Crucial P5 im Test: Crucials bisher schnellste SSD

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crucial p5 01 504e6a975ba442aaa62bdca85643d28aGeht es in unserem Storage-Forum um Empfehlungen für SSDs, fällt meist auch der Name Crucial: Gerade die MX500 für SATA oder die P1 mit QLC-Speicher können sich in ihren Segmenten einer gewissen Beliebtheit erfreuen. Dabei steht bei beiden Laufwerken ein gutes Preisleistungsverhältnis im Fokus. Anders sieht es bislang bei der Empfehlung von HighEnd-SSDs aus. Hier fällt der Name Crucial eher selten, obwohl doch der Mutterkonzern Micron durchaus den Speicher für viele Top-Modelle produziert. Mit unserem heutigen Testkandidaten, der Crucial P5, soll sich das ändern. Wie gut das funktioniert, überprüfen wir wie immer mit unserem Benchmark-Parcours. 

Dass ausgerechnet Crucial, der Consumer-Marke von Speicherspezialist Micron, eine hauseigene NVMe-HighEnd-SSD im Portfolio fehlte, war bereits in den letzten Jahren ein stets interessanter Aspekt. Schließlich ist Micron-NAND in einer Vielzahl von aktuellen SSDs zu finden, in seiner extremsten Form natürlich in der Kooperation mit Intel im 3D-X-Point-Speicher, wie wir ihn beispielsweise bei der Optane 905p getestet haben. Überhaupt gab es bis zur Crucial P1 Ende 2018 keine hauseigene NVMe-SSD, wobei diese zudem durch QLC-NAND vorrangig über den Kostenfaktor attraktiv erscheint und weniger durch den HighEnd-Anspruch. Dem entgegen steht die neue Crucial P5, die nun das Limit von vier PCIe3-Lanes ausreizen und so zur bislang schnellsten Crucial-SSD aufsteigen soll.

Doch so gut die Ankündigung selbst auch klingt, ist sie doch überraschend. Bereits bei der Computex letzten Jahres kündigte Crucial die Entwicklung eines eigenen PCIe4-Controllers an, die bald in Endprodukten münden sollte. Nun aber soll die Crucial P5 also zunächst die Leistungsspitze für PCIe3 erobern, zumindest wenn man Produkt-Flyer und Datenblatt Glauben schenken mag.

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Herstellerangaben der Crucial P5
Modell Crucial P5 (1 TB)
Controller Micron DM01B2
Cache DRAM (1 GB LPDDR4)
NAND Micron 96-Layer 3D TLC
Kapazität 200 GB
500 GB
1 TB
2 TB
sequentielle Lese/Schreibrate 250 GB Read/Write: 3.400 MB/s / 1.400 MB/s
500 GB / 1 TB / 2 TB Read/Write: 3.400 MB/s / 3.000 MB/s
Total Bytes Written (TBW) 250 GB: 150 TB
500 GB: 300 TB
1 TB : 600 TB
2 TB: 1,2 PB
MTBF 1,8 Millionen Stunden
Garantie Fünf Jahre
Preis
Etwa 145 Euro (1 TB)

Grundsätzlich lesen sich die Eckdaten des Datenblatts relativ gut. Allerdings sind die TBW-Angaben vergleichsweise gering, so hatten wir beispielsweise zuletzt bei der TeamGroup T-Force Cardea Zero Z340 deutlich höhere Werte - ebenfalls mit Micron-NAND. Erfreulich und einem HighEnd-Modell würdig ist der ausreichend dimensionierte DRAM-Cache, bei dem sich Micron mit LPDDR4-4266 keine Blöße gibt. Gleiches gilt für die Garantie mit fünf Jahren, außerdem sind zur Verschlüsselung 256bit AES und TCG Opal 2.0 mit von der Partie.


Anders als letztlich die meisten SSDs, die wir testen, setzt Crucial natürlich nur Hardware aus dem eigenen Hause ein. So wird mit dem DM01B2 ein eigener Controller verwendet, der mit acht Kanälen den Speicher befeuert und wie bereits geschrieben mit maximal vier PCIe3-Lanes kommuniziert. An dessen Seite steht ein passender LPDDR4-DRAM mit einer Kapazität von 1 GB, der letztlich für die Mapping-Tabellen der beiden Speicherbausteine daneben verantwortlich ist. Leider gibt es abseits dessen kaum Informationen über die verbaute Hardware, detaillierte Datenblätter wie wir sie von SiliconMotion oder Phison kennen, gibt es von Micron nicht.

