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Mit Lieferverträgen von bis zu fünf Jahren erreicht der KI-Boom endgültig auch den Storage-Markt. SanDisk, Western Digital und Seagate sichern großen Kunden SSD- und HDD-Kapazitäten über mehrere Jahre zu. Teilweise reichen die Vereinbarungen und Planungen bis 2028 und 2029. Aus einem Markt, der lange stark von kurzfristigen Zyklen lebte, wird ein strategischer Teil der KI-Infrastruktur.
Bei SanDisk erreichen die längsten Verträge laut Reuters inzwischen über fünf Jahre. Das Unternehmen hat mehrere langfristige Liefervereinbarungen abgeschlossen, einen Großteil davon allein im jüngsten Quartal mit einem Gesamtvolumen von 42 Milliarden US‑Dollar. Bei Festplatten verschiebt sich der Planungshorizont ebenfalls deutlich nach vorn. Western Digital erklärte im jüngsten Quartalsbericht, dass praktisch jede aktuelle KI-Last dauerhaft Daten erzeugt, die gespeichert werden müssen. Dazu gehören Training, Inference, agentische KI und Physical AI. Im Earnings-Call sprach das Management von Vereinbarungen bis ebenfalls in die Kalenderjahre 2028 und 2029. Parallel arbeitet Western Digital an 40-TB-EPMR-Laufwerken, HAMR-Modellen und Hochbandbreiten-HDDs für Hyperscaler.
Seagate meldet eine ähnliche Entwicklung: Nearline-HDDs sind nach Angaben des Unternehmens durch Cloud- und KI-Nachfrage weitgehend verplant, strategische Gespräche reichen bis 2028 und darüber hinaus. Besonders agentische KI verschärfe den Bedarf. Solche Systeme beantworten nicht nur einzelne Chat-Anfragen. Sie nehmen laufend Eingaben auf, erzeugen Zwischenergebnisse, speichern Kontext und stoßen neue Arbeitsschritte an.
Für die Hersteller ist das komfortabel. Mehrjährige Abnahmezusagen machen Investitionen in höhere NAND-Layer, HAMR-Technik, größere Festplatten und neue Fertigungsschritte planbarer. Zugleich können SanDisk, Western Digital und Seagate Produktion und Preise enger an feste Kundenzusagen koppeln. Das stärkt vor allem Großkunden, die sich früh Zugriff auf knappe Ware sichern. Für den Gesamtmarkt ist das ein weiteres Knappheitsversprechen. Je mehr Kapazität früh an Großkunden gebunden wird, desto weniger flexibel können Hersteller auf den freien Markt reagieren. Ein großer Teil der NAND-Produktion, Enterprise-SSDs und kapazitätsstarken Nearline‑HDDs dürften zuerst dorthin gehen, wo Abnahmemengen und Margen planbar sind. Für die PC-Bastler wie es unsere Leser sincd und kleinere Abnehmer steigt damit das Risiko höherer Preise und längerer Beschaffungswege.
Damit wiederholt sich ein Muster, das bereits bei GPUs, HBM und DRAM sichtbar wurde. KI-Infrastruktur zieht nicht nur die teuersten Beschleuniger an sich, sondern zunehmend auch die Komponenten dahinter. Modelle müssen trainiert, Inference-Ergebnisse gespeichert, Kontextdaten vorgehalten und neue Datenströme aus Agenten, Video, Sensorik und Unternehmensanwendungen verarbeitet werden. SSDs liefern die schnellen Datenpfade, HDDs bleiben wegen ihrer Kosten pro Terabyte im großen Maßstab wichtig. Immerhin erreichen mit der Micron 6600 ION auch neue Enterprise-SSDs mit 245 TB Kapazität den Markt.