Toshiba RC500 im Test: Ist das noch Mittelklasse?

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toshiba rc500 teaser 100Toshiba? Kioxia? OCZ? Wenn sich ein Produkt mit gleich drei bekannten Herstellernamen ankündigt, sorgt das zunächst für Verwirrung. Dabei verweist die Modellbezeichnung RC500 eigentlich gleich auf den Vorgänger RC100, dem wir letztes Jahr einen Preis-Leistungs-Award verliehen haben. Dass also auch die aktuelle Inkarnation eher auf preisbewusste Interessenten abzielt, überrascht wenig. Ob es allerdings gelingt, klären wir in unserem Testparcours. 

Raider wird Twix - sonst ändert sich nix: Ein Produkt, das auf der Verpackung unter einem Label von Toshiba als "OCZ RC500", auf der offiziellen Homepage von Toshiba Memory unter einem großen Kioxia-Banner als "Toshiba RC500" und in den gängigen Preisvergleichen einfach als "Kioxia RC500" bezeichnet wird, sorgte zunächst für Unsicherheit unter uns Redakteuren. Schließlich blieb nur die Rückfrage in Richtung Absender selbst. Wie heißt das gute Stück denn nun? Die Antwort war dabei unmissverständlich: eine Toshiba RC500 mit 500 GB Kapazität haben wir vor uns. 

Zur Erinnerung: Die Toshiba Corporation hat seine Speichersparte im Juni 2018 ausgegliedert und wird fortan als Kioxia fortgeführt. Darum befindet sich verständlicherweise immer noch eine Menge Toshiba in den Solid State Disks, wie auch schon bei der zuletzt getesteten Toshiba BG4. Wann schließlich das erste Laufwerk ankommen wird, das exklusiv den Namen Kioxia trägt, wird die Zukunft zeigen. Das Label OCZ, immerhin bereits 2014 wiederum von Toshiba Memory übernommen, findet sich ja ebenfalls noch im Umlauf. Und war beispielsweise Teil der offiziellen Bezeichnung der Vorgängerin RC100.

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Als größte technische Neuerung gilt sicherlich der Umstieg auf die BiCS4-Speicherchips, die wir bislang nur in der OEM-SSD Toshiba BG4 testen durften und die nun ihr Retail-Debut feiern. Die Vorgänger BiCS3 kennen wir schließlich von diversen anderen Solid State Drives wie etwa auch bei den Western Digital SN500, SN750 oder der PNY XLR8 CS3030. Durch den TLC-Speicher mit nun 96 Lagen kann auf demselben Raum mehr Speicherkapazität verbaut werden oder aber es werden weniger Speicherchips benötigt, um die gewünschte Kapazität zu erreichen, was wiederum geringere Kosten bedeutet. Als vermeintliches Modell der Mittelklasse möchte Toshiba die RC500 wie schon die RC100 besonders für günstige Systeme anbieten.


Herstellerangaben der Toshiba rc500
Modell Toshiba RC500
Controller Toshiba
NAND 3D-NAND TLC, Toshiba/WD, 96 Layer (BiCS4)
Kapazitäten 250 GB, 500 GB
sequentielle Lese/Schreibrate Lesen: 1700 MB/s
Schreiben: 1600 MB/s
Total Bytes Written (TBW) 250 GB: 100 TB
500 GB: 200 TB
MTBF 1.500.000 h
Arbeitstemperatur 0 bis 85 °C
Preis 75 Euro (Stand: 26.11.19)

Neue UVP: 59,90 Euro


Die vermeintliche Vorgängerin der RC500, die Toshiba OCZ RC100, konnte in unserem Test eine Nische besetzen, die es ansonsten im Retail-Markt kaum gibt. Mit dem eher ungewöhnlichen M.2-2242-Format eignete sie sich besonders für sehr kompakte Systeme und erinnert uns jetzt an die kürzlich getestete Toshiba BG4, die im OEM-Massenmarkt Verwendung findet. Bei der RC500 handelt es sich daher nicht etwa um eine Retail-Version der BG4, sondern um eine eigene Entwicklung mit eigener Zielgruppe. Das wird bereits bei einem Blick ins Datenblatt deutlich: zwar wird die SSD von bis zu vier PCIe3-Lanes angesprochen, doch die maximalen Datenraten sind mit 1700 MB/s lesend und 1600 MB/s schreibend eher gering. Kioxia zielt daher auch bereits in der Pressemitteilung eher die preisbewussten Käufer an, die zwar ein Leistungsplus zum SATA-Interface wollen, aber dennoch keine HighEnd-Modelle bezahlen möchten. Dies erinnert uns wiederum an die RC100, die diesen Spagat bereits vollführte.

Heute allerdings ist dieser Markt kaum noch als Nische zu bezeichnen, hatten wir doch zuletzt eine Western Digital SN500 mit sehr ähnlichen Leistungsangaben und einem vergleichsweise geringen Preis in unserem Testsystem. Toshiba grenzt hier also bewusst die RC500 zum hauseigenen Spitzenmodell RD500 ab, das mit nominell doppelten Schreib- und Leseraten wirbt. Identisch sind wiederum die verbauten Speichermodule, die wir auch schon bei der BG4 testen durften: 96-Layer TLC BiCS Flash, der per SLC-Cache für möglichst hohe Schreibraten verantwortlich sein soll. Kioxia spricht hier in der Pressemitteilung von einer bewussten Entscheidung gegen QLC-Zellen, da durch die hohe Layeranzahl ebenfalls günstig produziert werden könne, aber eben ohne die technisch bedingten Leistungseinbußen. Konkret heißt das bei unserem Testmuster mit einer Kapazität von 500 GB, dass für etwa 25 Sekunden die SSD mit maximaler SLC-Schreibgeschwindigkeit gefüllt werden kann, ehe sie deutlich auf TLC-Niveau einbricht und bei immerhin 600 MB/s verharrt. Damit übertrifft die RC500 ihre Vorgängerin bei weitem, sowohl in der Leistungsspitze wie auch bei vollem SLC-Cache. Auch die angesprochenen WD Blue SN500 und die Toshiba BG4 erreichen diese Werte nicht im Ansatz, auch trotz der kleinen "Denkpause" zu Beginn der Messung.

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Ebenfalls gut sieht es bei den Temperaturen aus. Zwar erreicht die RC500 bereits nach drei Minuten starker Last in unserem Testsystem die Schwelle von 80°C, doch hält sich das Drosseln mit immer noch mehr als 1.200 MB/s in akzeptablen Grenzen. Wagen wir wiederum den Vergleich zu BG4 und SN500, stellen wir fest, dass die BG4 deutlich früher drosselt und die SN500 gar nicht - dabei allerdings auch sowieso nur bei etwa 1.200 MB/s performt.

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Im ersten Moment sieht die RC500 also bereits nach einem würdigen Nachfolger der RC100 aus. Toshibas Entscheidung zugunsten von TLC scheint richtig zu sein. Der Garantiezeitraum liegt mit fünf Jahren bei 200 TB maximaler Schreiblast auf einem normalen Niveau und spricht für Vertrauen in die eigene Technik.

Maximale Schreiblast

Modell

120 - 128 GB240 - 280 GB400 - 512 GB800 - 1.024 GB1.500 - 4.000 GB4.000 GB
Toshiba RC500
100 TB
200 TB

Kingston KC2000
150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
Seagate FireCuda 510
---1,3 PB
2,6 PB
-
Intel Optane SSD 905P--8,76PB17,52 PB27,37 PB-
Western Digital WD Black SN750-200 TB300 TB
600 TB1,2 PB
-
Samsung SSD 970 EVO Plus--300 TB
600 TB
1,2 TB
-
Samsung SSD 860 EVO-150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
2,4 TB
Samsung 970 PRO
--600 TB
1,2 TB
--
Corsair MP510-400 TB
800 TB
1,7 TB
3,12 TB
-

Mit Beginn des Jahres kam ein neues, leicht verändertes Testsystem zum Einsatz. Einschränkungen bezüglich der Vergleichbarkeit mit älteren Tests sind somit nicht auszuschließen, dürften sich allerdings in einem sehr engen Rahmen bewegen. Stärkere Auswirkung könnten hingegen die verschiedenen Updates in Bezug auf Meltdown und Spectre haben.

Die genutzte Hardware im Einzelnen:

Gigabyte Z370 AORUS Ultra Gaming (Test)
Intel Core i7-8700K
2x 8 GB Teamgroup UD4-3000 DDR4-3000
Zotac GeForce GTX 1070 AMP!
Samsung SSD EVO 970 500GB (Systemlaufwerk) (Test)
Enermax Saberay (Test)

Die verwendete Software im Einzelnen:

Microsoft Windows 10 Home (Build 1903)
AS SSD Benchmark 2.0.6485.17676
AS SSD Benchmark 1.7.4739.38088
Iometer 1.1.0
Futuremark PCMark 8 v2.0.228
CrystalDiskMark 5.1.2
ATTO Disk Benchmark v3.05

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Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von acht Millionen logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 1)

138.23 XX


132.67 XX


105.75 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 3)

263.58 XX


258.94 XX


176.48 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 32)

342.26 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 32)

330.52 XX


313.51 XX


271.45 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen (QD 1)

494.71 XX


457.81 XX


382.65 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben (QD 1)

416.73 XX


267.28 XX


MB/s
Mehr ist besser

Auch wenn wir bereits in der Vergangenheit feststellen konnten, dass die Toshiba-SSDs im Iometer überdurchschnittlich abschneiden, überrascht uns die RC500 positiv. Nicht nur überdurchschnittlich, sogar Spitzenklasse sind die Werte, die der Benchmark für uns ermittelte. Gerade bei sehr kleinen Anfragen spielt die RC500 ihre Stärken aus, ehe sie bei den sequenziellen Zugriffen auf ein eher zu erwartendes Niveau zurückfällt.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 1)

117.56 XX


114.58 XX


101.69 XX


MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 64)

350.34 XX


314.94 XX


303.32 XX


MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 64)