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Die Europäische Union sieht derzeit keine Möglichkeit, Spielehersteller dazu zu verpflichten, weiterhin physische Datenträger anzubieten. Das erklärte EU-Kommissar Michael McGrath im Europäischen Parlament in Straßburg. Hintergrund ist die zunehmende Abkehr großer Publisher von klassischen Spiel-Discs und der damit verbundenen Debatte um Eigentumsrechte und den Erhalt von Videospielen.
Zuletzt hatten mehrere Ankündigungen die Diskussion neu entfacht. Grand Theft Auto VI soll nach aktuellen Plänen wohl ausschließlich digital erscheinen. Und erst kürzlich kündigte auch Sony an, ab Januar 2028 alle neuen PlayStation-Spiele nur noch digital zu veröffentlichen und auf Disc-Versionen zu verzichten.
Die Entwicklung stößt indes bei vielen Spielern auf Kritik. Sie befürchten, dass digitale Käufe langfristig weniger Kontrolle über erworbene Spiele bieten als physische Datenträger. Anders als bei einer Disc können digitale Titel in der Regel weder weiterverkauft noch verliehen werden. Zudem besteht die Sorge, dass Spiele nach einer Abschaltung der Server oder dem Ende eines digitalen Angebots nicht mehr zugänglich sind.
McGrath betonte jedoch, dass Unternehmen grundsätzlich selbst entscheiden können, in welcher Form sie ihre Produkte anbieten. Voraussetzung sei lediglich, dass dabei die Verbraucherrechte im Einklang mit nationalem Recht und den Vorgaben der Europäischen Union gewahrt bleiben. Aus Sicht der EU falle die Entscheidung über physische oder digitale Veröffentlichungen unter die unternehmerische und vertragliche Freiheit der Anbieter.
Für Enttäuschung dürfte diese Haltung insbesondere bei der Initiative "Stop Killing Games" sorgen. Die Bewegung wurde 2024 vom YouTuber Ross Scott ins Leben gerufen und setzt sich dafür ein, dass Spiele auch nach dem Ende des offiziellen Supports weiterhin nutzbar bleiben. Die Organisatoren fordern gesetzliche Regelungen, die verhindern sollen, dass Publisher Online-Spiele oder deren Server dauerhaft abschalten und Kunden dadurch den Zugriff auf bereits gekaufte Inhalte verlieren.
Auch politisch wurde das Thema bereits aufgegriffen. Im vergangenen Monat forderten 45 Mitglieder des Europäischen Parlaments EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Verbraucherkommissar Michael McGrath auf, gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutz digitaler Spiele zu prüfen.
Die EU-Kommission erklärte jedoch, dass sie auf Grundlage des geltenden Urheber- und Geistigen-Eigentumsrechts keine Vorschriften erlassen könne, die Publisher zum dauerhaften Betrieb ihrer Server verpflichten. Statt neuer Gesetze setzt die Kommission stattdessen auf die Entwicklung eines branchenweiten Verhaltenskodex. Dieser soll gemeinsam mit der Spieleindustrie Leitlinien für den Umgang mit dem Lebenszyklus und der Abschaltung von Videospielen definieren.