Crucial MX200 und BX100 SSD mit 500 GB im Test

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teaserCrucial legt nach: Heute haben wir gleich zwei neue SSDs des Speicherherstellers in der Redaktion, zum einen die MX200 als Nachfolger der äußerst erfolgreichen MX100 und zum anderen die BX100, bei der es sich um eine neue Produktlinie handelt. Crucial möchte die BX100 als neues Einsteiger-Laufwerk etablieren und setzt dabei auf einen Controller von Silicon Motion, während bei der MX200 weiterhin der bekannte Marvell-Controller zum Einsatz kommt. Ob die Crucial MX200 das Potenzial hat, an den Erfolg der MX100 anzuknüpfen und ob sich die Crucial BX100 eine Empfehlung als günstiges Einsteiger-Laufwerk sichern kann, untersuchen wir in diesem Artikel.

Crucial gehört zur Riege der Hersteller, die nicht nur SSDs, sondern auch den dazugehörigen Flashspeicher selbst herstellen. Das bietet handfeste Vorteile, nicht nur bei der Qualitätssicherung, sondern auch bei der Preisgestaltung. Die Crucial MX100 ist ein Musterbeispiel für eine gelungene SSD – gute Performance, Qualität und Zuverlässigkeit und gleichzeitig ein sehr günstiger Preis. Aus diesem Grund haben wir der Crucial MX100 damals auch einen Preis/Leistungs-Award verliehen, eine Auszeichnung, die sie sich bis zuletzt verdient hat.

Neues von Crucial: MX200 für den Highend- und BX100 für den Budget-Markt

Es sind also keine kleinen Fußstapfen, in die die Crucial MX200 tritt. Die Änderungen zum Vorgänger muss man im Detail suchen: Die maximale Kapazität wurde auf 1 TB aufgebohrt und die Schreibleistung soll bei allen Kapazitäten 500 MB/s betragen. Die wichtigsten Komponenten, Controller und Flash-Speicher, sind gleich geblieben. Bei der BX100 setzt Crucial auf den Silicon Motion SM2246EN Controller, den wir bereits von der Angelbird SSD wrk (Hardwareluxx-Artikel) und Corsair Force Series LX (Hardwareluxx-Artikel) kennen.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Crucial MX200 500 GBCrucial BX100 500 GB
Straßenpreis ab 195 Euro ab 175 Euro
Homepage crucial.com
Technische Daten  
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 500 GB -
Kapazität (formatiert) 466 GiB -
Verfügbare Kapazitäten 250 / 500 / 1000 GB 120 / 250 / 500 / 1000 GB
Cache 512 / 512 / 1024 MB 256 / 256 / 512 / 1024 MB
Controller Marvell 88SS9189 Silicon Motion SM2246EN
Chipart Micron 16 nm MLC
Lesen (lt. Hersteller) 555 MB/s 535 MB/s 
Schreiben (lt. Hersteller) 500 MB/s 185 / 370 / 450 / 450 MB/s
   
Herstellergarantie Drei Jahre
Lieferumfang Spacer auf 9mm Bauhöhe

Um die Unterschiede zwischen der Crucial MX100, dem Nachfolger MX200 und der neuen BX100 zu sehen, greifen wir auf die folgende Tabelle zurück.

ModellMX200MX100BX100
Formfaktor 2,5 Zoll, mSATA, M.2 6 cm und 8 cm 2,5 Zoll
Verfügbare Kapazitäten 250 GB, 500 GB, 1.000 GB 128 GB, 256 GB, 512 GB 120 GB, 250 GB, 500 GB, 1.000 GB
Controller Marvell 88SS9189 Silicon Motion SM2246EN
Chipart Micron 16nm (MLC)
Seq. Lesen 555 MB/s 535 MB/s
Seq. Schreiben 500 MB/s 150 MB/s, 330 MB/s, 500 MB/s 185 MB/s, 370 MB/s, 450 MB/s (bei 500/1000 GB)
IOPS Lesen 100.000 80.000, 85.000, 90.000 87.000, 90.000
IOPS Schreiben 87.000 40.000, 70.000, 85.000 43.000, 70.000
Maximales Schreibvolumen 80 TB, 160 TB, 360 TB 72 TB
Verschlüsselung AES 256 Bit, TCG Opal 2.0, IEEE 1667, Microsoft eDrive -
Schnittstelle SATA 6GBit/s
Herstellergarantie Drei Jahre

