Gigabyte Aorus RAID SSD im Test: die extreme Alternative

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aorus raid 11 65b5112be41c4b0eb3a24b91d9e064ca8x3 statt 4x4: So oder so ähnlich dürfte die Rechnung der Gigabyte-Ingenieure gewesen sein, als sie die Aorus RAID SSD entworfen haben. Statt einer einzelnen SSD mit möglichst hoher Performance und PCIe 4.0 setzt Gigabyte direkt vier SSDs mit je zwei PCIe-3.0-Lanes wahlweise im RAID 1 oder 10 ein, um das Maximum an Speicherbandbreite zu erreichen. Ob unsere Testranglisten also einen neuen Spitzenreiter bekommen, klären wir ins unserem Review. 

Seit Vorstellung der X570-Plattform für AMDs aktuelle CPU-Generation gehört PCIe4 zu der Forderung vieler Enthusiasten, wenn es um Mainboards und Speichermedien geht. Verständlich, denn in den meisten Fällen wurde so die theoretische Bandbreite verdoppelt. Doch tatsächlich hat sich in den vergangenen zwölf Monaten wenig getan; die erste Generation PCIe-4.0-SSDs war praktisch herstellerübergreifend identisch und ist weit davon entfernt, das Interface wirklich ausnutzen zu können und bei den Mainboards hat sich bislang noch kein Chipsatz zum X570 als Alternative gesellt. Sowieso nicht bei Intel. 

Um also den Markt an Enthusiasten befriedigen zu können, haben die Ingenieure von Gigabyte auf ein bewährtes Mittel zur Speicherbandbreitensteigerung gesetzt: RAID. In einem Redundant Array of Independent Disks wird je nach gewähltem Modus entweder jedes Speichermedium nach dem Prinzip des Striping oder Mirroring beschrieben, um entweder die Performance oder Ausfallwahrscheinlichkeit zu optimieren - bzw. im RAID-10 entsprechend beides zeitgleich. Für die Aorus RAID SSD bedeutet dies, dass auf einer einzelnen Platine mit PCIe-3.0-Anbindung (x8, elektrisch x16) ein separater Controller von Marvell vier SSDs mit je zwei Lanes Speicheranbindung zu einem einzelnen Laufwerk vereint. Sequenziell sollen so mehr als 6 GB/s lesend und schreibend übertragen werden, also gut dem Zehnfachen des theoretischen Maximums einer SATA-SSD.

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Mit einer Gesamtkapazität von 2 TB gehört die Aorus RAID SSD sicherlich zu den größeren Flash-Massenspeichern, auch wenn natürlich größere Kapazitäten durch das RAID möglich wären. Stattdessen setzt Gigabyte auf vier 3D-TLC-NAND-SSDs, die mit je 512 GB eine TBW von 700 TB angegeben sind. Je nach verwendetem RAID-Modus ergibt sich also eine maximale TBW für die Aorus RAID SSD von 1.400 TB (RAID10) oder 2.800 TB (RAID0), wobei natürlich die tatsächlich geschriebenen Byte in beiden Fällen identisch sind. Dazu gesellt sich eine Garantie von fünf Jahren.

Herstellerangaben der Gigabyte AORUS RAID SSD
Modell Gigabyte Aorus RAID SSD 2 TB
Controller Phison ps5012-e12s-32
RAID-Controller Marvell 88NR2241
NAND 3D-NAND TLC
Kapazität 2 TB
Cache 512 MB pro SSD (2 GB insgesamt)
sequentielle Lese/Schreibrate Lesen: 6.300 MB/s
Schreiben: 6.000 MB/s
Total Bytes Written (TBW) 700 TB (pro SSD)
Leistungsaufnahme 7,5 W im Idle
19 W bei Last
MTBF 1.770.000 h
Preis Noch keine Angabe



Dass die Aorus RAID SSD selbst im Hardwareluxx-Testlabor kein normaler Massenspeicher ist, wird bereits auf den ersten Blick deutlich. Als x16-PCIe-Steckkkarte nimmt sie zwar nur eine Slothöhe ein, jedoch wirkt bereits die Länge von 265 mm beeindruckend. Das hochwertige Gehäuse aus gebürstetem Aluminium mit dem 60-mm-Radiallüfter kann optisch in jedem Fall überzeugen, an der Verarbeitungsqualität kann auch bei einem Blick unter den Kühler nichts ausgesetzt werden. Der maximale durchschnittliche Energieverbrauch von 19 W soll so durch die Löcher der Slotblende abgeführt werden, eine temperaturbedingte Drosselung (wie bei NVMe-SSDs sonst üblich) soll so vermieden werden, um das Leistungsmaximum konstant halten zu können.

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Wie gut das Kühlsystem der Aorus RAID SSD tatsächlich funktioniert, sehen wir in unserem hauseigenen SSDStresstest. Mehr als 5.000 MB/s können im Dauerfeuer übertragen werden, ein Temperaturanstieg konnte dabei nicht provoziert werden. Stattdessen blieb die SSD unbeeindruckt bei knapp über 40°C. 

Erfreulicherweise stellte sich der Lüfter dabei nicht als Lärmquelle heraus. Leider war es jedoch nicht möglich, die Lüfterdrehzahl zu ermitteln. Grundsätzlich lässt sich die Drehzahl jedoch durch den DIP-Schalter steuern, wobei dazu leider die Demontage von Ober- und Unterseite der SSD-Karte nötig ist. Im Betrieb dreht der Lüfter offenbar konstant, eine Veränderung konnten wir mit Blick von unten im laufenden Betrieb nicht feststellen.

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Als Massenspeicher setzt die Aorus RAID SSD auf vier einzelne SSDs vom Typ Gigabyte GP-ASACNE2200TTTDA. Diese sind aktuell offenbar nicht auf dem Retailmarkt vertreten und sollten nicht mit den erhältlichen SSDs von Gigabyte verwechselt werden. Mit Blick unter das Garantiesiegel wird ein Phison ps5012-e12s-32 sichtbar, der einen DRAM-Cache von Kingston nutzen darf. Tatsächlich werden die einzelnen SSDs von der Aorus RAID SSD-Karte gebremst. Durch die x8-Anbindung an das System stehen jeder SSD nur zwei Lanes zur Verfügung statt der möglichen vier. Im Gegenzug ergeben sich für den Nutzer dadurch gewisse Vorteile: zum einen kann der User fest davon ausgehen, jede SSD am Limit der Anbindung betreiben zu können, was wiederum im RAID-0 eine entsprechende sequenzielle Leistung verspricht. Außerdem können so erst die verschiedenen RAID-Modi 0 und 10 ermöglicht werden.

Wir von praktisch jeder TLC-SSD gewohnt, greift natürlich auch die Aorus RAID SSD auf einen Pseudo-SLC-Cache zurück, um das Maximum an Transferraten zu ermöglichen. Um zu ermitteln, wie groß dieser Dimensioniert ist, haben wir daher ebenfalls mit dem SSDStresstest wie gewohnt getestet.

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Auch wenn das Diagramm auf den ersten Blick etwas enttäuschend wirkt, können sich die Ergebnisse sehen lassen. Zwar bricht das Laufwerk bereits nach gut 20 Sekunden deutlich ein, jedoch bedeutet dies auch bei mehr als 5.000 MB/s Schreibgeschwindigkeit, dass zu diesem Zeitpunkt bereits 100 GB Daten gespeichert wurden. Der Abfall auf anschließend 2.000 MB/s wirkt zwar beträchtlich, jedoch muss man sich auch hier die Schreibrate erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Etwa 640 GB Daten sind in diesem Test in weniger als 5 Minuten geschrieben worden. Auch bei größten Videoprojekten sollte es also keine Probleme geben.

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So beeindrucken die obigen Ergebnisse auch sind, natürlich hat jede technische Lösung auch gewisse Nachteile oder zumindest Einschränkungen, denen man sich beim Kauf bewusst sein sollte. Bei der Aorus RAID SSD ergibt sich zunächst natürlich eine Mindestanforderung, einen x16-Slot frei zu haben. Und während das natürlich für die meisten aktuellen ATX-Mainboards kein Problem darstellt, ist die Frage der informationstechnischen Anbindung umso wichtiger. In unserem ASUS X570 TUF Gaming, das als Grundlage für unsere SSD-Tests dient, kann beispielsweise nur der obere x16-Slot auch mit sechzehn Lanes angesteuert werden. Der untere dann nur noch mit vier. Für unser Review mussten wir daher die Zotac GeForce GTX 1070 AMP! in den unteren Slot verfrachten. Für unser Review der SSD kein Problem, im Alltag dafür umso mehr.

