MSI SPATIUM M480 im Test: Respektabler Einstand im SSD-Markt

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Als bekannter und beliebter Hardwareausrüster fehlte MSI ein schneller Massenspeicher bislang im Portfolio. Diese Lücke soll nun passend zum Namen das Flaggschiff SPATIUM M480 besetzen, die als PCIe4-SSD zusammen mit einem beeindruckenden Kühlkörper kompromisslose Leistung für Power-User und Gamer bieten soll. Wie gut das Debut tatsächlich gelingt, klären wir jedoch erst in unserem Review. 

Vorweg ist der erste Eindruck der MSI SPATIUM M480 ein positiver: Dass eine SSD in einer so hochwertigen Verpackung verkauft wird, haben wir seit der Intel Optane 905p nicht gesehen. Im stabilen Schuber mit Kunststoffeinlage sind die drei Aussparungen für praktisch jeden Einsatz der SSD vorgesehen. Ob "nackig" oder wahlweise mit hochwertigem Aluminiumkühlkörper kann die SPATIUM M480 eingesetzt werden. Diese Variante ergibt zunehmend Sinn und wird auch von mehreren Herstellern bereits so umgesetzt, denn ein fest vorinstallierter Kühler verhindert letztlich den Einsatz in so manchem Szenario - angefangen von Notebooks, aber auch bei aktuellen HighEnd-Mainboards, die bereits eine Kühloption besitzen. MSI kennt sich in diesem Segment selbst bekanntlich bestens aus. 

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Doch selbstverständlich sind die inneren Werte das, was eine schnelle SSD ausmacht. Dass MSI als breitgefächerter Hardwarehersteller nicht unbedingt eigene Chips und Speicher entwickelt hat, dürfte wenig überraschen, ganz im Gegenteil. Stattdessen bedienen sich die Taiwanesen bei den aktuell verfügbaren HighEnd-Lösungen, um die SPATIUM M480 ganz oben anzusiedeln. Dies beinhaltet den Controller Phison E-18, 96-Layer NAND von Micron und 2 GB DRAM für die Mapping-Tabelle etc. von SKHynix. Erscheinen diese Angaben vertraut, so ist das kein Zufall. Auch die Corsair MP600 Pro, die PNY XLR8 CS3140und andere SSDs setzten grundsätzlich auf diese Komponenten

Insgesamt setzt MSI auf drei Modelle in drei Kapazitäten bei der M480, von 500 GB, 1 TB bis zu unserem Testmuster von 2 TB.  

Herstellerangaben der MSI SPATIUM M480
Modell MSI SPATIUM M480 2 TB
Controller Phison PS5018-E18
Cache 2x 1 GB SKHynix DDR4-2666 H5AN8G6NCJR-VKC
NAND Micron 96-Layer 3D TLC IA7BG64AIA
Verfügbare Kapazitäten 500 GB
1 TB
2 TB
sequentielle Lese/Schreibrate Lesen: 7.000 MB/s
Schreiben: 6.800 MB/s
Features: Aluminiumkühlkörper
Total Bytes Written (TBW)2 TB: 1,4 PB
1 TB:  700 TB
500 GB: 350 TB
MTBF 1,6 Millionen Stunden
Garantie 5 Jahre oder Ablauf der TBW
Preisca. 380 Euro (2 TB)

Wie bereits eingangs erwähnt, ist die grundsätzliche Kombination aus Controller, DRAM und NAND keine unbekannte in unserem Testparcours. Die nächste Verwandtschaft besteht zweifellos zur Corsair MP600 Pro, die wir ebenfalls in einer Version mit einer Gesamtkapazität von 2 TB testen durften. Unterschiede der beiden Massenspeicher sind daher zumindest im nackten Zustand mit der Lupe zu suchen, da beide PCBs beidseitig sehr eng bestückt sind, um die zwei Terabyte zu ermöglichen. Gespeichert werden diese auf Micron-NAND in 96 Schichten, die vom bekannten, aktuellen Phison E18-Controller beschrieben werden. Unterstützt wird dieser von DDR4-RAM von SKHynix, wobei unser Modell mit 2 GB ausreichend dimensioniert ist. 

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Bekannt und daher zu erwarten, setzt der Controller die beworbenen sequenziellen Transferraten durch einen (Pseudo-)SLC-Cache um. Dabei werden die NAND-Chips als vermeintlicher SLC-Speicher beschrieben, ehe die Daten anschließend im TLC-Muster dauerhaft gespeichert werden. Prüfen wir das Cache-Verhalten im SSDStresstest, sehen wir dabei, dass die MSI SPATIUM M480 auf praktisch drei Geschwindigkeitsstufen die Daten schreibt. Für fast 40 Sekunden können wir mit Dauerfeuer von mehr als 5.800 MB/s die SSD beschreiben, was immerhin für einen Cache von 220 GB spricht, ehe die Transferrate auf "nur" noch 1.800 MB/s einbricht. Diese Geschwindigkeit kann immerhin mehr als 100 Sekunden gehalten werden, beziehungsweise weitere 200 GB. 

Anschließend jedoch ist die SSD praktisch am Limit. Mehr als 400 GB geschriebene Daten in etwa zweieinhalb Minuten sind letztlich so viel, dass die MIS SPATIUM M480 sich erst eine Auszeit auf HDD-Niveau gönnen muss. Da wir der SSD bis zum Ende des Tests keine Verschnaufpause gönnen, erholt sich die Transferrate auch nicht mehr, sondern bleibt entsprechend schwach. 

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Da eine SSD jedoch in aller Regel selten immer leer verwendet wird, testen wir die MSI SPATIUM M480 aber auch im alltagsnäheren Zustand mit 80-%-Füllstand. Hier zeigt die SSD ebenfalls zunächst, welche hohen Transferraten sie tatsächlich bieten kann und beschreibt den NAND mit voller Geschwindigkeit, doch dieser Boost hält natürlich ungleich kürzer als im leeren Zustand. Allerdings bricht nun die Geschwindigkeit weniger drastisch ein, sondern verbleibt auf etwa 1.100 MB/s mit leichten Ausbrüchen nach oben. Nach genau 220 Sekunden ist aber auch jetzt Zapfenstreich und die SSD schreibt lediglich auf HDD-Niveau weiter. 

Interessant ist hier vor allem der Quervergleich zur Corsair MP600 Pro. Die Leistungsspitzen, die wir dort gemessen haben, sind praktisch identisch, ebenso der Leistungsabfall auf die 1.800 MB/s beziehungsweise 1.100 MB/s im gefüllten Zustand. Allerdings ist der Weg dorthin unterschiedlich. Die MSI SPATIUM M480 hält den maximalen Boost deutlich länger und schreibt so wesentlich mehr Daten weg, ehe sie die Leistung verringern muss. Dies hat jedoch offenbar zur Folge, dass dafür ab einem gewissen Punkt auch wirklich Ende ist und die SSD lediglich mit einem Schreibniveau von so mancher QLC-SSD fortfahren kann. 

Was jedoch auf den Diagrammen umso dramatischer aussieht, muss in der Realität natürlich kaum eine Relevanz haben. Ob dieser Leistungseinbruch eine Auswirkung auf das Nutzungsverhalten hat, sollte klar reflektiert werden - in vielen Fällen dürfte das Verhalten der MSI SPATIUM M480 sogar von Vorteil sein, denn wir sprechen hier immerhin von einer Schreibleistung von 400 GB am Stück im leeren und 200 GB im gefüllten Zustand. 

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Um extreme Leistungsspitzen auch in kritischen Situationen zu ermöglichen, werden mittlerweile die meisten HighEnd-SSDs mit einem Kühlkörper ausgestattet. Dies ist sinnvoll, da bei bestimmten Temperaturen die Massenspeicher oftmals drastisch ihre Leistungsfähigkeit reduzieren müssen. Bei der SPATIUM M480 setzt MSI daher auf den optionalen Einsatz eines goldfarbenen Aluminiumkühlers, der mit geschwungenem Design und dem bekannten MSI-Drachen-Logo optisch in jedem Fall zu überzeugen weiß. Positiv ist wie schon erwähnt, dass MSI den Kühler als optionale Lösung der SSD beilegt und ihn nicht bereits vormontiert. Daher kann die SSD auch in Systeme verwendet werden, die keinen Platz für den Kühler bieten. 

Auch wenn unser Mainboard des Testsystems, das ASUS ROG Strix B550-E Gaming grundsätzlich die Möglichkeit bietet, mittels vorhandener Blende die Wärme der Massenspeicher abzuführen, verwenden wir für die folgenden Tests jeweils den mitgelieferten Kühler von MSI. Natürlich ist zu erwähnen, dass die Ergebnisse dennoch stark abhängig vom verwendeten System sind. Bereits ein leichter Luftzug kann bereits einen erheblichen Einfluss auf die Temperaturen haben. 

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Betreiben wir die MSI SPATIUM M480 mit gut belüftetem Testsystem kurz nach dem Einschalten, können wir im Verlauf von 5 Minuten Dauerfeuer durchaus einen starken Temperaturanstieg auf bis zu 60°C verzeichnen. Das ist nicht tragisch und wird daher folgerichtig auch nicht mit einer Drosselung honoriert. 

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Verschärfen wir die Umgebungsbedingungen und führen den Test bei bereits hoher Systemtemperatur und ohne optimalen Luftzug im Gehäuse nochmals durch, kommt der Kühler offenbar an seine Grenzen. 68°C sind letztlich die magische Grenze, an der die SPATIUM M480 zu drosseln beginnt und fortan leider auch nicht mehr das Top-Niveau erreicht. Verglichen mit der Corsair MP600 Pro und der PNY XLR8 CS3140 geht MSI hier offenbar etwas konservativer mit den Spezifikationen der SSD um. Die Corsair konnten wir erst bei mehr als 75°C zu einem leichten Leistungseinbruch bewegen, die PNY konnten wir gar nie so heiß erwärmen. Ob hier der verwendete Kühler bei der Konkurrenz effektiver ist, lässt sich schwer beurteilen, zumal die PNY als Modell mit 1 TB nicht doppelseitig eng bestückt ist. In jedem Fall empfiehlt es sich, die Kühlung des Systems entsprechend auf alle Komponenten anzupassen - den Massenspeicher eingeschlossen. 

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Bei den Garantiebedingungen gibt sich MSI bei der SPATIUM M480 keine Blöße, unser Modell ist neben fünf Jahren Garantie auch mit einer maximalen Schreiblast von 1,4 Petabyte spezifiziert - also identisch wie die Corsair MP600 Pro. 

Maximale Schreiblast


Modell

240 - 280 GB400 - 512 GB800 - 1.024 GB1.500 - < 4.000 GB>= 4.000 GB
MSI SPATIUM M480-350 TB700 TB1,4 PB-
Seagate IronWolf Pro 125 SSD435 TB875 TB1,75 PB3,5 PB7 PB
Corsair MP600 Pro--700 TB1,4 PB-
Western Digital WD_Black SN850
-300 TB
600 TB1,2 PB-
HP SSD EX950
-320 TB
650 TB1,4 PB-
Corsair MP400
--200 TB
400 TB800 TB - 1,6 PB
TeamGroup T-Force Cardea C440
--1,8 PB
3,6 PB
-
Samsung SSD 980 PRO
150 TB300 TB600 TB1,2 PB-
Crucial P5
150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
-
TeamGroup T-Force Cardea Zero Z340
380 TB800 TB1,66 PB--
Samsung SSD 870 QVO
--370 TB720 TB 
1,44 - 2,88 PB
Kingston DC1000M
--1,7 PB
3,4 PB - 6,7 PB
13,5 PB
Kioxia Exceria Plus
-200 TB
400 TB800 TB-
Kioxia Exceria
100 TB
200 TB400 TB--
Kioxia Exceria SATA
60 TB
120 TB240 TB--
Gigabyte Aorus RAID SSD 
---4 x 700 TB-
Western Digital WD Blue 3D NAND SATA SSD100 TB
200 TB400 TB500 TB 
600 TB
Corsair Force Series MP600-900 TB
1,8 PB3,6 PB
-
Seagate FireCuda 520 SSD
-
850 TB
1,8 PB
3,6 PB
-
Seagate FireCuda 510 SSD
-
-
1,3 PB
2,6 PB
-
Toshiba RC500
100 TB
200 TB
-
-
-
Intel Optane SSD 905P-8,76PB17,52 PB27,37 PB-
Western Digital WD Black SN750200 TB300 TB
600 TB1,2 PB
-
Samsung SSD 970 EVO Plus-300 TB
600 TB
1,2 PB
-
Samsung SSD 860 EVO150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
2,4 PB
Samsung 970 PRO
-600 TB
1,2 PB
--
Corsair MP510400 TB
800 TB
1,7 PB
3,12 PB
-

Nach den Unregelmäßigkeiten, die wir beim Test der Western Digital WD Blue 3D NAND in Bezug auf den X570-Chipsatz von AMD ermittelt haben, stand wie bereits angekündigt, ein Wechsel des Mainboards an. Grundlage für unsere Tests bildet daher fortan das ASUS ROG Strix B550-E Gaming, das in unserem Test auch in Bezug auf die Storage-Anbindung vollkommen überzeugen konnte.

Befeuert wird das ASUS weiterhin von einem AMD Ryzen 5 3600, der mit sechs Kernen und doppelt so vielen Threads genug Rechenpower bietet.

Einen unfreiwilligen Wechsel ergibt sich für die verwendete GPU: nach Jahren des treuen Dienstes wollte die Zotac AMP! Nvidia GTX 1070 leider kein Bild mehr ausgeben. Kurzfristig ist daher eine alte Nvidia Quadro CX eingesprungen. In Bezug auf das Leistungsverhalten der SSD sollte das jedoch keinen Einfluss haben.

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Die verwendete Software im Einzelnen:

Die genutzte Hardware im Einzelnen:


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von acht Millionen logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben

MB/s
Mehr ist besser

Im Iometer stellen wir auch bei der dritten SSD mit Phison E18-Controller fest, dass die Werte kaum zu interpretieren sind. Tatsächlich sind in den 4K-QD1-Tests nun sowohl lesend wie auch schreibend eine E18-SSD an der Spitze - doch lesend liegt die MSI SPATIUM M480 36 % hinter der PNY XLR8 CS3140 und und gute 356 % hinter der Corsair MP600 Pro. Schreibend ist die MSI hingegen an der Spitze. 

Da sich auffällige Werte im Iometer auch schon beim Phison E16 zeigen (siehe TeamGroup Cardea Ceramic C440), ist hier insgesamt etwas Vorsicht geboten. 


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt. Folgerichtig stehen hier letzte Plätze zu Buche. Erst wieder bei den sequenziellen Tests erreichen wir wiederum Werte, die wir von einer SATA-SSD erwarten.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell lesen (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell schreiben (QD1)

MB/s
Mehr ist besser

Im AS SSD Benchmark scheinen die Werte deutlich konsistenter zu sein. Die MSI SPATIUM M480 liegt meist in einem Bereich von unter 1 % an den Messwerten der Corsair MP600 Pro und kann daher die Verwandtschaft endgültig nicht mehr leugnen. Einen Einbruch bei QD64 wie bei der PNY XLR8 CS3140 können wir jedenfalls nicht feststellen, die SPATIUM M480 setzt sich teilweise sogar knapp an die Spitze der Vergleichscharts. 

Sequenziell lesend muss sich die MSI nur der Western Digital WD_Black SN850 geschlagen geben, schreibend reicht es sogar zur Spitzenposition. 

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Im CrystalDiskMark können wir die Herstellerangaben nicht bestätigen - allerdings nicht unbedingt im negativen Sinne. Zwar fehlen uns schreibend knapp 46 MB/s zum Datenblatt, doch sind wir lesend sogar 183,5 MB/s schneller als versprochen. 

Auffällig im Hinblick auf die Ergebnisse im AS SSD Benchmark: Können wir im CrystalDiskMark "nur" 71,13 MB/s Spitzengeschwindigkeit im 4KQD1-Wert lesend ermitteln, gibt uns der AS SSD Benchmark mit 85,24 MB/s eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit an. 


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - ISO

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Programm

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Spiel

MB/s
Mehr ist besser

Im Kopierbenchmark kann die MSI SPATIUM M480 grundsätzlich überzeugen. Das bedeutet zwei Spitzenplätze im Programm- und im Spiele-Profil, wobei der ISO-Test wiederum unerwartet schwach ausfällt. Die Testergebnisse stehen daher etwas im Kontrast zur Corsair MP600 Pro, decken sich hingegen mit der PNY XLR8 CS3140, sind sogar minimal besser.


Synthetische Benchmarks geben jeweils nur extreme Anwendungsfälle wieder. Bei der alltäglichen Nutzung eines Systems fallen sehr viele unterschiedliche Zugriffsmuster an, von sehr kleinen Blöcken bis hin zu großen sequenziellen Transfers. Ein Trace-Benchmark gibt genau diese Zugriffsmuster wieder, die zuvor während der Nutzung eines Systems aufgezeichnet wurden. PCMark 8 verwendet die Zugriffsmuster mehrerer Anwendungen, wobei sich auch die jeweils geschriebene bzw. gelesene Datenmenge unterscheidet, wie die folgende Tabelle zeigt. Die Testdaten sind vollständig inkompressibel.

AnwendungsprofilInsgesamt gelesenInsgesamt geschrieben
Adobe Photoshop light313 MB2.336 MB
Adobe Photoshop heavy468 MB5.640 MB
Adobe Illustrator373 MB89 MB
Adobe InDesign401 MB624 MB
Adobe After Effects311 MB16 MB
Microsoft Word107 MB95 MB
Microsoft Excel73 MB
Microsoft PowerPoint83 MB21 MB
World of Warcraft390 MB5 MB
Battlefield 3887 MB28 MB

Bestandteile des Storage-Benchmarks

Als Änderung im Vergleich zu PCMark 7 hat Futuremark die Komprimierung der Leerlaufzeit (idle time compression) entfernt, sodass sich die abgespielten Traces eher wie eine echte Anwendung verhalten. Im Gegensatz zu früher geben wir als Ergebnis dieses Tests nicht mehr die von PCMark berechnete Punktzahl an, sondern die rechnerische Transferrate. Diese berechnet sich aus der Menge an gelesenen und geschriebenen Daten (vgl. Tabelle) dividiert durch die Zeit, die das Laufwerk mit der Abarbeitung von mindestens einer Anfrage beschäftigt war. Eine höhere Transferrate bedeutet also, dass kürzer auf das Laufwerk gewartet werden musste und sich die Reaktionszeit einer Anwendung so auch insgesamt verkürzt.

Futuremark PCMark 8

Storage - Gesamtwertung

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 9

Battlefield 3

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 10

Word of Warcraft

MB/s
Mehr ist besser

Der Verdacht, dass der Phison E18 vor allem als Liebling der synthetischen Benchmark agiert, ist nicht wirklich neu und wird im Falle der MSI SPATIUM M480 noch ein wenig verstärkt. Zwar performt die SSD von MSI deutlich besser als beispielsweise die Corsair MP600 Pro, doch alles in allem landet unser Testsample kumuliert eher auf einem Level wie etwa die Kioxia Exceria, Western Digital WD_Black SN750 oder der Samsung 970 EVO. Das ist jeweils natürlich immer noch ein starkes Niveau, reicht aber nicht an die WD_Black SN850 heran. Diese ist mit einem Vorsprung von 35 % diesbezüglich die aktuelle Referenz. 


Weiter geht's mit den Anwendungen von Adobe und Microsoft.

Futuremark PCMark 11

Adobe After Effects

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 12

Adobe Indesign

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 13

Adobe Illustrator

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 14

Adobe Photoshop (light)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 15

Adobe Photoshop (heavy)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 16

Microsoft Excel

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 17

Microsoft Powerpoint

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 18

Microsoft Word

MB/s
Mehr ist besser

In den Einzelergebnissen kann sich die MSI SPATIUM M480 konstant im Mittelfeld des Vergleichstableaus halten. Während einige Modelle unterschiedliche Stärken entweder lesend oder schreibend zeigen, scheint sich hier bei unserem Testsample nicht allzu viel zu ändern. Interessant ist dies natürlich für potenzielle Käufer, die ihr eigenes Nutzungsprofil klar definieren können. 


Der PCMark 8 „Expanded Storage"-Test besteht aus zwei Teilen, dem „Consistency test" und dem „Adaptivity test". Letzterer prüft, wie gut sich ein Storage-System an eine bestimmte Last anpassen kann. Für uns interessanter ist der erste Test, der den Performanceverlust eines Speichersystems messen soll. Davor haben wir für diesen Zweck eine Kombination von HDTach und Iometer eingesetzt: Zuerst wurde die sequenzielle Performance im Neuzustand gemessen, dann das Laufwerk mit Iometer extrem stark beansprucht und anschließend wieder die Performance gemessen. Die Performance vieler Laufwerke ist dabei nicht selten um 50 % und mehr eingebrochen. Dieses Vorgehen erlaubt eine Aussage über den Worst Case.

Das Vorgehen von PCMark 8 ist deutlich näher am Alltag: In der ersten Phase wird das Laufwerk zweimal komplett gefüllt, wobei der zweite Durchlauf sicherstellen soll, dass auch der dem Nutzer nicht zugängliche Speicher gefüllt wird. In der zweiten Phase (Degrade) wird das Laufwerk insgesamt achtmal hintereinander mit zufälligen Schreibzugriffen belastet, wobei der erste Durchgang 10 Minuten dauert und jeder weitere Durchlauf fünf Minuten länger. Nach jedem Durchgang wird die Performance gemessen. In der dritten Phase (Steady state) finden fünf weitere Durchläufe mit jeweils 45 Minuten Schreibdauer statt, auch hier wird die Performance gemessen. In der letzten Phase (Recovery) wird nach einer Leerlaufzeit von fünf Minuten die Performance gemessen. Diese Messung wird inklusive der Leerlaufzeit fünfmal wiederholt und soll dem Laufwerk die Möglichkeit geben, sich zu regenerieren.

Die beiden folgenden Diagramme zeigen, wie lange unterschiedliche Laufwerke in den verschiedenen Phasen durchschnittlich brauchen, um einen Lese- oder Schreibzugriff zu beantworten. Hierbei beschränken wir uns auf den größten Teil des Trace-Benchmarks, nämlich das Profil „Photoshop Heavy", bei welchem 468 MB gelesen und 5.640 MB geschrieben werden. Sowohl dieser als auch die vorherigen Tests mit AS SSD und Iometer haben ihre Daseinsberechtigung, für den Alltag relevanter sollten allerdings diese Ergebnisse sein.

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Unser abschließender Belastungstest zeigt letztlich nochmals einige Stärken und Schwächen der MSI SPATIUM M480 auf, gerade auch in Hinblick beziehungsweise Unterschied zur Corsair MP600 Pro. In den Degrade-Phasen, also wenn die SSD bereits stark befüllt wurde, schwanken die Latenzen lesend wie schreibend enorm. Den Tiefpunkt erreichen wir in allen Disziplinen in Phase 6, zuvor kann sie zumindest zeitweise auch die Corsair-Verwandtschaft überbieten. 

Doch bis zur Recovery-Phase bleibt die Leistung nicht auf HighEnd-Niveau, erst dann lässt die MSI beispielsweise die Corsair MP600 Pro, aber auch die T-Force Cardea C440 oder die Kioxia Exceria Plus hinter sich, die zuvor deutlich stärker performen. Das deckt sich zumindest über weitere Strecken auch mit dem Verhalten der SSD im SSD Stresstest. Wird die MSI SPATIUM M480 am absoluten Limit betrieben, kommt es zu deutlichen Leistungseinbrüchen. 


Für einen Platz an der Sonne reicht es bei der SPATIUM M480 am Ende nicht, auch wenn das Debut von MSI im Bereich HighEnd-Massenspeicher durchaus respektabel ist. Mit Phison E18, viel DRAM und modernem NAND gehen die Taiwanesen auch kaum ein Risiko ein, im Bundle mit einem optisch attraktiven Kühlkörper weiß das Gesamtprodukt zu gefallen. 

Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass es durchaus Anlass zu Kritik gibt und ein Angriff auf die Platzhirsche von Western Digital und Samsung ausbleibt. Die Spitzenplätze in den Vergleichscharts finden wir vorrangig bei den synthetischen Benchmarks, bei den Anwendungen reicht es unserem Sample nur auf einen Platz im Mittelfeld. Selbes gilt zusammenfassend auch für den Belastungstest, der das Verhalten der SSD in unterschiedlichen Nutzungsstadien simuliert. Auch das Cache-Verhalten muss abschließend nochmals thematisiert werden. Zwar dürfte der endgültige Einbruch eher synthetischer Art sein, aber für Power-User, die wirklich extrem viele Datenmassen schreiben wollen, dürfte die MSI SPATIUM M480 damit weniger interessant sein. 

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Bliebe noch der finanzielle Aspekt, der als Kaufanreiz für die MSI SPATIUM M480 sprechen würde. Doch Preise für Hardware sind 2021 kein leichtes Thema. Unser Testexemplar liegt bei Erscheinen mit etwa 380 Euro für 2 TB in einem stolzen Preisbereich und beispielsweise deutlich über den Top-Modellen von Samsung und Western Digital. Diese bieten zwar für diesen Preis keinen Kühlkörper, benötigen diesen aber auch tendenziell nicht - falls nicht ohnehin eine Lösung auf dem Mainboard vorhanden ist. Alternativ ist auch die Corsair MP600 Pro mit identischer Hardwarekonfiguration eine naheliegende Alternative, die bereits länger am Markt etabliert ist und daher auch bereits günstiger zu haben ist. Es ist zu vermuten, dass aber auch die SPATIUM M480 im Laufe der Zeit günstiger zu erwerben sein wird. 

Positive Aspekte der MSI SPATIUM M480:

Negative Aspekte der MSI SPATIUM M480:

Preise und Verfügbarkeit
MSI Spatium M480 2 TB
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Ab 353,00 EUR