Intel bringt neue "Broadwell"-CPUs für Notebooks und Desktop-Systeme

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intel3Nachdem Intel im Januar die ersten Core-i-Prozessoren der 5. Generation für den Notebook-Markt enthüllte, kündigte man im Rahmen der Computex 2015 nun eine Reihe weiterer „Broadwell“-Prozessoren an. Die sollen als Quad-Core-Modelle nicht nur in leistungsstarken Gaming-Notebooks oder All-in-One-Systemen zum Einsatz kommen, sondern erstmals auch in Desktop-Rechnern eingesetzt werden. Damit bringt Intel die 14-nm-Technologie endlich auch in den stationären Bereich. Große Änderungen im Vergleich zu den bisher vorgestellten Mobile-Ablegern gibt es jedoch nicht, vielmehr sind die neuen „Broadwell H“-Modelle im CPU-Part verdoppelte „Broadwell U“-Ableger mit gleichzeig schnellerer Grafik.

Mit „Broadwell“ bleibt Intel seinem Tick-Tock-Verfahren treu, wobei bei „Broadwell“ als Tick eine bestehende Architektur mit geringfügigen Verbesserungen auf eine neue Fertigungstechnologie umgestellt wird. Intel lässt die FinFET-Transistoren nun in 14 nm fertigen. Neben niedrigeren Fertigungskosten bedeutet dies vor allem eine geringere Abwärme, was bei gleicher Leistungsaufnahme einen höheren Takt möglich oder aber die Prozessoren insgesamt sparsamer macht. Ein in 14 nm gefertigter „Broadwell“ kommt auf eine Chipgröße von 82 mm2, während der Vorgänger als „Haswell“ noch 131 mm2 groß ist. Die Anzahl der Transistoren liegt bei knapp 1,3 Milliarden.

Wenige Änderungen bei der CPU

Im Vergleich zu „Haswell“ gibt es beim CPU-Part nun größere Instruktions-Scheduler und -Puffer, die die einzelnen CPU-Kerne effizienter mit Daten füttern und mehr Befehle auf die Cores verteilen können. Durch weiter verkürzte Taktzyklen sollen Vektor-Berechnungen und Gleitkomma-Multiplikationen beschleunigt ablaufen. Hinzu kommen ein schneller Radix-1024-Divider und ein zusätzlicher nativer STLB mit 1-GB-Seiten und 16 Einträgen. Damit soll sich die Prozessor-Leistung im Vergleich zur Vorgänger-Generation nur um etwa 5 bis 10 % verbessern, bei der Leistungsaufnahme aber sollen die neuen „Broadwell“-CPUs einen größeren Sprung machen.

Alleine im Leerlauf sollen ein neues Turbo- und Power-Management für Einsparungen von bis zu 60 % sorgen, wozu auch ein optimiertes Power-Gating und nicht zuletzt die fortschrittlichere 14-nm-Fertigung beitragen sollen. Eine echte Neuerung ist zudem der im Package von Prozessor und Chipsatz integrierte DSP. Dieser ist zwar auch bei „Haswell“ vorhanden, wurde bei „Broadwell“ aber deutlich überarbeitet und soll nun häufiger zum Einsatz kommen werden. Grund hierfür ist die Verwendung von I2C als Schnittstelle und nicht mehr nur HD Audio (HDA).

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Die neuen „Broadwell“-CPUs mit Iris pro Graphics 6200

Grafik wird deutlich schneller

Bei der integrierten Grafiklösung gibt es hingegen größere Änderungen – sie trägt zum großen Teil der gestiegenen Transistoren-Anzahl von ehemals 1,0 Milliarden bei „Haswell“ bei. Trotz eines geringeren Taktes soll die Grafikleistung um etwa 20 bis 45 % zulegen. Bei den heute vorgestellten „Broadwell“-Modellen kommt als integrierte GPU nun eine Intel HD Graphics 5600, Iris Pro Graphics 6200 oder eine Iris Pro Graphics 6300 zum Einsatz, die bis zu 48 Shader-Einheiten bereithält.

Innerhalb dieser bei Intel als Execution-Units (EU) bezeichneten Einheiten hat sich allerdings nur wenig getan. Der Durchsatz von Integer-Berechnungen wurde im Vergleich zur Gen7.5-Grafik verdoppelt, einige mehr mathematische Funktionen können nun ohne Umwege durchgeführt werden, was die Leistung erhöhen soll. Insgesamt packt Intel in der Regel acht dieser Execution-Units zusammen mit dem L1- und Textur-Cache in ein Sub-Slice, von dem wiederrum standardmäßig drei in einem Slice zusammengefasst werden. Im Vollausbau kommen zwei Slices und damit 48 Execution-Units zum Einsatz. Die Intel Iris Pro Graphics 6200 und 6300 können als GT3e-Variante zudem mit einem 128 MB großen EDRAM-Speicher aufwarten, dessen Kapazität damit im Vergleich zur Vorgänger-Generation unberührt bliebt.

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Die neue Grafiklösung soll deutlich schneller sein

Unterschiede zwischen den beiden Modellen gibt es folglich lediglich innerhalb der Taktraten. Hier sind uns allerdings nur die Frequenzen der Intel Iris Pro Graphics 6200 bekannt. Sie soll sich mit einem Basis- und Turbo-Takt von 300 bzw. bis zu 1.150 MHz ans Werk machen – die Taktraten hängen vom jeweiligen Prozessor-Modell ab. Die größere Iris Pro Graphics 6300 dürfte hier 100 MHz mehr drauflegen – einen solchen Taktsprung gab es in der Regel zumindest bei „Haswell“. Die kleinere Intel HD Graphics 5600 muss als GT2-Ableger mit der Hälfte an Shader-Einheiten auskommen - näher darauf eingegangen sind wir bereits im Test des Medion Akoya E7416 mit i5-5200U. Ihr stehen 24 EUs zur Seite, der EDRAM entfällt ebenfalls; sie greift über das Interface des Prozessors auf den Hauptspeicher zu. Weiterhin ist der L1-Cache etwas beschnitten. Im Falle des neuen Intel Core i5-5350H rechnet sie mit einer Geschwindigkeit von 300 respektive 1.050 MHz.

Wenig neue Features

Alle neuen „Broadwell“-Grafikkerne unterstützen Open CL 2.0, DirectX 11.2 und sollen später mittels Treiber-Update für DirectX 12 vorbereitet werden, die kompletten Feature-Levels sollen aber erst mit den kommenden „Skylake“-Modellen Unterstützung erfahren. Zudem kann der Video-Decoder das neue HEVC/H.265 verarbeiten und unterstützt über DisplayPort und HDMI auch 4K/UHD. Bis zu drei Displays können von der integrierten „Broadwell“-Grafik angesteuert werden. Im Falle der Intel Iris Pro Graphics 6200 sollen die neuen Grafikkerne in der Lage sein, die derzeit meist gespielten Titel ruckelfrei in Full HD mit über 60 FPS darzustellen. Als Beispiele führt Intel „Leage of Legends“, „Hereos of the Storm“ und „World of WarCraft“ an.

Über die neue „Intel Graphics Gaming Experience“-Software sollen die Spiele mithilfe eines einzigen Mausklicks optimal an die integrierte Grafiklösung angepasst werden – ähnlich wie dies NVIDIA mit seiner GeForce Experience tut. Die Software will man im Laufe des Monats kostenlos zum Download freigeben.

Insgesamt sollen die heute vorgestellten „Broadwell“-CPUs die ersten Modelle sein, die die Iris-Pro-Grafik in den LGA-Sockel aber auch in die kleineren Core-i5-Modelle bringt. Mit dem heutigen Tag entlässt man insgesamt zehn neue Modelle zuzüglich fünf neuer Xeon-Modelle in den Handel.


Neue Notebook-CPUs

Im Bereich der Notebook-Prozessoren führt nun der Intel Core i7-5950HQ das Feld der mobilen „Broadwell“-CPUs an. Er besitzt vier Rechenkerne und kann dank HyperThreading-Unterstützung bis zu acht Threads gleichzeitig bearbeiten. Den Basis-Takt beziffert Intel auf 2,9 GHz. Je nach Lastzustand und Temperatur können die Cores aber auch Geschwindigkeiten von bis zu 3,7 GHz erreichen. Intel verspricht sogar, den maximalen Boost-Takt auf allen vier Rechenkernen zu halten. Wie lange das in Praxis gelingt, müssen erste Tests aber noch zeigen. Dazu gibt es eine Intel Iris Pro Graphics 6200 mit Taktraten von 300 bis 1.150 MHz und einen 6 MB großen L3-Cache. Der Speicher-Controller unterstützt DDR3-Module im Dual-Channel-Modus mit bis zu 1.600 MHz – bei LPDDR3-Modulen sind es sogar 1.866 MHz. Die maximale Leistungsaufnahme gibt Intel mit 47 Watt TDP an. Der Intel Core i7-5850HQ und Core i7-5750HQ siedeln sich direkt darunter an. Unterschiede gibt es nur bei den Taktraten, die zwischen 2,5 bis 3,6 GHz bei der CPU und zwischen 1.050 und 1.100 MHz bei der GPU liegen.

Einschränkungen bei der Grafik muss hingegen der Intel Core i7-5700HQ machen. Hier kommt statt der Intel Iris Pro Graphics 6200 nur noch eine Intel HD Graphics 5600 mit 24 EUs und einem Takt von bis zu 1.050 MHz zum Einsatz. Die TDP gibt Intel aber auch hier trotz der Taktraten von 2,7 bis 3,5 GHz auf 47 Watt an. Preislich müssen die Notebook-Hersteller für die „Broadwell“-i7-Modelle zwischen 378 und 623 US-Dollar einkalkulieren.

Mit dem Intel Core i5-5350H, 5755R, 5675R und Core i5-5575R gibt es auch vier neue Ableger der Core-i5-Familie. Sie sind ebenfalls mit vier Rechenkernen ausgestattet, müssen aber teilweise auf das SMT-Feature verzichten und mit einem beschnittenen L3-Cache auskommen. Die R-Modelle mit einer höheren Leistungsaufnahme für eine höhere Leistung sollen überwiegen in Mini-PC, Barebone-Systeme und All-in-One-Rechnern zum Einsatz kommen, während die H- und HQ-Versionen eher in Notebooks zu finden sein sollen.

Die neuen Mobile-„Broadwells“
ModellKerne / ThreadsBasis-TaktBoost-TaktMax. Quad-core-TurboGrafik-lösungGrafik-taktDDR3L-Speicher-controllerL3-CacheTDPPreis
Core i7-5950HQ 4/8 2,9 GHz 3,8 GHz 3,7 GHz Iris Pro Graphics 6200 300/1.150 MHz DDR3-1600 6 MB 47 Watt 623 US-Dollar
Core i7-5850HQ 4/8 2,7 GHz 3,6 GHz 3,6 GHz Iris Pro Graphics 6200 300/1.100 MHz DDR3-1600 6 MB  47 Watt 434 US-Dollar
Core i7-5750HQ 4/8 2,5 GHz 3,4 GHz 3,4 GHz Iris Pro Graphics 6200 300/1.050 MHz DDR3-1600 6 MB 47 Watt 434 US-Dollar
Core i7-5700HQ 4/8 2,7 GHz 3,5 GHz 3,5 GHz HD Graphics 5600 300/1.050 MHz DDR3-1600 6 MB 47 Watt 378 US-Dollar
Core i5-5350H 2/4 3,0 GHz 3,5 GHz 3,5 GHz Iris Pro Graphics 6200 300/1.050 MHz DDR3-1600 4 MB 47 Watt 289 US-Dollar
Core i7-5775R 4/8 3,3 GHz 3,8 GHz ? Iris Pro Graphics 6200 300/1.150 MHz DDR3-1600 6 MB 65 Watt 348 US-Dollar
Core i5-5675R 4/4 3,1 GHz 3,6 GHz ? Iris Pro Graphics 6200 300/1.100 MHz DDR3-1600 4 MB 65 Watt 265 US-Dollar
Core i5-5575R 4/4 2,8 GHz 3,3 GHz ? Iris Pro Graphics 6200 300/1.050 MHz DDR3-1600 4 MB 65 Watt 244 US-Dollar

Die neuen Desktop-CPUs

Bei den Desktop-Prozessoren führt Intel lediglich zwei Modelle ein. Neues Topmodell für den Sockel LGA1150 wird der Intel Core i7-5775C mit vier Kernen, acht Threads und einem Basis- und Boost-Takt von 3,3 bis 3,7 GHz. Ihm zur Seite steht eine integrierte Intel Iris Pro Graphics 6200 mit maximal 1.150 MHz. Der L3-Cache fasst auch hier 6 MB an Daten, der Speichercontroller unterstützt offiziell DDR3-1600-Speicher. Die TDP gibt Intel mit 65 Watt an. Beim bislang schnellsten „Haswell“ bzw. „Devils Canyon“ in Form des Intel Core i7-4790K waren es noch 88 Watt TDP. Für 366 US-Dollar soll die schnellste „Broadwell“-CPU für den Desktop in die Läden kommen.

Mit einem Preis von 276 US-Dollar etwas günstiger ist der Intel Core i5-5675C. Er besitzt vier Kerne, verzichtet auf HyperThreading und rechnet mit Taktraten von 3,1 bis 3,6 GHz. Der L3-Cache ist auf 4 MB reduziert, die Grafiklösung 50 MHz langsamer. Die TDP-Einstufung von 65 Watt bleibt bestehen.

Beide Prozessoren sollen auf allen aktuellen Mainboards mit LGA1150-Sockel laufen – eventuell wird allerdings ein BIOS/UEFI-Update notwendig werden. Einen nach oben hin geöffneter Multiplikater gibt es bei beiden Modellen. Das C-Suffix wurde wohl in Hinblick auf die deutlich niedrigere TDP eingeführt.

Die neuen Desktop-„Broadwells“
ModellKerne / ThreadsBasis-TaktBoost-TaktGrafik-lösungGrafik-taktDDR3L-Speicher-controllerL3-CacheTDPPreis
Core i7-5775C 4/8 3,3 GHz 3,7 GHz Iris Pro Graphics 6200 300/1.150 MHz DDR3-1600 6 MB 65 Watt 366 US-Dollar
Core i5-5675C 4/4 3,1 GHz 3,6 GHz Iris Pro Graphics 6200 300/1.100 MHz DDR3-1600 4 MB 65 Watt 276 US-Dollar

„Broadwell“ für den Server

Im Bereich der Xeon-Prozessoren gibt es fünf neue „Broadwell“-Modelle, die allesamt mit ihren vier Rechenkernen bis zu acht Threads gleichzeitig bearbeiten können. Die Taktraten liegen je nach Modell bei 1,8 bis 3,4 GHz, wobei sich diese Angaben lediglich auf den Basistakt beziehen – Turbo-Frequenzen nennt Intel leider nicht. Bei der Grafiklösung setzen alle Modelle auf eine Intel Iris Pro Graphics 6300. Die TDP-Einstufung reicht von 35 bis 95 Watt, die Preisspanne von 418 bis 557 US-Dollar.

Die neuen Xeon-„Broadwells“
ModellKerne / ThreadsBasis-TaktGrafik-LösungL3-CacheTDPPreis
Xeon E3-1285 v4 4/8 3,5 GHz Iris Pro Graphics 6300 6 MB 95 Watt 557 US-Dollar
Xeon E3-1285L v3 4/8 3,4 GHz Iris Pro Graphics 6300 6 MB  65 Watt 445 US-Dollar
Xeon E3-1265L v3 4/8 2,3 GHz Iris Pro Graphics 6300 6 MB 35 Watt 418 US-Dollar
Xeon E3-1278L v4 4/8 2,0 GHz Iris Pro Graphics 6300 6 MB 47 Watt 546 US-Dollar
Xeon E3-1258L v4 4/8 1,8 GHz Iris Pro Graphics 6300 6 MB 47 Watt 481 US-Dollar

„Broadwell“ bleibt nicht lange aktuell

Ursprünglich sollte „Broadwell“ schon im Jahr 2014 auf den Markt kommen. Aufgrund der zeitlichen Verschiebung aber dürften die Prozessoren nicht lange aktuell bleiben, denn schon im dritten Quartal soll Intel mit „Skylake“ eine komplett neue Prozessor-Generation vorstellen, die unter anderem von DDR4-Speicher Gebrauch machen wird. Wohl ein Grund, weswegen Intel versucht, die „Broadwell“-Prozessoren in der Öffentlichkeit weniger präsent sein zu lassen. Das zeigt sich nicht nur daran, dass es für den Desktop lediglich zwei Ableger geben wird, sondern auch daran, dass Intel die Presse erst gestern über den Launch der neuen Modelle informierte hat und zumindest deutsche Medien nicht mit einem Sample bedienen konnte. Informationen gab es trotz mehrmaliger Nachfrage erst wenige Stunden vor der offiziellen Vorstellung.

Die Verfügbarkeit deutet ebenfalls darauf hin, dass Intel kein großes Interesse an "Broadwell" hegt: Alle Modelle sollen erst in den nächsten 30 bis 60 Tagen im Handel verfügbar sein.

Gerne hätten wir unseren Lesern an dieser Stelle auch die ersten Benchmarks zu "Broadwell H" geliefert. Leider aber steckte unser Sample zunächst im Zoll fest, dann kam der Postbote nicht rechtzeitig.