Noch dazu ergibt sich ein recht praktisches Problem mit der Aorus RAID SSD: Wie bereits mehrfach erwähnt, bietet die Karte grundsätzlich die RAID-Modi 0 und 10, wobei ersterer im Auslieferungszustand vorkonfiguriert ist. Jedoch benötigt es ein Aorus-Mainboard, um im UEFI dessen die Karte tatsächlich konfigurieren zu können. Auf Nachfrage gab Gigabyte dabei bekannt, dass die Karte vorrangig für Intel-Nutzer sei, um diesen ebenfalls das Geschwindigkeitsniveau einer PCIe4-Speicherlösung zu bieten. Nach verlinkter QVO-Liste zu Folge können alle Gigabyte-(Aorus)-Mainbords mit X299X-, Z390- und Z490-Chipsatz verwendet werden, für AMD-User alle Gigabyte-Boards des X570 und TRX40. Hier soll auch jeweils die Lüfterdrehzahl ausgelesen und sogar gesteuert werden können (Z390 ausgenommen).

Dies bedeutet, dass wir an dieser Stelle leider keine Benchmarks mit RAID-10 präsentieren können.

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Gigabyte spezifiziert alle vier eingesetzten SSDs mit je 700 TB TBW bei fünf Jahren (eingeschränkter) Garantie. Damit bewegen sich die SSDs in einem guten Bereich, der sich durchaus mit HighEnd-Konkurrenten messen kann oder sogar deutlich darüber liegt. Für die gesamten 2-TB-Kapazität im RAID-0 ergeben sich so sogar sagenhafte 2.800 TBW. Das ist insofern natürlich beruhigend, da bekanntlich in einem RAID-0 die Chance eines ausfallbedingten Datenverlusts ungleich höher ist.

Maximale Schreiblast

Modell

240 - 280 GB400 - 512 GB800 - 1.024 GB1.500 - < 4.000 GB>= 4.000 GB
Gigabyte Aorus RAID SSD 
---4 x 700 TB-
Western Digital WD Blue 3D NAND SATA SSD100 TB
200 TB400 TB500 TB 
600 TB
Corsair Force Series MP600-900 TB
1,8 PB3,6 PB
-
Seagate FireCuda 520 SSD
-
850 TB
1,8 PB
3,6 PB
-
Seagate FireCuda 510 SSD
-
-
1,3 PB
2,6 PB
-
Toshiba RC500
100 TB
200 TB
-
-
-
Intel Optane SSD 905P-8,76PB17,52 PB27,37 PB-
Western Digital WD Black SN750200 TB300 TB
600 TB1,2 PB
-
Samsung SSD 970 EVO Plus-300 TB
600 TB
1,2 PB
-
Samsung SSD 860 EVO150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
2,4 PB
Samsung 970 PRO
-600 TB
1,2 PB
--
Corsair MP510400 TB
800 TB
1,7 PB
3,12 PB
-

Grundlage für unsere Benchmarks ist seit diesem Jahr das ASUS TUF Gaming X570-Plus, das in unserem Test durchaus überzeugen konnte und eine repräsentative Leistung für aktuelle Systeme bietet. Befeuert wird das Board von einem AMD Ryzen 5 3600, der mit sechs Kernen und doppelt so vielen Threads zukünftig mehr als genug Daten auf unsere Laufwerke schreiben wird. 

Wie bereits auf der vorherigen Seite erwähnt, wurde für diesen Test die Aorus RAID SSD auf dem oberen PCIe-Steckplatz genutzt, um die benötigte Bandbreite nutzen zu können, die Zotac GeForce GTX 1070 AMP! musste sich mit dem unteren Platz begnügen.

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Passend zum ersten Benchmark mit der Aorus RAID SSD meldete Windows 10, dass das Upgrade 20.04 bereitstünde, so dass für alle Tests nun auch die aktuelle Inkarnation des Betriebssystems eingesetzt wurde.

Die verwendete Software im Einzelnen:

Die genutzte Hardware im Einzelnen:

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Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von acht Millionen logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Im synthetischen iometer erleben wir ein gemischtes Bild der Aorus RAID SSD. Grundsätzlich sind die Schreibraten durchweg gut, auch wenn es bei keiner Anfragetiefe zur Spitzengruppe reicht. Lesend schwächelt das Laufwerk leider etwas.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt. Folgerichtig stehen hier letzte Plätze zu Buche. Erst wieder bei den sequenziellen Tests erreichen wir wiederum Werte, die wir von einer SATA-SSD erwarten.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Deutlich besser sieht die Welt der Aorus RAID SSD im AS SSD Benchmark aus. Zwar reicht es bei den 4K-Anfragen nie zur Spitzenposition, jedoch ist die Konkurrenz nun klar das HighEnd-Segment. Interessanterweise sind nun im Gegensatz zu den Messergebnissen des iometer die Leseraten vergleichsweise besser als die Schreibraten. Beim 4K lesen mit QD64 muss sich unser Testkandidat daher nur der Intel Optane 905p geschlagen geben.

Unvergleichlich sind im Gegenzug wie zu erwarten die sequenziellen Transferraten. Jeweils mehr als 5.000 MB/s sind eine Hausnummer, die jedes bislang gemessene PCIe-4.0-Level übersteigt. Gut die doppelte Geschwindigkeit beispielsweise einer beliebten Corsair Force Series MP510 sind in der Theorie das eine, als Messwert jedoch noch beeindruckender.

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Passend dazu weiß auch der CrystalDiskMark mit phantastischen Spitzenwerten zu beeindrucken. Die von Gigabyte versprochenen "up to" 6.300 MB/s (lesend) und 6.000 MB/s (schreibend) werden um jeweils mehr als 200 MB/s überboten.

Auch die seit Version 7 zur Grundeinstellung gehörenden Random4K-Werte können sich sehen lassen; die Schwachstelle bleibt einzig der RND4K-Q1T1-Wert, der gut 30 % unterhalb einer Samsung 970 EVO Plus liegen dürfte. Hier zeigen sich klar die Vorteile eines SSD-RAID-0, bzw. in welchen Anfragen die Geschwindigkeit aufaddiert wird und in welchen nicht.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Iso

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Programm

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Spiel

MB/s
Mehr ist besser

Passend zu den bisherigen Messwerten des AS SSD Benchmarks zeigt auch der Kopiertest Indizien, in welchen Anwendungen die Performance durch das RAID-0 am meisten steigt - und in welchen nicht.

Beim Kopieren der einzelnen riesigen ISO-Datei setzt sich die Aorus RAID SSD knapp an die Spitze unseres Klassements, selbst die bereits sehr schnelle Seagate FireCuda 520 mit PCIe4-Anbindung hat letztlich das Nachsehen. Doch wie auch die Seagate-SSD nimmt die Leistung bei mehreren kleinen Dateien auch bei der Aorus RAID SSD ab. Ein immer noch sehr guter vierter Platz ist das folgerichtige Ergebnis, der Abstand zur Spitzenreiterin Samsung 970 PRO jedoch mit 15 % recht groß. Im gemischten Spiele-Profil reicht es unserer Testkandidatin immerhin aufs Podest, mit noch 5 % hinter der Samsung Pro und fast gleichauf mit der Intel Optane 905p kann sich auch hier das Ergebnis mehr als sehen lassen.


Synthetische Benchmarks geben jeweils nur extreme Anwendungsfälle wieder. Bei der alltäglichen Nutzung eines Systems fallen sehr viele unterschiedliche Zugriffsmuster an, von sehr kleinen Blöcken bis hin zu großen sequenziellen Transfers. Ein Trace-Benchmark gibt genau diese Zugriffsmuster wieder, die zuvor während der Nutzung eines Systems aufgezeichnet wurden. PCMark 8 verwendet die Zugriffsmuster mehrerer Anwendungen, wobei sich auch die jeweils geschriebene bzw. gelesene Datenmenge unterscheidet, wie die folgende Tabelle zeigt. Die Testdaten sind vollständig inkompressibel.

Bestandteile des Storage-Benchmarks

Als Änderung im Vergleich zu PCMark 7 hat Futuremark die Komprimierung der Leerlaufzeit (idle time compression) entfernt, sodass sich die abgespielten Traces eher wie eine echte Anwendung verhalten. Im Gegensatz zu früher geben wir als Ergebnis dieses Tests nicht mehr die von PCMark berechnete Punktzahl an, sondern die rechnerische Transferrate. Diese berechnet sich aus der Menge an gelesenen und geschriebenen Daten (vgl. Tabelle) dividiert durch die Zeit, die das Laufwerk mit der Abarbeitung von mindestens einer Anfrage beschäftigt war. Eine höhere Transferrate bedeutet also, dass kürzer auf das Laufwerk gewartet werden musste und sich die Reaktionszeit einer Anwendung so auch insgesamt verkürzt.

Futuremark PCMark 8

Storage - Gesamtwertung

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - World of Warcraft

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Battlefield 3

MB/s
Mehr ist besser

Haben wir also in den bisherigen eher synthetischen Benchmarks gesehen, dass die Aorus RAID SSD je nach Anfrage zu extremen Leistungsspitzen fähig ist, bringen uns die Anwendungstests zur Alltagsleistung zurück auf den Boden der Tatsachen.

In der Gesamtwertung misst sich die Gigabyte-SSD eher mit günstigen NVMe-Laufwerken, tatsächlich ist selbst die Intel SSD 660p mit QLC-Speicher nur kumuliert 7 % schwächer. Neuere günstige NVMe-Vertreterinnen wie die Western Digital SN550 oder die Toshiba RC500 sind im Grunde konstant schneller. Hier zeigt sich, dass unser Testkandidat klar als Speicherlösung für große Dateien entwickelt wurde und weniger als Systemlaufwerk.


Weiter geht es mit den Anwendungen von Adobe und Microsoft.

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe After Effects

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Indesign

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Illustrator

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Photoshop (light)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Photoshop (heavy)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Excel

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Powerpoint

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Word

MB/s
Mehr ist besser

Auch in den Anwendungen von Adobe und Microsoft zeigen sich keine Überraschungen. Teilweise liegt die Aorus RAID SSD am Ende der NVMe-Konkurrenz.  


Der PCMark 8 „Expanded Storage"-Test besteht aus zwei Teilen, dem „Consistency test" und dem „Adaptivity test". Letzterer prüft, wie gut sich ein Storage-System an eine bestimmte Last anpassen kann. Für uns interessanter ist der erste Test, der den Performanceverlust eines Speichersystems messen soll. Bisher haben wir für diesen Zweck eine Kombination von HDTach und Iometer eingesetzt: Zuerst wurde die sequenzielle Performance im Neuzustand gemessen, dann das Laufwerk mit Iometer extrem stark beansprucht und anschließend wieder die Performance gemessen. Die Performance vieler Laufwerke ist dabei nicht selten um 50 % und mehr eingebrochen. Dieses Vorgehen erlaubt eine Aussage über den Worst Case.

Das Vorgehen von PCMark 8 ist deutlich näher am Alltag: In der ersten Phase wird das Laufwerk zweimal komplett gefüllt, wobei der zweite Durchlauf sicherstellen soll, dass auch der dem Nutzer nicht zugängliche Speicher gefüllt wird. In der zweiten Phase (Degrade) wird das Laufwerk insgesamt achtmal hintereinander mit zufälligen Schreibzugriffen belastet, wobei der erste Durchgang 10 Minuten dauert und jeder weitere Durchlauf fünf Minuten länger. Nach jedem Durchgang wird die Performance gemessen. In der dritten Phase (Steady state) finden fünf weitere Durchläufe mit jeweils 45 Minuten Schreibdauer statt, auch hier wird die Performance gemessen. In der letzten Phase (Recovery) wird nach einer Leerlaufzeit von fünf Minuten die Performance gemessen. Diese Messung wird inklusive der Leerlaufzeit fünfmal wiederholt und soll dem Laufwerk die Möglichkeit geben, sich zu regenerieren.

Die beiden folgenden Diagramme zeigen, wie lange unterschiedliche Laufwerke in den verschiedenen Phasen durchschnittlich brauchen, um einen Lese- oder Schreibzugriff zu beantworten. Hierbei beschränken wir uns auf den größten Teil des Trace-Benchmarks, nämlich das Profil „Photoshop Heavy", bei welchem 468 MB gelesen und 5.640 MB geschrieben werden. Sowohl dieser als auch die vorherigen Tests mit AS SSD und Iometer haben ihre Daseinsberechtigung, für den Alltag relevanter sollten allerdings diese Ergebnisse sein.

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Haben wir also bereits in den Anwendungsbenchmarks festgestellt, dass der theoretische Vorteil einer RAID-0-Kombination im Alltag verpuffen kann, bestätigt uns der Belastungstest umso mehr. In einer bunten Mischung aus SATA-, Budget-NVMe- und HighEnd-Modellen können lediglich die Schreiblatenzen mithalten. Gerade die Leselatenzen sind hingegen über den gesamten Messbereich deutlich höher, im Vergleich zur sehr guten Samsung SSD 970 PRO beispielsweise um den Faktor 12.

Dies schlägt sich dann natürlich auch in den Transferraten nieder, die konstant deutlich unter den Vergleichsmodellen liegt.

Erfahrene Storage-Begeisterte dürften an dieser Stelle einstimmig schreiben: "Das war doch klar" - und sie haben dabei natürlich recht. Ein großer Vorteil von SSDs sind geringe Zugriffszeiten, die sich in einem RAID an die jeweils langsamste SSD richtet. Dieser Malus zieht sich durch jeden Benchmarks und durch jede Anfrage, der Vorteil des Stripings hingegen ist nicht in jedem Fall ein Bonus. Noch dazu gehört zu jeder schnellen SSD ein TRIM-Befehl, mit dem das Betriebssystem dem Laufwerk mitteilt, welche Blöcke im Flash-Speicher ungenutzt sind und nicht mehr bereitgehalten werden müssen - im RAID steht diese Funktion jedoch nicht zur Verfügung. Die Arbeitsgeschwindigkeit sinkt somit weiter.


Im Fazit der Aorus RAID SSD ergibt sich ein gemischtes Bild. Viele Eigenschaften der SSD waren letztlich schon im Vorfeld abzusehen und sind somit keine Überraschung. Der Grundgedanke, gerade für Intel-User eine PCIe4-Alternative durch ein RAID zu erreichen, funktioniert nur teilweise. Für viele alltägliche Speicheranfragen ergeben sich technisch bedingte Nachteile, es gibt aber auch Vorteile, welche die SSD zu einer absoluten Spezialistin machen. Doch der Reihe nach:

In sequenziellen Zugriffen kann die Aorus RAID SSD absolut überzeugen. Diese Messergebnisse sind genau der Kaufgrund, den diese Karte bewirbt. Hier kommt die Power von acht PCIe-3.0-Lanes voll zur Geltung, die Messergebnisse im AS SSD Benchmark und im CrystalDiskMark dürften noch eine Weile unerreicht bleiben - oder zumindest bis ein RAID-0 mit PCIe 4.0 getestet wird. Daraus folgend gehören auch die Kopierbenchmarks zur Spitzenklasse. Gerade Anwender, die viel mit großen Dateien hantieren liegen hier also richtig.

Dem entgegen stehen doch eine Reihe von durchwachsenen Messergebnissen unseres Testparcours. Gerade die Alltagsleistung klassifiziert die Aorus RAID SSD als nicht optimales Systemlaufwerk, hier kann selbst mit einer günstigen Alternative nicht nur Geld gespart werden, sondern auch Leistung gewonnen werden. Aber als solches Laufwerk ist die SSD auch gar nicht vorgesehen. Dazu gesellen sich auch für den Alltag relevante Fragen, die im Vorfeld geklärt werden sollten: Kann die SSD wie gewünscht konfiguriert werden, weil ein entsprechendes Board von Gigabyte vorhanden ist? Lässt das Mainboard die gewünschte PCIe-Lane-Konfiguration zu?

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Interessenten der Gigabyte Aorus RAID SSD sollten sich daher im Vorfeld bereits bewusst sein, ob der Massenspeicher für sie geeignet ist. Anwender, die einen schnellen Speicher für viele sequenzielle Anfragen suchen, erhalten hier eine RAID-Konfiguration, die keinerlei eigene Konfiguration benötigt, sondern out-of-the-box funktioniert - und damit die ideale High-Speed-Speicherlösung für große Datenmengen ist. Die Aorus RAID SSD kann dann sowohl optisch wie technisch überzeugen, das Kühlsystem agierte das gesamte Review über leise und effektiv. Vermutlich dürfte bei einer selbst für Enthusiasten sehr speziellen Speicherlösung wie dieser aber ohnehin nicht nur die Vernunft eine Rolle spielen. Diese Karte ist wohl für jedes System etwas Besonderes, das nicht jeder hat. Eben eine extreme Alternative und interessant für alle, die auf Rekordjagd gehen wollen.

Letztlich bleibt jedoch in jedem Fall die Erkenntnis, dass Gigabyte mit der Aorus RAID SSD tatsächlich vorrangig Intel-User anspricht, besonders diejenigen der Z490- oder X299X-Generation, die dann auch den vollen Umfang der Karte nutzen können. Nutzer der AM4-Plattform hingegen sollten sich eher Richtung PCIe 4.0 umsehen. Dies dürfte auch die günstigere Lösung sein. Da zum Zeitpunkt des Reviews allerdings weder UVP noch Straßenpreise unseres Testexemplars existieren, wird dies die Zukunft zeigen. Da die Karte in jedem Fall etwas Besonderes ist und zumindest die Kopierleistung ihresgleichen sucht, gibt es von uns folgerichtig einen Technik-Award.

Positive Aspekte der Gigabyte Aorus RAID SSD:

Negative Aspekte der Gigabyte Aorus RAID SSD:

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