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AMD Radeon RX 480 im Test

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Seite 30: Fazit

AMD möchte mit der Radeon RX 480 nicht die Spitze der Benchmarks angreifen. Diese Nachricht wird man nicht müde zu betonen und dies wurde inzwischen sicherlich auch so verstanden. Stattdessen konzentriert man sich auf den, für die potenziellen Käufer, wichtigen Preisbereich zwischen 200 und 250 Euro. Doch bereits hier muss man zwischen dem unterscheiden, was AMD seit Wochen und Monaten durch kleine Informationshappen an die Öffentlichkeit gibt und dem, was letztendlich dabei herauskommt.

199 US-Dollar für die Radeon RX 480 wurden seitens AMD angesagt. Klar war damals bereits, es muss sich dabei um die Variante mit 4 GB Grafikspeicher handeln. Um Engpässen beim Grafikspeicher aus dem Weg zu gehen, sind 8 GB inzwischen aber fast schon Pflicht und demnach versendet AMD im Vorfeld auch nur Samples in der gehobenen Ausstattungsvariante. Wir werden uns schnellstmöglich um ein weiteres Sample mit 4 GB GDDR5-Speicher bemühen, um einen Vergleich der beiden Varianten zu haben. Aber zurück zum Preis: Eine unverbindliche Preisempfehlung von 255,85 Euro sticht vielen sicherlich nicht gerade positiv ins Auge – auch uns nicht. Schon deutlich näher an den eigenen Vorgaben liegt die Radeon RX 480 mit 4 GB Grafikspeicher und einer unverbindlichen Preisempfehlung von 214,29 Euro. Aber diese konnten wir wie gesagt bisher noch nicht testen.

AMD hat mit der Polaris-Architektur und der Fertigung in 14 nm gleich in doppelter Hinsicht einen Sprung gemacht. Die Fertigung ermöglicht es mehr Transistoren auf gleicher Fläche unterzubringen. Außerdem können diese mit einer geringeren Spannung betrieben bzw. der Takt erhöht werden. Zumindest die Steigerung des Taktes fällt bei AMD deutlich weniger groß aus, als dies bei NVIDIA der Fall ist. Allerdings ist dies auch abhängig von der Konzeption der Architektur. Während NVIDIA bzw. die Pascal-Architektur vom hohen Boost-Takt lebt, kompensiert dies AMD mit mehr Shadern und einer "breiteren" Architektur. Dies ist auch bei Polaris der Fall.

Rendering der Polaris-10-GPU
Rendering der Polaris-10-GPU

An allen Ecken und Enden wurde bei der Polaris-Architektur geschraubt. Zusammen mit dem Wechsel der Fertigung soll dies zu einer deutlich höheren Effizienz der Karte führen. Nun muss für einen solchen Vergleich aber auch die richtige Vergleichsbasis gewählt werden. Performancezugewinne im Bereich von 50 - 70 % sehen wir nur noch selten oder besser gesagt gar nicht mehr. Vergleicht man die Radeon RX 480 mit der Radeon R9 380 (was aufgrund der Namensgebung vielleicht offensichtlich ist), so sehen wir hier doch noch Zuwächse zwischen 40 und 60 Prozent – je nach Benchmark und gewählten Einstellungen. Insofern kann die Radeon RX 480 ein deutliches Plus liefern.

Allerdings kann die Effizienz nicht ganz das halten, was sie verspricht. So verbraucht die Radeon RX 480 im Gesamtsystem etwa 20 W mehr als die Radeon R9 380 und liegt in etwa auf Niveau einer GeForce GTX 1070 Founders Edition, die aber in den Benchmarks deutlich vor dem Modell von AMD liegt. Hier hätten wir uns mehr erwartet.

Für AMD wichtig ist der Punkt, dass die Radeon RX 480 in der Lage ist, die aktuellen VR-Brillen mit ausreichend vielen Frames zu versorgen. Da die Leistung entsprechend über der Radeon R9 380 liegt und die Radeon RX 480 mit der GeForce GTX 970 kämpft, war hier auch nichts anderes zu erwarten. Die Mindestvoraussetzungen werden also erfüllt.

DirectX 12 ist das zweite wichtige Thema bei AMD und auch hier erfüllt man die eigenen Vorgaben. Allerdingst ist DirectX 12 noch immer stark abhängig von der jeweiligen Umsetzung. So sehen wir für Ashes of the Singularity ein großes Performance-Plus, bei Rise of the Tomb Raider hingegen scheinen nur bestimmte Kombinationen aus Prozessor und Grafikkarte einen Vorteil zu bringen. Hier steht also noch viel Arbeit für die Spieleentwickler an, denn aktuell sind die Gründe für den Einsatz der DirectX-12-API nur sehr eingeschränkt vorhanden.

Für Async Compute gelten die ähnlichen Voraussetzungen wie bei DirectX 12. Wenn die Umsetzung gut gemacht ist, kann AMD davon profitieren. Bei NVIDIA unterstützt die Maxwell-Architektur die Asynchronous Shaders bzw. Async Compute noch nicht und somit profitieren die Karten davon auch nicht. Bei der Pascal-Architektur sieht dies schon ganz anders aus, wie unser Artikel zur GeForce GTX 1080 Founders Edition gezeigt hat.

Bei der Kühlung sehen wir auch einige weniger positive Punkte. So hätte diese im Idle- und Last-Betrieb gerne etwas leiser sein dürfen. Vor allem wirbt AMD auch hier mit den guten Eigenschaften der Karte, kann diese aber letztendlich nicht einhalten. Wir sind gespannt wie sich die ersten alternativen Kühlungen auf der Karte verhalten werden. Auffällig ist auch, dass unser Sample vor der Demontage des Kühlers auf die besagte 87 °C unter Last kommt. Nach dem erneuten Zusammenbau der Karte verwendeten wir auch neue Wärmeleitpaste bzw. verteilten diese neu und danach stieg die GPU-Temperatur nicht mehr über 84 °C an.

Final bleibt zur Radeon RX 480 festzuhalten, dass AMD mit der Polaris-Architektur sicherlich auf dem richtigen Weg ist. Das letzte Durchsetzungsvermögen scheint der Karte aber zu fehlen. Dies würde sich entweder durch eine etwas bessere Leistung oder einen niedrigeren Preis ausdrücken – beides fehlt der Radeon RX 480 in der aktuellen Form. Das Fazit ist daher schwierig, da AMD in vielen Punkten gute Arbeit geleistet hat. Dazu gehört die Speicherausstattung mit 8 GB oder aber die Bestückung mit DisplayPort 1.3/1.4 und HDMI 2.0b. Die relativ hohen Werte für die Lautstärke und die GPU-Temperaturen trüben dies Eindruck allerdings etwas.

Unser Fazit mag etwas negativ klingen, dies ist aber sicherlich dem Umstand geschuldet, dass die Erwartungen an AMD aktuell sehr hoch sind. Die Radeon RX 480 ist für den Preis eine sehr gute Grafikkarte – nicht mehr und auch nicht weniger. Aber der große Wurf ist sie nicht, dazu ist der Abstand zur GeForce GTX 970 und auch den Vorgängern aus eigenem Hause zu gering. Für 250 Euro bekommt aber jeder, der aktuell auf der Suche nach einer Karte für das Spielen in 1080p oder 1440p ist, eine sparsame, gut ausgestattet und in gewissem Rahmen auch zukunftssichere Lösung präsentiert.

Positive Aspekte der AMD Radeon RX 480:

  • 40 - 60 % Leistungszugewinn zur Radeon R9 380
  • neue Polaris-Architektur
  • Fertigung in 14 nm FinFET
  • 8 GB Grafikspeicher
  • DisplayPort 1.3/1.4
  • HDMI 2.0b

Negative Aspekte der AMD Radeon RX 480:

  • zu laut im Idle- und Last-Betrieb
  • hohe Last-Temperatur
  • mit etwa 250 Euro nicht wirklich günstiger als Konkurrenz

Persönliche Meinung

Bis vor einigen Woche hatte mich AMD um die neue Polaris-Architektur herum fasziniert. Gerne schaue ich mir Whitepaper mit mehren dutzend Seiten zu neuen Technologien an und ebenso gerne gebe ich diese Informationen in Form ausführlicher Artikel an die Leser weiter. AMD wusste die Aufmerksamkeit über Monate hinweg aufrecht zu erhalten und immer wieder wurden neue Informationsschnipsel fallen gelassen. Doch irgendwann musste AMD auch die Hosen herunterlassen und spätestens auf dem Polaris-Tech-Day kamen in mir erst Zweifel auf, ob die Polaris-Architektur DER große Wurf für AMD werden würde. Die Arbeit an dem Artikel hat mich in dem Eindruck "gut, aber vielleicht nicht gut genug bestärkt". Sicherlich, die Leistung stimmt und das Angebot von 8 GB Grafikspeicher, DisplayPort 1.3/1.4, HDMI 2.0b, der Fertigung in 14 nm und die Polaris-Architektur als solches ist gut, aber Freudensprünge würde ich im Falle von AMD noch nicht machen. Dazu würde ich zunächst einmal die Reaktionen der potenziellen Käufer abwarten. Ich lehne mich zunächst einmal zurück und freue mich auf Vega gegen Ende des Jahres! (Andreas Schilling)