RAID 0 mit zwei Intel SSD 730 Series 480 GB im Test

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teaserMit der Intel SSD 730 Series dürfte der Chipgigant den Wunsch vieler Leute erfüllen: Eine Consumer-SSD von Intel mit einem Controller aus dem eigenen Haus. Während Intel zuletzt auf SandForce gesetzt hat und dies bei der 300er und 500er Serie auch immer noch macht, handelt es sich bei der SSD 730 Series um eine Auskopplung aus dem Enterprise-Angebot von Intel. In diesem Bereich möchte man sich offenbar nicht auf Drittanbieter verlassen und die Entwicklung komplett in eigener Hand haben. Die Intel SSD 730 Series soll dabei nicht nur mit Performance, sondern auch mit Zuverlässigkeit punkten.

Wie wir im Test der Intel SSD 730 Series mit 240 GB bereits festgestellt haben, handelt es sich bei dieser Reihe um eine vergleichsweise spezielle SSD, denn der Preis ist gemessen an der Konkurrenz sehr hoch und die Performance der 240 GB-Version zwar gut, aber nicht die beste im Testfeld. Schließlich liegt die Priorität bei der Intel SSD 730 Series auch auf größtmöglicher Zuverlässigkeit, die Intel aufgrund der großen Erfahrung mit SSDs auch zu liefern im Stande ist. Insbesondere die Erfahrungen aus dem Enterprise-Markt dürften hier sehr hilfreich sein.

Doppelpack: Intel SSD 730 Series mit 480 GB

Für diesen Test schicken wir zwei Intel SSD 730 Series durch unseren Testparcours – einmal als Einzellaufwerk und einmal im performancesteigernden RAID-Verbund. Die 730 Series wird (bisher) nur in zwei Kapazitäten angeboten, für diesen Test steht uns die Version mit 480 GB zur Verfügung. Im RAID 0 erhalten wir damit eine Bruttokapazität von 960 GB, was formatiert gut 893 GiB entspricht. Intel bewirbt die Intel SSD 730 Series explizit für eine Verwendung im RAID 0 – ob man dieser Empfehlung folgen sollte, untersuchen wir auf den nächsten Seiten.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Intel SSD 730 Series 480 GB
Straßenpreis ab 343,99 Euro
Homepage www.intel.com
Technische Daten  
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 480 GB
Kapazität (formatiert) 447 GiB
Verfügbare Kapazitäten 240, 480 GB
Cache 1 GB (DDR3)
Controller Intel
Chipart MLC 
Lesen (lt. Hersteller) 550 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller) 470 MB/s
   
Herstellergarantie 5 Jahre
Lieferumfang 3,5-Zoll-Einbaurahmen

Auf das Innere der Intel SSD 730 Series haben wir bereits im letzten Artikel zu dieser Modellreihe einen Blick geworfen – die 480 GB sieht nahezu identisch zur kleineren Version aus, die größere Kapazität bedingt dabei allerdings eine größere Anzahl an Speicherchips auf der Platine. Die restlichen technischen Daten sind unverändert.

Markant: Das Skull-Logo von Intel

Den RAID-Verbund haben wir direkt mit dem Intel-RST-Manager unter Windows erstellt. Dabei wurden die Standardeinstellungen belassen, was eine Stripesize von 128 KB impliziert. Eine Einstellung von 64 oder 128 KB ist für die meisten Systeme eine gute Wahl, bei kleineren Einheiten kann die Performance aufgrund des Overheads leiden, bei größeren Einheiten kann es passieren, dass viele Dateien erst gar nicht aufgeteilt werden, da sie nicht größer als die Stripesize sind.

Bei der Intel SSD 730 Series stammt alles aus einer Hand

Der Nutzen eines RAID, insbesondere des Level 0, ist immer wieder Bestandteil von kontroversen Diskussionen. Schon zu Zeiten, als es noch keine SSDs gab, sollten Festplatten im RAID 0 Desktop-Systeme beschleunigen – eingetreten ist der gewünschte Effekt dabei so gut wie nie. Der Grund dafür ist recht einfach: Ein RAID-Verbund verbessert weder die Zugriffszeit noch wird die Performance bei niedrigen Anfragetiefen gesteigert, wie sie in Desktop-Systemen allerdings hauptsächlich vorkommen. Sequenzielle Operationen werden durch ein RAID freilich stark beschleunigt, doch treten diese bei alltäglicher Nutzung eines PCs eher selten auf.

RAID per Knopfdruck mit dem Intel RST-Manager

SSDs besitzen im Gegensatz zu Festplatten eine extrem kurze Zugriffszeit und liefern auch bei kleinen Anfragetiefen die fünfzigfache Datenrate einer Festplatte. Wie verhält es sich hier mit einem RAID 0? Diese Frage sollen uns die Benchmarks auf den nächsten Seiten beantworten.


testsys

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep, sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) durch einen Registry-Eintrag deaktiviert.

