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Test: Luxus für die Ohren - Beyerdynamic DT 990 PRO - Klangcheck und Praxiseindruck

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Seite 5: Klangcheck und Praxiseindruck

Kommen wir für Viele zum wichtigsten Teil unseres Reviews: Der Beyerdynamic DT 990 PRO muss sich im anspruchsvollen Hardwareluxx-Praxistest beweisen und zeigen, was in ihm steckt. Sind die 150 Euro gut investiert oder sollte man sich lieber nach einer Alternative von Sennheiser, AKG und Co. umsehen?

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Klangcheck an der M-Audio 2496

An der linear agierenden Recording-Soundkarte weiß sich der Beyerdynamic DT 990 PRO hervorragend in Szene zu setzen. Im Gegensatz zu AKGs 701 oder einigen Probanden aus Sennheisers HD-Serie, ist die Abstimmung des DT 990 weder audiophil linear oder gar nüchtern analytisch, der Kopfhörer brilliert mit einer schier unglaublichen Dynamik und Detailverliebtheit. Der stets sehr präsente Bass wartet mit einer Spielfreude auf, wie wir sie so noch nicht erlebt haben; diese Art der Tiefenstaffelung ist für einen Kopfhörer wirklich beeindruckend. Dieser wirkt dabei aber keinesfalls träge oder dumpf, er kann dem Geschehen immer sehr gut folgen und es aus den Tiefen impulsiv anfeuern. Zwar fehlt ihm der letzte minimale Spritzer an Präzision, diese macht er aber mit der angesprochenen Tiefenstaffelung mehr als wieder wett.

Ebenso wissen die Höhen mit ihrem sehr feinen Auflösungsvermögen zu gefallen und sorgen regelmäßig für kleine Wow-Momente. Im Gegensatz zu den eher nüchternen Vertretern im Kopfhörersegment hört man zwar eine klare Anhebung in den höheren Frequenzen, dabei wirkt der Beyerdynamic jedoch nie störend oder übermäßig stark präsent. Auch feinste Nuancen werden sehr detailliert herausgearbeitet, wenngleich auf Klassik spezialisierte Kopfhörer hier noch einen kleinen Vorteil haben werden. Auch bei hohen Lautstärkepegeln, mehr als das menschliche Ohr auf Dauer ertragen kann, zeigen sie sich sehr pegelfest und beginnen nicht zu verzerren. Die vermittelte Räumlichkeit, also die Bühne, ist sehr gut gestaffelt, auch wenn es im Bereich Klassik noch differenzierter sein könnte.

Insgesamt klinken die DT 990 Pro an der M-Audio 2496 weder nüchtern noch linear, wer diese Art der Abstimmung bevorzugt, ist hier ganz klar falsch. Der Kopfhörer versucht vielmehr die Leidenschaft, den Spaß an der Musik, zu vermitteln und das schafft er wie kaum ein anderer. Bei Eros Ramazzottis und Anastacias „I Belong To You“ schießt einem die pure Gänsehaut den Rücken hinunter, die Stimmen beider Sänger werden unglaublich gefühlvoll projiziert, man glaubt, selbst mitten drin zu stehen und alles hautnah mitzuerleben. Auch kleinste Feinheiten werden herausgearbeitet, der Tastenanschlag am Klavier, das Zupfen der Seiten der Gitarre oder das aufspielende Schlagzeug im Hintergrund sind immer wieder Faszination pur.

Wer denkt hier sei schon Schluss, der irrt. Auch bei Electro, Hip-Hop, Rap und selbst Jazz weiß der Beyerdynamic sehr zu gefallen. Der manchmal schon unverschämt direkt agierende Bass feuert immer wieder Impulse aus der Tiefe, die feine Auflösung serviert immer wieder neue Details; „moderne“ Musik klingt insgesamt sehr direkt, nie wirkt der Kopfhörer überfordert, sondern spielt immer wieder sehr souverän auf. Der modellierende Klangcharakter ist stets ein Highlight, wenngleich er nur bei wenigen Stücken voll zum Ausdruck kommen kann. Als Beispiel sei hier „Who Will Comfort Me“ von Melody Gardot genannt, die Stimme der Sängerin wird exzellent in Szene gesetzt und der Saxophonakkord klingt einfach genial impulsiv.

Kurzgefasst: Wer auf diese Art der Musikwiedergabe steht, wird beinah wunschlos glücklich werden. So ziemlich alle Musikrichtungen, von Rock bis hin zu Dance, kann der Beyerdynamic sehr gut bedienen. Einzig im Bereich Klassik könnte es dem ein oder anderen HiFi-Puristen etwas zu dünn werden, dafür fehlt dem DT 990 Pro einfach das letzte Bisschen an Auflösungsvermögen und Bühnenabbildung, ebenso könnte der stets präsente Bass zum Problem werden.

Klangcheck an der X-Fi Bravura 7.1

An der dynamisch agierenden X-Fi Bravura 7.1 klingt der DT 990 PRO nicht mehr ganz so überzeugend und souverän. Schuld ist die Abstimmung der Soundkarte, treffen ein dynamisch abgestimmter Zuspieler und ein dynamisches Ausgabemedium aufeinander, kann es schnell „zu viel des Guten“ sein. Der Bass ist extrem dominant, grummelt aber mehr vor sich hin und übertönt teilweise die gesamte Szene. Die Höhen würden wir schon als nervig bezeichnen, besonders die „S“-Laute klingen sehr scharf und auf lange Sicht gesehen unangenehm. Die Mitten geraten etwas ins Hintertreffen und kommen nicht mehr so fein daher wie an der M-Audio 2496. Gleiches gilt für die Detailauflösung, diese gerät zunehmend in den Hintergrund und wird mehr durch extrem betonte Effekte im Bass wie in den Höhen überlagert. Es fehlt an der bemerkenswerten Leichtigkeit und dem Gefühl für die „besonderen“ Momente, das wir an der M-Audio noch so bewundern durften. Die Kombination geht eher ziemlich grob zu Werke, kann unter Umständen aber auch ihre Anhänger im Bereich Electro/ Dance finden.

Klangcheck am Kenwood KR-720 Röhrenverstärker

Am Kenwood agiert der Beyerdynamic DT 990 PRO ähnlich wie an der M-Audio, wenngleich wir den Klang als wesentlich wärmer und etwas bassdominanter beschreiben würden. Im Detail mangelt es etwas an Feinzeichnung zu Gunsten der sehr warmen und gefälligen Wiedergabe, die Mitten geraten ebenfalls etwas ins Hintertreffen. Schlussendlich ist es eine Frage des eigenen Geschmacks, welche Richtung man selbst bevorzugt.

Anmerkung: In der Praxis benötigt der DT 990 PRO eine - für Kopfhörer - relativ lange Einspielzeit von etwas mehr als 12 Stunden. Sollte sich direkt nach dem Kauf eher Ernüchterung breitmachen, empfiehlt es sich durchaus, ihn erst einmal eine längere Zeit bei moderater Lautstärke „warm laufen“ zu lassen.