Seagate ST6000NM0024 mit 6 TB im Test

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Seagate ST6000NM0024 TeaserSeagate hat mit der Veröffentlichung der weltweit allerersten Festplatte mit einer Brutto-Kapazität von 6 Terabyte im April 2014 einen neuen Meilenstein gesetzt. Die neuen Boliden firmieren unter der Modellbezeichnung "Enterprise Capacity 3.5 HDD v4" und sind der Namensgebung folgend nur für den Firmen-Einsatz in Rechenzentren vorgesehen. Besonderes Augenmerk legt Seagate neben der Kapazität auch auf die Geschwindigkeit, die angeblich 25 Prozent oberhalb vergleichbarer Festplatten liegen soll. Eine Aussage, der wir in den Benchmarks auf den Zahn fühlen werden.

Seagate erreicht die hohe Speicherkapazität im 3,5-Zoll-Formfaktor laut eigenen Angaben mit der herkömmlichen Technik des "Perpendicular Magnetic Recording", ohne Einsatz von Helium-Füllung (wie bei HGSTs 5-TB-Modell) oder der neuen Technologie des "Shingled Magnetic Recording". Auch die seit mehreren Monaten bekannte Speicherdichte von 625 Gigabit pro Quadratinch wurde nicht weiter erhöht. Es blieb also nur die Option der Steigerung der Platter-Anzahl auf nun insgesamt sechs Scheiben.

Die technischen Eckdaten der ST6000NM0024 haben wir in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Hersteller Seagate
Modellreihe Enterprise Capacity 3.5 HDD v4
Modellbezeichnung ST6000NM0024
Seriennummer Z4D0165R
Bezugsquelle Hersteller
Straßenpreis ab 466 €
Homepage www.seagate.com
Technische Daten  
Firmware SN02
Formfaktor 3,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 6000 GB (6 Platter)
Kapazität (formatiert) 5586 GiB
Schnittstelle SATA 6 Gbit/s
Sektorgröße 4096 Byte (512E)
Cache 128 MB
Umdrehungsgeschwindigkeit 7200 U/m
   
Herstellergarantie 5 Jahre

Auf der nächsten Seite sehen wir uns Seagates ST6000NM0024 näher an.


Mit der laut eigenen Angaben achten Generation der Modellreihe "Enterprise Capacity 3.5 HDD" sind die dortigen Boliden derzeit in 20 verschiedenen Ausprägungen (SATA/SAS-Interface, 2-6 TB, 512E/4k-Sektoren, Selbstverschlüsselung, FIPS 140-2 Zertifizierung) erhältlich. Dabei sind nur die neusten 6-TB-Ausprägungen mit optionaler FIPS-Zertifizierung zu finden. Als Schnittstelle stehen wahlweise SAS (bis zu 12 Gbit/s) oder SATA (bis zu 6 Gbit/s) zur Auswahl. Alle Exemplare, unabhängig von ihrer Schnittstelle und sonstigen Eckdaten, verfügen über einen durchaus stattlichen Cache von 128 MB und eine Spindelgeschwindigkeit von 7200 Umdrehungen pro Minute. Um die insgesamt sechs Magnetscheiben im Inneren des Gehäuses zu verstauen, war ein Redesign des Chassis nötig: Um den nötigen Platz zu schaffen, hat Seagate zwei Schraublöcher an der Unterseite aus ihrer ursprünglich mittleren Position etwas weiter nach unten versetzt. Durch diese Veränderung ist nur noch die Spezifikation SFF-8301 erfüllt, während SFF-8323 nicht mehr gewährleistet ist. Konsequenzen hat dies jedoch nur, wenn eine zwingende Montage über die Schraublöcher an der Unterseite gemäß SFF-8323 vorgesehen wäre. Bei seitlicher Montage ist dies unerheblich.

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Positiv hervorzuheben ist ebenfalls, dass die Enterprise Capacity HDDs zusätzlich mit einem Feuchtigkeitssensor ausgestattet sind. Um gerade den Betrieb in Rechenzentren zu erleichtern, verbaut Seagate auch Sensoren zur Kompensation von Rotationsschwingungen, die gerade in massiv vibrierenden HDD-Schränken enorme Auswirkungen auf die Performance haben können. Aufgrund der unüblichen sechs Platter der ST6000NM0024 erscheint uns dies auch dringend notwendig. Das aus der Constellation-Serie bekannte Features "Super Parity" ist ebenfalls enthalten, genauso wie die 24x7-Freigabe im Sinne eines ausbleibenden Garantieverlusts natürlich auch gegeben ist. Um in Leerlaufzeiten den Energieverbrauch etwas zu reduzieren, bieten die Exemplare der Enterprise Capacity Seagates hauseigene "PowerChoice"-Implementierung der T10/T13 Strommanagement-Standards. Die Rate der nicht korrigierbaren Lesefehler pro gelesenem Bit liegt bei den üblichen 1 pro 1015 im Enterprise-Segment. Der von Seagate gewährte Garantiezeitraum beträgt 5 Jahre ab Kaufdatum, ebenfalls Enterprise-Standard.