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Die Hardware befindet sich wie bei den meisten M.2-SSDs üblich, unter einem Herstelleraufkleber, nach dessen Entferung die Garantie erlischt. Leider verzichtet Crucial auf einen effektiven Kühler wie beispielsweise die Corsair ForceSeries MP600 oder auch auf nur einen Kupfer-Aufkleber wie zuletzt die TeamGroup T-Force Cardea Zero Z340, die so unerwartet effektiv eine temperaturbedingte Drosselung vermeiden konnte. Folgerichtig scheint der einfache Aufkleber eher einen Hitzestau zu begünstigen. Bei sommerlicher Testumgebung war es ein leichtes, die P5 bis zu den kritischen 75 °C zu erwärmen. Ab hier drosselt die Crucial dann deutlich und offenbar auch langfristig. Während des selben Tests brach zwar die Transferrate enorm ein, woraufhin die Temperatur auch wieder sank, die Performance stieg aber auch dann bei 11 K weniger nicht mehr an. Erst ein neuer Test brachte wieder die volle Übertragungsgeschwindigkeit.

Wie kritisch dieses Verhalten ist, liegt natürlich am jeweiligen Anwendungsfall und ist vor allem abhängig vom verwendeten System. So konnten im durchgeführten Test immerhin mehr als 460 GB übertragen werden, ehe der Leistungseinbruch eintrat. Noch dazu bieten viele aktuelle Mainboards ohnehin einen M.2-Kühler, sodass die kritische Temperatur im Idealfall gar nicht erst erreicht werden sollte. Wie immer und nicht nur bei der Crucial P5 speziell, sollte hier im Vorfeld genau reflektiert werden, welche Umgebungsvariablen vorhanden sind. Positiv auf die P5 speziell bezogen ist in dem Kontext, dass Crucial zwei Temperatursensoren verbaut hat, sodass die Speichermodule und der Controller getrennt ausgelesen werden können. Unsere Messung erfolgt mit erstgenanntem Sensor, wobei der Temperaturverlauf grundsätzlich identisch ist.

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Wie bei eigentlich allen NVMe-SSDs mit TLC-NAND üblich, setzt auch die Crucial P5 auf einen (Pseudo-)SLC-Cache, um die Daten möglichst schnell schreiben zu können. Dieser scheint bei unserem Modell mit einem Terabyte Gesamtkapazität im leeren Idealzustand mit etwa 300 GB sehr großzügig dimensioniert zu sein. Anschließend bricht die Transferrate deutlich, jedoch immer noch auf schnelle 1.400 MB/s ein, ehe sie nach weiterer Zeit langsam aber sicher auf etwas um 200 MB/s fällt. Während letzteres natürlich sehr enttäuschend ist, kann die zuvor geschriebene Datenmenge natürlich grundsätzlich überzeugen.

Kritischer ist jedoch das Verhalten bei nicht leerer, sondern bereits gefüllter SSD. Haben wir bereits 50 % unserer Kapazität belegt, kann die Crucial P5 offenbar nur kurz zur vollen Performance aufdrehen, danach schreibt die SSD nur noch mit (eigentlich sehr guten) 1.000 MB/s weiter, bevor sie wiederum deutlich einbricht. Für sequenzielle Vielschreiber scheint die SSD also nur bedingt attraktiv zu sein, wobei wir die Auswirkungen auf Alltagsanwendungen dabei nicht überbewerten wollen.

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Bei der Haltbarkeit der Micron-NANDs gibt sich Crucial wie bereits geschrieben eher konservativ. Hier sind wir deutlich großzügigere Angaben gewohnt. Natürlich bedeutet auch ein Überschreiten der Hersteller-TBW-Angabe nicht zwangsweise einen Defekt, dennoch messen wir hier die Hersteller durchaus an ihren Garantiebedingungen.

Maximale Schreiblast

Modell

240 - 280 GB400 - 512 GB800 - 1.024 GB1.500 - < 4.000 GB>= 4.000 GB
Crucial P5
150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
TeamGroup T-Force Cardea Zero Z340
380 TB800 TB1,66 PB--
Samsung SSD 870 QVO
--370 TB720 TB 
1,44 - 2,88 PB
Kingston DC1000M
--1,7 PB
3,4 PB - 6,7 PB
13,5 PB
Kioxia Exceria Plus
-200 TB
400 TB800 TB-
Kioxia Exceria
100 TB
200 TB400 TB--
Kioxia Exceria SATA
60 TB
120 TB240 TB--
Gigabyte Aorus RAID SSD 
---4 x 700 TB-
Western Digital WD Blue 3D NAND SATA SSD100 TB
200 TB400 TB500 TB 
600 TB
Corsair Force Series MP600-900 TB
1,8 PB3,6 PB
-
Seagate FireCuda 520 SSD
-
850 TB
1,8 PB
3,6 PB
-
Seagate FireCuda 510 SSD
-
-
1,3 PB
2,6 PB
-
Toshiba RC500
100 TB
200 TB
-
-
-
Intel Optane SSD 905P-8,76PB17,52 PB27,37 PB-
Western Digital WD Black SN750200 TB300 TB
600 TB1,2 PB
-
Samsung SSD 970 EVO Plus-300 TB
600 TB
1,2 PB
-
Samsung SSD 860 EVO150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
2,4 PB
Samsung 970 PRO
-600 TB
1,2 PB
--
Corsair MP510400 TB
800 TB
1,7 PB
3,12 PB
-



