ADATA Premier Pro SP920 256 GB im Test

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teaserNachdem es um ADATA, zumindest im SSD-Bereich, lange Zeit still war, meldet sich der taiwanische Speicherhersteller nun mit der SP920 zurück. Mit diesem Laufwerk möchte ADATA den Highend-Bereich erobern und bringt dazu die aktuellste Technik an den Start: Ein Marvell-Controller steuert MLC-Flashspeicher von Micron an, der mit einer Speicherdichte von 128 Gbit pro Die 2,5-Zoll-Laufwerke mit bis zu 1 TB Speicherkapazität ermöglicht. Wo die Stärken und Schwächen der SP920 liegen, untersuchen wir in diesem Artikel.

Im Consumer-Bereich lassen sich die SSDs in wenigen Kategorien zusammenfassen – es gibt die Laufwerke von Samsung, bei denen nur Technik aus dem eigenen Haus zum Einsatz kommt. Ansonsten findet man fast nur Laufwerke mit Marvell- oder SandForce-Controllern. Zwar gibt es vereinzelt auch noch Laufwerke mit anderen Controllern, diese sind allerdings aufgrund mangelhafter Performance in der Regel nicht zu empfehlen. ADATA geht nun, wie viele andere Hersteller auch, den „Marvell-Weg".

Die ADATA Premier Pro SP920 in farbenfroher Verpackung

Dieser ist steiniger als der Weg zur SandForce-SSD, denn Marvell stellt keine fertige Firmware zur Verfügung, um diese muss sich der jeweilige Hersteller selbst kümmern. Dementsprechend gibt es bei Laufwerken auf Marvell-Basis trotz gleicher Hardware auch teils noch signifikante Unterschiede – der inzwischen doch etwas betagte und in Highend-Laufwerken nur noch selten gesehene SandForce-Controller hat im Gegensatz dazu stets für eine gewisse Homogenität gesorgt, denn die Hersteller hatten – mit Ausnahme von Intel – keinen Zugriff auf die Firmware.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
ADATA Premier Pro SP920
Straßenpreis ab 130 Euro
Homepage www.adata.com
Technische Daten  
Formfaktor 2,5 Zoll (7 mm)
Kapazität (lt. Hersteller) 256 GB
Kapazität (formatiert) 238 GiB
Verfügbare Kapazitäten 128, 256, 512, 1024 GB
Cache 256 MB DDR3
Controller Marvell 88SS9189
Chipart Micron MLC 
Lesen (lt. Hersteller) 560 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller) 360 MB/s
   
Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang 3,5-Zoll-Einbaurahmen
Spacer auf 9,5 mm

Nach dem Öffnen der ADATA SP920 sehen wir den Marvell-Controller und die Speicherbausteine von Micron. Die Ähnlichkeit mit den Laufwerken eines anderen Herstellers ist verblüffend – die SP920 scheint ein Klon der Crucial M550 zu sein, wobei Crucial eine Marke der Firma Micron ist. Beide Laufwerke setzen auf den Marvell 88SS9189 Controller in Verbindung mit Flashspeicher, der wie der DRAM-Cache ebenfalls von Micron kommt. Kurz: Die ADATA SP920 könnte eine OEM-Version der Crucial M550 zu sein – allerdings gibt es im Detail Unterschiede.

Die ADATA SP920 besitzt ein stabiles Metallgehäuse

Gibt man den BGA-Code (NW386) des Flashspeichers in den Decoder von Micron ein, erhält man die Teilenummer, in diesem Fall MT29F256G08CECABH6-10:A. Diese beinhaltet zwei interessante Informationen: Zum einen die Gesamtkapazität des Chips, nämlich 256 Gbit – wobei sich diese Zahl auch anhand der Gesamtkapazität des Laufwerks und der Anzahl der verlöteten Speicherchips berechnen lässt – und die Anzahl der Dice. Der fett markiere Buchstabe „E" steht hierbei für die Zahl zwei. Damit teilt sich die Gesamtkapazität eines Chips auf zwei übereinandergestapelte Dice auf, was dann einer Kapazität von 128 Gbit pro Die und damit auch dem derzeitigen Maximum entspricht. Crucial hat Chips dieser Art erstmalig in der M500 verbaut und so eine Kapazität von bis zu einem Terabyte in einer einzigen 2,5-Zoll-SSD ermöglicht.

Ein Pad leitet die Abwärme von Controller und Cache zum Gehäuse

Bei der M550 hat man sich bei den Modellen mit 128 und 256 GB dafür entschieden, Speicherbausteine mit lediglich 64 Gbit pro Die zu verwenden. Das erhöht zum einen die Anzahl der benötigten Chips und damit auch die Kosten, allerdings kann der Controller auch mehr Chips gleichzeitig ansprechen, was die Performance insbesondere bei sequenziellen Schreibvorgängen teilweise deutlich erhöht. ADATA geht bei der SP920 den günstigeren Weg und verbaut durchgängig Chips mit 128 Gbit pro Die. Damit sind die Modelle mit 128 und 256 GB etwas langsamer als die Crucial M550.