Werfen wir nun einen Blick auf die Ergebnisse von Seagates ST6000NM0024 im Benchmark Parcours.


 

Hardware

Software / Treiber

Sonstige Einstellungen und Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, wurden alle Laufwerke grundsätzlich an dem zweiten SATA-6 Gbit/s-Port des P67-Chipsatzes getestet, wobei die Ergebnisse der einzelnen Benchmark-Tools über mehrere Durchläufe per Mittelwert geglättet wurden. Einmalige Ausreißer im positiven wie negativen Fall wirken sich so nicht zu sehr auf das Gesamtergebnis aus.

 


Die Disziplin der gemessenen Random Access Time und Read/Write-Durchsatzraten unter HDTach zeigt der folgende Screenshot:

Segate ST6000NM0024 HDTach

Eine gemessene Random Access Time von 9,4 ms ist ein hervorragender Wert und liegt damit rund 0,5 ms unterhalb von Toshiba/WDs Enterprise-Modellen mit 4 TB.

Unter HDTune haben wir nun den Lese- und Schreibdurchsatz der ST6000NM0024 festgehalten:

 
Seagate ST6000NM0024 HDTune

Nachdem wir die Ergebnisse im Lesen festgehalten haben, sehen wir uns nun die Resultate im Schreiben an:

Seagate ST6000NM0024 HDTune

Sowohl bei der Lese- als auch der Schreibrate liefert die ST6000NM0024 sehr gute Ergebnisse um 100 MB/s ab. Damit liegt sie gute 10 bis 15 MB/s oberhalb der Ergebnisse der zuletzt getesteten 4-TB-Modelle.

Die Random-Access-Sparte von HDTune dient der groben Ermittlung, wie viele Operationen von den Boliden lesend bzw. schreibend gleichzeitig absolviert werden können:

Seagate ST6000NM0024 HDTune
 
Seagate ST6000NM0024 HDTune

Auch was die Resultate der IOPS betrifft, kann die ST6000NM0024 positive Akzente setzen, natürlich nur im Rahmen der Möglichkeiten, die einer Festplatte überhaupt zur Verfügung stehen. In unserem letzten Roundup der 4-TB-Boliden betrug das beste Ergebnis 83 bzw. 266.

Zusätzlich haben wir noch den File-Benchmark von HDTune ausgeführt:

 
WD Black² WD1001X06X HDTune
 

 


PCMark Vantage besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen. Zum einen wird die tatsächliche Geschwindigkeit des Systems ermittelt, in dem „echte“ Aktionen ausgeführt werden, z.B. Bild- und Textbearbeitung, Videowiedergabe uvm. – Hier ist es häufig schwer oder sogar unmöglich, einen Unterschied zwischen verschiedenen Laufwerken zu erkennen, denn diese Art von Benchmarks wird oft durch das restliche System (CPU, RAM, Grafikkarte) ausgebremst. Der HDD-Test von PCMark ist hingegen wieder eher synthetischer Natur, denn es werden nur sog. Traces abgespielt (aufgenommene Zugriffe beim Arbeiten mit verschiedenen Programmen). Angenommen, das restliche System würde eine SSD nicht limitieren, so würde die Leistung eines Systems mit den Ergebnissen des HDD Tests korrelieren – sofern man die gleichen oder wenigstens ähnliche Programme einsetzt wie bei der ursprünglichen Aufnahme der Traces. Die Ergebnisse des Gaming- und Music-Benchmarks weisen leider eine relativ hohe Schwankung auf. Bei beiden Tests ist eine eindeutige Aussage daher erst ab ca. 10% Unterschied der Ergebnisse möglich. Die Ergebnisse der anderen Tests sind deutlich besser reproduzierbar (mittlerer Fehler nicht mehr als 3%).

Seagate ST6000NM0024 PCMark Vantage

PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen werden. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5 Prozent. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren HDDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

Seagate ST6000NM0024 PCMark7

Unter PCMark 7 liegt Seagate ST6000NM0024 mit ihren 3089 Punkten nur wenige Zähler oberhalb aktueller Vergleichsmodelle (3082 Punkte von Seagates Constellation ES.3).

 


Um eine Aussage über die Tauglichkeit der ST6000NM0024 als potentielles Systemlaufwerk zu erhalten, haben wir das ursprüngliche Windows 7 des Testsystems kurzer Hand auf die vorliegenden Probanden geklont und mehrfach hintereinander starten lassen. Gestoppt wurde dabei die Zeit vom Einschalten des PCs bis zur Anzeige des Login-Bildschirms von Windows 7. Dementsprechend ist hier der gesamte Bootup-Vorgang des BIOS mit enthalten:

Seagates ST6000NM0024 konnte das Testsystem in durchschnittlich 46,25 Sekunden hochfahren (inkl. BIOS etc.) und liegt damit auf einer Ebene mit den schnelleren Probanden der Vergangenheit.

Um die Betriebstemperatur der Festplatte unter größtmöglicher Last zu ermitteln, wurde die ST6000NM0024 nach Abschluss der Benchmarks über die Erase-Funktion von HDTune vollständig überschrieben. Hierfür haben wir die Partition gelöscht, denn nur so ist ein solcher Write-Vorgang überhaupt möglich. Dadurch konnten wir sicherstellen, dass das Laufwerk einer konstant hohen Belastung ausgesetzt ist und durch die permanent anliegenden Schreibvorgänge ein hohes Maß an Wärme freisetzen muss:

Temperaturen:

in °C

Im normalen Betrieb erwärmte sich das Laufwerk auf 37 °C, während unter Last 50°C gemessen wurden, beides bei einer Raumtemperatur von 25 °C. Die relativ hohe Arbeitstemperatur hängt unmittelbar mit dem Stromverbrauch zusammen, der für die Rotation und Bewegung der Platter/Heads nötig ist.

Stromverbrauch:

in Watt

Zu guter Letzt haben wir auch einen Blick auf den Energieverbrauch der ST6000NM0024 geworfen: Unter Last lag er bei 12,4 Watt an, im Active-Idle waren es 10,4 Watt. Gegenüber sonstigen Verbräuchen liegt der Bolide damit oberhalb der bislang getesteten 4-TB-Konkurrenz (die aber auch weniger Speicher mitbringen).

Lautstärke:

in dB(A)

Mit von uns gemessenen 41/43 dBA unter Active-Idle bzw. Last ordnet sich Seagates ST6000NM0024 in der Riege der 7200-rpm-Laufwerke der Enterprise-Klasse ein, ohne damit sonderlich negativ aufzufallen, da alle der Boliden um +/- 1 dbA auf dem gleichen Geräuschniveau liegen. 


Seagate zeigt mit der Vorstellung der ST6000NM0024 aus der "Enterprise Capacity HDD 3.5 v4"-Serie eindrucksvoll, dass der 3,5-Zioll-Formfaktor mit 4 TB keinesfalls ausgereizt ist, sondern 5 bzw. 6 TB durchaus möglich sind. Jedoch konnte dieser Erfolg nicht im "Standardverfahren" (höhere Datendichte bei gleicher Platterzahl) erreicht werden, sondern es musste das komplette Gehäuse überdacht werden. Dem fiel dann auch unmittelbar die Konformität zum Standard SFF-8323 zum Opfer. Für die meisten Anwendungsbereiche kann dies verschmerzbar sein, eine gewisse Einschränkung bleibt es dennoch und sollte beim Kauf explizit beachtet werden.

Für Data-Center, Cloud-Speicher und sonstige kapazitätshungrige Käuferschaften ist jeder Zuwachs an verfügbarem Speicherplatz bei gleichbleibendem Formfaktor ein Segen. Für Otto-Normalverbraucher dürften aktuelle 6-TB-Festplatten höchstens im "Enthusiasten"Segment und eigenem NAS interessant sein. Doch selbst dort dürften aktuelle Modelle mit "nur" 4 TB ausreichend sein

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Die ST6000NM0024 ist ein reinrassiges Enterprise-Laufwerk, was sich durchgehend an Leistung, Preis, Lautstärke/Stromverbrauch und Temperatur bemerkbar macht. In allen der erwähnten Bereiche setzt sie neue Akzente an der Spitze. Für Desktop-PCs ist sie damit wenig geeignet und dürfte für die meisten Endanwender nicht in Frage kommen. NAS-Enthusiasten und solche die unter chronischen Speicherplatzmangel leiden, dürften mit der ST6000NM0024 durchaus Freude haben, lässt sich mit 4-6 solcher Laufwerke doch ein stattlicher RAID-Verbund aufbauen.

Trotz der Einschränkung bei der Kompatiblität möchten wir Seagates ST6000NM0024 unseren Technik-Award zusprechen.

ta seagate ST6000NM0024

 

Positive Aspekte der Seagate ST6000NM0024:

Negative Aspekte der Seagate ST6000NM0024:

Preise und Verfügbarkeit
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar