Kommentar: Google gibt Vollgas - Nexus 4, Nexus 7 und Nexus 10

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google-nexusAuch der Hurricane Sandy konnte Google nicht aufhalten - der gestrige Tag dürfte Herstellern wie Apple, Microsoft, Nokia, HTC aber auch Samsung noch in den Knochen stecken. Google feuerte förmlich aus allen Rohren: ein neues Smartphone, ein überarbeitetes Einsteiger-Tablet und ein High-End-Tablet, das seinesgleichen sucht. Hinzu kommt noch ein Update für Android auf die Version 4.2, welches zahlreiche Features einführt oder nachrüstet, die andere Hersteller bereits bieten, aber auch vermissen lassen. Zunächst einmal ein Überblick über das, was gestern geschehen ist:

News zum Google Nexus 4
News zum Google Nexus 7
News zum Google Nexus 10
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 Neuerungen von Android 4.2

Was ist da passiert? Man konnte sich fast schon die Augen reiben, als Google nach und nach die Neuheiten verkündete:

Nexus 4:

Google Nexus 4

Mit dem Nexus 4 präsentiert man ein Referenz-Smartphone mit allem, was in diesem Sektor derzeit möglich ist: Quad-Core-Prozessor, 2 GB RAM, 4,7 Zoll Display (1280x768 Pixel), 8-Megapixel-Kamera, NFC, Android 4.2 und GPS. Vermissen könnte man nur eine Variante mit mehr Speicher (32 GB) oder die Möglichkeit den Speicher via MicroSD-Speicherkarte zu erweitern. Mit einem Preis von 299 Euro (8 GB) bzw. 349 Euro (16 GB) dürften Fans der Nexus-Reihe kaum noch Argumente gegen des Nexus 4 finden. Auf LTE möchte Google zugunsten einer weltweiten Kompatibilität verzichten - einerseits sicherlich verständlich, für unbedarfte Kunden spielt LTE (besonders in den USA) aber bereits eine entscheidende Rolle.

Apple iPhone 5 Google Nexus 4 Samsung Galaxy S III
Herstellerseite www.apple.de www.google.de/nexus www.samsung.de
Preis ab 679 Euro ab 299 Euro ab 440 Euro
Speicherkapazität 16, 32, 64 GB 8, 16 GB 16, 32 GB (erweiterbar)
Displaygröße 4 Zoll
IPS-Panel
4,7 Zoll 4,8
HD S-AMOLED
Auflösung 1136x640 Pixel 1280x768 Pixel 1280x720 Pixel
Größe 123,8 x 58,6 x 7,6 mm 133,9 x 68,7 x 9,1 mm 136,6 x 70,6 x 8,6 mm
Gewicht 112 g 139 g 133 g
Prozessor Apple A6
Dual-Core mit 1 GHz
1 GB RAM
Qualcomm Snapdragon S4
Quad-Core mit 1,5 GHz
2 GB RAM
Samsung Exynos 4412
Quad-Core mit 1,4 GHz
1 GB RAM
WiFi 802.11 a/b/g/n (2,4 und 5 GHz) 802.11 a/b/g/n (2,4 und 5 GHz) 802.11 b/g/n (2,4 und 5 GHz)
Mobilfunk GPRS, EDGE, UMTS, HSPA, LTE GPRS, EDGE, UMTS, HSPA GPRS, EDGE, UMTS, HSPA
Bluetooth 4.0 4.0 4.0
NFC Nein Ja Ja
GPS Ja Ja Ja
Front-Kamera 1,2 Megapixel 1,2 Megapixel 1,2 Megapixel
Rück-Kamera 8 Megapixel 8 Megapixel 8 Megapixel
Anschlüsse Lightning
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Micro-USB
SlimPort-HDMI
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Micro-USB
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Betriebssystem iOS 6 Android 4.2 Android 4.1.2
Akkukapazität 1440 mAh 2100 mAh 2100 mAh

Nexus 7:

Google Nexus 7

Das Nexus 7 hat das erwartete Update erfahren. Der Speicher wurde zum gleichen Preis verdoppelt, verfügbar ist das Nexus 7 nun in 16 und 32 GB. Hinzugekommen ist nun auch eine Variante mit UMTS, die direkte Konkurrenz zum iPad mini steht also in den Startlöchern und wird noch vor Weihnachten in den Kampf um die Käufer eingreifen. Die drei großen Konkurrenten im Vergleich:

