Erstickungsgefahr
Luft enthält ca. 21 Vol-% Sauerstoff und 79 Vol-% Stickstoff. Wird der Sauerstoffgehalt der Luft z.B. durch Beimischung von Stickstoff auf unter Vol-15 % herabgesetzt wird die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zunehmend vermindert. Dieser Leistungsabfall ist für den Betroffenen nicht feststellbar. Unterhalb von 10 Vol-% Sauerstoff kann er ohne Vorwarnung bewusstlos werden, unterhalb von 6 bis 8 Vol-% Sauerstoff kann bereits nach wenigen Minuten der Tod durch Ersticken eintreten.
Beim Umgang mit flüssigem Stickstoff besteht die Gefahr, dass der Sauerstoffgehalt der Luft durch Beimischung von Stickstoff gefährlich absinkt. Verdampft 1 Liter flüssiger Stickstoff, entstehen 671 Liter gasförmigen Stickstoffs. Diese Stickstoffmenge reicht aus, um den Sauerstoffgehalt in ca. 6 m3 Luft von 21 auf 10 Vol-% zu drücken. Bedenkt man, daß der verdampfte Stickstoff sehr kalt und daher schwerer als Luft ist und sich über dem Boden anreichert, kann man sich vorstellen, dass in kleinen Räumen und bei unzureichender Lüftung in Kopfhöhe der Sauerstoff auf unter 10 Vol-% absinken und Bewusstlosigkeit eintreten kann. Tatsächlich ereignete sich im Jahr 1996 ein Unfall, der vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass ein Student beim Abfüllen von flüssigen Stickstoff aufgrund des Sauerstoffmangels bewusstlos wurde. Der Unfall ereignete sich in einem Stickstoffabfüllraum. In ein Fenster des Raumes war über Kopfhöhe ein Lüfter eingebaut, der zum Zeitpunkt des Unfalls lief. Der Student hatte bereits ein 30 l- und ein 5 l-Dewar-Gefäß befüllt. Während er ein zweites 5 l-Dewar-Gefäß befüllte fiel er bewusstlos zu Boden. Da der Stickstoff weiter aus einem Abfüllhahn floß, lief das Dewar-Gefäß über. Der übergelaufene flüssige Stickstoff verdampfte auf dem Boden, senkte den Sauerstoffgehalt und kühlte die Luft soweit ab, dass der Student Erfrierungen erlitt und erstickte. Er wurde von einem Kommilitonen erst nach ca. 30 - 40 min. gefunden. Der Kommilitone stellte den Stickstoffhahn ab und fiel auf dem Rückweg zur Tür ebenfalls in eine Bewusstlosigkeit. Ein weiterer Student, der sich im Gang befand zog den Bewustloen aus dem Stickstoffabfüllraum und leitete weitere Rettungsmaßnahmen ein. Mit Sicherheit wäre dieser Unfall nicht passiert, wenn die Schutzmaßnahmen getroffen worden wären, die in einer anderen deutschen Hochschule realisiert wurden.