> > > > Kommentar: Google bedient sich bei den Nachbarn

Kommentar: Google bedient sich bei den Nachbarn

Veröffentlicht am: von

google io 2016Um es politisch unkorrekt zu formulieren: Das beste nach jeder großen Keynote sind die Jubelperser. Egal, was das Unternehmen ankündigt, man lobt das Gesehene und Gehörte in den Himmel und verteidigt diese Position dann so lange, bis es peinlich wird. Das konnte auch am späten gestern Abend nach der Eröffnung der diesjährigen Google I/O beobachtet werden.

Wie erwartet hatten Sundar Pichai und seine Mitarbeiter Säcke voller neuer Produkte und Ideen dabei. Was nach zwei Stunden aber klar war: Die Säcke hatte Google nicht selbst gefüllt, sondern in der Nachbarschaft gestohlen. Zu offensichtlich waren und sind die Parallelen zu Amazon, Facebook und Co, zu gering die echten Eigenentwicklungen.

Wer Google Home mitsamt Google Assistant für das Maß aller Dinger hält, kennt weder Echo noch Alexa. Die beiden von Amazon entwickelten Produkte sind hierzulande zwar noch nicht erhältlich, zeigen in den USA aber schon seit Monaten, wie ein digitaler Butler aussehen und funktionieren kann. Vielleicht nicht in dem Umfang, den Google gestern versprochen hat, aber bei Amazons Ehrgeiz wäre ein Vorsprung nicht von Dauer. Zumal da ja auch noch das Gerücht durch die Gegend schwirrt, dass Sonos Interesse an der Integration von Alexa haben soll. Wie kontextuell Assistant am Ende wirklich arbeiten wird, bleibt abzuwarten. Ein belastbares Beispiel blieb man gestern schuldig.

Amazon lässt grüssen: Google Home erinnert frappierend an Echo und Alexa
Amazon lässt grüssen: Google Home erinnert frappierend an Echo und Alexa

Was irgendwie auch für Allo und Duo gilt. Gefühlt bringt Google damit die Messenger Nummer 847 und 848 auf den Markt, die etwas können sollen, was kein anderer kann. Das trifft aber nur dann zu, wenn man im Anhäufen von Funktionen, die wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben, als Durchbruch bezeichnet. Schon jetzt gibt es zig Wege, Fotos kommentiert und sicher zu versenden, schon jetzt bieten Konkurrenten das Übermitteln von zeitlich begrenzt einsehbaren Nachrichten an. Die Integration von Assistant wirkt zunächst innovativ, aber auch hier bleibt abzuwarten, wie gut das System am Ende funktioniert. Neu ist das trotz eventuell vorhandener Qualität aber auch nicht. Einen verblüffend ähnlichen Ansatz verfolgt Facebook mit seinem Messenger, der vielleicht so etwas wie der eigentliche große Gewinner des gestrigen Abends sein könnte.

Und dann waren da auch noch die Instant Apps. Statt große Anwendungen, die eventuell nur ein- oder zweimal genutzt werden, komplett herunterzuladen und zu installieren, sollen kleine Module beinahe ohne Verzögerung an ihre Stelle treten. Klingt gut, nur war Googles Beispiel extrem ungünstig gewählt. Das Bezahlen der Parkgebühr könnte man auch einfach über eine schlicht gehaltene Webseite realisieren, die mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit schneller als eine Instant App lädt.

Google Allo: Noch ein Messenger, der in den Tiefen des App Drawers verschwinden dürfte
Google Allo: Noch ein Messenger, der in den Tiefen des App Drawers verschwinden dürfte

Ganz unten am Boden eines Sacks hatte Google dann aber doch etwas Bemerkenswertes. Die vorgestellte eigene TPU könnte Druck auf so manchen Chip-Hersteller und -Entwickler ausüben und gleichzeitig dem Deep Learning deutlich mehr Schwung verpassen. Sexy ist das nicht, weshalb Google diesem Produkt nur sehr wenig Aufmerksamkeit schenkte und die meisten Fans es schlicht ignorierten.