Nach den Unregelmäßigkeiten, die wir beim Test der Western Digital WD Blue 3D NAND in Bezug auf den X570-Chipsatz von AMD ermittelt haben, stand wie bereits angekündigt, ein Wechsel des Mainboards an. Grundlage für unsere Tests bildet daher fortan das ASUS ROG Strix B550-E Gaming, das in unserem Test auch in Bezug auf die Storage-Anbindung vollkommen überzeugen konnte.

Befeuert wird das ASUS weiterhin von einem AMD Ryzen 5 3600, der mit sechs Kernen und doppelt so vielen Threads genug Rechenpower bietet.

Die verwendete Software im Einzelnen:

Die genutzte Hardware im Einzelnen:

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Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von acht Millionen logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Im Iometer kann die Crucial P5 vollkommen überzeugen. Zwar reicht es bei den 4K-Anfragen nicht zur absoluten Spitzengruppe, jedoch gehört die SSD stets zu den schnelleren Vertretern ihrer Art. Besonders beachtlich ist in jedem Fall ausgerechnet der sequenzielle Schreibwert, der den Spitzenplatz der PCIe3-Riege bedeutet und lediglich von den beiden PCIe4-Vertretern getoppt wird.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt. Folgerichtig stehen hier letzte Plätze zu Buche. Erst wieder bei den sequenziellen Tests erreichen wir wiederum Werte, die wir von einer SATA-SSD erwarten.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Ähnlich wie im iometer sieht es für die Crucial P5 im AS SSD Benchmark aus. Zwar können die einzelnen 4K-Werte nicht im selben Ausmaß überzeugen, die sequenziellen (nun auch lesend) gehören aber ebenfalls zu den besten PCIe3-Werten. Enttäuschend ist jedeoch in jedem Fall der 4K-QD1-Schreibwert, bei dem die Crucial eher in Konkurrenz zu den gehobenen SATA-Laufwerken tritt, bzw. gegen diese verliert.

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Beeindrucken können in jedem Fall die Werte des CrystalDiskMark. Mit 3.525 MB/s lesend und 3.316 MB/s schreibend übertrifft unser Testkandidat das Datenblatt ein gutes Stück. Auch die Real-World-Messungen sind besonders lesend ausgezeichnet.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Iso

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Programm

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Spiel

MB/s
Mehr ist besser

Führt man den Kopierbenchmark durch, erscheinen nacheinander die jeweiligen Testergebnisse. Da man jeweils eine gewisse Erwartungshaltung hat, entlockt das Auftauchen jedes Wertes dem Tester eine gewisse Reaktion. Im Falle der Crucial P5 lautete diese "oh - ui - hmm". Nachdem unser Testkandidat in den vorherigen Tests grundsätzlich überzeugen konnte (besonders sequenziell), war der ISO-Kopiertest durchaus ernüchternd. Einen Rang am Ende des NVMe-Tableaus hatten wir nicht vorausgesehen - letztlich ist die P5 hier nur minimal schneller als die WD Blue SN500 mit nur zwei PCIe-Lanes. 

Im Gegenzug konnte uns der Programm-Kopiertest etwas versöhnen. Zwar liegen hier die Tests allesamt relativ nah beieinander, doch fehlen der P5 hier nur etwa 4% zur Gigabyte Aorus RAID SSD. Folgerichtig kann auch das Spiel-Kopieren versöhnen und die Crucial erreicht einen Wert im guten NVMe-Mittelfeld.


Synthetische Benchmarks geben jeweils nur extreme Anwendungsfälle wieder. Bei der alltäglichen Nutzung eines Systems fallen sehr viele unterschiedliche Zugriffsmuster an, von sehr kleinen Blöcken bis hin zu großen sequenziellen Transfers. Ein Trace-Benchmark gibt genau diese Zugriffsmuster wieder, die zuvor während der Nutzung eines Systems aufgezeichnet wurden. PCMark 8 verwendet die Zugriffsmuster mehrerer Anwendungen, wobei sich auch die jeweils geschriebene bzw. gelesene Datenmenge unterscheidet, wie die folgende Tabelle zeigt. Die Testdaten sind vollständig inkompressibel.

