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AMD Radeon RX 480 im Test

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Seite 1: AMD Radeon RX 480 im Test

radeon rx480 reference logoEs ist also soweit: AMD startet die großangelegte Zurückeroberung des Grafikkartenmarktes mit der Radeon RX 480, die als erste Grafikkarte der Polaris-Generation mit gleichnamiger Architektur erscheint und die wir uns genauer anschauen können. Dabei versucht sich AMD an einem anderen Ansatz im Vergleich zu vorangegangenen GPU-Generationen und startet nicht im High-End-Bereich, sondern wählt die für Kunden attraktive Mittelklasse für den Start von Polaris. Was AMD alles an Polaris gegenüber den Vorgängern geändert hat und welches Potenzial in der Architektur steckt, schauen wir uns auf den nächsten Seiten an.

AMD begann bereits recht früh die Werbetrommel für Polaris zu rühren. Bereits Ende des vergangenen Jahres gab es erste Anzeichen, zu welchem Zeitpunkt AMD den Start damals vorgesehen hat ist aber unklar. Normalerweise ist es unüblich, dass ein Hersteller bereits so früh damit beginnt, über eine neue GPU- oder Grafikkarten-Generation zu sprechen. Im Falle von Polaris waren die Informationshappen aber derart gering und teilweise wenig aussagekräftig, dass sie auch keinen Hinweis für die Konkurrenz sein konnten. So sprach AMD beispielsweise früh über eine Fertigung in 14 nm im FinFET-Verfahren, ohne dabei jedoch zu sehr ins Detail zu gehen.

Außerdem bereits seit längerem bekannt ist, dass AMD große Hoffnungen in High Dynamic Range für die Wiedergabe von Foto- und Videoinhalten sowie die Darstellung von Spielen setzt. Dazu müssen natürlich auch die Display-Ausgänge auf den neuesten Stand gebracht werden, was im Falle von DisplayPort 1.3/1.4 und HDMI 2.0b geschehen ist. Für die Fury-Karten musste AMD noch große Kritik einstecken, da man hier auf eine Umsetzung von HDMI 2.0 verzichtet hat.

Pünktlich zur Computex wurde die finale Version der Radeon RX 480 vorgestellt. Zum damaligen Zeitpunkt nannte AMD aber noch nicht alle technischen Daten, was wir in diesem Artikel nun nachholen werden.

Die technischen Daten der AMD Radeon RX 480 im Vergleich
Modell AMD Radeon R9 380 NVIDIA GeForce GTX 970 AMD Radeon RX 480
Homepage www.amd.de www.nvidia.de www.amd.de
Preis ab 170 Euro ab 250 Euro 255,85 Euro
Technische Daten
Fertigung 28 nm 28 nm 14 nm
GPU Tonga PRO Maxwell (GM204) Polaris 10 XT
GPU-Takt (Base Clock) - 1.050 MHz 1.120 MHz
GPU-Takt (Boost Clock) 970 MHz 1.178 MHz 1.266 MHz
Speichertakt 1.375 / 1.425 MHz 1.750 MHz 2.000 MHz
Speichertyp GDDR5 GDDR5 GDDR5
Speichergröße 2/4 GB 4 GB 4/8 GB 
Speicherinterface 256 Bit 224 + 32 Bit 256 Bit
Speicherbandbreite 176 / 182,4 GB/s 224 GB/s 256 GB/s
DirectX-Version 12 12 12
Shadereinheiten 1.792 1.664 2.304
Textur Units 112 104 144
ROPs 32 64 32
Typische Boardpower 190 W 145 W 150 W
SLI/CrossFire CrossFire SLI CrossFire

Zunächst einmal die groben technischen Daten. AMD lässt die Polaris-10-GPU der Radeon RX 480 bei GlobalFoundries im 14-nm-FinFET-Verfahren fertigen. Die Polaris-10-GPU kommt auf 5,7 Milliarden Transistoren. Erstmals sieht AMD auch einen Basis-Takt vor und nähert sich damit hinsichtlich der Taktung einem Verfahren an, das wir von NVIDIA schon länger kennen. Der Basis-Takt liegt bei 1.120 MHz und gilt als Mindestwert, der immer erreicht werden soll. Der Boost-Takt wird mit 1.266 MHz angegeben, ist anders als bei NVIDIA aber kein Mindestwert, sondern eine Vorgabe, wie wir sie wiederum schon etwas länger kennen.

Die Radeon RX 480 verwendet 2.304 Shadereinheiten. Auf die genaue Organisation dieser Recheneinheiten gehen wir in der Architektur noch weiter ein. Zu den 2.304 Shadereineiten gesellen sich 144 Textureinheiten und 32 ROPs. Den Recheneinheiten zur Seite stehen 4 oder 8 GB GDDR5-Speicher, der mit einem Takt von 2.000 MHz arbeitet (im Falle von 4 GB mit nur 1.750 MHz). Damit verzichtet AMD auf den Einsatz von GDDR5X, wie es NVIDIA bei der GeForce GTX 1080 aktuell vormacht, sowie auf High Bandwidth Memory, was in dieser Preis- und Leistungsklasse auch nicht vorstellbar ist.

Rendering der Polaris-10-GPU
Rendering der Polaris-10-GPU

Die Radeon RX 480 kommt auf eine Leistungsaufnahme von 150 W, wovon 85 W auf den Chip selbst verfallen und der Rest als Verbrauch der weiteren Komponenten angerechnet wird.

AMD gibt eine unverbindliche Preisempfehlung von 255,85 Euro für die Radeon RX 480 mit 8 GB Grafikspeicher an. Die Variante mit 4 GB soll ab 214,20 Euro erhältlich sein.

Die technischen Daten der AMD Radeon RX Serie im Überblick
Modell AMD Radeon RX 460 AMD Radeon RX 470 AMD Radeon RX 480
Homepage www.amd.de www.amd.de www.amd.de
Preis - - 255,85 Euro
Technische Daten
Fertigung 14 nm 14 nm 14 nm
GPU Polaris 11 XT Polaris 10 PRO Polaris 10 XT
GPU-Takt (Base Clock) - - 1.120 MHz
GPU-Takt (Boost Clock) - - 1.266 MHz
Speichertakt 1.750 MHz 1.750 MHz 2.000 MHz
Speichertyp GDDR5 GDDR5 GDDR5
Speichergröße 2/4 GB 4 GB 4/8 GB 
Speicherinterface 128 Bit 256 Bit 256 Bit
Speicherbandbreite 112 GB/s 224 GB/s 256 GB/s
DirectX-Version 12 12 12
Compute Units 14 32 36
Shadereinheiten 896 2.048 2.304
Textur Units - - 144
ROPs - - 32
Typische Boardpower 75 W 110 W 150 W
ASIC TDP 48 W 85 W 85 W
SLI/CrossFire CrossFire CrossFire CrossFire

Auch wenn die finalen Daten, wie z.B. der Takt der GPU, zur Radeon RX 470 und 460 noch nicht endgültig bekannt sind, so haben wir dennoch die auf dem Polaris-Tech-Day verkündeten Details einmal in einer Tabelle zusammengefasst. Die bisherigen Pläne für die weiteren Karten der RX-Serie sehen eine Veröffentlichung und vermutlich auch Verfügbarkeit der Radeon RX 470 und Radeon RX 460 für Mitte Juli vor.

Für die Entwicklung der beiden Polaris-GPU ergaben sich aus Gesprächen mit Mitarbeiter von AMD auf dem Polaris-Tech-Day noch einige interessante Erkenntnisse: So sieht AMD eine gute Software und Optimierung der Software auf die Hardware als neuen Fokus bei der Entwicklung von Polaris. Auf die Frage, warum man mit einer gröeßren Polaris-Variante nicht auf den High-End-Markt abgezielt hat, antwortete AMD, dass eine High-End-Hardware nur dann Sinn mache, wenn die Software darauf auch angepasst ist und das sei zum aktuellen Zeitpunkt in den APIs nicht gegeben. Zu einem gewissen Teil hat die Software (neben dem Marketing und der Marktpositionierung) dazu beitragen, dass AMD seine eigenen Produkte nicht so darstellen konnte, wie man es gerne gesehen hat – damit spielt man auf den Launch der Fury-Karten, den man sich etwas anders vorgestellt hat. Das Software-Team der Radeon Technoloy Group wächst dementsprechend aktuell stärker, als das Hardware-Team.

Neben Polaris 10 und 11 hätte man gerne auch einen größeren Chip entwickelt und zum aktuellen Zeitpunkt vorgestellt – allerdings musst man seine Ausrichtung vorsichtig wählen. Eine Limitierung durch das aktuelle R&D-Budget und simplen physischen Grenzen würden AMD den aktuellen Rhythmus vorgeben.