Gemein sind allen drei Modellen das SATA-6 Gb/s-Interface, eine dreijährige Garantiezeit und der in 16 nm gefertigte planare MLC-Speicher von Micron. Alle Laufwerke gibt es in einem Formfaktor von 2,5 Zoll, die MX200 zusätzlich noch als mSATA und M.2 mit unterschiedlichen Längen. Die maximale Kapazität wurde verdoppelt, so gibt es sowohl von der Crucial MX200 als auch von der BX100 eine Variante mit einem Terabyte bzw. 1000 GB. Während die MX200 weiterhin auf einen weit verbreiteten und wohlbekannten Controller von Marvell setzt, finden wir in der Crucial BX100 ein Modell von Silicon Motion, was neben einer niedrigeren Performance auch Einschränkungen bei den Verschlüsselungsfeatures mit sich bringt: Während die MX-Reihe alle aktuellen Standards unterstützt, ist man bei der BX100 auf eine Softwareverschlüsselung angewiesen – sofern erwünscht.

Beide Laufwerke besitzen ein stabiles Metallgehäuse

Stichwort Performance: Ins Auge stechen hier die „500 MB/s“ der Crucial MX200, die unabhängig von der Kapazität spezifiziert werden. Der Grund dafür ist ein Feature, welches Crucial „Dynamic Write Acceleration“ nennt. Die DWA, die im Übrigen nur bei der 250 GB Variante aktiv ist, arbeitet so wie der Performance-Modus bei aktuellen OCZ-Laufwerken: Alle Zellen werden zuerst im SLC-Modus, also mit einem statt zwei Bits programmiert, was die Schreibleistung enorm steigert (erster Bereich in der folgenden Grafik). Ist ein gewisser Füllstand erreicht, werden die Zellen direkt mit Zwei Bits beschrieben (zweiter Bereich). Sind schließlich alle Zellen programmiert, müssen alle mit einem Bit programmierten Zellen umkopiert werden, damit der gesamte Speicherplatz des Laufwerks zur Verfügung steht. Da gleichzeitig umkopiert wird und neue Daten geschrieben werden, sinkt die Performance hier noch einmal ein Stück (dritter Bereich).

dwa

(Quelle: Micron/Crucial)

Ohne DWA hätte die Crucial MX200 immer die gleiche Performance, nämlich die des zweiten Bereichs. Es gäbe keine Beschleunigung im ersten Bereich, allerdings wird später auch kein Umkopieren nötig. Diese Betrachtungen sind exakt so nur gültig, wenn das Laufwerk „am Stück“ beschrieben wird. Wird das Laufwerk „normal“ genutzt, können auch im Leerlauf Daten umkopiert werden, sodass die maximale Performance auch bei einem Füllstand über 50 Prozent zur Verfügung steht.

Die Crucial BX100 mit SM-Controller und MX200 mit Marvell-Controller

Wie wir auch schon in den Tests der Laufwerke von OCZ angemerkt haben, hat diese Technik einen negativen Einfluss auf die Haltbarkeit. Müssen die Daten umkopiert werden, erhöht sich die Write Amplification (WA) um die Zahl zwei, werden die Daten vor dem Umkopieren wieder gelöscht, erhöht sich die WA nicht. Im Mittel steigt die WA also, wobei Crucial verspricht für Laufwerke mit DWA besonders optimierten Speicher zu verwenden und die Haltbarkeit so um 50 Prozent zu erhöhen. Leider stellt Crucial hier keine weiteren Details zur Verfügung, sodass der Gehalt dieser Aussage nicht prüfbar ist.

Schauen wir und die spezifizierten Schreibvolumina an, ist die Haltbarkeit der Crucial MX200 im Vergleich zum Vorgänger auch tatsächlich höher: Beim kleinsten Modell sind es 80 TB, beim größten stattliche 360 TB. Die Crucial MX100 ist wie die BX100 bei allen Kapazitäten mit 72 TB spezifiziert. Hier treten also tatsächlich große Unterschiede zu Tage, wobei es sich hier lediglich um die Spezifikation handelt. Insbesondere die MX100-Varianten mit hoher Kapazität haben sicherlich ebenfalls eine deutlich höhere Haltbarkeit als 72 TB.


asrock-z97-extreme6

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des Z97-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep, sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) deaktiviert.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von acht Millionen logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Wie erwartet, kann sich die Crucial MX200 im oberen Mittelfeld platzieren, die Crucial BX100 finden wir eher im unteren Mittefeld wieder, was für eine Budget-SSD angemessen ist.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
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Im Vergleich zur Crucial MX100 hat sich bei der MX200 performancetechnisch nicht allzuviel geändert - beide Laufwerke liegen im Ranking meistens direkt übereinander.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Iso

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Programm

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Spiel

MB/s
Mehr ist besser

Während sich die Crucial MX200 im Mittelfeld und in der Nähe des Vorgängers hält, bleibt die Crucial BX100 auf einem gebührenden Abstand. 


Synthetische Benchmarks geben jeweils nur extreme Anwendungsfälle wieder. Bei der alltäglichen Nutzung eines Systems fallen sehr viele unterschiedliche Zugriffsmuster an, von sehr kleinen Blöcken bis hin zu großen sequenziellen Transfers. Ein Trace-Benchmark gibt genau diese Zugriffsmuster wieder, die zuvor während der Nutzung eines Systems aufgezeichnet wurden. PCMark 8 verwendet die Zugriffsmuster mehrerer Anwendungen, wobei sich auch die jeweils geschriebene bzw. gelesene Datenmenge unterscheidet, wie die folgende Tabelle zeigt. Die Testdaten sind vollständig inkompressibel.

Bestandteile des Storage-Benchmarks
AnwendungsprofilInsgesamt gelesenInsgesamt geschrieben
Adobe Photoshop light 313 MB 2336 MB
Adobe Photoshop heavy 468 MB 5640 MB
Adobe Illustrator 373 MB 89 MB
Adobe InDesign 401 MB 624 MB
Adobe After Effects 311 MB 16 MB
Microsoft Word 107 MB 95 MB
Microsoft Excel 73 MB 15 MB
Microsoft PowerPoint 83 MB 21 MB
World of Warcraft 390 MB 5 MB
Battlefield 3 887 MB 28 MB

Als Änderung im Vergleich zu PCMark 7 hat Futuremark die Komprimierung der Leerlaufzeit (idle time compression) entfernt, sodass sich die abgespielten Traces eher wie eine echte Anwendung verhalten. Im Gegensatz zu früher geben wir als Ergebnis dieses Tests nicht mehr die von PCMark berechnete Punktzahl an, sondern die rechnerische Transferrate. Diese berechnet sich aus der Menge an gelesenen und geschriebenen Daten (vgl. Tabelle) dividiert durch die Zeit, die das Laufwerk mit der Abarbeitung von mindestens einer Anfrage beschäftigt war. Eine höhere Transferrate bedeutet also, dass kürzer auf das Laufwerk gewartet werden musste und sich die Reaktionszeit einer Anwendung so auch insgesamt verkürzt.

Futuremark PCMark 8

Storage - Gesamtwertung

MB/s
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Die Crucial MX200 liefert in diesem praxisnahen Test ein absolut überzeugendes Ergebnis und übertrifft den Vorgänger MX100 leicht. Die Crucial BX100 finden wir im unteren Mittelfeld wieder, was für ein Budget-Laufwerk vollkommen in Ordnung ist.

Die folgenden Diagramme zeigen die Transferrate der einzelnen Laufwerke in den jeweiligen Einzeldisziplinen. Die beiden Spieletests bestehen aus dem Login, bei Battlefield 3 aus dem Laden eines Spielstands und schließlich dem Start des spielens.

Futuremark PCMark 8

Storage - Battlefield 3

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - World of Warcraft

MB/s
Mehr ist besser


Um die Geschwindigkeit der Laufwerke in einem Office-Szenario zu testen, werden Powerpoint, Excel und Word aus Microsofts Office-Suite verwendet. Dabei wird ein Dokument geöffnet, bearbeitet, gespeichert und das Programm wieder geschlossen.

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Powerpoint

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Excel

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Microsoft Word

MB/s
Mehr ist besser

Während Office-Anwendungen für das Storage-System nicht sehr anspruchsvoll sind, fordern die Anwendungen von Adobe die Laufwerke deutlich mehr. Insbesondere beim "Adobe Photoshop (heavy)"-Test werden sehr viele Daten geschrieben, hier wird eine PSD-Datei geöffnet, bearbeitet und schließlich in verschiedenen Formaten gespeichert.

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe After Effects

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Indesign

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Illustrator

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Photoshop (heavy)

MB/s
Mehr ist besser

Futuremark PCMark 8

Storage - Adobe Photoshop (light)

MB/s
Mehr ist besser

Auch in den Einzeltests ist die Crucial MX200 stets deutlich schneller als die BX100, die Trennung der beiden Produktlinien funktioniert hier also sehr gut, anders als damals bei der Crucial M550 und MX100 - letztere sollte eine günstigere Alternative sein, war letztendlich aber genauso schnell wie das High-End-Laufwerk.


Der PCMark 8 „Expanded Storage"-Test besteht aus zwei Teilen, dem „Consistency test" und dem „Adaptivity test". Letzterer prüft, wie gut sich ein Storage-System an eine bestimmte Last anpassen kann. Für uns interessanter ist der erste Test, der den Performanceverlust eines Speichersystems messen soll. Bisher haben wir für diesen Zweck eine Kombination von HDTach und Iometer eingesetzt: Zuerst wurde die sequenzielle Performance im Neuzustand gemessen, dann das Laufwerk mit Iometer extrem stark beansprucht und anschließend wieder die Performance gemessen. Die Performance vieler Laufwerke ist dabei nicht selten um 50% und mehr eingebrochen. Dieses Vorgehen erlaubt eine Aussage über den Worst Case.

Das Vorgehen von PCMark 8 ist deutlich näher am Alltag: In der ersten Phase wird das Laufwerk zweimal komplett gefüllt, wobei der zweite Durchlauf sicherstellen soll, dass auch der dem Nutzer nicht zugängliche Speicher gefüllt wird. In der zweiten Phase (Degrade) wird das Laufwerk insgesamt achtmal hintereinander mit zufälligen Schreibzugriffen belastet, wobei der erste Durchgang 10 Minuten dauert und jeder weitere Durchlauf fünf Minuten länger. Nach jedem Durchgang wird die Performance gemessen. In der dritten Phase (Steady state) finden fünf weitere Durchläufe mit jeweils 45 Minuten Schreibdauer statt, auch hier wird die Performance gemessen. In der letzten Phase (Recovery) wird nach einer Leerlaufzeit von fünf Minuten die Performance gemessen. Diese Messung wird inklusive der Leerlaufzeit fünfmal wiederholt und soll dem Laufwerk die Möglichkeit geben, sich zu regenerieren.

Die beiden folgenden Diagramme zeigen, wie lange unterschiedliche Laufwerke in den verschiedenen Phasen durchschnittlich brauchen, um einen Lese- oder Schreibzugriff zu beantworten. Hierbei beschränken wir uns auf den größten Teil des Trace-Benchmarks, nämlich das Profil „Photoshop Heavy", bei welchem 468 MB gelesen und 5640 MB geschrieben werden. Sowohl dieser als auch die vorherigen Tests mit HDTach und Iometer haben ihre Daseinsberechtigung, für den Alltag relevanter sollten allerdings diese Ergebnisse sein.

 de consistency read access 500

 de consistency write access 500

Das nächste Diagramm zeigt wieder die Transferrate, wie wir sie von den beiden vorherigen Seiten kennen. Es werden alle Profile in die Berechnung miteinbezogen.

 de consistency bandwidth 500

Während wir bei den vorherigen Benchmarks die Unterschiede zwischen der Crucial MX200 und dem Vorgänger MX100 mit der Lupe suchen mussten, sehen wir hier einen relativ deutlichen Unterschied. Sowohl die Transferraten als auch die Latenzen sind bei der MX200 nach starker Belastung deutlich besser als beim Vorgänger, die Crucial BX100 nimmt ungefähr den Platz der MX100 ein. Absolut gesehen muss man jedoch sagen, dass sowohl die MX- als auch das BX-Laufwerk in dieser Disziplin schlecht abschneiden, andere SSDs mit gleicher Kapazität lassen sich von unserem Belastungstest deutlich weniger beeindrucken.


Nach diesen ausführlichen Tests gilt es nun die beiden Fragen aus dem Anfang des Artikels zu beantworten: Ist die Crucial MX200 eine angemessene Nachfolge für die äußerst beliebte MX100 – und kann Crucial mit der BX100 eine Alternative etablieren, die für preisbewusste Käufer die erste Wahl ist?

Zur ersten Frage: Die Crucial MX200 ist ein guter Ersatz für die MX100, denn letztendlich hat sich nicht viel geändert. Die Performance ist weitestgehend identisch, was aufgrund der gleichen Hardware auch kaum anders zu erwarten war. Die MX200 ist jetzt jedoch mit Speicherkapazitäten von bis zu einem Terabyte verfügbar, bei der MX100 war bei 512 GB Schluss. Auch wird die MX200 in wesentlich mehr Formfaktoren angeboten, im Gegensatz zum Vorgänger gibt es jetzt auch eine mSATA- und eine M.2-Bauform. Wer sich für die kleinste Variante der MX200 mit 250 GB entscheidet, erhält dank der Dynamic Write Acceleration außerdem einen deutlichen Performance-Boost gegenüber dem Vorgänger.

Die Crucial MX200 ist ein Preis-/Leistungskracher, die BX100 die günstigste SSD

Die Crucial MX200 hat also das Zeug dazu, direkt an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen. Auch preislich hat sich die MX200 bereits auf einem ähnlich (günstigen) Niveau eingependelt. Damit können wir für die Crucial MX200 eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, auch wenn sie nicht mehr so konkurrenzlos wie der Vorgänger ist, denn die OCZ ARC 100 bewegt sich preislich auf einem ähnlichen Niveau und punktet mit hervorragender Langzeitperformance, ist ansonsten aber etwas langsamer als die MX200. Ebenfalls nicht außer Acht lassen sollte man die Samsung 850 EVO, die im gleichen Preissegment mitmischt und mit einer fünf- statt dreijährigen Garantiezeit ausgestattet ist.

Bleibt nun noch die Crucial BX100. Sie ist nochmal ein Stück günstiger als die MX200 und gehört damit zu den preisgünstigsten SSDs überhaupt. So spart man bei der 500-GB-Variante gut 13 Prozent (ca. 27 Euro). Um den gleichen Prozentsatz ist die BX100 im PCMark-Test langsamer als die MX200, auch bei allen anderen Benchmarks schneidet das BX-Modell spürbar schlechter ab. Der verwendete Controller ist zwar keine Neuheit, wir kennen ihn bereits von anderen Laufwerken, allerdings ist er bei weitem nicht so erprobt wie der Marvell-Controller der MX-Modelle. Hier lautet unsere Empfehlung also: Ist man nicht darauf angewiesen, den letzten Euro zu sparen, sollte man definitiv zu einem MX-Modell von Crucial greifen. Schlecht ist die Crucial BX100 keineswegs, doch muss man für einen etwas niedrigeren Preis letztendlich zu viele Abstriche machen. Das Preis-/Leistungsverhältnis der MX200 scheint deutlich besser zu sein.