Patriot P400 im Test: Schnell und heiß dank Innogrit-Controller

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Mit der Patriot P400 erreicht uns eine neue, spannende Consumer-SSD, die durch ihren Innogrit-Controller tatsächlich ein Novum in unserem Testparcours darstellt. Mit einem fairen Preispunkt und dem Verzicht auf DRAM platziert Patriot die P400 bewusst außerhalb seiner VIPER-Serie, die vorrangig Enthusiasten und Gamer anspricht. Ob die P400 dennoch ein spannender Massenspeicher für potenzielle Käufer sein kann und wo die SSD ihre Stärken hat, klären wir daher wie gewohnt in unserem Test.  

Auch wenn wir bei Hardwareluxx natürlich immer ein Herz für Gamer und Enthusiasten haben und daher zuletzt eher die VIPER-HighEnd-Serie Patriots im Blick für Tests hatten, darf natürlich auch die preisbewusstere Sparte nicht zu Kurz kommen. Bei Patriot bedeutet dies, dass auf verlockende Namen verzichtet wird und auch die ansonsten optisch sehr ansehnlichen Kartons mit Inlay weichen müssen. Unsere P400 mit einer Kapazität von 1 TB ist daher lediglich in einem Pappschuber verpackt. 

Dennoch zählen natürlich die inneren Werte, wobei Patriot auch schon hier auf der Verpackung direkt kennzeichnet, dass die SSD nur als "High Performance" mit sieben von neun "+" bewertet wird. Dabei gilt allerdings zu beachten, dass die Leistungsdaten auf der Verpackung nur für die Variante mit 1 TB gelten, denn wie bei vielen anderen SSDs auch üblich, sind gerade die kleinsten Modelle etwas langsamer spezifiziert. Im Falle der P400 bedeutet dies, dass schreibend bei der 512 GB Variante nur 3.300 MB/s zu erwarten sind, während unser Testmuster die 4.800 MB/s packen sollte. 

Patriot P400

Gegenwärtig ist die Patriot P400 in zwei Varianten erhältlich, mit 512 GB oder eben 1 TB wie unser Testmuster. Auf der Rückseite der Verpackung schreibt Patriot jedoch bereits von einem Modell mit 2 TB, das allerdings weder in Preisvergleichen, noch auf der Herstellerseite zu finden ist. Es ist daher davon auszugehen, dass eine solche Variante noch erscheinen wird, vor allem wenn wir uns später das PCB der SSD ansehen. Werfen wir jedoch zunächst einen Blick auf die offiziellen Herstellerangaben.

Herstellerangaben der Patriot P400 1 TB
Modell Patriot P400 1 TB
Controller Innogrit IG5220
Cache
NAND 3D TLC (PFMC-B8F46A1CD00)
Verfügbare Kapazitäten 512 GB
1 TB
sequentielle Lese/Schreibrate Lesend: 4.800 MB/s
Schreibend: 5.000 MB/s
Features: Kupferblättchen als Kühlkörper
Total Bytes Written (TBW)512 GB: 400 TB
1 TB: 800 TB
MTBF Keine Angabe
Garantie 3 Jahre
PreisEtwa 134 Euro

Für uns der spannendste Aspekt der neuen Patriot P400 ist sicherlich der verwendete Controller. Der Innogrit IG5220 ist dabei die günstigere Serie des chinesischen Herstellers, der vor allem schnellen NAND voraussetzt, da er auf lediglich vier Speicherkanäle setzt, die aber auf jeweils bis zu 1.600 MT/s spezifiziert werden können. Dies ist bei unserem Modell offenbar nicht der Fall, da die P400 auf lediglich 4.800 MB/s lesend bzw. 5.000 MB/s schreibend festgeschrieben wurde. Der Innogrit-Controller ist in 12 nm FinFET gefertigt und verwendet PCIe Gen4 x4 als Interface. Darüber hinaus unterstützt er laut Datenblatt Verschlüsselungen und Schutzvorrichtungen wie AES, SM2/3/4, SHA, RSA, ECC und CRC. Im Gegensatz zum großen Bruder, dem IG5221 verzichtet der IG5220 auf einen DRAM-Cache, wie auch unser Blick auf das PCB zeigt. 

Beim verwendeten NAND setzt Patriot bei unserem Sample auf PFMC-B8F46A1CD00, den wir so nicht näher spezifizieren können, der allerdings als TLC-NAND so auch schon bei der Patriot Viper VP4300 zum Einsatz kommt und daher auch HighEnd-Ansprüchen genügen sollte. Passend zur versteckten Ankündigung auf der Rückseite der Verpackung können wir nachvollziehen, dass auch auch ein Modell mit einer Kapazität von 2 TB im Rahmen des Möglichen ist - Platz hat unser einseitig bestücktes Testmuster jedenfalls noch genug. 

Blicken wir also gespannt auf den ersten Test der Patriot P400 und vor allem auf den Innogrit-Controller. Auffällig beim ersten Start des Testsystems ist sofort die vergleichsweise hohe Temperatur, die unsere Hardwareüberwachung angibt. Gute 70 °C im Idle sind durchaus normal für die P400, doch ungewohnt hoch für eine SSD ohne jede Belastung. Starten wir also mit unserem Test zur temperaturbedingten Performance werden wir folgerichtig wenig überrascht. Bereits nach nur 27 Sekunden ist die Grenze von 75 °C erreicht und die Leistung bricht entsprechend ein, kann dann allerdings über den vollen Testzeitraum gehalten werden. 

Zwar verfügt unser Testsample über ein Kupfer-Etikett, das die Wärme durchaus erfolgreich abführen kann, wie wir bei anderen Massenspeichern gesehen haben, doch scheint das dem Innogrit-Controller nicht zu reichen. Da unser Test-Setup sicherlich gewissermaßen keinen Idealfall darstellt (schließlich wäre selbst unser verwendetes Mainboard mit einem SSD-Kühlkörper ausgestattet), wollten wir auch einen Test mit aktiver Kühlung bei diesem neuen Speichercontroller durchführen und haben daher provisorisch einen Gehäuselüfter auf die Grafikkarte gestellt. 

Die Ergebnisse sind nun deutlich besser. Selbst unter maximaler Belastung bleibt die SSD kühler als zuvor im Idle und folgerichtig können wir auch keine Drosselung der Leistung feststellen. Diese zusätzliche Kühlung haben wir jedoch nur für diese Tests genutzt, alle folgenden Benchmarks sind ohne aktive Kühlung erfolgt. 


Die Erkenntnisse der temperaturbedingten Drosslung haben wir schließlich auch für unseren Cache-Test einfließen lassen. Während wir ohne aktive Kühlung den selben raschen Einbruch messen, kann die SSD immerhin noch eine ganze Weile die Schreibgeschwindigkeit auf mehr als 2.000 MB/s halten, ehe sie nach insgesamt 115 Sekunden auf gut 1.100 MB/s verharrt. 

Nehmen wir die thermische Beeinflussung jedoch aus dem Spiel, verändert sich die Charakteristik grundlegend. Die Höchstgeschwindigkeit von mehr als 4.200 MB/s kann deutlich länger gehalten werden, ehe zwei Minuten lang mit knapp 2.000 MB/s weiter geschrieben wurde. Anschließend scheint der NAND am Ende zu sein und der (Pseudo-)SLC-Cache an der Grenze. Erst nach etwas mehr als einer Minute werden wieder weiter Daten in NVMe-Geschwindigkeit geschrieben. 

Dieses Verhalten mag auf dem Diagramm zunächst negativ wirken, da eine Geschwindigkeit auf SATA-Niveau nicht dem entspricht, das sich viele User vorstellen, wenn sie eine PCIe4-SSD kaufen. Tatsächlich sollte jedoch überdacht werden, welche Datenmassen hier bereits geschrieben wurden, wenn nach 180 Sekunden dieser letzte Performance-Einbruch auftritt - nämlich gut 480 GB. Für absolute Power-User sollte die Patriot P400 daher vielleicht nur bedingt interessant sein, typische Gamer, Content-Creator und Office-User sollten sich aber nicht abschrecken lassen. 


Während die ersten Tests vor allem die Leistung des Controllers im leeren Idealzustand zeigen, ist im Alltag sicherlich die Performance im gefüllten Zustand interessanter. Hier zeigt sich, dass der NAND praktisch nur mit (Pseudo-)SLC-Cache dies beworbenen Datenraten erreichen kann. Mit einem Füllstand von 80 % können nur kurze Performance-Boosts erreicht werden. Anschließend schreibt die P400 sequenziell eher auf HighEnd-SATA-Niveau. Das eigene Nutzerverhalten muss hier reflektiert werden, ob dieses Verhalten ausreicht oder eben nicht. 

Bei den Garantiebedingungen zeigt sich Patriot bei der P400 leider nicht ganz so großzügig wie bei SSDs der Viper-Serie. So sind lediglich drei Jahre Garantie angegeben. Die weitere Eingrenzung dieser mittels TBW bewegt sich jedoch in einem üblichen Rahmen und ist mit 800 TBW für unser Testsample gut dimensioniert für eine Mittelklasse-SSD. 

Maximale Schreiblast

Modell

240 - 280 GB400 - 512 GB800 - 1.024 GB1.500 - < 4.000 GB>= 4.000 GB
Patriot P400-400 TB800 TB--
Western Digital WD_Black SN770200 TB300 TB600 TB1,2 PB-
Kingston FURY RENEGADE-500 TB1 PB2 PB4 PB
Kingston KC3000-400 TB800 TB1,6 PB3,2 PB
TeamGroup T-Force Cardea A440--700 TB1,4 PB-
Crucial MX500100 TB180 TB360 TB700 TB1 PB
Seagate FireCuda 530-640 TB1.275 TB2,55 PB5,1 PB
Crucial P5 Plus-300 TB600 TB1,2 TB-
MSI SPATIUM M480-350 TB700 TB1,4 PB-
Seagate IronWolf Pro 125 SSD435 TB875 TB1,75 PB3,5 PB7 PB
Corsair MP600 Pro--700 TB1,4 PB-
Western Digital WD_Black SN850
-300 TB
600 TB1,2 PB-
Corsair MP400
--200 TB
400 TB800 TB - 1,6 PB
Samsung SSD 980 PRO
150 TB300 TB600 TB1,2 PB-
Crucial P5
150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
-
TeamGroup T-Force Cardea Zero Z340
380 TB800 TB1,66 PB--
Samsung SSD 870 QVO
--370 TB720 TB 
1,44 - 2,88 PB
Kioxia Exceria Plus
-200 TB
400 TB800 TB-
Kioxia Exceria
100 TB
200 TB400 TB--
Intel Optane SSD 905P-8,76PB17,52 PB27,37 PB-
Western Digital WD Black SN750200 TB300 TB
600 TB1,2 PB
-
Samsung SSD 970 EVO Plus-300 TB
600 TB
1,2 PB
-
Samsung 970 PRO
-600 TB
1,2 PB
--

Nach den Unregelmäßigkeiten, die wir beim Test der Western Digital WD Blue 3D NAND in Bezug auf den X570-Chipsatz von AMD ermittelt haben, stand wie bereits angekündigt, ein Wechsel des Mainboards an. Grundlage für unsere Tests bildet daher fortan das ASUS ROG Strix B550-E Gaming, das in unserem Test auch in Bezug auf die Storage-Anbindung vollkommen überzeugen konnte.

Befeuert wird das ASUS weiterhin von einem AMD Ryzen 5 3600, der mit sechs Kernen und doppelt so vielen Threads genug Rechenpower bietet.

Patriot P400

Die verwendete Software im Einzelnen:

Die genutzte Hardware im Einzelnen:


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von acht Millionen logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben

MB/s
Mehr ist besser

Der Iometer hatte sich zuletzt nicht ganz glücklich in Verbindung mit den Phison-E18-Modellen gezeigt. Der Innogrit IG5220 zeigt hier hingegen deutlich realistischere Werte, die durchaus mit so mancher HighEnd-SSD wie der Crucial P5 Plus mithalten können. Tatsächlich reicht es sogar sequenziell schreibend auf den Spitzenplatz, hier kann der verbaute NAND offenbar sein ganzes Können ausspielen. In den wichtigeren 4K-QD1-Tests sind die Ergebnisse gemischter, allerdings kann die SSD hier ebenfalls vor allem schreibend überzeugen. 


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt. Folgerichtig stehen hier letzte Plätze zu Buche. Erst wieder bei den sequenziellen Tests erreichen wir wiederum Werte, die wir von einer SATA-SSD erwarten.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell lesen (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell schreiben (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

Im AS SSD Benchmark reicht es der Patriot P400 zwar nicht für einen Spitzenplatz, doch wiederum sind gerade die sequenziellen Ergebnisse sehr stark, da sie praktisch erstaunlich nahe an das spezifizierte Maximum reichen. Interessant ist der Vergleich zur ebenfalls DRAM-less WD_Black SN770, bei dem die Patriot in den wichtigen QD1-Anwendungen die Nase vorn hat. Dies sollte sich vor allem auf eine gute Anwendungsleistung auswirken. 

Review der Patriot P400
Review der Patriot P400

Im CrystalDiskMark erfüllt die Patriot P400 praktisch ihre Spezifikationen, die fehlenden knapp 10 MB/s schreibend fallen jedenfalls unter die Messtoleranz. Stark ist zudem grundsätzlich die Q1T1-Leistung, die sich auch mit den Ergebnissen im Iometer und AS SSD Benchmark deckt. 


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - ISO

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Programm

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Spiel

MB/s
Mehr ist besser

In der Kopierleistung kann die Patriot P400 zwar mit den Ergebnissen der gängigen aktuellen Konkurrenz mithalten, doch für die Spitze reicht es jeweils nicht. 


Synthetische Benchmarks geben jeweils nur extreme Anwendungsfälle wieder. Bei der alltäglichen Nutzung eines Systems fallen sehr viele unterschiedliche Zugriffsmuster an, von sehr kleinen Blöcken bis hin zu großen sequenziellen Transfers. Ein Trace-Benchmark gibt genau diese Zugriffsmuster wieder, die zuvor während der Nutzung eines Systems aufgezeichnet wurden. PCMark 8 verwendet die Zugriffsmuster mehrerer Anwendungen, wobei sich auch die jeweils geschriebene bzw. gelesene Datenmenge unterscheidet, wie die folgende Tabelle zeigt. Die Testdaten sind vollständig inkompressibel.

AnwendungsprofilInsgesamt gelesenInsgesamt geschrieben
Adobe Photoshop light313 MB2.336 MB
Adobe Photoshop heavy468 MB5.640 MB
Adobe Illustrator373 MB89 MB
Adobe InDesign401 MB624 MB
Adobe After Effects311 MB16 MB
Microsoft Word107 MB95 MB
Microsoft Excel73 MB
Microsoft PowerPoint83 MB21 MB
World of Warcraft390 MB5 MB
Battlefield 3887 MB28 MB

Bestandteile des Storage-Benchmarks

Als Änderung im Vergleich zu PCMark 7 hat Futuremark die Komprimierung der Leerlaufzeit (idle time compression) entfernt, sodass sich die abgespielten Traces eher wie eine echte Anwendung verhalten. Im Gegensatz zu früher geben wir als Ergebnis dieses Tests nicht mehr die von PCMark berechnete Punktzahl an, sondern die rechnerische Transferrate. Diese berechnet sich aus der Menge an gelesenen und geschriebenen Daten (vgl. Tabelle) dividiert durch die Zeit, die das Laufwerk mit der Abarbeitung von mindestens einer Anfrage beschäftigt war. Eine höhere Transferrate bedeutet also, dass kürzer auf das Laufwerk gewartet werden musste und sich die Reaktionszeit einer Anwendung so auch insgesamt verkürzt.

Futuremark PCMark 8

Storage - Gesamtwertung

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 9

Battlefield 3

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 10

Word of Warcraft

MB/s
Mehr ist besser

Haben uns die QD1-Tests der synthetischen Benchmarks bereits auf eine gute Anwendungsleistung hoffen lassen, kann uns die Patriot P400 nun begeistern. In einer Gesamtwertung, die nur von der Königin WD_Black SN850 unter den PCIe4-SSDs angeführt wird, erreicht unser Sample den kumulierten zweiten Platz. Selbst die Crucial P5 Plus lässt die P400 relativ klar hinter sich, die aktuellen Samsung-SSDs sind bereits abgeschlagen, der Abstand zu den aktuellen Phison-E18-Varianten zumindest deutlich. Haben wir die Patriot Viper VPN110 noch als Vergleichsbasis aus selbem Haus anführen wollen, liegt der Abstand hier bereits bei 56 % zugunsten der P400. 

Einen möglichen Grund für diese starke Gesamtleistung bieten schon die beiden Spiele-Tests, bei denen die Patriot P400 ebenfalls sehr stark performt und in World of Warcraft sogar hauchdünn die WD_Black SN850 schlägt. Offenbar sind vor allem die lese-intensiven Anwendungen das Steckenpferd der P400, trotz ihrer Eigenschaft als DRAM-less SSD. Doch schauen wir auch auf die weiteren Anwendungstests. 


Weiter geht's mit den Anwendungen von Adobe und Microsoft.

Futuremark PCMark 11

Adobe After Effects

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 12

Adobe Indesign

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 13

Adobe Illustrator

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 14

Adobe Photoshop (light)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 15

Adobe Photoshop (heavy)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 16

Microsoft Excel

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 17

Microsoft Powerpoint

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 18

Microsoft Word

MB/s
Mehr ist besser

Ob schreib-intensive Adobe-Anwendungen oder die Office-Suite von Microsoft, auch in diesen Anwendungen kann die Patriot P400 vollkommen überzeugen. Auch wenn der Abstand variiert, distanziert die P400 die Konkurrenz und muss sich lediglich der WD_Black SN850 geschlagen geben - wenn überhaupt. So bietet unser Testsample im Illustrator- sowie im intensiven Photoshop-Test die beste Leistung aller PCIe4-SSDs.


Der PCMark 8 „Expanded Storage"-Test besteht aus zwei Teilen, dem „Consistency test" und dem „Adaptivity test". Letzterer prüft, wie gut sich ein Storage-System an eine bestimmte Last anpassen kann. Für uns interessanter ist der erste Test, der den Performanceverlust eines Speichersystems messen soll. Davor haben wir für diesen Zweck eine Kombination von HDTach und Iometer eingesetzt: Zuerst wurde die sequenzielle Performance im Neuzustand gemessen, dann das Laufwerk mit Iometer extrem stark beansprucht und anschließend wieder die Performance gemessen. Die Performance vieler Laufwerke ist dabei nicht selten um 50 % und mehr eingebrochen. Dieses Vorgehen erlaubt eine Aussage über den Worst Case.

Das Vorgehen von PCMark 8 ist deutlich näher am Alltag: In der ersten Phase wird das Laufwerk zweimal komplett gefüllt, wobei der zweite Durchlauf sicherstellen soll, dass auch der dem Nutzer nicht zugängliche Speicher gefüllt wird. In der zweiten Phase (Degrade) wird das Laufwerk insgesamt achtmal hintereinander mit zufälligen Schreibzugriffen belastet, wobei der erste Durchgang 10 Minuten dauert und jeder weitere Durchlauf fünf Minuten länger. Nach jedem Durchgang wird die Performance gemessen. In der dritten Phase (Steady state) finden fünf weitere Durchläufe mit jeweils 45 Minuten Schreibdauer statt, auch hier wird die Performance gemessen. In der letzten Phase (Recovery) wird nach einer Leerlaufzeit von fünf Minuten die Performance gemessen. Diese Messung wird inklusive der Leerlaufzeit fünfmal wiederholt und soll dem Laufwerk die Möglichkeit geben, sich zu regenerieren.

Die beiden folgenden Diagramme zeigen, wie lange unterschiedliche Laufwerke in den verschiedenen Phasen durchschnittlich brauchen, um einen Lese- oder Schreibzugriff zu beantworten. Hierbei beschränken wir uns auf den größten Teil des Trace-Benchmarks, nämlich das Profil „Photoshop Heavy", bei welchem 468 MB gelesen und 5.640 MB geschrieben werden. Sowohl dieser als auch die vorherigen Tests mit AS SSD und Iometer haben ihre Daseinsberechtigung, für den Alltag relevanter sollten allerdings diese Ergebnisse sein.

Review der Patriot P400
Review der Patriot P400
Review der Patriot P400

Zugegeben konnte uns schon so manche DRAM-less SSD in einigen Benchmarks begeistern, um dann zumindest teilweise im Belastungstest einzubrechen. Aktuellstes Beispiel dieser Art ist sicherlich die starke WD_Black SN770, die zumindest nicht konstant die erhoffte Performance zeigen konnte und teilweise hohe Latenzen aufwenden musste. 

Bei der Patriot P400 können wir dieses Schicksal glücklicherweise jedoch verneinen. Die Latenzen liegen fast ausschließlich auf Spitzenniveau und die resultierenden Transferraten zeugen ebenso auf eine äußerst konstante Leistung, der auch mit so mancher HighEnd-SSD auf Augenhöhe liegt.  


Die Erwartungshaltung an ein zu testendes Produkt ist sicherlich von vielen Faktoren abhängig und im Falle der Patriot P400 auch nicht allzu leicht zu benennen. Als Massenspeicher, der bereits vom Hersteller nicht zur Spitzen-Serie benannt wird, keinen DRAM vorweisen kann und einen unbekannten Speicher-Controller verbaut hat, liegt der Reiz meist eher in technischer und preislicher Perspektive. Eine Leistung jedenfalls wie sie uns die P400 nun nach Abschluss aller Benchmarks präsentiert, hatten wir so nicht erwartet. 

Einen Hauptanteil dieses positiven Fazits hat ohne Frage der verwendete Innogrit IG5220. Trotz des Verzichts auf dedizierten DRAM und dem Zusammenspiel mit NAND, der die Spezifikationen des Controllers nicht ausreizen kann, bietet die SSD konstant gute Ergebnisse, die vor allem mit einer Top-Platzierung in den Anwendungsbenchmarks gekrönt wird. Auch im Belastungstest kann der fehlende DRAM gut kaschiert werden, sodass auch hier die Ergebnisse konstant gut sind und etwa auf dem Level sehr guter Phison-E18-SSDs liegen. Eine Eigenschaft, die sich die P400 mit diesen teilt, ist dabei die Hitzeentwicklung, die sich im Extremfall auch nachteilig auf die Leistung auswirkt. Dabei muss jedoch erwähnt werden, dass die Tests allesamt ohne aktive Kühlung durchgeführt wurden.

Neben also einer insgesamt sehr hohen Performance kann auch der Preis durchaus für die Patriot P400 sprechen. Unser Testsample mit einer Kapazität von 1 TB liegt aktuell etwa bei 134 Euro und damit günstiger als die Dauer-Empfehlungen von Crucial, Samsung und Western Digital. Doch der Abstand ist auch hier gering. So kostet die WD_Black SN850 nur etwa 10 Euro mehr und bietet dafür noch ein (kleines) Leistungsplus und eine deutlich geringere Abwärme. Spannend können also vor allem weitere Preisentwicklungen sein, die sich momentan nicht abschätzen lassen, da die Patriot P400 erst seit Kurzem überhaupt verfügbar ist. Auch wenn die P400 also nicht für Gamer oder Content Creator beworben wird, kann hier durchaus zugeschlagen werden. 

Positive Aspekte der Patriot P400

Negative Aspekte der Patriot P400

Preise und Verfügbarkeit
1TB Patriot M.2 SSD P400 PCIe 3.0 NVMe 5000/4800MBs
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Ab 108,99 EUR