Social Links

Ihre Bewertung

Ø Bewertungen: 0

Tags

Kommentare (2)

#1
customavatars/avatar25079_1.gif
Registriert seit: 17.07.2005

Hauptgefreiter
Beiträge: 223
Das gleiche passiert doch auf jeder Apple Keynote. Warum nur habe ich das Gefühl das der Herr Bellmer aber niemals so einen Kommentar über Apple verfassen würde? Hauptsache mal gegen Google stänkern, hm?
Sehr unprofessionell.
#2
Registriert seit: 09.01.2010

Hauptgefreiter
Beiträge: 226
Von Tesla bin ich auch enttäuscht, da wollen sie ein revolutionäres Elektroauto vorstellen, und was kommt? Die Karre hat 4 Räder, das hatte schon das Ford Model 3 :-D

Googles Messenger bemühungen kann ich zwar nur noch belächeln, aber bei allem anderen probieren sie mehr als der rest der Branche, leider stellen sie dann gerne auch mal dinge ein, die zumindestens eine Nische von Usern gut fand.
Um Kommentare schreiben zu können, musst Du eingeloggt sein!

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar: Pokémon Go bringt die Smombies auf den Vormarsch

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2016/POKEMON_GO_LOGO

Sicherlich lassen sich meine Erfahrungen von Sonntag nicht zwangsläufig auf ganz Deutschland übertragen, dennoch stelle ich folgende Behauptung auf: Am vergangenen Wochenende zog es vielerorts deutlich mehr Menschen auf die Straßen als noch in den Tagen zuvor. Schuld daran war nicht nur das... [mehr]

Unreal Engine 4: So realistisch geht virtueller Wald

Logo von IMAGES/STORIES/2017/UNREAL-ENGINE4

Die Entwickler von MAWI United, ein CG- und VR-Studio, welches hauptsächlich Animationen und Effekte für Filme, Serien, Trailer, Videospiele und Werbeclips erstellt, zeigt einige Beispiele, wie man mithilfe der Unreal Engine 4 einen spektakulären Wald erstellen kann. MAWI United bietet die... [mehr]

Valve arbeitet womöglich an neuer Benutzeroberfläche für Steam

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2013/STEAM

Valve scheint im Hintergrund an einer neuen Benutzeroberfläche für seine digitale Spielevertriebsplattform Steam zu arbeiten. Das lassen zumindest zwei Bilder vermuten, die im Code eines Beta-Updates entdeckt, inzwischen aber von Valve schon wieder entfernt wurden. Auf Github sind die beiden... [mehr]

Pokémon Go offiziell in Deutschland erhältlich – erstes Update für iOS

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2016/POKEMON_GO_LOGO

Bis vor wenigen Stunden war Pokémon Go nur über Umwege in Deutschland spielbar. Besitzer eines Android-Smartphones mussten sich über Umwege die APK-Datei beschaffen und diese durch Aushebelung der Drittanbieter-Sperre auf ihrem Gerät installieren. Etwas schwieriger war das unter iOS – hier... [mehr]

Google Chrome erreicht Meilenstein von zwei Milliarden aktiven Nutzern

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2013/CHROME-LOGO

Google bzw. dessen Vizepräsident für das Chrome-Produktmanagement, Rahul Roy-Chowdhury, hat einen neuen Meilenstein für den Browser Chrome vermeldet: Mittlerweile nutzen ca. zwei Milliarden Nutzer Chrome aktiv. Diese Zahl meint plattformübergreifend Chrome an sowohl Windows-PCs, Geräten mit... [mehr]

Dropbox sorgt für Ärger: Vermeintlich gelöschte Daten tauchen nach Jahren...

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2017/DROPBOX

An sich hört sich das nach einer feinen Sache an: Bei Cloud-Speicherdiensten wie Dropbox kann man seine Daten online speichern und so auch langfristig archivieren. Auf diese Weise lassen sich auch Daten sichern, die möglicherweise bei einer defekten Festplatte für immer verloren wären.... [mehr]