Seagate BarraCuda Pro mit 2,5 Zoll und 500 GB im Test: Die letzte Ihrer Art?

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seagate barracudapro 500 bild 2 c1e5fa738ba04d3bb1ee3b70a90a21dcSeagate bringt mit der BarraCuda Pro eine Festplatte im 2,5-Zoll-Format. Mit einer Kapazität von 500 GB bedient sie einen Markt, welcher bereits fest in der Hand von SSDs ist. Für welche Anwendungen eine solche Festplatte immer noch geeignet ist und wie sich die vielleicht letzte Ausbaustufe einer solchen im 2,5-Zoll-Format mit 7.200 rpm schlägt, klärt Hardwareluxx im nachfolgenden Artikel.

Die BarraCuda Pro 2,5 Zoll ist die aktuelle Ausbaustufe der 2,5-Zoll-Festplatten mit 7.200 rpm. Verfügbar ist sie in zwei Größen: 500 GB und 1 TB. Wir testen die kleinere Version mit 500 GB. Elf Jahre ist es her, dass es zum ersten Mal eine Seagate-Festplatte mit 500 GB bei 7.200 rpm im Formfaktor von 2,5 Zoll gab. Die damalige Seagate Momentus 7200.4 500 GB (ST9500420AS) war unheimlich schnell für diese Zeit. Eine sequentielle Transferrate von fast 100 MB/s war nun möglich. Zum Vergleich: Festplatten mit 5.400 rpm, wie zum Beispiel die Samsung Spinpoint M7 HM500JI mit 500 GB, hatten Transferraten von 80 bis 85 MB/s zu bieten. Jahre später ist der PC-Konsumenten-Markt für 2,5-Zoll-Festplatten recht überschaubar geworden. 

Meist werden 1-TB- bis 2-TB-Laufwerke in großen 17-Zoll-Notebooks als Massenspeicher eingesetzt, aber Größen unterhalb von 1.000 GB wurden durch die kleinen Festplatten überwiegend von SSDs verdrängt. Der Preisunterschied (Stand 05/2019) von BarraCuda Pro 500 GB (ca. 55 Euro) zur populären SSD Samsung 860 Evo mit 500 GB (ca. 80 Euro) ist mittlerweile so gering, sodass die SSD bevorzugt wird. 

Es gibt aber durchaus noch Märkte für diese Festplatten. In der Industrie zum Beispiel haben informationstechnische Geräte eine deutlich höhere Lebenszeit als auf dem PC-Konsumenten-Markt. Hier müssen für Bedienstationen (Human-Machine-Interface) oder Steuerungen Reparaturteile über Jahre hinweg verfügbar sein. Im Jahr 2019 eine 2,5-Zoll-PATA-HDD mit 80 GB neu zu kaufen, kann hier durchaus ein realistischer Umstand sein. Dieses eine Beispiel lässt sich sicherlich noch auf viele weitere Sparten übertragen. Daher kann man sich im Jahr 2019 auch 2,5-Zoll-Festplatten in einem Test anschauen.

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​Technische Daten

Hersteller Seagate
Serie BarraCuda Pro
Typ BarraCuda Pro 2,5 Zoll
Kapazität 500 GB
Nicht korrigierbare Lesefehler pro gelesenem Bit, max.
1 Sektor pro 10E14
Hot-Plug Unterstützung
Ja
Rescue-Dienste Nein
Maximaler jährlicher Workload 55 TB
Cache 128 MB
U/min 7200 U/min
Übertragungsgeschwindigkeit 160 MB/s
Erschütterung im eingeschalteten Zustand: 2 ms (G)
400
Erschütterung im ausgeschalteten Zustand: 1 ms (G)
1.000
Übertragungsstandard SATA III 6G
Energieverbrauch Last/Leerlauf/Standby 1,8 W / 0,7 W / -
Geräusch (dbA) Leerlauf /Last 2,2 bel / 2,4 bel
MTBF 2.500.000 h
Garantie 5 Jahre
Modell
ST500LM034

Die Seagate BarraCuda Pro 2,5 Zoll im Detail

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Das Design der Vorderseite kennen wir bereits von der FireCuda 2,5 Zoll 2 TB.

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Die Rückseite der BarraCuda Pro 500 GB: Das Gehäuse passt mit einer Höhe von 7 mm in jeden 2,5-Zoll-Steckplatz.

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Da es sich hierbei um eine Festplatte mit nur einem Platter und zwei Köpfen handelt, sind trotz der geringen Bauhöhe Gehäusestrukturen auf der Rückseite zu erkennen.


Das Testsystem steht bereit, um in jedem Test dieselben Bedingungen zu bieten. Das System ist in einem Corsair Obsidian 1000D auf dem Sekundärmontageplatz verbaut. Die Festplatten befinden sich in entkoppelten Festplatten-Trays, wie sie in allen aktuellen Gehäusen Verwendung finden.

Die Festplatte wurde im leeren Zustand am SATA-III-Port des AMD-B350-Chipsatzes getestet.

Technische Daten
Prozessor
AMD Ryzen 5-2400G
MainboardGigabyte GA-AB350N-Gaming Wifi
ArbeitsspeicherPatriot Vipter 16GB DDR4 3000 MHz
NetzteilCorsair SF450
USBController
YOTTAMASTER CA31-AC USB 3.1 Gen2 (1x USB-Type-C, 1xUSB-Type-A)

Betriebssystem Windows 10 Home 1809

Energieverbrauchsmessung

Um die Herstellerangaben für den Energieverbrauch nachzuvollziehen, haben wir ein entsprechendes Testsystem aufgebaut. Für eine umfassende Leistungsmessung sollte die Versorgung mit 5 V und 12 V betrachtet werden. Wie die Art der Messung bereits erahnen lässt, benötigen wir Strom und Spannung, um daraus die Leistung zu errechnen. Eine Möglichkeit wäre es, mit einem Multimeter die Spannung zu messen und mit einer Strommesszange den Strom.

Hier könnte man die Messgeräte auf die Erfassung des Durchschnittswerts einstellen und erst die 5-V-Schiene und danach die 12-V-Schiene aufnehmen. Hierdurch lässt sich aber weder der Anlauf darstellen, noch eine genaue Aussage treffen, wie sich die Werte über die Zeit verhalten.

Mit einem Vierkanaloszilloskop können wir alle vier Messungen gleichzeitig durchführen und in Abhängigkeit von der Zeit darstellen.

Dazu verwenden wir das digitale RIGOL DS1054Z Vierkanalspeicheroszilloskop inklusive Speichererweiterung sowie zwei Rigol-Tastköpfe und zwei Pico-Strommesszangen mit integriertem Spannungswandler zum direkten Anschluss an das Oszilloskop.

Technische Daten
Oszilloskop
Rigol DS1054Z (4Ch. 50 MHz 1GSa/s 24 Mpts)
TastköpfeRigol PVP 2150 (1x 35 MHz, 10x 150 MHz)
StrommesszangenPicoTech TA 189 AC / DC 30 A 1% Toleranz +-2 mA
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Wir führen insgesamt vier Messungen durch:

Zuerst wird die Leistungsaufnahme beim Einschalten aufgezeichnet. Dies ist eine kritische Phase mit einer vergleichsweise sehr hohen Leistungsaufnahme. Beim Hochdrehen der Spindel auf Betriebsdrehzahl kann es zu einem Vielfachen der im Ruhezustand aufgenommenen Leistung kommen.

Weiterhin führen wir eine Messung im Idle durch. Die Festplatte wird hier nicht bewusst von uns angesprochen, jedoch befindet sie sich in Betriebsbereitschaft.

Danach wird eine Messung in Benutzung durchgeführt. Es werden 50 GB an Daten in Form des Windows-Images 1809 in mehrfach kopierter Ausführung am Stück übertragen. Hier wird erst der Cache der Festplatte gefüllt und im Anschluss muss die Festplatte die Daten verarbeiten. Dies lässt sich schön beobachten. Seagate gibt als Wert die maximale Leistungsaufnahme im eingeschalteten Zustand unter zufälligen Lese- und Schreibvorgängen mit 4 KB und einer QD von 16 an. Das ließe sich zwar über einen synthetischen Benchmark abbilden, jedoch erscheint uns diese praxisnahe Messung während eines Kopiervorgangs als aussagekräftiger.

Zum Schluss gibt es eine Messung während des HD-Tune Pro-Random-Access-Read-Benchmarks. Diese Messung sorgt als standardisierter Test für Vergleichbarkeit bei etwas mehr Leistungsaufnahme.

Alle vier Messungen dauern jeweils etwa eine Minute und werden mehrfach wiederholt. Das Oszilloskop gibt uns einerseits den visualisierten Spannungsverlauf, aber auch eine Auswertung der Hoch- und Tiefpunkte sowie der Durchschnittswerte. Über die MATH-Funktion des Oszilloskops können wir uns auch gleich die Leistung für die 12 V-Schiene hochrechnen lassen, durch Multiplikation der entsprechenden Kanäle. Im Anschluss an die Messung können die Daten mit einem USB-Stick abgeholt und aufgearbeitet werden. Eine Steuerung der Messung und Bildausgabe über den integrierten RJ45 LAN-Anschluss ist ebenso möglich. Der Elektrotechniker dreht jedoch lieber an Reglern und drückt Knöpfe.

Nachfolgend ist beispielhaft die Anlaufstrommessung zu sehen.

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Messungen zum Stromverbrauch

Energieverbrauch

max. Leistungsaufnahme

Watt
Weniger ist besser

Wenn man den Anlaufstrom zum Beispiel mit der Seagate Exos X14 vergleicht, welche wir vor kurzem im Test hatten, erscheint dieser geradezu lächerlich gering. Zum einen wird die BarraCuda Pro ausschließlich über 5 V versorgt, zum anderen muss hier nur ein Bruchteil der Masse einer 14 TB fassenden HDD im 3,5-Zoll-Format in Bewegung gebracht werden. Der von Seagate angegebene Anlaufstrom von 1,0 A wird leicht überschritten, was aber noch in Ordnung geht.

Energieverbrauch

Leistungsaufnahme idle

mW
Weniger ist besser

Seagate gibt für die BarraCuda Pro in der hier getesteten Variante 0,7 W im Idle an. Mit einem auf die zweite Stelle hinter dem Komma gerundeten PGesamt von 0,51 W liegen wir deutlich darunter. Die Stromsparfunktion PowerChoice kann hier geholfen haben. Wie bereits bei der Exos X14 beschrieben, gibt es leider keine Möglichkeit, den aktuellen PowerChoice-Level auszulesen. Das Messergebnis kann dennoch als valide angenommen werden.

Energieverbrauch

durchschnittliche Leistungsaufnahme beim Schreiben

Watt
Weniger ist besser

Während des Kopiervorgangs von Daten liegen wir mit 2,55 W am höchsten im Test. Hier zeigt sich, dass die Kombination aus hoher Drehzahl und starkem Cache ihren Tribut in Form einer erhöhten Leistungsaufnahme fordert.

Energieverbrauch

durchschnittliche Leistungsaufnahme zeitgleich zu HDTune Random Access Lesen

Watt
Weniger ist besser

Die vierte und letzte Messung sorgt nochmal für einen weiteren Anstieg der Leistungsaufnahme und stellt dar, wie sich die Festplatten unter Volllast verhalten. Hier belegt die BarraCuda Pro 500 GB ebenfalls den letzten Platz, hat jedoch den Benchmark in einem Zehntel der Zeit der anderen Testteilnehmer bewältigt. Für die Messung musste die Zeitkonstante von 5 s je Teilung auf 500 ms reduziert werden.

Leistungsmessungen

Chrystal Disk Mark

sequenziell Lesen und Schreiben

184.4 XX


176.9 XX
142.4 XX


150.9 XX
MB/s
Mehr ist besser

Die BarraCuda Pro 500 GB ist die bisher schnellste 2,5-Zoll-Festplatte mit 7.200 rpm. 

** Die Toshiba L200 haben wir zu Vergleichszwecken mit aufgeführt, da sie die einzig aktuelle 2,5-Zoll-HDD im Testlabor ist. Sie wurde an einem äquivalenten Testsystem (Ryzen 7 2700x, MSI B450 Gaming Pro Carbon AC) getestet und wurde im Anschluss wieder zum Hersteller zurückgeschickt. Daher sind auch keine Leistungsmessungen möglich.

HD-Tune

sequenziell Lesen und Schreiben

237.7 XX


175.1 XX
143.7 XX


144.6 XX
MB/s
Mehr ist besser

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In diesem Artikel betrachten wir die BarraCuda Pro 500 GB als das, was sie ist. Eine 500 GB fassende, klassische Festplatte im 2,5-Zoll-Format. Dass SSDs billiger geworden sind und dadurch gerade im Bereich von 500 GB eine große Konkurrenz für Festplatten darstellen, lässt sich nicht von der Hand weisen. Dennoch gibt es einige Anwendungsgebiete und eine Daseinsberechtigung für 2,5-Zoll-Festplatten, wie anfangs bereits beschrieben. Die BarraCuda Pro 500 GB ist mit 180 MB/s sequenzieller Transferrate kaum langsamer als aktuelle 3,5-Zoll-Festplatten. Die Baugröße ist mit 7 mm auf dem aktuellen Stand der Entwicklung. Die Leistungsaufnahme unter Last geht in Ordnung und ist sehr gut im Leerlauf. 

Im Gegensatz zur alten Momentus 7200.4 ist die BarraCuda Pro auch nahezu lautlos. Natürlich sollte die Aufnahmetechnik, SMR, für die Nutzung berücksichtigt werden. Wer aktuell einen Anwendungsfall für eine schnelle 2,5-Zoll-Festplatte hat, kann also bedenkenlos zugreifen.

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Positive Aspekte der Seagate BarraCuda Pro 2,5 Zoll 500 GB

Negative Aspekte der Seagate BarraCuda Pro 2,5 Zoll 500 GB

Preise und Verfügbarkeit
Seagate BarraCuda Pro 2,5 Zoll 500GB
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar