Samsung SSD 970 EVO Plus im Kurztest: Ein Plus an Performance?

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samsung 970plus teaserHaben wir im letzten Review zur Samsung 970 EVO bereits festgestellt, dass Samsung auch mit seiner neuen Mittelklasse nahe an die vorherige Pro-Serie herankommt, legt der koreanische Hersteller nun mit seiner neuen EVO Plus Serie weiter nach. Einen satten Zuwachs von bis zu 53 % zur 970 EVO verspricht das Datenblatt, Lese- und Schreibgeschwindigkeiten sollen bis an die Grenze der aktuellen dritten PCIe-Generation reichen. Wie weit Samsung dieses Versprechen halten kann, werden wir in unserem Review der 500-GB-Version sehen.

Mit aktuellem 3 Bit MLC V-NAND und erweitertem Phoenix-Controller schickt Samsung nun die jüngste Inkarnation seiner beliebten 9x0-EVO-Familie ins Rennen. Doch statt dem gewohnten Namensupdate und der damit erwarteten 980er-Reihe, ändert Samsung sein bisheriges Namensschema ein wenig und erweitert es um einen „Plus“. Dabei verpasst es der Hersteller allerdings nicht, die Verbesserungen vollmundig anzupreisen. Eine Mehrleistung von bis zu 53 % gegenüber der bereits sehr beliebten 970-EVO sind laut Samsung zu erwarten, bis mindestens zum Erscheinen der vierten PCIe-Generation soll die neue Plus das Leistungsniveau anführen.

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Erreichen will dies Samsung durch den Einsatz seiner neuen 3-Bit MLC V-NAND Speicherchips mit 96 Layern, die in allen vier neuen Modellen mit 250 GB, 500 GB, 1.000 GB und ab April auch 2.000 GB verbaut sind. Dabei greifen die beiden kleineren Varianten auf einen 512 MB großen LPDDR4-Speicher zurück, während die größeren Modelle eine doppelt so große Ausführung vorweisen können. 

Technische Daten Samsung SSD 970 EVO Plus
  Samsung SSD 970 EVO Plus
Preis (UVP) 139,99 Euro (500 GB)
Produktseite -
Formfaktor M.2
Interface PCIe 3.0 x4
Protokoll NVMe 1.3
Firmware RVQ01B6Q
Kapazität Testmuster (lt. Hersteller) 500 GB
Kapazität (formatiert, laut Windows) 466 GB
Verfügbare Kapazitäten 250 GB
500 GB
1 TB
2 TB (ab April)
DRAM-Cache 512 MB LPDDR4 (250 und 500 GB)
1 GB LPDDR4 (1 TB)
Controller Samsung Phoenix Controller
Chipart Samsung 3 Bit MLC V-NAND
Max. Lesen (lt. Hersteller) 3.500 MB/s
Max. Schreiben (lt. Hersteller) 2.300 MB/s (250 GB)
3.200 MB/s (500 GB)
3.300 MB/s (1 TB)
Herstellergarantie 5 Jahre oder Erreichen der TBW
TBW 150 TB (250 GB)
300 TB (500 GB)
600 TB (1 TB)
Lieferumfang SSD

Hat sich bei der 970 EVO non-Plus noch vieles im Vergleich zum Vorgänger geändert, zeigt sich bei einer näheren Betrachtung möglicherweise, warum Samsung bei seiner neuesten Version nicht von einer 980 EVO spricht. So bleibt auch in der jüngsten Inkarnation der M.2-SSD das größte Unterscheidungsmerkmal zur Pro-Version erhalten: Es werden weiterhin TLC-Chips eingesetzt, die Samsung selbst als 3-Bit-MLC bezeichnet. Auch bei der Plus-Version wird dabei aber von V-NAND gesprochen, da der generelle Aufbau zur 970 EVO quasi identisch bleibt. So profitiert auch die 970 EVO Plus von der erhöhten Speicherdichte und Effizienz, sowie der im Vergleich zur 960er-Generation verlängerten Lebenszeit. Die Abmessungen und das Design bleiben selbstverständlich bekannt, lediglich der „Plus-Schriftzug“ lässt die beiden Versionen auf einen schnellen Blick unterscheiden. 

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Betrug der Zuwachs der zu erwartenden Lebenszeit bei der 970 EVO noch starke 50 %, bleiben die Werte der neuen Plus-Generation unverändert. Wie üblich hat der TBW-Wert auch bei der neuen SSD mehr mit der Beschränkung der Garantie als mit der tatsächlich zu erwartenden Haltbarkeit zu tun, die häufig um ein Vielfaches höher liegt. Denn die fünfjährige Garantie gilt nur, solange die TBW-Werte nicht überschritten werden. Für die MTBF werden 1,5 Millionen Stunden genannt.


Maximale Schreiblast (TBW)
Modell 120 - 128 240 - 280 400 - 512 800 - 1.024 2.000 - 4.000 4.000
Intel SSD 660p - - 100 TB 200 TB 400 TB -
Western Digital Black - 80 TB 160 TB - - -
Samsung SSD 860 QVO - - - 360 TB 720 TB 1,44 PB
Samsung 960 EVO - 100 TB 200 TB 400 TB - -
Kingston UV500 60 TB 100 TB 200 TB 480 TB 800 TB -
Toshiba OCZ RC100 60 TB 120 TB 240 TB - - -
Intel SSD 600p 72 TB 144 TB 288 TB 576 TB - -
Intel SSD 760p 72 TB 144 TB 288 TB 576 TB 1.152 TB -
Samsung SSD 860 EVO - 150 TB 300 TB 600 TB 1,2 PB 2,4 PB
Samsung SSD 970 EVO - 150 TB 300 TB 600 TB 1,2 PB -
Samsung SSD 970 EVO Plus - 150 TB 300 TB 600 TB - -
ADATA SX8000 80 TB 160 TB 320 TB 640 TB - -
Plextor M9Pe - 160 TB 320 TB 640 TB - -
Samsung 960 PRO - - 400 TB 800 TB 1,2 PB -
Samsung 970 PRO - - 600 TB 1,2 PB - -
Zotac Sonix SSD - - 698 TB - - -
Corsair MP500 175 TB 349 TB 698 TB - - -
Corsair NX500 - - 698 TB 1,396 PB - -
Corsair MP510   400 TB 800 TB 1,7 PB 3,12 PB -
Intel Optane SSD 900P - 5,11 PB 8,76 PB - - -
Intel P4800X (375 GB) - 20,5 PB - - - -

Die TurboWrite-Technologie wird bereits seit geraumer Zeit von Samsung zur Beschleunigung von Schreibvorgängen genutzt. Während sich am Grundprinzip - Daten werden zunächst in einem SLC- Cache gesammelt und dann tatsächlich geschrieben - in den letzten Jahren nichts geändert hat, wurde die feste Cache-Größe mit der 960 EVO aufgegeben. Zwar gibt es nach wie vor einen klar definierten Cache, doch der kann nun im Bedarfsfall um eine gewisse Menge TLC-Speicher erweitert werden. Samsung unterscheidet diesbezüglich zwischen Default-Cache, Intelligent-Cache und Total-Cache. Der Kapazität der einzelnen Speicher hängt dabei von der Gesamtgröße der SSD ab. 

TurboWrite Samsung SSD 970 EVO Plus - Kapazität
250 GB500 GB1 TB
Default4 GB4 GB6 GB
Intelligent9 GB18 GB36 GB
Total13 GB22 GB42 GB


TurboWrite Samsung SSD 970 EVO Plus - max. seq. Schreibrate
250 GB500 GB1 TB
TurboWrite2.300 MB/s3.200 MB/s3.300 MB/s
Nach TurboWrite400 MB/s900 MB/s1.700 MB/s

Unverändert zu ihren Vorgängern bietet die SSD 970 EVO Plus die vollständige Laufwerksverschlüsselung nach TCG-Opal-Standard mittels AES-256-Bit-Algorithmus. Beachtet werden muss auch bei der neuen Samsung-SSD, dass für die volle Leistung das Leeren des Gerätschreibcaches deaktiviert werden muss. 


Mit Beginn des Jahres und diesem Kurztest kommt ein neues, leicht verändertes Testsystem zum Einsatz. Einschränkungen bezüglich der Vergleichbarkeit mit älteren Tests sind somit nicht auszuschließen, dürften sich allerdings in einem sehr engen Rahmen bewegen. Stärkere Auswirkung könnten hingegen die verschiedenen Updates in Bezug auf Meltdown und Spectre haben. 

Die verwendete Software im Einzelnen:


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

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Mit den erreichten 59,91 MB/s im 4K-Lesen setzt sich die Plus nicht nur deutlich vor ihr Vorgängermodell, auch die bisher überlegene 970 Pro wird geschlagen, wohingegen der Schreibvorgang mit über 10 % hinter der EVO non-Plus liegt und deutlich hinter der Pro. 

Ein umgekehrtes Bild zeigt sich beim 4K-64Thrd-Lesen und Schreiben, wo die Plus zunächst hinter den Geschwistern bleibt, um diese dann im Schreiben deutlich in die Schranken zu weisen. Beeindruckend sind natürlich auch die sequentiellen Schreibwerte, die deutlich über denen der Vorgänger liegen, wenngleich auch nicht so deutlich wie es das Datenblatt suggeriert.

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Anders sieht es im CrystalDiskMark aus. Wie schon in der Vergangenheit erwähnt, werden hier oftmals die Herstellerwerte bestätigt, was sich im Falle der Samsung EVO Plus natürlich vor allem im sensationellen sequentiellen Q32T1-Schreibwert niederschlägt, der nicht nur mehr als 30 % über dem Vorgänger liegt, sondern tatsächlich nahe an das Maximum der aktuellen PCIe-Generation kommt und dabei das beiliegende Datenblatt sogar übertrifft. Dennoch zeigt sich auch hier, dass die Plus-Version nicht zwangsweise in jeder Disziplin die schnellere Wahl ist. Erstaunlich sind vor allem die 4KiB.Q32T1-Werte, die eher an die QLC-SATA-Variante 860 QVO erinnert als an die bisherigen Spitzenmodelle.


Der PCMark 8 „Expanded Storage"-Test besteht aus zwei Teilen, dem „Consistency test" und dem „Adaptivity test". Letzterer prüft, wie gut sich ein Storage-System an eine bestimmte Last anpassen kann. Für uns interessanter ist der erste Test, der den Performanceverlust eines Speichersystems messen soll. In der ersten Phase wird das Laufwerk zweimal komplett gefüllt, wobei der zweite Durchlauf sicherstellen soll, dass auch der dem Nutzer nicht zugängliche Speicher gefüllt wird. In der zweiten Phase (Degrade) wird das Laufwerk insgesamt achtmal hintereinander mit zufälligen Schreibzugriffen belastet, wobei der erste Durchgang 10 Minuten dauert und jeder weitere Durchlauf fünf Minuten länger. Nach jedem Durchgang wird die Performance gemessen. In der dritten Phase (Steady state) finden fünf weitere Durchläufe mit jeweils 45 Minuten Schreibdauer statt, auch hier wird die Performance gemessen. In der letzten Phase (Recovery) wird nach einer Leerlaufzeit von fünf Minuten die Performance gemessen. Diese Messung wird inklusive der Leerlaufzeit fünfmal wiederholt und soll dem Laufwerk die Möglichkeit geben, sich zu regenerieren. 

Die beiden folgenden Diagramme zeigen, wie lange unterschiedliche Laufwerke in den verschiedenen Phasen durchschnittlich brauchen, um einen Lese- oder Schreibzugriff zu beantworten. Hierbei beschränken wir uns auf den größten Teil des Trace-Benchmarks, nämlich das Profil „Photoshop Heavy", bei welchem 468 MB gelesen und 5640 MB geschrieben werden.

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Auch in diesen Benchmarks zeigt sich das vertraute Bild, dass die neue Samsung SSD 970 EVO Plus zwar manches deutlich besser, aber eben auch manches schlechter als ihr Vorgänger macht. Sind dabei die Latenzen beispielsweise noch auf einem vergleichbaren Niveau, zeigt sich bei den Transferraten nur bei den Recovery-Tests ein sichtbarer Vorteil für die neue Plus. Generell muss festgehalten werden, dass wie von Samsung mittlerweile gewohnt, stets ein hohes Niveau erreicht wird.


Eine der ersten Fragen, die sich nach Erhalt der Samsung SSD 970 EVO Plus gestellt hat, war die nach dem Namen. Warum bricht Samsung einerseits mit dem bewährten Schema und was darf man von dem „Plus“ erwarten? Das Datenblatt spricht dabei klar von einer sehr hohen Performance. Mitunter werden beeindruckende Werte, nahe am theoretischen Maximum der Schnittstelle versprochen und auch erreicht. Doch nicht immer. Synthetisch gemessen, stehen mehr als 3.200 MB/s anderen Benchmarks entgegen, die das Leistungsniveau eher auf dem der Vorgängerin oder gar darunter sehen. Power-User, die stets die maximal mögliche Leistung suchen, müssen also aufpassen und möglichst genau selektieren, welche Beanspruchung ihrem Nutzungsverhalten am nächsten kommt. Erfreulich dabei: die unverbindliche Preisempfehlung der SSD liegt vom Start weg nur wenig über dem Straßenpreis der 970 EVO.

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Deutlich wird in jedem Fall, dass Samsung mit der neuen EVO Plus tatsächlich das Versprechen erfüllt, die Grenzen des aktuellen PCIe-Standards zumindest in manchen Aspekten zu erreichen. Das ist nicht nur beeindruckend, sondern vielleicht auch ein Fingerzeig, warum es „nur“ eine 970 EVO Plus und eben keine 980 EVO geworden ist – besonders da Samsung im Datenblatt schon auf die kommende vierte PCIe-Generation hinweist. Doch bis zur Einführung dieses Standards bleibt die Plus in jedem Fall eine sehr gute Wahl bei der Suche nach einer M.2-PCIe-SSD.

In den kommenden Monaten muss sich erst noch beweisen, ob sich Samsungs neuer Flashspeicher genau so zuverlässig verhält, wie es bei den bisherigen Iterationen der Fall war. Sollte dem der Fall sein, spricht wenig gegen Samsungs neue SSD, wenn denn das Nutzungsverhalten passt und sich der Preis in den kommenden Wochen noch etwas anpassen wird. Von letzterem ist aber auszugehen.

Positive Aspekte der Samsung SSD 970 EVO Plus: 

Negative Aspekte der Samsung SSD 970 EVO Plus: