[User-Review] Juzear Light Shuttle - TriBrid IEM aus 1× DD + 4 × BA + 2 × MP

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Vorwort

Der Juzear Light Shuttle wurde mir freundlicherweise von HiFiGo zur Verfügung gestellt. Der Inhalt des Reviews und die Klangeindrücke sind meine Eigenen und wurden weder von HiFigo noch durch andere Personen beeinflusst. Es sollte jedem klar sein das die mentale Verfassung und allgemeine Tagesform variiert d.h. jedes Fazit ist eine Momentaufnahme und unterliegt nicht einem endgültigen Urteil. Meine Präferenz fliest in jeder Beurteilung mit ein. Eine subjektive aber sachliche Beurteilung ist von meiner Seite aus immer erstrebenswert. Das beifügen der IEM Messungen dient lediglich einer groben Orientierung und Einordnung mit anderen Modellen.

  • Hochwertiges Etui, modulares Kabel und Mikrofasertuch nicht selbstverständlich in der Preisklasse
  • Schickes, originelles Faceplate Design, ein Hingucker in jeder Sammlung
  • Ergonomisches, leichtes Gehäuse für hohen Tragekomfort bei langen Musik Sessions
  • Warme und natürliche Klangabstimmung, die man per PEQ anpassen kann

  • Das Etui ist relativ klein für’s Verstauen der IEMs inkl. Kabel
  • Fragwürdige Anleitung die suggeriert das man IEMs Einspielen sollte
  • Bei 4.4 mm Balanced Verbindung sehr bassige Abstimmnung

Was ich mag:

Organischer Tiefbass
Leicht knackiger Oberbass
Teils Meta Tuning in den unteren Mitten, leichtes Harman Tuning in den oberen Mitten
Balance aus Musikalität und Auflösung
Seidige (EST) Höhen


Was ich nicht mag:

Bass, der intensiv in die Mitten „reinblutet“
Unterbetonte Mitten (schwacher Grundton)
Zuviel Pinna Gain / shouty vocals
Früh abrollende Höhen

Setup:

Tidal (Windows PC)
Luxsin X8 (Desktop)
FiiO KA17 (mobil)
Moondrop Springtips
Balanced Verbindung (da mir 3.5mm Stecker mit der hohen Kante haptisch nicht gefiel)

Dazu eine kleine Anmerkung: Die hohe Kante des 3.5mm Steckers in Verbindung mit einem Klinkenadapter ermöglichte keinen festen Sitz am 6.3 mm Klinkenausgang des Luxsin X8.

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Unboxing

Der Lieferumfang ist für ein Modell seiner Preisklasse (bis 200 €) lobenswert. Man erhält ein modulares Steckersystem wodurch man zwischen 3.5 und 4.4 mm hin und herwechseln kann. Somit hat man den Vorteil der weit verbreiteten Single-Ended Verkabelung und der Balanced Option für mehr Power, falls die Verstärker Einheit diese bereitstellt.

Ein Blick in die Bedienungsanleitung verrät, das Juzear das Einspielen von rund 100 Stunden bei seinen InEars empfiehlt. Dadurch soll die Membran stabilisiert sowie Verzerrungen gesenkt werden. Interessante Aussage, die ich so noch bei keinem IEM Hersteller gehört habe.

Das dunkelblaue Case ist recht kompakt aber dafür sehr solide von der Verarbeitung und haptischen Qualität. Hier befindet sich ein Set aus zwei verschiedene Silikon Ear Tips (wide und narrow bore) in den Größen S,M,L sowie ein Set aus Schaumstoff Aufsätzen.

Als kleinen Gimmick bekommt man für den Schreibtisch ein kleinen, transparenten Aufsteller aus Plastik.

Das geflochtene InEar Kabel besteht aus 6N versilberten Einkristallkupfer und ist auf dem ersten Blick das gleiche wie das vom Binary Acoustic 1900. Erst bei genauer Betrachtung fällt auf das das Juzear Kabel etwas dicker ausfällt.


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Design & Tragekomfort

Das Rahmen-Design der Abdeckung finde ich sehr gelungen. Das habe ich so bei keinem IEM gesehen. Die dezente Farbspielerei mit den geschwungenen Linien aus dem schwarzen Hintergrund, je nach Winkel, gefällt mir auch sehr gut.

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Der Light Shuttle ist mittelgroß aber dank der ergonomisch geschwungenen Konturen des Gehäuses liegen die InEars beidseitig perfekt auf meine Ohrmuschel. Mit 6,4g je Seite sind auch auch relativ leicht und unbeschwert zu tragen.

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Klangeindrücke

Der Juzear Light Shuttle ist ein Tribrid IEM aus 2DD+4BA+2MP (Micro Planar) pro Seite. Er hat eine U-förmiges Tuning, d.h. Bässe und Höhen sind klassisch angehoben. Die Mitten im Grundton sind relativ neutral, wobei die oberen Mitten leicht betont sind, um Gesang Klarheit und Definition zu verschaffen.

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Bass:

Der Bass ist sowohl im Tiefton als auch Grundbass stark angehoben. Bass Liebhaber werden eher gefallen am dröhnenden Charakter finden. Dieser federt stark nach, sodass nach meinem Hörempfinden die Klarheit in den unteren Mitten fehlt. Für die meisten Musikrichtungen ist ein schlankerer und definierter Bass vorteilhafter. Daher habe ich 3 Filter zwischen 35-110 Hz eingesetzt um den Bass grundlegend zu entschlacken (siehe Graph!)

Alles oberhalb von 2 kHz habe ich nach eigenen Gehör angepasst ohne irgendwelche Präferenz-kurven in Betracht zu ziehen. Mit der Senke um 3 kHz ähnelt meine EQ Profil an 64 Audios „House Sound“ wobei der Light Shuttle für mich dennoch ausreichend „ear gain“ hat für energetische Vocals.


Mitten:

Die Mitten klingen natürlich und ausgeglichen. Gesang rückt ohne EQ Anpassung ebenso in den Vordergrund. Männlicher Gesang wird voll und satt abgebildet. Dua Lipa, die für ihre rauchige Mezzosopran Stimmlage berühmt ist, klingt gleichermaßen vordergründig mit einem sehr schönen Körper.

Instrumente sind frei von Verfärbung und klingen durchweg ein natürlich.


Höhen:

Die Höhen klingen weder harsch noch schrill und haben eine angenehme Erweiterung für das feine Glitzern obenrum. Hier kommen die 2 MP Treiber zur Geltung, welche ein durchweg hohes Auflösungsvermögen zeigen. Manche mögen vermutlich eher das feinere Glitzern von EST oder neueren BA Treibern die etwas organischer klingen.


Vergleiche aus meiner Sammlung

Binary 1900


Obwohl beide als „vocal centric“ bezeichnet werden, finde ich den 1900 geeigneter für Gesang, insbesondere für Frauenstimmen. Auch der Bass ist stimmiger, welchen ich als große Stärke beim Binary sehe, weil dieser sehr organisch, voluminös und straff zu gleich klingt. Die Höhen wiederum sind beim Light Shuttle etwas auflösender dank der Mikro Planar Treiber. Die beigefügte Messung bescheinigt dem 1900 dennoch eine sehr gute Höhen Erweiterung.


ThieAudio Hype 4 Mk2

Der Bass ist weniger organisch als beim 1900. Dafür ist er kontrollierter und straffer als beim Light Shuttle. Vocals hingegen treten beim Mk2 am stärksten in den Hintergrund da hier der „ear gain“ zwischen 1 bis 2 kHz am flachsten ausfällt. Die Höhen sind ebenso hochauflösend wie beim Light Shuttle wobei die BA Treiber für weniger Schärfe und mehr Natürlichkeit sorgen. Wenn man bedenkt das der Mk2 der teuerste von den dreien ist, ist dieser rein von Klang nicht besser sondern nur neutraler abgestimmt. Die Preisunterschied macht sich bei der Qualität und Haptik bemerkbar.


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Fazit

Der Juzear Light Shuttle ist ein Tribrid IEM mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Vor rund 4 Jahren hatte man im Preissegment unter 200 € ausschließlich Planar IEMs die für ihre technischen Attribute wie straffen Bass und hohes Auflösungsvermögen bekannt waren. Wäre der Bass des Light Shuttle etwas schlanker und kontrollierter abgestimmt, würde ich diesen als IEM Referenz in seiner Preisklasse bezeichnen. Er hat ein sehr bequemen Sitz, sieht ansprechend aus und ist hochwertig verarbeitet. Als EQ Befürworter bleibt dieser IEM definitiv in meiner Sammlung.
 
Zuletzt bearbeitet:
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  • Fragwürdige Anleitung die suggeriert das man IEMs Einspielen sollte
Naja, wieso nicht? Also bei IEMs habe ichs noch nicht so probiert, aber bei KHs macht das, bei diversen wo ich es gemacht habe, schon etwas ausgemacht.

  • Bei 4.4 mm Balanced Verbindung sehr bassige Abstimmnung
Das ist ja spannend. Normal skaliert das gerne mal mit einem Mehr an Leistung. Daher halte ich auch absolut immer nichts von, wenn man schwer anzutreibende KHs am kleinen KHV betreibt und dann argumentiert, dass es ja laut genug ist und somit das volle Potenzial ausgereizt ist. Aber beim IEM?
Das Gute ist ja, dass die gängigen China-Hersteller heutzutage oft auf ein modulares Steckersystem setzen, weshalb das schnell gewechselt ist und man auch nicht den "Kabelklang" (will das Thema hier nicht aufmachen, gibt Leute dir glauben dran, andere wieder absolut nicht). Somit kann man das tatsächlich gut vergleichen zw. 3,5mm und 4,4mm

Ansonsten gutes Review. Ich habe aktuell auch wieder einen IEM von Hifigo hier. Den Koto x Juzear Nebula. Aber irgendwie finde ich, dass diese ganzen IEMs in der Preisklasse alle sehr ähnlich abgestimmt sind und ähnlich klingen. Per se denke ich zwar, dass die in dem Preisbereich mit dem Sounding eine gute Zielgruppe treffen, aber der anderen Seite ists irgendwie schon etwas langweilig
 
Imho ist das Einspielen mehr ein "brain-burning", weil unser Gehirn sich an dem neuen Klang eingewöhnt. Es ist ja interessant zu lesen, dass die Befürworter von physikalischen "Einspielen" stets die positive Änderung sehen... aber da möchte ich jetzt keine Diskussion in der Hinsicht entfachen 😉

Ich gebe dir durchaus recht das sich viele IEMs in der Preisklasse bis 200 € relativ ähnlich anhören. Ist sicherlich auch den populären Ziel/Präferenz Kurven wie Harman und New Meta geschuldet. Die ganzen ChiFi IEMs werden dahin gehend auch vermarktet das sie nach XY abgestimmt wurden. Der YouTuber Mark Ryan auch bekannt als Super Review setzt dem Light Shuttle quasi den Stempel “Tuned with Squiglink”. Das ist ja seine Plattform wo sämtliche IEMs in einer riesigen Datenbank gemessen wurden und per PEQ angepasst werden können. Die Zusammenarbeit mit Influencern ist wirklich beachtlich. Erst bei den sau teuren IEMs geht man eigene Wege was Abstimmung angeht.
 
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