Kingston KC2000 im Test: Verschlüsselt und schnell in der Praxis

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vorschau kingston kc2000 08

SSDs vom Speicherspezialisten Kingston sind zwar bereits lange am Markt verfügbar, doch bisher meist mit dem langsameren SATA-Interface. Seit zwei Jahren jedoch versucht der laut eigener Aussage größte Hersteller von Speichermodulen und Speicherkarten auf dem Gebiet der NVMe-Laufwerke Fuß zu fassen. Aktuell mit seinem neusten HighEnd-Modell KC2000, das wir heute auf Herz und Nieren testen.

Etwas ungewohnt erreichte uns die KC2000 nicht etwa in einem edlen Schuber, sondern in einer schmalen Verpackung, die eher an Speicherkarten als an SSDs erinnert. Offenbar kann Kingston seine Wurzeln nicht verleugnen, sind die Amerikaner doch eher für Arbeitsspeicher und eben Speicherkarten bekannt. Auch das NVMe-Laufwerk ist optisch schlicht gehalten. Ein schwarzes PCB beherbergt die beidseitig bestückten, ebenfalls schwarzen Chips und den Speichercontroller. Auf der Vorderseite reicht ein schlichtes Produktlabel aus, um Hersteller, Modellbezeichnung und die wichtigsten Daten und Hinweise abzubilden. Doch auch in Zeiten von RGB-Speichermedien ist wichtiger, was in der SSD steckt.

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Die Herstellerangaben lesen sich gewohnt sehr gut und versprechen sehr hohe Übertragungsraten. Bei unserer Version mit einer Gesamtkapazität von 1 TB soll die SSD bis zu 3.200 MB/s lesend und 2.200 MB/s schreibend ihren Dienst per M.2-Port und NVMe-Protokoll verrichten. Dazu gibt Kingston 600 TBW Haltbarkeit bei fünf Jahren Garantie an. Diese Daten sind nicht ungewöhnlich, eher haben wir zuletzt bei unseren Testmodellen zum Teil sogar deutlich höhere Werte gesehen. Gerade der TBW-Wert erinnert dabei stark an die Intel 760p, die sich auch das Schwestermodell des verbauten Controllers teilt. Dennoch müssen die 600 TB zum einen erst einmal geschrieben werden und auch dann gilt diese Zahl keineswegs als Todesurteil für den NAND-Speicher. Dieser ist als 3D-TLC in 96 Schichten verbaut und wird vom Silicon Motion SM2262EN befeuert. Ein kleiner Wermutstropfen gerade im Vergleich zur zuletzt getesteten PNY XLR8 CS3030 mit mehr als 1.000 TB zusätzlicher Schreiblast bleibt allerdings.



Kingston KC2000
Controller SMI 2262EN
NAND 96-Layer 3D TLC
Kapazitäten 250 GB, 500 GB, 1 TB, 2 TB
sequentielle Lese/Schreibrate 250 GB: 3.000 / 1.100 MB/s
500 GB: 3.000 / 2.000 MB/s
1 TB: 3.200 / 2.200 MB/s
2 TB: 3.200 / 2.200 MB/s 
Random 4K Lesen/Schreiben 250 GB: 350.000 / 200.000 IOPS
500 GB: 350.000 / 250.000 IOPS
1 TB: 350.000 / 275.000 IOPS
2 TB: 250.000 / 250.000 IOPS 
Total Bytes Written (TBW) 250 GB: 150 TBW
500 GB: 300 TBW
1 TB: 600 TBW
2 TB: 1.200 TBW 
Leistungsaufnahme 0,003 W Idle
0,2 W durchschnittlich
2,1 W Maximum für das Lesen von Daten
7 W Maximum für das Schreiben von Daten
MTBF 2.000.000 h
Abmessungen 80mm x 22mm x 3.5mm 
M.2 2280
Gewicht 250 GB: 8 g
500 GB: 10 g
1 TB: 10 g
2 TB: 11 g
Arbeitstemperatur 0 bis 70 °C
Preis 250 GB: SKC2000M8/250G
500 GB: SKC2000M8/500G
1 TB: SKC2000M8/1000G
2 TB: SKC2000M8/2000G

Gerade im Vergleich zur Vorgängerin, der KC1000, zeigt sich die neue Kingston SSD stark verändert. Statt einem Phison PS5007-E7, wie wir ihn auch bei SSDs von Corsair oder TeamGroup gesehen haben, nutzt die KC2000 nun einen Controller von Silicon Motion, nämlich den SM2262EN. Die Non-EN-Variante konnten wir mit der Intel 760p in unserem Benchmarkparcours testen, und es zeigen sich zumindest auf einen ersten Blick einige Parallelen: selbst im Vergleich zur KC1000 ist die vom Hersteller spezifizierte Schreiblast deutlich gesunken, 600 TBW (bei einem Modell mit 1 TB Gesamtgröße) sind aller gerechtfertigter Relativierung zum Trotz ein Rückschritt. Ob dies nur auf den Controller zurückzuführen ist, was der Blick zur Intel 760p eben nahelegt, oder aber auch die Umstellung von MLC zu TLC eine Rolle spielt, kann nur spekuliert werden. 

Ein deutlicher Bonus nicht nur der Vorgängerin gegenüber ist die Neuerung, dass Kingston als einer der wenigen Hersteller überhaupt, eine Verschlüsselung nach TCG Opal 2.0 im Consumer-Bereich anbietet.

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Passend zum Controller wird die SSD von einem (nicht näher bekannten) DDR3L-Speicher unterstützt und darf im Idealzustand auf bis zu 150 GB SLC-Cache zugreifen. In unserem SSDStresstest konnten wir so nicht ganz 80 Sekunden lang mit knapp über 1.900 MB/s die SSD beschreiben, ehe die Datenübertragungsrate auf etwas unter 900 MB/s einpendelte. Diese Werte sind auch bei einem vollen Laufwerk anschließend realistisch, wenn die SSD keinen Platz mehr für einen SLC-Cache bereitstellen kann. 

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Typisch für eine ungekühlte NVMe-SSD hat natürlich auch die Thermik einen Einfluss auf die Geschwindigkeit. Erreicht das Laufwerk eine Temperatur von 70 °C, drosselt der Controller den Schreibvorgang entsprechend. Die anschließende Hysterese lässt zwar immer wieder Spitzen nahe der ursprünglichen Geschwindigkeit zu, dennoch ist der Einbruch natürlich offensichtlich. Wie bei anderen SSDs also auch lohnt sich für User, die oft an dieses Limit kommen, eine entsprechende Kühlung. Eine solche Version bietet Kingston aber leider nicht direkt an.

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Maximale Schreiblast

Modell

120 - 128 GB240 - 280 GB400 - 512 GB800 - 1.024 GB1.500 - 4.000 GB4.000 GB
Kingston KC2000
150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
Seagate FireCuda 510
---1,3 PB
2,6 PB
-
Intel Optane SSD 905P--8,76PB17,52 PB27,37 PB-
Western Digital WD Black SN750-200 TB300 TB
600 TB1,2 PB
-
Samsung SSD 970 EVO Plus--300 TB
600 TB
1,2 TB
-
Samsung SSD 860 EVO-150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
2,4 TB
Samsung 970 PRO
--600 TB
1,2 TB
--
Corsair MP510-400 TB
800 TB
1,7 TB
3,12 TB
-

Mit Beginn des Jahres kam ein neues, leicht verändertes Testsystem zum Einsatz. Einschränkungen bezüglich der Vergleichbarkeit mit älteren Tests sind somit nicht auszuschließen, dürften sich allerdings in einem sehr engen Rahmen bewegen. Stärkere Auswirkung könnten hingegen die verschiedenen Updates in Bezug auf Meltdown und Spectre haben.

Wie aufmerksamen Lesern sicherlich aufgefallen sein dürfte, können wir beginnend mit diesem Review den hauseigenen SSDStressTest wieder verwenden, der die Werte zur temperaturabhängigen Speicherperformance und der Cache-Performance ermittelt.

Die genutzte Hardware im Einzelnen:

Gigabyte Z370 AORUS Ultra Gaming
Intel Core i7-8700K
2x 8 GB Teamgroup UD4-3000 DDR4-3000
Zotac GeForce GTX 1070 AMP!
Samsung SSD EVO 970 500GB (Systemlaufwerk)
Enermax Saberay

Die verwendete Software im Einzelnen:

Microsoft Windows 10 Home (Build 1809)
AS SSD Benchmark 2.0.6485.17676
Iometer 1.1.0
Futuremark PCMark 8 v2.0.228
CrystalDiskMark 5.1.2
ATTO Disk Benchmark v3.05
SSDStressTest

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Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von acht Millionen logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 32)

342.26 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 1)

138.23 XX


132.67 XX


105.75 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 3)

263.58 XX


258.94 XX


176.48 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 32)

330.52 XX


313.51 XX


271.45 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen (QD 1)

494.71 XX


457.81 XX


382.65 XX


MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben (QD 1)

416.73 XX


267.28 XX


MB/s
Mehr ist besser

Im Iometer zeigt die Kingston KC2000 zunächst ein durchwachsenes Bild. Erst bei tieferen Anfragen kann die SSD ins Mittelfeld vordringen und sich mit anderen NVMe-Laufwerken messen. Einzig das sequenzielle Schreiben meistert die KC2000 tadellos, nur die Samsung-PRO-Modelle erreichen hier noch bessere Übertragungsraten. Interessanterweise hingegen kommt die Kingston-SSD mit dem sequenziellen Lesen im Iometer überhaupt nicht klar. Ob es dabei ein Fehler des Benchmarks oder eine Eigenheit des Controllers ist, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen. Allerdings lässt ein Blick des artverwandten Silicon Motion SM2262 in der Intel 760p auf ersteres schließen. Reproduzieren konnten wir die Ergebnisse allerdings in einem engen Rahmen.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 1)

117.56 XX


114.58 XX


101.69 XX


MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 64)

350.34 XX


314.94 XX


303.32 XX


MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 64)