Amazons Graviton2 mit 64 Kernen ist schneller als Intels Xeon

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amazon-aws-2019Amazon hat die zweite Generation seines eigenen ARM-Designs in Form eines Prozessors mit 64 Kernen vorgestellt. Der Graviton2 basiert auf dem Neoverse-N1-Design von ARM. ARM sieht hier zwar auch Varianten mit 128 Kernen vor, Amazon hat sich aber für 64 Kerne entschieden. Die Fertigung erfolgt in 7 nm und der Prozessor kommt insgesamt auf über 30 Milliarden Transistoren.

Die 64 Kerne des Graviton2 sind in einem 8x8-Mesh zusammengefasst. Der Mesh-Interconnect erreicht eine Bandbreite von 175 GB/s zum DRAM und hat eine Latenz von 83 ns. Jeder Kern verfügt über 1 MB an L2-Cache. Hinzu kommen 32 MB an System Level Cache. Das Speicherinterface mit acht Kanälen kann DDR4-3200 ansprechen. Von den theoretisch möglichen 128 PCI-Express-4.0-Lanes verwendet Amazon nur die Hälfte und bindet darüber die NVMe-SSDs an.

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Je nach Instanz kann der Graviton2 gegenüber seinem Vorgänger oder Instanzen mit anderen Prozessoren eine mehrfach höhere Leistung Vorweisen. Die A1-Instanz mit dem Graviton-Prozessor der ersten Generation ist beispielsweise um den Faktor sieben langsamer. Aufgrund des schnelleren Speicherinterface und des größeren Caches sind speicherabhängige Anwendungen mit dem neuen Chip um den Faktor fünf schneller.

Amazon vergleicht die Leistung auch gegen die aktuellen M5-, C5- und R5-Instanzen, die größtenteils mit Xeon-Prozessoren von Intel ausgestattet sind. Für die Details der einzelnen Instanzen lohnt in Blick in Amazons eigene Übersicht.

Derzeit arbeitet Amazon an neuen Instanzen mit dem Graviton2-Prozessor. Diese sollen folgende Merkmale aufweisen:

Neben dem Leistungsplus gegenüber den bestehenden Instanzen mit Xeon-Prozessoren sollen die neuen Instanzen mit Graviton2-Prozessor um bis zu 20 % günstiger sein. An Betriebssystemen kann auf den neuen Instanzen Amazon Linux 2, Red Hat Enterprise Linux, Fedora, Ubuntu, SUSE Linux Enterprise Server, Debian und FreeBSD betrieben werden. An Containerdiensten können Docker, Amazon Elastic Kubernetes Service, Amazon Elastic Container Service und Firecracker verwendet werden. Die Instanzen M6g und M6gd sind ab sofort verfügbar, die weiteren sollen in Kürze folgen.

Unabhängige Benchmarks zu den Instanzen mit Graviton2-Prozessor stehen noch aus. Für Hersteller wie Intel sind solche Entwicklungen allerdings mitunter sehr gefährlich, denn die sogenannten Hyperscaler wie Google, Facebook, Twitter, Amazon, Microsoft und einige mehr bestellen rund 50 % der Xeon-Prozessoren bei Intel. Allerdings muss man auch sagen, dass es Anwendungsbereiche gibt, in denen die ARM-Prozessoren nicht gegen die typischen x86-Designs zu vergleichen sind.