Micron, Micron, Marvell: Die SP920 stammt in Wirklichkeit von Crucial

Als nächstes schauen wir uns die Performance der ADATA SP920 nach starker Belastung an. Dazu lassen wir zuerst im fabrikneuen Zustand den HDTach-Benchmark laufen und schreiben danach mit Iometer auf das Laufwerk (4K random write, QD 64). Ein abschließender Durchlauf mit HDTach zeigt schließlich, wie viel Leistung das Laufwerk verloren hat. Im Neuzustand schreibt das Laufwerk mit 354,5 MB/s, gelesen wird mit 472,5 MB/s. Nach der Belastungsprozedur sinkt die Leserate auf 207,2 MB/s und die Schreibrate auf 34,3 MB/s, wobei diese nahezu konstant ist. Viele andere Laufwerke gewinnen gegen Ende der Kapazität wieder deutlich an Leistung, sodass die durchschnittliche Schreibrate deutlich höher ausfällt. Mit ihrer anscheinend extrem zurückhaltenden Garbage Collection lässt sich zur ADATA SP920 sagen, dass sie auf keinen Fall ohne TRIM eingesetzt werden sollte.

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testsys

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep, sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) durch einen Registry-Eintrag deaktiviert.

Mit Ausnahme von PCMark werden alle Benchmarks mit der zu testenden SSD als sekundärem Laufwerk durchgeführt. Für PCMark wird ein vorgefertigtes Image auf die zu testende SSD eingespielt, da die komplette Benchmarksuite nur durchgeführt werden kann, wenn das zu testende auch gleichzeitig das Systemlaufwerk ist.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

 iometer 4k read

 iometer 4k write

 iometer 4k read 3

 iometer 4k write 3

 iometer 4k read 32

 iometer 4k write 32

 iometer seq read

 iometer seq write

Wenig überraschend ist die ADATA Premier Pro SP920 fast immer in Gesellschaft der Crucial-Laufwerke zu finden. Unterschiede zwischen der SP920 und M550 sind vor allem durch die unterschiedliche Kapazität zu begründen.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

 as ssd 4k read

 as ssd 4k write

 as ssd 4k read 64

 as ssd 4k write 64

 as ssd seq read

 as ssd seq write

Ein bisschen schwächelt die ADATA Premier Pro SP920 beim sequenziellen Schreiben. Hier macht es sich bemerkbar, dass Chips mit 128 Gbit pro Die zum Einsatz kommen, die in dieser Kapazitätsklasse dem Controller keine maximale Parallelität ermöglichen.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

 as copy iso

 as copy programm

 as copy spiel

Die etwas niedrige sequenzielle Schreibrate sorgt schließlich auch beim Kopieren für eine bestenfalls durchschnittliche Performance.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen weren. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

 pcmark 7 total

 pcmark 7 storage

 pcmark 7 computation

 pcmark 7 creativity

 pcmark 7 entertainment

 pcmark 7 lightweight

 pcmark 7 productivity

In der Gesamtwertung fällt die ADATA Premier Pro SP920 etwas zurück, die Rohleistung liegt im Mittelfeld. Insgesamt ein befriedigendes Ergebnis.


Die ADATA Premier Pro SP920 nimmt ihren Platz direkt neben den Laufwerken von Crucial ein, man könnte sie auch M550 „Light" nennen. Die 128 GB und 256 GB Version der SP920 sind aufgrund der anderen NAND-Bestückung (128 statt 64 Gbit pro Die) etwas langsamer als die vergleichbaren M550 SSDs. Die größeren Versionen sollten die gleiche Performance aufweisen, da dort auch bei Crucial NAND mit 128 Gbit pro Die zum Einsatz kommt. Im Vergleich zu anderen Laufwerken schwächelt die ADATA SP920 in unseren Benchmarks ein wenig beim sequenziellen Schreiben, liefert ansonsten allerdings eine gute Vorstellung.

Füllt die Lücke zwischen Crucial M500 und M550: Die ADATA SP920

ADATA verzichtet bei der SP920 leider auf Unterstützung für Microsofts eDrive, ein, wie wir finden, sehr sinnvolles und nützliches Feature, mit Hilfe dessen man sich die BitLocker-Verschlüsselung die Hardware der SSD zunutze machen kann, um die Daten ohne Performanceverlust zu schützen. Bisher bieten nur die Crucial M500, M550 und Samsung SSD 840 Pro/EVO Series dieses Feature. Auch bietet man, genau wie Crucial, lediglich drei Jahre Garantie. Die meisten anderen Hersteller gewähren auf ihre Highend-SSDs inzwischen eine fünfjährige Garantiezeit.

Die Laufwerke von Crucial haben sich in der Vergangenheit als relativ problemlos erwiesen, was ADATA an dieser Stelle insofern zugutekommt, als dass man bezüglich Haltbarkeit und Kompatibilität wenig Bedenken haben muss. Die Crucial M500 gehört zurzeit zu den günstigsten SSDs überhaupt und ist aufgrund ihrer adäquaten Performance immer noch eine gute Empfehlung, auch wenn sie nicht mehr mit aktuellen Highend-SSDs mithalten kann. Mehr Performance gibt es bei der M550 zu einem entsprechend höheren Preis. Wem dieser (Preis-)Sprung zu groß ist, findet unter Verzicht auf ein wenig Performance möglicherweise in der ADATA SP920 das perfekte Laufwerk, denn momentan ist diese SSD preislich zwischen der M500 und M550 hervorragend platziert. 

Positive Aspekte der ADATA Premier Pro SP920:

Negative Aspekte der ADATA Premier Pro SP920:

Preise und Verfügbarkeit
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