Apple iPad mini Amazon Kindle Fire HD Google Nexus 7
Herstellerseite www.apple.de www.amazon.de www.google.de/nexus
Preis ab 329 Euro ab 199 Euro ab 199 Euro
Speicherkapazität 16, 32, 64 GB 16, 32 GB 16, 32 GB
Displaygröße 7,85 Zoll
IPS-Panel
7 Zoll 7 Zoll
IPS-Panel
Auflösung 1024x768 Pixel 1280x800 Pixel 1280x800 Pixel
Größe 200 x 134,7 x 7,2 mm 193 x 137 x 10,3 mm 198,5 x 120 x 10,6 mm
Gewicht 308/312 g 395 g 340 g
Prozessor Apple A5
Dual-Core mit 1 GHz
PowerVR SGX543MP2
512 MB RAM
OMAP 4460
Dual-Core mit 1,2 GHz
PowerVR SGX540 307 MHz
1 GB RAM
NVIDIA Tegra 3
Quad-Core mit 1,3 GHz
GeForce ULP 416 MHz
1 GB RAM
WiFi 802.11 a/b/g/n (2,4 und 5 GHz) 802.11 a/b/g/n (2,4 GHz) 802.11 b/g/n (2,4 GHz)
Mobilfunk GPRS, EDGE, UMTS, HSPA, LTE Nein GPRS, EDGE, UMTS, HSPA
Bluetooth 4.0 Nein 3.0
NFC Nein Nein Ja
Sensoren Gyrosensor
Beschleunigungssensor
Digitaler Kompass
Umgebungslichtsensor
Gyrosensor
Beschleunigungssensor 
Gyrosensor
Beschleunigungssensor
Digitaler Kompass
Annäherungssensor
Magnetometer
GPS Ja (WiFi+Cellular-Modell) Nein Ja
Front-Kamera 1,2 Megapixel 1,2 Megapixel 1,2 Megapixel
Rück-Kamera 5 Megapixel Nein Nein
Anschlüsse Lightning
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Micro-USB
Micro-HDMI
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Micro-USB
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Betriebssystem iOS 6 Android 4.0 (angepasst) Android 4.1.2
Akkukapazität 4430 mAh 4400 mAh 4325 mAh
Akkulaufzeit 10 Stunden im WiFi
9 Stunden im Mobilfunknetz
11 Stunden im WiFi 10 Stunden im WiFi

Für etwa 130 Euro weniger bieten sowohl das Nexus 7 als auch der Kindle Fire HD eine etwas höhere Auflösung bei geringfügig geringerer Displaygröße. Unbestritten an der Spitze liegt das iPad mini bei Größe (hier vor allem Dicke) und Gewicht. Das "neue" Nexus 7 ist nun auch mit UMTS zu haben, Kindle verzichtet beim kleinen Fire HD auf diese Option. Erneuter Preisvergleich: Ein iPad mini mit 32 GB und WiFi+Cellular gibt es ab 559 Euro. Google verlangt für sein Nexus 7 mit 32 GB und UMTS nur 299 Euro. Wieder geht der Preispunkt klar an das Nexus 7.

Sowohl der Kindle Fire HD als auch das Nexus 7 lassen eine rückseitige Kamera missen. Diese bietet nur das iPad mini. Auch wenn man sich persönlich hin und wieder die Frage stellt, wer eigentlich Fotos und Videos mit einem Tablet macht, der Vista-Point im Urlaub oder die nächste größere Veranstaltung beweisen das Gegenteil. Der proprietäre Lightning-Anschluss des iPad mini ist Segen und Fluch zugleich. Zum einen bietet er einige Vorteile aufgrund des höheren Funktionsumfang gegenüber USB. Zum anderen aber macht er gerade beim Wechsel vom alten Dock-Connector viel neues Zubehör notwendig, falls altes bereits im Einsatz war.

Ein Vorteil für das Kindle Fire HD als auch das Nexus 7 ist sicherlich die Möglichkeit das Tablet über Micro-USB zu laden. Amazon bietet bei seinem Kindle Fire HD sogar Micro-HDMI. In Sachen Akkulaufzeit unterscheiden sich die drei Konkurrenten kaum. Ein wichtiger Faktor ist sicherlich auch das App-Angebot und hier hat Android noch einigen Nachholbedarf. Apple kann beim iPad mini auf die schon bestehenden Apps für das iPad der 1. und 2. Generation zurückgreifen.

Nexus 10:

Google Nexus 10

Auch den High-End-Tablet-Markt will Google bedienen. Dazu präsentierte man das Nexus 10. Herausragendes Merkmal soll das 10,1 Zoll Display mit einer Auflösung von 2560x1600 Pixel sein. Die Pixeldichte liegt damit bei 300 ppi und deutlich über der des iPad der 4. Generation mit 263 ppi. Zunächst einmal ein direkter Vergleich der beiden High-End-Modelle:

Apple iPad 4. Generation Google Nexus 10
Herstellerseite www.apple.de www.google.de/nexus
Preis ab 499 Euro ab 399 Euro
Speicherkapazität 16, 32, 64 GB 16, 32 GB
Displaygröße 9,7 Zoll
IPS-Panel
10,055 Zoll
True RGB Real Stripe PLS
Auflösung 2048x1536 Pixel 2560x1600 Pixel
Größe 241,2 x 185,7 x 9,4 mm 263,9 x 177,6 x 8,9 mm
Gewicht 652/662 g 603 g
Prozessor Apple A6X
Dual-Core mit 1,4 GHz
PowerVR SGX543MP4
1 GB RAM
Samsung Exynos 5250
Dual-Core
Mali T604
2 GB RAM
WiFi 802.11 a/b/g/n (2,4 und 5 GHz) 802.11 b/g/n (2,4 und 5 GHz)
Mobilfunk GPRS, EDGE, UMTS, HSPA, LTE Nein
Bluetooth 4.0 4.0
NFC Nein Ja
Sensoren Gyrosensor
Beschleunigungssensor
Digitaler Kompass
Umgebungslichtsensor
Gyrosensor
Beschleunigungssensor
Digitaler Kompass
Annäherungssensor
Magnetometer
Barometer
GPS Ja (WiFi+Cellular-Modell) Ja
Front-Kamera 1,2 Megapixel 1,9 Megapixel
Rück-Kamera 5 Megapixel 5 Megapixel
Anschlüsse Lightning
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Micro-USB
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Betriebssystem iOS 6 Android 4.2
Akkukapazität 11560 mAh 9000 mAh
Akkulaufzeit 10 Stunden im WiFi
9 Stunden im Mobilfunknetz
10 Stunden im WiFi

Auch hier zeigt sich: Google greift auf gleich zwei Fronten an. Technologisch zieht man mit Apple gleich, preislich unterbietet man den Konkurrenten deutlich. Das Nexus 10 lässt allerdings die Möglichkeit vermissen über eine Mobilfunkverbindung Daten auszutauschen.

Es wird sich aber noch zeigen müssen, ob nicht nur Android 4.2 auf eine solche Auflösung angepasst wurde, sondern schnellmöglich auch die wichtigsten Apps. In Sachen Ökosystem steht Apple noch immer an der Spitze. Doch dieser Vorsprung kann schnell aufgebraucht sein und Android beweist nicht zuletzt mit Features wie der Mehrbenutzer-Unterstützung, dass man mit iOS schon lange nachgezogen, wenn nicht gar schon überholt hat.

iOS wird langweilig und hinkt hinterher

Ohne Frage hat iOS eine neue Bedienstruktur und Einfachheit eingeführt, der viele mobile Betriebssysteme noch heute hinterherhinken. Doch konnte Apple lange von einer technologischen Vorherrschaft zehren, so liegen diese Zeiten hinter uns. Android hat mit Jelly Bean sowohl in der Performance wie auch im Funktionsumfang hinzugelegt. Android 4.2 schiebt weitere Features hinterher - darunter die Mehrbenutzer-Unterstützung. Mit Android 4.2 können mehrere Benutzer angelegt werden, die dann jeweils ihren eigenen Homescreen, Hintergrund, Widgets, Apps und Einstellungen wiederfinden. Für iOS werden solche Funktionen immer wieder ins Gespräch gebracht, in das System haben sie es aber noch nicht geschafft. Eine weitere Baustelle bei iOS ist sicherlich auch der verwaiste Lockscreen. Mehr dazu gibt es auch in dem Kommentar: Was mich an iOS langweilt.

Einen Vorteil hat iOS in Sachen Updates. Apple ist auf keine Hersteller angewiesen, damit diese Software-Updates direkt an ihre Nutzer weitergeben. Mit der Nexus-Reihe löst Google auch dieses Problem, denn hier erscheinen Updates für Android zeitnah.

Samsung, HTC und Co?

Der Frontalangriff mit dem Nexus 4, Nexus 7 und Nexus 10 richtet sich aber nicht ausschließlich gegen Apple. Google war offenkundig mit der Produktpolitik vieler Partner unzufrieden und versucht nun vieles selbst in die Hand zu nehmen. Darüber nicht sonderlich erfreut dürften auch die engen Partner wie Samsung und HTC sein. Sicher, Google lässt seine Geräte bei ASUS, LG und Samsung fertigen, doch der Käufer und Nutzer kauft und nutzt ein Google Nexus.

Zukunftsaussichten

Google nutzt seine Marktposition um gute Produkte zu günstigen Preisen in den Markt zu drücken. Einfluss auf das nächste Quartalsergebnis dürfte dies nicht haben, denn mit Hardware zu solchen Preisen wird sich kein Geld verdienen lassen. Anders als Apple ist Google aber kein Unternehmen, dass mit Hardware Geld verdienen möchte, sondern durch den Verkauf von Werbung, was am besten gelingt, wenn möglichst viele Nutzer die eigene Hardware und damit Software verwenden. Daran ist nichts verwerfliches, ganz im Gegenteil. Anders als Microsoft hat man bei Google frühzeitig erkannt, wie die eigene Unternehmenszukunft aussehen könnte und arbeitet derzeit hart daran, dies auch umzusetzen.