PNY Pro Elite USB im Test: Eine SSD für unterwegs

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pny pro elite tSpätestens mit dem Aufkommen von USB 3.1 wurden neben bewährten externen Festplatten auch externe SSDs attraktiver. Die Vorteile dabei sind offensichtlich: Neben höheren Transferraten und kleineren Latenzen können Stoßfestigkeit und ein geringer Energiebedarf für Anwender, die viel unterwegs sind, lohnenswert sein. PNY bietet daher seit einiger Zeit eine Reihe von handlichen, aber schnellen SSDs an, von denen wir uns die Pro Elite genauer anschauen wollen. 

Neben den grundsätzlichen Vorteilen, die eine externe SSD gegenüber konventionellen Festplatten bietet, verspricht PNY mit der Pro Elite eine besonders kompakte Alternative. Mit weniger als 40 cm³ mit einem Gewicht von nur 45 g findet unser Testmuster in vermutlich jeder Tasche noch einen Platz. Und dank USB-Anschluss auch an jedem Endgerät eine passende Anschlussmöglichkeit. Voraussetzung für die maximalen Übertragungsraten ist dabei ein Standard nach USB 3.2 Gen 2, den PNY auch bei seiner SSD anbietet (dort allerdings als USB 3.1 Gen 2 bezeichnet). Wahlweise kann die SSD dabei über USB-C oder USB-A angeschlossen werden, beide entsprechenden Kabel gehören zum Lieferumfang des externen Speichers.

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Der größte Vorteil externer Speichermedien ist aktuell auch ein auf den ersten Blick verwirrender: USB. Als universeller Anschluss können theoretisch alle Endgeräte seit Einführung miteinander kommunizieren. Das gilt auch für die Pro Elite SSD, zumindest zurück bis zu USB 2.0, was über viele Jahre der Standard war. Für ein externes Speichermedium bedeutet das allerdings ein theoretisches Maximum von nur noch 40 MB/s, also weit unter dem, was Käufer von einer externen SSD erwarten. Selbst das "normale" USB 3.0 (genau genommen "USB 3.2 Gen1"), mit 300 MB/s bereits ein Vielfaches schneller, würde die externe SSD also ausbremsen. Erst mit der zweiten Generation, also USB 3.2 Gen2 sind schließlich 900 MB/s möglich - wiederum die Hälfte von USB 3.2 Gen 2x2. Kurzum gilt also vor dem Kauf zu beachten, ob das eigentliche Endgerät überhaupt die erhofften Transferraten schafft.

Herstellerangaben der PNY Pro Elite 
Modell PNY Pro Elite 500 GB
Interface
USB 3.2 Gen 2 Typ C
NAND 3D-NAND TLC
Verfügbare Kapazitäten 250 GB, 500 GB, 1000 GB
Verfügbare Farben
Anthrazit, silbern, blau, golden, pink
Gehäusematerial Aluminium
sequentielle Lese/Schreibrate Lesen: 875 MB/s
Schreiben: 865 MB/s
Arbeitstemperatur 0 bis 70 °C
Preis 85 Euro (Stand: 19.12.19, Anthrazit, 500 GB)


Nimmt man die PNY Pro Elite aus der Verpackung, fallen einem zunächst zwei Dinge auf. Zum einen ist die SSD wirklich extrem leicht. Unser Testexemplar mit 45 g wirkt subjektiv leichter als so mancher USB-Stick, das zugehörige Anschlusskabel wiegt fast schon genauso viel. Zum anderen fasst sich das Laufwerk (gerade für das Gewicht) erstaunlich hochwertig an. Das gebürstete Aluminium sieht nicht nur auf den Produktbildern edel aus, auch in der Realität macht das Gehäuse einen guten Eindruck.

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Zur Leistungsfähigkeit der SSD haben wir schon nach den ersten Benchmarks entsprechende Überlegungen anstellen müssen. Denn nimmt man die Pro Elite das erste Mal in Betrieb, dürften die meisten Anwender zunächst enttäuscht sein. Schreibraten weit unter den zu erwartenden Herstellerangaben lassen zunächst auf einen Defekt oder Fehler schließen. 

Dabei ist das Problem unter Windows leicht zu erklären und zu beheben: Als USB-Laufwerk richtet das Betriebssystem die SSD für den einfachen Gebrauch nach "plug & play" ein. Einstecken, nutzen, trennen. Das ist bei einer SSD allerdings grundsätzlich nicht optimal; um die höchste Performance bei einer SSD zu erzielen, sollte nicht nur der Schreibcache aktiviert werden, auch das von Windows veranlasste Leeren des Schreibcaches sollte deaktiviert werden. Dann wiederum kann (nach einem Neustart) das Laufwerk mit höchster Geschwindigkeit beschrieben werden - allerdings nicht mehr ohne weiteres getrennt. Auch ein Energieverlust birgt nun grundsätzlich größere Risiken hinsichtlich eines Datenverlusts.

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Wer diese Schritte ausführt, wird unter dem Gerätemanager unter den Laufwerkseigenschaften im Reiter "Richtlinien" fündig. Richtet man die Pro Elite entsprechend ein, entfaltet das Laufwerk seine versprochene Leistung, wie wir im AS SSD Benchmark leicht überprüfen konnten. Wichtig sind dabei zwei Faktoren: zum einen handelt es sich um kein Phänomen, das die PNY Pro Elite exklusiv hat. Die Wahl zwischen Plug&Play oder maximaler Schreibgeschwindigkeit stellt sich immer, nur eben unterschiedlich stark. Zum anderen bleiben die Leseraten davon unberührt. Anwender, die also vor allem Daten von einer externen Speicherquelle lesen wollen, können mit den Standardeinstellungen durchaus zufrieden sein.

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Wenig überraschend gibt es bei der PNY Pro Elite keine Einschränkungen, die sich aus Erwärmung der SSD ergeben könnten. Eine Drosselung findet nicht statt, die Temperatur bleibt konstant.

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Etwas enttäuschender sieht es hier schon in Sachen (SLC)-Caching aus. Die externe SSD fällt schon nach vergleichsweise wenigen Sekunden auf ein deutlich niedrigeres Niveau zurück. Die ersten Gigabyte können noch fast mit Herstellerangaben geschrieben werden, anschließend wird nur noch mit etwas über 100 MB/s geschrieben.

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Über konkrete Angaben zu den verbauten Speicherchips oder dem eingesetzten Controller schweigt sich PNY in den Datenblättern leider aus. Auch eine TBW-Angabe suchen wir vergebens. Lediglich drei Jahre Garantie verspricht der Hersteller, wobei wir dies bei einem externen Laufwerk gegenüber einer potenziellen System-SSD verschmerzen können.


Mit Beginn des Jahres kam ein neues, leicht verändertes Testsystem zum Einsatz. Einschränkungen bezüglich der Vergleichbarkeit mit älteren Tests sind somit nicht auszuschließen, dürften sich allerdings in einem sehr engen Rahmen bewegen. Stärkere Auswirkung könnten hingegen die verschiedenen Updates in Bezug auf Meltdown und Spectre haben.

Die genutzte Hardware im Einzelnen:

Gigabyte Z370 AORUS Ultra Gaming (Test)
Intel Core i7-8700K
2x 8 GB Teamgroup UD4-3000 DDR4-3000
Zotac GeForce GTX 1070 AMP!
Samsung SSD EVO 970 500GB (Systemlaufwerk) (Test)
Enermax Saberay (Test)

Die verwendete Software im Einzelnen:

Microsoft Windows 10 Home (Build 1903)
AS SSD Benchmark 2.0.6485.17676
AS SSD Benchmark 1.7.4739.38088
Iometer 1.1.0
Futuremark PCMark 8 v2.0.228
CrystalDiskMark 5.1.2
ATTO Disk Benchmark v3.05

Da wir bei der PNY Pro Elite als externe SSD davon ausgehen, dass die interessierten Anwender das Laufwerk nicht als System-SSD verwenden werden, verzichten wir auf den zeitintensiven Belastungstest. Die Ergebnisse dürften schließlich kaum von größerem Interesse sein. Die angesprochene Thematik bzgl. den Laufwerkseinstellungen hingegen haben wir bedacht. Deshalb wurden alle Benchmarks mit aktiviertem Schreibcache und deaktiviertem Leeren durch Windows durchgeführt, der CrystalDiskMark und AS SSD (inkl. Kopier-Benchmark) mit beiden Einstellungen. Die Screenshots dazu finden sich in der Galerie. Damit spiegeln die Schreib-Benchmarks in den Graphen das Maximum, das mit der SSD zu erreichen ist.

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Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von acht Millionen logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Im extremen Iometer zeigt die PNY Pro Elite erwartungsgemäß kein allzu gutes Bild. Erwartungsgemäß deshalb, weil die sehr kleinen Anfragen kaum ins typische Anwendungsprofil einer externen SSD fallen. Dennoch ist die SSD tatsächlich nur einmal wirklich am Ende des Klassements und damit schneller als so manches potenzielle Systemlaufwerk.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Der AS SSD Benchmark zeigt dabei grundsätzlich ein ähnliches Bild. Selbst mit idealen Einstellungen sind die Schreibwerte relativ schlecht, lediglich die sequenziellen Anfragen meistert die SSD überdurchschnittlich gut. Dann kann die Pro Elite auch den Vorteil des USB-3.2-Gen2-Interfaces ausspielen und alle SATA-Konkurrenten übertrumpfen. Auch so manche NVMe hat sogar das Nachsehen. Geht es also um das Lesen großer Dateien, spielt die externe SSD in einer starken Liga.

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Der CrystalDiskMark bestätigt das bisher gesehene, wenn auch nun die Leseraten etwas enttäuschen. Mit weniger als 500 MB/s liegen die Werte deutlich unter den Herstellerangaben. Ersichtlich wird wiederum der Unterschied bei den Schreibraten mit und ohne Handbremse.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Iso