren sich straffer, dabei aber auch etwas härter und kantiger. Der EST80 erreicht dadurch zwar eine spürbar sauberere und teils noch besser getrennte Darstellung, verliert gegenüber dem Magical One jedoch ab 1kHz ein wenig von dessen besonderer Magie und organischen Wärme.
Grundsätzlich spielt der ISN mit einem sehr sauberen Hintergrund und einer guten Trennung, insbesondere wenn Dunu S&S Tipps verwendet werden. Der AFUL Miracle One wirkt in diesem direkten Vergleich – insbesondere in Kombination mit den S&S (PRO) Tipps – einfach geschmeidiger, runder und insgesamt musikalischer ohne dabei in Trennung und Bühne hinter dem ISN zurückzustehen.
Fazit
Würde ich mir den AFUL Miracle One selbst kaufen. Die Antwort lautet ganz klar: Ja. Zu diesem unschlagbaren Preis sowieso. Selten hat mich ein IEM vom ersten Takt an so überzeugt. Subtile Änderungen kann man mit dem Rollen der Eartipp erreichen. Ich liebe dabei beide Spielarten hinsichtlich der verwendeten Tipps. Die Dunu S&S oder Lizer Tipps liefern einen klaren Sound, während SpinFit, S&S PRO oder Moondrop Eartipps mitreißendere Klänge erzeugen. Der Magic One ist ein hervorragendes Beispiel dafür, daß es ein einziger dynamischer Treiber mit Multi BA und Tri-Birds gleichziehen kann. Letztendlich kann ich diesen IEM uneingeschränkt empfehlen. Selten hat mich ein IEM sowohl mit seiner Fähigkeit, mich mitzureißen, als auch mit seiner ausgewogenen Abstimmung und Langzeittauglichkeit derartig überzeugt.
Unboxing und Lieferumfang
Der In-Ear-Monitor kommt in einer schwarzen Verpackung, die auf den ersten Blick hochwertig und unaufgeregt wirkt. Im Inneren überzeugt vor allem die schöne Textur, die dem Karton eine angenehme Haptik verleiht. Etwas kritisch anzumerken ist allerdings der relativ großzügige Einsatz von Schaumstoff: Für den Schutz des Inhalts ist er sicher sinnvoll, doch im Sinne der Nachhaltigkeit könnte hier durchaus optimiert werden, etwa durch weniger Material oder eine recycelbare Alternative.
Im Inneren der Box findet sich ein rundes, hochwertig verarbeitetes Hardcase. Es wirkt stabil, ist angenehm kompakt und schützt den In-Ear-Monitor zuverlässig vor Druck, Kratzern und den typischen Transportrisiken im Rucksack oder der Jackentasche. Für den täglichen Gebrauch ist das eine sehr gelungene Lösung.
Zum Lieferumfang gehören außerdem drei verschiedene Eartips in den Größen S, M und L. Die Auswahl ist grundsätzlich in Ordnung, wobei die Größe L aus meiner Sicht etwas klein ausfällt. Gerade bei größeren Gehörgängen könnte eine zusätzliche XL-Größe den Passkomfort und damit auch die Abdichtung deutlich verbessern. Da die Passform beim IEM bekanntlich einen erheblichen Einfluss auf Bass, Bühne und Gesamtklang hat, wäre das ein sinnvolles Extra.
Das Inlay ist ansprechend gestaltet und erklärt die Besonderheiten des Designs, insbesondere die Resonanzkammern sowie die Anordnung der Treiber. Es dokumentiert für den User das durchdachte akustisches Konzept des IEM. Die einzige größere Optimierungsmöglichkeit betrifft aus meiner Sicht die Verpack Das gibt dem Produkt nicht nur einen technischen Kontext, sondern zeigt auch, dass sich der Hersteller Gedanken über die akustische Konstruktion gemacht hat.
Das beiliegende Kabel ist silberfarben, geflochten und mit einem 4,4-mm-Anschluss ausgestattet. Es wirkt hochwertig, liegt angenehm in der Hand und passt optisch gut zum Gesamtauftritt des In-Ear-Monitors. Damit ist die Grundausstattung komplett und auf einem Niveau, das über dem vieler Mitbewerber liegt.
Haptik, Verarbeitung und Sitz
Die Gehäuse des Miracle One sind vollständig transparent und bieten damit einen uneingeschränkten Blick auf das Innenleben. Man erkennt nicht nur die einzelnen Komponenten, sondern auch, welche gestalterischen und akustischen Ideen die Entwickler in den In-Ear-Monitor eingebracht haben.
Besonders auffällig sind das Resonanzvolumen, die spiralförmig geformte Schallführung sowie der Dynamiktreiber. Auch die kleine Leiterplatte mit der Elektronik inklusive der entsprechenden Anschlüsse ist gut sichtbar. Diese Transparenz verleiht dem Miracle One einen hochwertigen, fast technisch-instrumentenhaften Charakter und macht die Konstruktion zu einem echten Blickfang.
Die Gehäuse passen sich meiner Ohrform sehr gut an und sind sehr kompakt. Aus der Erinnerung heraus wirken sie etwas größer als die Gehäuse der Sennheiser-iE-Serie und etwa so groß wie die des Beyerdynamic Xelento, um zwei weitere Single-Dynamic-Driver-IEMs als Vergleich heranzuziehen. Modelle wie der 3DD Penon Serial besitzen größere Gehäuse.
An der Schallaustrittsseite finden sich große Metallnozzles. Das gefällt mir grundsätzlich sehr gut, da die Eartips dadurch einen klar definierten Sitz erhalten. Die mitgelieferten Eartips sind für meine Gehörgänge allerdings etwas zu klein, sodass ich mit ihnen keine vollständig dichte Abdichtung erreichen konnte. Dazu später mehr im Abschnitt Eartipps.
Das mitgelieferte Kabel besitzt im Bereich der Ohren eine vorgeformte, verstärkte Führung. Es ist sehr geschmeidig, liegt angenehm am Ohr an und zeigt erfreulicherweise keinerlei Mikrofonie. Ergänzend sei erwähnt, dass der Miracle One über eine Entlüftung verfügt, die als „Foil“ bezeichnet wird.
Klang
Kommen wir zum wichtigsten Teil eines Reviews: Wie klingt ein IEM, der nur von einem einzigen dynamisches Schallwandler angetrieben wird? Kann er mit den heute üblichen Tribird oder Multi BA IEM gleichziehen oder diese gar übertrumpfen?
Beginnen wir die musikalische Reise im Frequenzkeller. DD sind dafür bekannt, nicht ganz so knackige Bässe zu liefern wie BA. In diesem Fall haben wir es jedoch mit einem Treiber zu tun, der einen erstaunlich tiefen Bass mit einer hervorragenden natürlichen Klangfarbe verbindet.
Der Treiber spielt sehr kontrolliert, was uns einen schnellen und trotzdem äußerst elastisch Bass ins Ohr spielt. Der Tiefbass ist hervorragend, aber nicht überbordend. Auch der Mittelbass wird nicht zu stark betont – was wesentlich zur natürlichen Wiedergabe beiträgt. Trotz besitzt der Miracle One einen spürbaren Punch, grollt allerdings nicht sehr stark. Die Abstimmung des Miracle One vermeidet zudem ein Einbluten des Oberbasses in die Mitten und verfälscht den Klang dadurch nicht.
In den so wichtigen Mitten ist der IEM meiner Meinung nach hervorragend abgestimmt. Die Mitten präsentieren sich ausreichend körperlich, ohne dabei zu übertreiben oder die Musik aufzudicken. Dies zeigt sich sowohl in der Darbietung elektrischer Gitarren als auch bei moderner Popmusik. Die Mitten sind weder blutleer noch scharf, sondern fügen sich harmonisch in das Gesamtklangbild ein. Ich kann es hier schon vorwegnehmen: Die Abstimmung des Miracle One ist insgesamt hervorragend ausgeglichen und damit äußerst gelungen.
Auch ok Präsenzbereich und im High End gibt sich der neue IEM von Aful keine Blöße und sein musikalischen Weg weiter fort. Auch hier finden wir keine scharfen Kanten, die uns den Musikgenuss bei langen Hörsessions verderben könnten. Im Gegenteil: Sowohl die Stimmwiedergabe, Stimme sind leicht vor der Musik positioniert, als auch die Höhen präsentieren sich harmonisch. Trotzdem verfügt der IEM aufgrund seiner Konstruktion über eine hervorragende Trennung und eine sehr gute holographische Bühne. Dies ist breiter als tief, separiert die Instrumente trotzdem hervorragend.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, daß Miracle One ein hervorragender Single Dynamiker ist. Er spielt erstaunlich ausgewogen, sauber und erwachsen. Dabei ist ihm die Quelle ziemlich egal. Sowohl an meinem A&K SP2000T wie auch an der Violectric Combo liefert er erstklassig ab. Auch an meinem Einstiegsplayer HiFi Walker H20pro ist seine musikalische Darbeitung ohne Makel. Seine Abstimmung ist neutral-warm. Trotzdem ist er kein Bassmonster, begeistert aber mit einem knackigen Bass. Im weiteren Verkauf folgen auf körperliche Mitten musikalisch detaillierte Höhen. Es macht einfach Spaß das eine oder andere Detail zu hören, daß einem bis dato verborgen geblieben ist.
Tipps
Leider konnte ich mit den mitgelieferten Tipps, wie bereits erwähnt, keine vollständige Abdichtung der Gehörgänge erreichen. Dies liegt hier an der Inkompatibilität meiner Ohrmuscheln mit größeren Schallaustrittdurchmessern. Trotzdem mag ich diese definierten Metalleinsätze, bieten die doch einen festen Sitz für die die Eartipps.
Wie vermutlich jeder Enthusiast besitze ich jedoch eine umfangreiche Sammlung an alternativen Tipps, sodass ich den Miracle One dennoch ausgiebig mit verschiedenen Kombinationen testen konnte.
Grundsätzlich klingt der Miracle One mit allen getesteten Tipps sehr gut, wobei es natürlich subtile Unterschiede gibt. Und natürlich kennen wir alle die üblichen Tricks: Wide Bore Tipps, unterschiedliche Formen und Materialstärken. Dabei zeigt sich ein bekanntes Bild: Bei schmalen Bohrungen und tonnenförmigen Tipps, die gut im Ohr anliegen, klingt der IEM etwas voller und voluminöser. Ein Beispiel sind die Moondrop Spring oder SpinFit CP100 Tipps. Aber auch mit den brandneuen Dunu S&S Pro geht die Wiederhabe in diese Richtung. Mit einer weiteren Bohrung oder feineren Tipps bis hin zu den ursprünglichen Dunu Sound & Stage oder Lizer Lab Jiju Jet 3 entsteht dagegen ein nochmals saubererer Klang mit einer noch besser getrennten Instrumenten und einer räumlicheren Bühne. Auch wenn der Sound mit letzteren Tipps nochmals etwas analytischer wird, klingt der IEM niemals anstrengend, wofür ich ihn wirklich sehr schätze.
Mit den neuen Dunu Sound & Pro spielt der Bass des Miracle One und natürlich auch jedes anderen IEM in Qualität und Quantität verbessert. Auch wenn Mitten und Höhen nicht beeinträchtigt steht werden, wird der Klang eine Spur wärmer. Erfreulicherweise bietet die verbesserte Variante bessern halt und Sitz im Ohr. Die Textur der S&S Pro ist jetzt matt. Besaß der ursprüngliche S&S noch eine einfache zylindrische Form, so verfügt die PRO Version über eingearbeitete Verstärkungsrippen zwischen den Kanälen und sechs unabhängige, blütenblattförmige Schallführungskanäle. Laut Hersteller wird damit die Hochtonenergie bewahrt und der Ohrendruck minimiert. Der Eartipp wird auch in Zwischengrößen angeboten.
Equalizer
In fast allen meinen In-Ear-Reviews habe ich mich zu möglichen Klangoptimierungen beziehungsweise Anpassungen über einen (parametrischen) Equalizer geäußert. An dieser Stelle kann ich das Thema jedoch bereits abhaken: Den Miracle One habe ich ohne jegliche EQ-Anpassung gehört – und genau so hat er mich auch überzeugt.
Vergleiche
Aktuell habe ich keine Single-Dynamiker in meinem Portfolio. Aus der Erinnerung heraus kann ich den Miracle One jedoch noch gut mit dem Sennheiser IE 600/800 und den Xelento Modellen vergleichen. Allerdings ist dieser Vergleich verständlicherweise nicht sehr detailliert. Beide Sennheiser spielten ebenfalls einen hervorragenden Bass, vernachlässigten dabei jedoch die so wichtigen Mitten zu stark, um dann in den Höhen umso heftiger zurückzukommen. Hier wollte sich, auch für eine kurze Hörsession, kein wirklicher Musikgenuss einstellen.
Ähnlich gestaltete sich das Hören beim Beyerdynamic Xelento 1 und 2. Beide Varianten performten im Bass bis hinein in die Mitten sehr hervorragend. Leider zeigt der Frequenzverlauf zwei starke Peaks im Höhenbereich, welche die Langzeittauglichkeit dieser Hörer deutlich beeinträchtigen.
Vergleiche mit meinen kleinen Single-Dynamikern verbieten sich hier fast von selbst. Der Final Audio E3000 besitzt beispielsweise einen zu starken Oberbass und schafft es keineswegs Dynamik und Trennung sowie die Spielfreude des Miracle One abzubilden.
Der Penon Serial ist ein immer noch beliebter 3D IEM, der mich bei seinem Erscheinen ebenfalls stark beeindruckt hat. Ich habe ihm gerne eine gewissen Magie unterstellt, so wie an einem Kaminabend: prasselndes Feuer und eine wärmende Decke über den Beinen. Eine leichte Überbetonung bei 4-5 kHz fällt angesichts der angesprochenen Wärme kaum in Gewicht. Zumal es darauf folgend um 6 kHz eine ausgeprägter Senke im Frequenzverlauf folgt. In den Höhen spielt er ebenfalls abgerundet.Mit anderen Worten: Der Miracle One übernimmt jetzt das Attribut magischer IEM. ER bietet trotz seiner angenehm spürbaren, leichten Wärme deutlich stärke Mitten und beeindruckt mit deutlich verbesserter Detailauflösung und eine größeren Bühne.
Ist ein Vergleich mit den Thieaudio V16 Divinity fair? Das darf jeder Leser gern für sich entscheiden. Da der V16 mein aktueller Referenzhörer ist, habe ich einen Vergleich hinzugefügt. Betrachten wir hier nicht nur die Technik, 16 BA gegen 1 DD, sondern tauchen in zwei unterschiedlicher Tonalitäts- und Technikphilosophien ein. Der Thieaudio V16 Divinity setzt auf 16 BA-Treiber pro Seite und eine sehr aufgelöste, kraftvolle Abstimmung, während der AFUL Miracle One mit einem einzigen Dynamiker primär durch Kohärenz, Timbre und organische Wiedergabe punktet.
Der V16 hat hier klar die Oberhand, wenn es um Subbassgewicht, Druck und körperhafte Präsenz geht. Seine BA-Bässe sind ungewöhnlich kraftvoll, texturiert und kontrolliert. Aber man hört immer das hier kein Dynamiker spielt, der Bass klingt immer etwas kühler und reservierter.
Der Miracle One spielt dagegen natürlicher im Bass: weniger ultimative Tiefbassmasse, dafür oft eine schönere Einschwung- und Ausklingcharakteristik. Genau das verbirgt sich für mich hinter der Formulierung „organischer im Bass. Der Bass ist am Ende elastischer, was der natürlichen Abbildung eines Schlagzeugs extrem nahem kommt.
Hier würde ich dem Miracle One ebenfalls, ganz knapp, den Gesamtsieg geben — zumindest für stimm- und instrumentenorientiertes Hören. Ein Single-DD kann Mitten oft weniger „zerlegt“ und weniger typisch BA-artig wiedergeben. Hier zeigt sich dann die Magie des Miracle One, insbesondere bei Vocals, Akustikgitarre, Klavier und Bläsern.
Der V16 ist aber kein kalter spielender Analytiker. Er bietet ebenfalls viel Substanz und vor allem mehr Trennschärfe, jedoch auf seine (BA) Art. Er wirkt durch seine hohe Präzision und den stärkeren Oberbass etwas insgesamt analytischer.
Der V16 ist der klarere, detailfreudigere und technisch lauter spielende Hörer. Er zeichnet Attack, Obertöne, Luft und Feinauflösung deutlicher heraus. Da macht der seiner Bezeichnung Divinity wirklich alle Ehre. Ist er doch eine 1,5k$ BA Flaggschiff IEM. Der Miracle One spielt für einen Single-DD erstaunlich gut in den Höhen. Ich mag es, das er weniger poliert spielt. Sein Sound besitzt weniger Kante und ein paar Mikrodetails weniger weniger. Dafür kennt sein Darbietung keinerlei Härte oder Sibilanz.
Der ISN Audio EST80 besitzt vergleichsweise größere Gehäuse. Seine Schallauslässe stehen etwas weiter nach vorn. Dadurch fällt das Einführen insgesamt ein wenig leichter. Technisch ist der EST80 ein Tri-Brid mit DD-, BA- und EST-Treibern. Der Dynamiker spielt auch hier einen hervorragenden Bass: trocken, kontrolliert und präzise. Gegenüber dem Miracle One verfügt der EST80 jedoch über mehr Oberbass, wodurch er im Low End wärmer klingt.
Mitten und Höhen präsentieren sich straffer, dabei aber auch etwas härter und kantiger. Der EST80 erreicht dadurch zwar eine spürbar sauberere und teils noch besser getrennte Darstellung, verliert gegenüber dem Magical One jedoch ab 1kHz ein wenig von dessen besonderer Magie und organischen Wärme.
Grundsätzlich spielt der ISN mit einem sehr sauberen Hintergrund und einer guten Trennung, insbesondere wenn Dunu S&S Tipps verwendet werden. Der AFUL Miracle One wirkt in diesem direkten Vergleich – insbesondere in Kombination mit den S&S (PRO) Tipps – einfach geschmeidiger, runder und insgesamt musikalischer ohne dabei in Trennung und Bühne hinter dem ISN zurückzustehen.
Fazit
Würde ich mir den AFUL Miracle One selbst kaufen. Die Antwort lautet ganz klar: Ja. Zu diesem unschlagbaren Preis sowieso. Selten hat mich ein IEM vom ersten Takt an so überzeugt. Subtile Änderungen kann man mit dem Rollen der Eartipp erreichen. Ich liebe dabei beide Spielarten hinsichtlich der verwendeten Tipps. Die Dunu S&S oder Lizer Tipps liefern einen klaren Sound, während SpinFit, S&S PRO oder Moondrop Eartipps mitreißendere Klänge erzeugen. Der Magic One ist ein hervorragendes Beispiel dafür, daß es ein einziger dynamischer Treiber mit Multi BA und Tri-Birds gleichziehen kann. Letztendlich kann ich diesen IEM uneingeschränkt empfehlen. Selten hat mich ein IEM sowohl mit seiner Fähigkeit, mich mitzureißen, als auch mit seiner ausgewogenen Abstimmung und Langzeittauglichkeit derartig überzeugt.
Zuletzt bearbeitet: