Die Schlussfolgerung „Sprachalgorithmus, also keine KI“ ist falsch – und der Artikel behauptet das auch nicht. Er ordnet LLMs ausdrücklich der modernen künstlichen Intelligenz und den generativen KI-Modellen zu. „Algorithmisch“ und „KI“ schließen sich nicht aus: Auch ein KI-System wird durch mathematische Verfahren und Software realisiert.
Wikipedia-Artikel
Deine Kritik lässt sich aber an einer konkreten Stelle begründen. Im Abschnitt „Beschreibung“ steht, Wörter würden „unabhängig und zufällig“ entsprechend ihrer Häufigkeit im Textkorpus ausgewählt.
Als Erklärung moderner LLMs ist das irreführend. Die Vorhersage hängt gerade vom bisherigen Kontext ab. Die Transformer-Architektur verarbeitet Beziehungen zwischen den Eingabeelementen; sie zieht nicht einfach voneinander unabhängige Wörter aus einer Häufigkeitstabelle.
Artikelabschnitt,
Transformer-Originalarbeit
Auch „sagt das nächste Token voraus“ beschreibt zwar einen zentralen Mechanismus, erklärt aber allein noch nicht die Fähigkeiten oder Grenzen. Bereits die GPT-3-Forschung untersuchte, wie ein Sprachmodell Aufgaben anhand weniger Beispiele bearbeitet, übersetzt und einfache Rechenaufgaben löst – einschließlich deutlicher Schwächen. Moderne Reasoning-Systeme ergänzen die Antworterzeugung durch zusätzliche Verarbeitungsschritte und können Werkzeuge einbeziehen.
GPT-3-Studie,
OpenAI-Dokumentation
Ich würde den Artikel deshalb
als stellenweise unpräzise und erklärungsbedürftig kritisieren. Dass Sprachmodelle statistisch arbeiten, ist dagegen keine überholte Aussage. Ihre Fähigkeiten machen diese Grundlage nicht ungültig; umgekehrt widerlegt die statistische Grundlage ihre Einordnung als KI nicht. Daraus folgt allerdings auch kein Nachweis menschlichen Verständnisses oder Bewusstseins.