Mit Ausnahme von PCMark werden alle Benchmarks mit der zu testenden SSD als sekundärem Laufwerk durchgeführt. Für PCMark wird ein vorgefertigtes Image auf die zu testende SSD eingespielt, da die komplette Benchmarksuite nur durchgeführt werden kann, wenn das zu testende auch gleichzeitig das Systemlaufwerk ist.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

Iometer

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 3)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K lesen (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

4K schreiben (QD 32)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Iometer

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Der RAID-0-Verbund sticht hier nicht sonderlich hervor, abgesehen vom sequenziellen Lesen. Hier erreicht die Kombination aus zwei Intel SSD 730 Series eine Geschwindigkeit von über einem Gigabyte pro Sekunde. Beim sequenziellen Schreiben hätten wir eine deutlich höhere Performance des RAID-Verbundes erwartet, hier verhindert die Blockgröße von 128K möglicherweise eine höhere Performance.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K lesen (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

4K schreiben (QD 64)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell lesen (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Sequenziell schreiben (QD 1)

MB/s
Mehr ist besser

Beim AS SSD Benchmark erreicht der RAID-Verbund schließlich auch beim Schreiben eine angemessene Performance, auch wenn die 1-GB/s-Grenze hier nicht geknackt werden kann. Ansonsten kann der RAID-Verbund nur bei hohen Anfragetiefen seine Vorteile ausspielen.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Iso

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Programm

MB/s
Mehr ist besser

AS SSD Benchmark

Kopierbenchmark - Spiel

MB/s
Mehr ist besser

Die sehr hohe sequenzielle Performance des RAID-Verbunds schlägt sich selbstverständlich auch bei Kopiervorgängen nieder.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen weren. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

PCMark 7

Gesamtwertung

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Storage

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Lightweight

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Productivity

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Entertainment

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Creativity

Punkte
Mehr ist besser

PCMark 7

Computation

Punkte
Mehr ist besser

Hohe Anfragetiefen oder sequenzielle Operationen mit vielen Gigabyte sind im Alltag eher selten, weswegen sich der RAID-Verbund hier nicht sonderlich von einem einzelnen Laufwerk distanzieren kann.


Im Fazit zur Intel SSD 730 Series mit 240 GB haben wir damals die vergleichsweise niedrige sequenzielle Schreibrate kritisiert. Mit diesem Problem hat die größere Version mit 480 GB nicht zu kämpfen, die Performance beim Schreiben liegt gleichauf mit anderen Highend-SSDs. Auch in den restlichen Benchmarks ist die Intel SSD 730 Series mit 480 GB sehr gut aufgestellt – insbesondere die sehr gute Performance beim zufälligen Lesen von kleinen Blöcken und einer Anfragetiefe von eins bzw. drei gefällt. Das schlägt sich auch in einer sehr guten Alltagsperformance nieder, wie uns der PCMark 7 Benchmark bestätigt.

Als Einzellaufwerk liefert die Intel SSD 730 Series mit 480 GB eine hervorragende Performance – wie sieht es dann erst im RAID 0 aus? Hier springen vor allem die Transferraten bei sequenziellen Zugriffen ins Auge: Mit über 1000 MB/s beim Lesen und knapp 900 MB/s beim Schreiben wird es erst mal schwer eine Anwendung zu finden, die diese enorme Leistung ausnutzen kann. Die Paradedisziplin für RAID-Verbünde sind dabei typischerweise Aufgaben wie Videoschnitt, bei denen naturgemäß mit riesigen Dateien gearbeitet wird.

Intel spricht mit der SSD 730 Series Enthusiasten an

Im Gegensatz zu einem RAID-Verbund aus Festplatten ist es bei SSDs außerdem sinnvoll, Dateien innerhalb des Verbunds zu kopieren – getrennte Quell- und Ziellaufwerke sind nicht mehr erforderlich. Der AS SSD Kopierbenchmark bestätigt eine Steigerung der Kopierleistung um bis zu 80% im Vergleich zu einem Einzellaufwerk. In der Alltagsperformance dürfte man das RAID hingegen selten spüren. Der PCMark-Benchmark bewertet den RAID-Verbund bei der Rohleistung keine 5% besser als das Einzellaufwerk, in der Gesamtwertung landet der RAID-Verbund zwar auf dem ersten Platz, der Unterschied zu einem Einzellaufwerk liegt allerdings bei unter einem Prozent. Damit ist klar, dass man von einem RAID nur spürbar profitiert, wenn man tatsächlich ständig sehr große Dateien bearbeitet.

Die Intel SSD 730 Series ist, verglichen mit anderen Consumer-SSDs, sehr teuer. Die günstigsten empfehlenswerten SSDs kosten 30-50% weniger (Crucial m550, Samsung 840 EVO Series). Doch richtet sich Intel mit der 730 Series auch nicht in Richtung Mainstream-Markt aus, das Laufwerk soll vielmehr Enthusiasten ansprechen. Diesem Anspruch wird das Laufwerk durchaus gerecht, insbesondere in der größeren Version, da man hier keine Abstriche bei der Performance mehr machen muss. Gepaart mit einer hohen Zuverlässigkeit hebt sich die 730 Series damit auch deutlich vom Rest der Consumer-SSDs ab. Ob der hohe Mehrpreis gerechtfertigt ist, bleibt aber letztendlich eine persönliche Entscheidung. Lediglich ein Feature vermissen wir weiterhin: Die Unterstützung für Microsofts eDrive. 

Positive Aspekte der Intel SSD 730 Series 480 GB:

Negative Aspekte der Intel SSD 730 Series 480 GB:

Preise und Verfügbarkeit
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar