Crucial MX100 512 GB SSD im Test - die neue Preis-Leistungs-Referenz

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crucial-mx100Vor kurzem hatten wir die Crucial M550 in der Redaktion, mit der das High-End-Segment erobert werden sollte. Damals hieß es, die M500 soll als Mainstream-Laufwerk weiterhin verkauft werden – jetzt wird sie allerdings doch recht schnell durch den Nachfolger MX100 abgelöst. Die neuste Entwicklung des Speicherriesen setzt dabei auf MLC NAND, der in 16 nm gefertigt wurde, und den gleichen Marvell-Controller, den wir auch schon aus der M550 kennen. Ob die Crucial MX100 das Zeug für eine neue Referenz im Mainstream-Segment hat, untersuchen wir in diesem Artikel.

Micron, die Firma, die hinter der Marke Crucial steht, ist einer der wenigen Hersteller, die eine eigene Fertigung für Flashspeicher besitzen. Genauer gesagt betreiben Micron und Intel ein Joint-Venture zur Fertigung von Flashspeicher mit dem Namen „IM Flash Technologies", wobei Micron der größere Teil gehört. Das ist deshalb wichtig, da eine eigene Fertigung für Flashspeicher enorme Vorteile bei der Fertigung von SSDs bringt. Der SSD-Markt ist sehr umkämpft, wer keinen Zugriff auf günstigen Speicher hat, droht aus dem Markt gedrängt zu werden.

Die Crucial MX100 ersetzt die Crucial M500

Es sind deshalb auch genau die Hersteller mit eigener Fertigung, die das Preisniveau vorgeben: Samsung und Micron/Crucial. Intel hätte dazu wohl auch das Potenzial, das Produktportfolio konzentriert sich inzwischen allerdings im Wesentlichen auf den Enterprise-Markt und Enthusiasten, die man mit Laufwerken wie der Intel SSD 730 Series ansprechen möchte. Für die meisten Käufer eine SSD dürfte der Preis jedoch mit die größte Rolle spielen, schließlich sind Flashspeicher im Vergleich zu Festplatten immer noch um ein vielfaches teurer.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Crucial MX100 512 GB
Straßenpreis ab 169,70 Euro
Homepage www.crucial.com
Technische Daten  
Formfaktor 2,5 Zoll (7 mm Höhe)
Kapazität (lt. Hersteller) 512 GB
Kapazität (formatiert) 477 GiB
Verfügbare Kapazitäten 128, 256, 512 GB
Cache 512 MB LPDDR2
Controller Marvell 88SS9189
Chipart MLC (Micron, 16 nm)
Lesen (lt. Hersteller) 550 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller) 500 MB/s
   
Herstellergarantie Drei Jahre
Lieferumfang Spacer auf 9,5 mm

Nach dem Öffnen der Crucial MX100 präsentiert sich uns das typische Layout einer SSD: Insgesamt 16 Speicherbausteine, davon jeweils acht auf der Vorder- und acht auf der Rückseite. Der Marvell-Controller vom Typ 88SS9189 sitzt in der Nähe der Anschlüsse und direkt daneben wurde der externe Cache verlötet, der wie der Speicher natürlich von Micron stammt. Dabei handelt es sich um Low-Power-DDR2-RAM mit einer Betriebsspannung von lediglich 1,2 Volt und einer Gesamtkapazität von 512 MB.

Die MX100 in Crucial-typischer Farbgebung

Was die Einführung von neuen Speichertechnologien angeht, ist Crucial stets an der Spitze: Bei der Crucial M500 kam erstmalig Speicher mit einer Dichte von 128 Gbit pro Die zum Einsatz, was ein Spitzenmodell mit einer Kapazität von knapp einem Terabyte ermöglicht hat. Bei der Crucial MX100 ist das ebenfalls der Fall: Geben wir den BGA-Code NW656 des Speichers in den Decoder von Micron ein, erhalten wir die Teilenummer MT29F256G08CECCBH6. Ein Speicherchip kann also 256 Gbit aufnehmen, die Gesamtkapazität teilt sich auf zwei Dice auf. Durch die Verkleinerung der Strukturgröße auf 16 nm konnte die Speicherdichte allerdings abermals erhöht werden. Viel kleinere Strukturen werden auch nicht mehr möglich sein, denn hier geraten wir schlicht an die Grenze dessen, was die Physik erlaubt. Was die Strukturgröße angeht sind 16 nm möglicherweise bereits der vorletzte Schritt.

Offene Motorhaube: Speicher von Micron, Controller von Marvell

Während eine Verkleinerung der Strukturgröße Kostenvorteile bringt, müssen dafür in zwei Bereichen Abstriche hingenommen werden: Performance und Haltbarkeit. Dieser Nachteil ist häufig allerdings eher theoretischer Natur, denn durch optimierte und genau auf den jeweiligen Speicher abgestimmte Algorithmen lassen sich diese Nachteile in der Regel mehr als ausgleichen. Zumindest was die Performance angeht, ist uns auf den nächsten Seiten ein direkter Vergleich möglich, denn die Crucial M550 setzt noch auf Speicher mit einer Strukturgröße von 20 nm. Eine offizielle Zahl für die maximal möglichen Speicherzyklen (programmieren/löschen) gibt es leider nicht. Diese Zahl ist letztendlich jedoch auch nicht sonderlich wichtig, ein effektives Wear-Leveling und eine niedrige Write Amplification haben einen viel größeren Einfluss auf die Lebensdauer der SSD. Hier gab es bei Laufwerken von Crucial bisher keine Probleme.

Hohe Speicherdichte dank 16 nm-Technologie und 128 Gbit pro Die

Als nächstes schauen wir uns die Performance der Crucial MX100 nach starker Belastung an. Dazu lassen wir zuerst über das fabrikneue Laufwerk den HDTach-Benchmark laufen, um die Performance im Auslieferungszustand zu bestimmen. Danach starten wir Iometer und schreiben solange auf das Laufwerk, bis es abermals vollständig gefüllt wurde, dieses Mal allerdings mit 4K-Blöcken und zufälligen Schreibzugriffen bei einer Queue Depth von 64.

crucial-mx100-new

Im Neuzustand (oberer Screenshot) messen wir mit HDTach eine Geschwindigkeit von 471,9 MB/s beim Lesen und 447,4 MB/s beim Schreiben. Nach unserem Belastungstest sinkt die Lesegeschwindigkeit auf 223,8 MB/s und die Schreibgeschwindigkeit durchschnittlich auf magere 34,4 MB/s (unterer Screenshot). Das ist ein eher schlechtes Ergebnis und führt zu dem Schluss, dass die Crucial MX100 nicht ohne TRIM eingesetzt werden sollte, was heutzutage allerdings keine große Einschränkung mehr darstellt. Des Weiteren ist die von uns simulierte Last in keinem Desktop-System anzutreffen und stellt einen Extremfall dar.

crucial-mx100-used


testsys

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep, sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) durch einen Registry-Eintrag deaktiviert.

Mit Ausnahme von PCMark werden alle Benchmarks mit der zu testenden SSD als sekundärem Laufwerk durchgeführt. Für PCMark wird ein vorgefertigtes Image auf die zu testende SSD eingespielt, da die komplette Benchmarksuite nur durchgeführt werden kann, wenn das zu testende auch gleichzeitig das Systemlaufwerk ist.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Mainstream-Laufwerk? Die Crucial MX100 nimmt es auch mit der High-End-Konkurrenz, sogar aus dem eigenen Haus, auf. Lediglich beim sequenziellen Lesen fällt die SSD etwas zurück. Diese Eigenschaft teilen allerdings alle Laufwerke von Crucial, schuld daran ist vermutlich die Blockgröße von 128K, die noch nicht ausreicht, um die volle Performance zu erreichen.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Einwandfreie Vorstellung: Die Crucial MX100 lässt keine Wünsche offen.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Iso

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Programm

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Spiel

MB/s
Mehr ist besser

Auch beim Kopieren spielt die Crucial MX100 oben mit. Zu beachten ist allerdings, dass größere SSDs in der Regel auch eine höhere sequenzielle Performance besitzen, sodass der Vergleich der 512 GB großen MX100 mit dem Rest des Testfelds, welches hauptsächlich aus 240/256 GB großen SSDs besteht, mit Vorsicht zu genießen ist.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen weren. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

PCMark 7

Gesamtwertung

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Storage

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Lightweight

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Productivity

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Entertainment

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Creativity

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Computation

Punkte
Mehr ist besser

Was die Alltagsperformance angeht, liefert die Crucial MX100 ein sehr gutes Ergebnis ab und findet sich direkt neben der M550 ein. Beide Laufwerke trennt nicht einmal ein Promille.


In der von uns getesteten Version mit 512 GB lässt die Crucial MX100 SSD bei der Performance kaum Wünsche offen. Beim direkten Vergleich mit anderen SSDs sollte man beachten, dass größere SSDs meistens eine bessere Performance haben. Das restliche Testfeld besteht im Wesentlichen aus 240/256 GB großen SSDs, bei denen meistens vor allem die sequenzielle Schreibleistung schlechter ist.

Bei der Crucial MX100 stimmen sowohl Performance als auch Preis.

Doch zurück zur Crucial MX100. Als Nachfolger der M500 liefert das Laufwerk durchgängig eine bessere Performance – die Performance ist sogar so gut, dass sie genauso schnell wie die hauseigene High-End-SSD Crucial M550 ist. Auf der einen Seite ist das natürlich zu begrüßen, denn so erhält man die Performance der M550 zu einem günstigeren Kurs. Auf der anderen Seite wirft es die Frage auf, ob noch eine vernünftige Differenzierung der beiden Laufwerke möglich ist. Die technische Basis und die Features sind praktisch identisch. Der einzig spürbare Unterschied: Die Crucial MX100 gibt es maximal mit 512 GB, die Crucial M550 wird mit Kapazitäten von bis zu einem Terabyte angeboten. Ob Crucial hier noch nachkorrigiert, also die Preise anpasst oder die M550 sogar wieder vom Markt nimmt, bleibt abzuwarten.

Crucial setzt bereits seit einigen Jahren auf den Controller von Marvell und dürfte daher einige Erfahrung mit dieser Hardware haben. Tatsächlich gibt es mit Laufwerken von Crucial nur selten nennenswerte Probleme, sodass sich auch die MX100 als problemlos erweisen sollte. Ein Blick in den Preisvergleich macht es damit endgültig: Die Crucial MX100 ist die neue Empfehlung für eine sehr gute und gleichzeitig günstige SSD. Kein anderer Hersteller kann derzeit einen niedrigeren Preis für eine 256 bzw. 512 GB große SSD bieten.

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Positive Aspekte der Crucial MX100:

Negative Aspekte der Crucial MX100:

Preise und Verfügbarkeit
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar