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Bitchat verzeichnet massiven Zulauf im Iran und Uganda

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Bitchat verzeichnet massiven Zulauf im Iran und Uganda
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Massenproteste gegen ein autokratisches Regime im Iran, eine Präsidentschaftswahl in Uganda, bei der Oppositionelle schon im Vorfeld eingeschüchtert oder gar verhaftet wurden und deren Legitimität angezweifelt wird, sowie zunehmend prekäre Lebensbedingungen in beiden Ländern. Diese Mischung aus politischer Unterdrückung und wirtschaftlichen Problemen bringt immer mehr Menschen dazu, auf die Straße zu gehen und zu protestieren – auch wenn das gefährlich ist und der Staat hart dagegen vorgeht. Aus Angst, ihre Stellung zu verlieren, haben die Machthaber beider Nationen in den vergangenen Tagen und Stunden, das Internet gesperrt und den Zugang zu sozialen Medien blockiert. Ein Hoffnungsträger für Millionen von Menschen vor Ort scheint die im letzten Jahr vorgestellte Messaging-App Bitchat zu sein, die derzeit einen massiven Zulauf im Iran und Uganda erfährt. 

Die Nutzerzahlen, welche nun von Reuters veröffentlicht wurden, sprechen nämlich eine eindeutige Sprache: In Uganda hat die App von Jack Dorsey im laufenden Jahr über 28.000 Downloads verzeichnet – eine nahezu vierfache Steigerung im Vergleich zu den beiden Monaten davor. Im Iran ist die Nutzung um mehr als das Dreifache gestiegen. Mit diesem Wachstum hat sich Bitchat an die Spitze der jeweiligen App-Stores von Apple und Google katapultiert und erfährt derzeit viel Aufmerksamkeit. Im Falle Ugandas forderte der prominente Musiker und Oppositionsführer Bobi Wine seine Mitbürger sogar explizit dazu auf, sich Bitchat herunterzuladen. 

Im Vergleich zu etablierten Messengern wie WhatsApp, Signal oder Telegram setzt Bitchat auf eine grundlegend andere Architetkur. Während die meisten Messenger auf zentrale Server angewiesen sind und eine Internetverbindung erfordern, funktioniert Bitchat über ein dezentrales Bluetooth-Mesh-Netzwerk, was es Nutzern ermöglicht, sich auszutauschen, selbst wenn das Internet blockiert, überlastet oder vollständig abgestellt ist. Die App benötigt keine Anmeldung, keine Telefonnummer und keine Registrierung – man installiert sie einfach und kann unmittelbar chatten. 

Die Verbindung funktioniert folgendermaßen: Jedes Smartphone mit aktiviertem Bitchat fungiert gleichzeitig als Sender und als Relay-Station. Nachrichten werden von Gerät zu Gerät weitergeleitet, wobei mehrere Zwischenstationen die Reichweite vervielfachen können – theoretisch sind bis zu sieben Stationen möglich. Eine Nachricht von Person A zu Person B kann also über die Geräte von Personen C, D und E weitergeleitet werden, bis sie ihr Ziel erreicht. Je mehr Menschen Bitchat nutzen, desto dichter wird das Netzwerk und desto zuverlässiger funktioniert es – ähnlich den Funktionsprinzipien von Apples AirTags.

Sicherheit und Privatsphäre stehen dabei an erster Stelle. Alle Nachrichten werden verschlüsselt übertragen und verlassen das lokale Netzwerk nicht. Private Chats nutzen das X25519-Verschlüsselungsverfahren mit AES-256-GCM, während Gruppenchats mit Passwörtern geschützt und mittels Argon2id verschlüsselt sind. Standortdaten und persönliche Informationen werden nicht zentral gespeichert, und es existiert kein Server, der diese Daten überwachen oder abfangen könnte. Funktional orientiert sich Bitchat am klassischen IRC-System.

Nutzer können öffentliche, themenbasierte Kanäle erstellen oder beitreten, und Direktnachrichten mit anderen austauschen. Die App verfügt sogar über einen Panik-Modus: Ein dreifaches Antippen des Bitchat-Logos löscht alle gespeicherten Daten – ein kritisches Feature für Aktivisten und Journalisten in Ländern mit autoritären Regimen...

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