AnwendungsprofilInsgesamt gelesenInsgesamt geschrieben
Adobe Photoshop light313 MB2.336 MB
Adobe Photoshop heavy468 MB5.640 MB
Adobe Illustrator373 MB89 MB
Adobe InDesign401 MB624 MB
Adobe After Effects311 MB16 MB
Microsoft Word107 MB95 MB
Microsoft Excel73 MB
Microsoft PowerPoint83 MB21 MB
World of Warcraft390 MB5 MB
Battlefield 3887 MB28 MB

Bestandteile des Storage-Benchmarks

Als Änderung im Vergleich zu PCMark 7 hat Futuremark die Komprimierung der Leerlaufzeit (idle time compression) entfernt, sodass sich die abgespielten Traces eher wie eine echte Anwendung verhalten. Im Gegensatz zu früher geben wir als Ergebnis dieses Tests nicht mehr die von PCMark berechnete Punktzahl an, sondern die rechnerische Transferrate. Diese berechnet sich aus der Menge an gelesenen und geschriebenen Daten (vgl. Tabelle) dividiert durch die Zeit, die das Laufwerk mit der Abarbeitung von mindestens einer Anfrage beschäftigt war. Eine höhere Transferrate bedeutet also, dass kürzer auf das Laufwerk gewartet werden musste und sich die Reaktionszeit einer Anwendung so auch insgesamt verkürzt.

Futuremark PCMark 8

Storage - Gesamtwertung

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Battlefield 3

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - World of Warcraft

MB/s
Mehr ist besser

Auf einen schnellen Blick wirkt das Gesamtergebnis unserer Anwendungsbenchmarks wie ein leicht überdurchschnittliches, zu erwartendes Ergebnis. So platziert sich die Crucial P5 zwischen der Kioxia Exceria und der Western Digital WD Black SN750 keine vier Prozent hinter der Samsung 970 EVO. Bei den beiden Spiele-Benchmarks liegt die Crucial sogar etwas höher, offenbar sind eher lese-intensive Anwendungen die Stärke der P5.


Weiter geht's mit den Anwendungen von Adobe und Microsoft.

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe After Effects

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Indesign

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Illustrator

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Photoshop (light)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Photoshop (heavy)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Excel

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Powerpoint

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Word

MB/s
Mehr ist besser

Der Verdacht bestätigt sich bei den Anwendungen von Adobe und Microsoft durchaus: bei den Photoshop-Tests, bei denen erheblich mehr geschrieben wird, liegt die Crucial deutlich zurück im Vergleich zur restlichen NVMe-Konkurrenz. Bei den anderen, eher lese-intensiven Profilen, kann die P5 wiederum einen Platz im oberen Drittel einnehmen.


Der PCMark 8 „Expanded Storage"-Test besteht aus zwei Teilen, dem „Consistency test" und dem „Adaptivity test". Letzterer prüft, wie gut sich ein Storage-System an eine bestimmte Last anpassen kann. Für uns interessanter ist der erste Test, der den Performanceverlust eines Speichersystems messen soll. Davor haben wir für diesen Zweck eine Kombination von HDTach und Iometer eingesetzt: Zuerst wurde die sequenzielle Performance im Neuzustand gemessen, dann das Laufwerk mit Iometer extrem stark beansprucht und anschließend wieder die Performance gemessen. Die Performance vieler Laufwerke ist dabei nicht selten um 50 % und mehr eingebrochen. Dieses Vorgehen erlaubt eine Aussage über den Worst Case.

Das Vorgehen von PCMark 8 ist deutlich näher am Alltag: In der ersten Phase wird das Laufwerk zweimal komplett gefüllt, wobei der zweite Durchlauf sicherstellen soll, dass auch der dem Nutzer nicht zugängliche Speicher gefüllt wird. In der zweiten Phase (Degrade) wird das Laufwerk insgesamt achtmal hintereinander mit zufälligen Schreibzugriffen belastet, wobei der erste Durchgang 10 Minuten dauert und jeder weitere Durchlauf fünf Minuten länger. Nach jedem Durchgang wird die Performance gemessen. In der dritten Phase (Steady state) finden fünf weitere Durchläufe mit jeweils 45 Minuten Schreibdauer statt, auch hier wird die Performance gemessen. In der letzten Phase (Recovery) wird nach einer Leerlaufzeit von fünf Minuten die Performance gemessen. Diese Messung wird inklusive der Leerlaufzeit fünfmal wiederholt und soll dem Laufwerk die Möglichkeit geben, sich zu regenerieren.

Die beiden folgenden Diagramme zeigen, wie lange unterschiedliche Laufwerke in den verschiedenen Phasen durchschnittlich brauchen, um einen Lese- oder Schreibzugriff zu beantworten. Hierbei beschränken wir uns auf den größten Teil des Trace-Benchmarks, nämlich das Profil „Photoshop Heavy", bei welchem 468 MB gelesen und 5.640 MB geschrieben werden. Sowohl dieser als auch die vorherigen Tests mit AS SSD und Iometer haben ihre Daseinsberechtigung, für den Alltag relevanter sollten allerdings diese Ergebnisse sein.

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Im Belastungstest schneidet die Crucial P5 insgesamt gut ab. Erfreulich niedrige Latenzen sowohl beim Schreiben wie auch beim Lesen konnten wir über die gesamte Dauer ermitteln. Gerade die Schreib-Latenzen gehören zu den besten, die wir je gemessen haben. Beim Lesen reicht es zwar nicht ganz für den Spitzenplatz, doch der Abstand zu den Top-Modellen von Samsung und Kingston ist insgesamt sehr gering und immer noch auf dem Niveau einer Kioxia Exceria Plus.

Bei den resultierenden Übertragungsraten sieht es jedoch leider nicht ganz so gut aus, hier fällt die Crucial im direkten Vergleich zu den Top-NVMe-Modellen der Konkurrenz leicht ab. Zwar ist der Abstand wiederum zur Kioxia oder der PNY XLR8 CS3030 recht gering, doch den absoluten HighEnd-Anspruch verfehlt die P5 damit. Die Samsung SSD 970 EVO Plus performt sowieso weiterhin in einer eigenen Liga.


Wenn wir am Fazit angelangt den Werbeslogan bestätigen, dass die P5 Crucials bislang schnellste SSD ist, liegen wir damit wohl richtig. Dass dies aber durchaus davon begünstigt ist, dass bislang ein HighEnd-NVMe-Laufwerk von Crucial komplett fehlte, kann an der Stelle nicht verschwiegen werden. Überhaupt gibt es leider eine Reihe von Kritikpunkten, die wir Crucial vorhalten müssen. Weder die TBW-Angaben, noch das Temperaturverhalten oder der SLC-Cache kann uns im Vergleich zur Konkurrenz begeistern. Selbstverständlich sei dabei erwähnt, dass grundsätzlich alle drei Merkmale nur bei entsprechender Nutzung eine Relevanz haben, doch der Markt an NVMe-SSDs ist derzeit heiß umkämpft und die Zahl der Alternativen dementsprechend groß.

Dabei hat auch die Crucial P5 einige Argumente auf ihrer Seite. Grundsätzlich ist die Alltagsleistung dank kurzen Latenzen hoch, gerade bei lese-intensiven Anwendungen kann sich die P5 daher als Massenspeicher empfehlen. Das haben bereits die teilweise sehr guten Ergebnisse im iometer und AS SSD Benchmark vermuten lassen. Ebenso ist es erfreulich, dass Crucial zwei statt wie sonst üblich nur einen Temperatursensor verbaut hat. Dank dediziertem DRAM (der allerdings in dieser Klasse mittlerweile Standard ist) kann die P5 auch bei vielen zufälligen Zugriffen überzeugen.

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Alles in allem ist Crucial mit der P5 also eine konkurrenzfähige NVMe-SSD gelungen. Enthusiasten auf der Suche nach einer schnellen SSD dürften durchaus einen Blick riskieren und die eigenen Anforderungen an den neuen Massenspeicher genau reflektieren. Spannend ist daher auch die weitere preisliche Entwicklung, die die noch sehr junge SSD nehmen wird. Bei aktuell etwa 145 Euro für unser Testmodell mit 1 TB Kapazität oder 280 Euro für die doppelte Kapazität bietet die P5 ein relativ gutes Preisleistungsverhältnis. Doch genau dieses Segment ist unter den Speicherherstellern momentan umkämpft, letztlich sind die von uns ebenfalls getesteten Kioxia Exceria und PNY XLR8 CS3030 preislich günstiger und leistungsbezogen mindestens auf Augenhöhe. Hier gilt abzuwarten, wie sich die Crucial P5 entwickelt. Mit Blick zur MX500 oder der P1 gibt es durchaus Argumente, die auch die P5 bald zu einer regelmäßigen Empfehlung in unserem Forum werden lassen könnten.

Positive Aspekte der Crucial P5:

Negative Aspekte der Crucial P5: