Test: SanDisk Extreme II SSD

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sandisk-extreme-ii-006SanDisk stellt mit der Extreme II Serie die zweite Generation High-End-SSDs vor – voll bestückt mit aktueller Technik. Neben einem Marvell 9187-Controller kommt ein in 19 nm gefertiger MLC-Speicher zum Einsatz. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Cache-Technik, bei der eine zusätzliche Ebene für einen Geschwindigkeitszuwachs sorgen soll. Wie diese Technik funktioniert und wie die Extreme II im Vergleich zu anderen aktuellen SSDs abschneidet, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Der Controller einer SSD ist die wohl kritischste Komponente: Zum einen muss er die Kommunikation mit dem Host übernehmen und zum anderen die Ansteuerung des Flash-Speichers. Ein Fehler auf einer der beiden Seiten kann schnell zum Datenverlust oder zu einem Totalausfall der SSD führen. Die geringe Auswahl an Controllern verwundert daher nicht: Samsung hat einen hauseigenen Controller, alle anderen Hersteller haben im Wesentlichen die Wahl zwischen SandForce und Marvell. Der SandForce-Controller war lange Zeit der Controller der Wahl für viele Hersteller, die festen Vorgaben von SandForce haben allerdings zu einer ganzen Armada an SSDs geführt, die sich nur durch ihren Aufkleber unterscheiden.

Die SanDisk Extreme II SSD

Anders bei Marvell: Hier haben die Hersteller wesentlich mehr Freiheiten und können die Performance an ihre Vorstellungen anpassen. Auf immer mehr aktuellen SSDs findet man inzwischen einen Marvell-Controller, ob das an der größeren Anpassbarkeit und damit möglichen Differenzierung zu anderen Herstellern liegt oder ob der Name SandForce in der Käufergunst aufgrund der Startschwierigkeiten zu stark gesunken ist, ist schwierig zu beantworten. Fest steht jedenfalls, dass keine SSD mit Marvell-Controller wie die andere ist und daher auch kein allgemeingültiges Urteil über Laufwerke mit diesem Controller gefällt werden kann.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
SanDisk Extreme II 240 GB
Straßenpreis ab 169 Euro
Homepage www.sandisk.de
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 240 GB
Kapazität (formatiert) 224 GiB
Verfügbare Kapazitäten 120, 240, 480 GB
Cache 256 MB DDR3
Controller Marvell 88SS9187
Chipart MLC 19 nm
Lesen (lt. Hersteller) 550 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller) 510 MB/s
 
Herstellergarantie 5 Jahre
Lieferumfang -

Der auf der SandDisk Extreme II verlötete Controller trägt die vollständige Bezeichnung 88SS9187-BLD2 und stammt von Marvell. Der DDR3-DRAM-Cache stammt von Samsung und besitzt eine Kapazität von 256 MB. Alle Komponenten, also auch der Flash-Speicher, sind über Wärmeleitpads mit dem Gehäuse verbunden. Die Platine ist nur einseitig bestückt, auf der Rückseite befinden sich also keine Komponenten – jedoch sind dort jede Menge freie Lötpads zu sehen, auf denen offenbar Kondensatoren aufgebracht werden können. Dies könnte es SanDisk ermöglichen, die SSD komplett gegen Stromausfälle abzusichern. Das ist allerdings ein Feature, das man sonst nur bei Enterprise-SSDs findet. Die einzige Ausnahme ist hier die Intel SSD 320 Series, bei der ausgerechnet dieses Feature für erhöhte Ausfallraten gesorgt hat.

PCB und Gehäuse sind über Wärmeleitpads verbunden

Der Flash-Speicher stammt von SanDisk und ist in 19 nm gefertigt. Es handelt sich dabei um klassischen 2-bit MLC-Speicher, auf 3-bit (TLC) hat man also verzichtet. Mehr noch: Ein Teil des Speichers arbeitet im „pseudo SLC"-Modus, d.h. die Flash-Zellen werden mit nur einem einzigen Bit beschrieben. Dieser Teil des Speichers ist jedoch nicht für Anwenderdaten vorgesehen, vielmehr dient er der Erweiterung der Cache-Hierarchie. Zwischen DRAM-Cache und MLC-Flash-Speicher wird dieser (sehr kleine) Teil Pseudo-SLC-Speicher geschaltet – SanDisk nennt diese Technik nCache, wir haben sie bereits bei der SanDisk Ultra Plus kennengelernt.

SanDisk nCache

Als nächstes schauen wir uns die Performance nach starker Belastung an. Diese Disziplin ist für viele Laufwerke ein rotes Tuch, die SanDisk Extreme II schlägt sich allerdings recht gut. Während wir im Neuzustand mit HDTach eine Lese- und Schreibrate von 494 bzw. 462 MB/s messen, sinken diese Werte nach einer einstündigen Belastung mittels Iometer (4K random write, QD 64) auf 489 bzw. 152 MB/s. Insbesondere bei der Schreibrate ist zwar ein deutlicher Einbruch zu erkennen - nicht zu vergessen ist aber, dass die Belastung äußerst unnatürlich ist und so wahrscheinlich in keinem (Desktop-)System jemals auftreten wird.

sandisk-ex2-old


testsys

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep, sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) durch einen Registry-Eintrag deaktiviert.

Mit Ausnahme von PCMark werden alle Benchmarks mit der zu testenden SSD als sekundärem Laufwerk durchgeführt. Für PCMark wird ein vorgefertigtes Image auf die zu testende SSD eingespielt, da die komplette Benchmarksuite nur durchgeführt werden kann, wenn das zu testende auch gleichzeitig das Systemlaufwerk ist.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

 iometer 4k read

 iometer 4k write

 iometer 4k read 3

 iometer 4k write 3

 iometer 4k read 32

 iometer 4k write 32

 iometer seq read

 iometer seq write

Die SanDisk Extreme II liefert hier ein ziemlich gutes Bild, insbesondere die Leseraten bei niedrigen Anfragetiefen können überzeugen.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

as ssd 4k read 

 as ssd 4k write

 as ssd 4k read 64

 as ssd 4k write 64

 as ssd seq read

 as ssd seq write

Auch hier macht die SanDisk Extreme II eine gute Figur. Die sequenziellen Transferraten können überzeugen, insbesondere auch die Schreibrate.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

as copy iso 

 as copy programm

 as copy spiel

Die guten sequenziellen Transferraten verhelfen der SanDisk Extreme II auch zu einer annehmbaren Kopierleistung.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen weren. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

 pcmark 7 total

 pcmark 7 storage

 pcmark 7 computation

 pcmark 7 creativity

 pcmark 7 entertainment

 pcmark 7 lightweight

 pcmark 7 productivity

Im praxisnahen PCMark-Benchmark schneidet die SanDisk Extreme II leider nur mittelmäßig ab, wobei die Unterschiede zwischen den SSDs wie immer nur marginal sind.


Die SanDisk Extreme II SSD ist zwar nicht die schnellste SSD, die wir bisher im Test hatten, kann mit anderen aktuellen Laufwerken allerdings problemlos mithalten. Ohnehin wird die reine Performance einer SSD immer unwichtiger, denn inzwischen sind die Halbleiterlaufwerke so schnell, dass sie ohnehin in keinem Desktop- bzw. Einzelnutzer-System ansatzweise ausgereizt werden (können).

Die SanDisk Extreme II SSD

Die Extreme II hat aber noch mehr zu bieten, nämlich eine ausgesprochen gute Resistenz gegen starke Belastungen. Insbesondere SSDs auf Marvell-Controller-Basis haben sich in dieser Disziplin in der Vergangenheit häufig nicht mit Ruhm bekleckert, sodass die regelmäßige Empfehlung war, die entsprechenden Laufwerke nur in Systemen einzusetzen, die TRIM-fähig sind. Ansonsten wäre nach einer gewissen Nutzungsdauer und/oder einem hohen Füllstand mit einem deutlichen Performanceeinbruch zu rechnen. SanDisk zeigt hier, dass es auch anders geht – die Extreme II sollte (nahezu) unabhängig von Füllstand und Belastung ihre Leistung zumindest in weiten Teilen halten können.

Da SanDisk die Extreme II als High-End-Laufwerk klassifiziert, gewährt man auch die für diese Klasse inzwischen üblichen fünf Jahre Garantie. Ein Feature, das wir bei der Crucial M500 gelobt haben, fehlt der Extreme II leider, nämlich die eDrive-Kompatibilität. Besitzt der Rechner einen TPM-Baustein und setzt man Windows 8 ein, lässt sich in Verbindung mit BitLocker die Hardware-Verschlüsselung der SSD nutzen. Man entgeht so dem Flaschenhals, dass alle Daten in Software, also auf der CPU, ver- und entschlüsselt werden müssen. Trotz der nativen Verschlüsselungsroutinen moderner CPUs entstehen durch diesen Umweg teilweise beträchtliche Performance-Verluste. Da der potenzielle Nutzerkreis von eDrive allerdings recht überschaubar sein dürfte, ist der Verzicht auf diese Funktion verständlich.

Die Platine der Extreme II

Bleiben zum Schluss noch die üblichen Worte zur Zuverlässigkeit: Die SandDisk Extreme II ist noch nicht lange auf dem Markt, es kann also sein, dass sich in den kommenden Wochen noch Kinderkrankheiten offenbaren. Andererseits ist SanDisk kein unerfahrener Hersteller und der Marvell-Controller bereits erprobt, die Chancen für gravierende Fehler sind also gering. Insgesamt ist die Extreme II ein empfehlenswerter Laufwerk, das besonders bei der Langzeitperformance glänzt.

Positive Aspekte der SanDisk Extreme II:

Negative Aspekte der SanDisk Extreme II: