Test: Plextor M5 Pro SSD

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teaserPlextor ist ein Name, der häufig mit hohen Standards, was Qualität und Performance betrifft, in Verbindung gebracht wird. Ursprünglich hauptsächlich auf optische Laufwerke bezogen, möchte Plextor diesem Image natürlich auch bei SSDs gerecht werden. Die M5 Pro ist dabei die aktuellste Entwicklung von Plextor und löst die M3 Pro ab, die von uns einen Excellent-Hardware-Award erhalten hat. Treu geblieben ist Plextor dabei dem Controller-Hersteller: Wie die M3 Pro setzt auch die M5 Pro auf Hardware von Marvell, natürlich auch in der aktuellsten Version. Ob die Kombination mit 19 nm MLC-Flashspeicher für einen der ersten Plätze reicht, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Zurzeit dominieren drei Hersteller mit ihren Controllern den SSD-Markt. Einer dieser Hersteller ist Samsung, wobei der im eigenen Haus entwickelte Controller auch nur auf den eigenen Laufwerken zum Einsatz kommt. Die anderen sind SandForce und Marvell, die im Gegensatz zu Samsung keine eigenen SSDs herstellen, sondern ihre Technologie verkaufen bzw. lizenzieren. Die Philosophien beider Hersteller sind dabei grundsätzlich verschieden: SandForce bietet eine schlüsselfertige Lösung aus Hard- und Software an, die ein Hersteller eins zu eins übernehmen kann – und meistens sogar muss, denn Änderungen an der Firmware erlaubt SandForce nicht. Die einzige Ausnahme macht man bei Intel.

Die Plextor M5 Pro besitzt ein stabiles Aluminium-Gehäuse

Während die restriktive Politik von SandForce zu allerlei Laufwerken führt, die eine praktisch bis auf die Nachkommastelle genau gleiche Performance liefern, geht Marvell einen anderen Weg: Die zur Verfügung gestellte Firmware ist lediglich ein Grundgerüst, das der jeweilige Hersteller anpassen muss. Dies hat zur Folge, dass Laufwerke mit Marvell-Controller trotz größtenteils gleicher Hardware sehr unterschiedlich performen können. Es ist also spannend zu sehen, was Plextor aus der Firmware rausgeholt hat.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Plextor M5 Pro 256 GB
Straßenpreis ab 234 Euro (Amazon, 27.01.13)
Homepage www.plextor-digital.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 256 GB
Kapazität (formatiert) 238 GiB
Verfügbare Kapazitäten 128, 256, 512 GB
Cache 512 MB (256 GB Version)
Controller Marvell 88SS9187
Chipart MLC (19 nm)
Lesen (lt. Hersteller) 540 MB/s (256 GB Version)
Schreiben (lt. Hersteller) 450 MB/s (256 GB Version)
 
Herstellergarantie 5 Jahre
Lieferumfang 3,5-Zoll-Einbaurahmen

Die Hardware-Basis der Plextor M5 Pro sieht ohne Zweifel vielversprechend aus. Der Marvell 88SS9187-Controller ist dabei die zentrale Instanz, als Speicher setzt Plextor auf MLC NAND von Toshiba mit einer Strukturgröße von 19 nm. Unterstützt wird dieses Gespann von einem 512 MB großen Cache. Die 128 GB Version der M5 Pro muss mit 256 MB weniger Cache auskommen, die 512 GB Version hat hingegen 256 MB zusätzlich spendiert bekommen, besitzt also einen stattlichen 768 MB großen Cache.

Flash-Speicher, Controller und DRAM-Cache

Doch die beste Hardware nützt nichts, wenn die Software nicht mitspielt. Plextor hat beim Vorgänger M3 Pro bereits bewiesen, dass man in der Lage ist, eine performante Firmware zu entwickeln. Ob dies bei der M5 Pro wieder gelungen ist, analysieren wir in den auf den nächsten Seiten folgenden Benchmarks. Als nächstes schauen wir uns die Performance des Laufwerks während/nach extremer Beanspruchung an. Dieser Test ist für viele Laufwerke ein rotes Tuch, lediglich auf SandForce-Technologie basierende Laufwerke schaffen es für gewöhnlich, hier ein gutes Bild abzuliefern.

Die Plextor M5 Pro ist hier keine Ausnahme: Während die Schreibperformance bei HDTach im Neuzustand 405 MB/s beträgt, werden die Daten nach einem ausführlichen Iometer-Lauf nur noch mit gut 37 MB/s geschrieben. Das sequenzielle Schreiben beim zweiten Durchlauf hilft dem Controller leider auch nicht, die Daten neu zu organisieren, sodass die Performance auf diesem Niveau bleibt, bis wir eine Schnellformatierung durchführen und damit den TRIM-Befehl an das Laufwerk senden – wie es im Alltag ebenfalls passieren würde, wenn Daten auf der SSD gelöscht werden. Das Fazit lautet hier also: Die Plextor M5 Pro sollte auf keinen Fall in einem nicht TRIM-fähigen System eingesetzt werden.

hdtach


testsys

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) durch einen Registry-Eintrag deaktiviert.

Mit Ausnahme von PCMark werden alle Benchmarks mit der zu testenden SSD als sekundärem Laufwerk durchgeführt. Für PCMark wird ein vorgefertigtes Image auf die zu testende SSD eingespielt, da die komplette Benchmarksuite nur durchgeführt werden kann, wenn das zu testende auch gleichzeitig das Systemlaufwerk ist.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 32 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

iometer 4k read 

 iometer 4k write

 iometer 4k read 3

 iometer 4k write 3

 iometer 4k read 32

 iometer 4k write 32

 iometer seq read

 iometer seq write

Iometer bestätigt im Wesentlichen die Ergebnisse des AS SSD Benchmarks, lediglich beim sequenziellen Lesen lassen sich hier größere Unterschiede erkennen. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich in der kleineren Blockgröße zu suchen, die wir bei diesem Iometer-Test im Gegensatz zu AS SSD verwenden (128K).


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

 as ssd 4k read

 as ssd 4k write

 as ssd 4k read 64

 as ssd 4k write 64

 as ssd seq read

 as ssd seq write

Im AS SSD Benchmark kann sich die Plextor M5 Pro insgesamt problemlos im oberen Mittelfeld platzieren. Der einzige Ausrutscher ist das Schreiben von kleinen Blöcken. Beim sequenziellen Lesen landet sie zwar auf dem ersten Platz, der Unterschied zwischen fast allen Laufwerken ist allerdings marginal. Die SATA 6 Gb/s Schnittstelle dürfte bei einer Nettodatenrate von 520-530 MB/s schlichtweg ausgereizt sein.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

 as copy iso

 as copy programm

 as copy spiel

Die ordentlichen sequenziellen Transferraten manifestieren sich schließlich auch in einer brauchbaren Kopierleistung.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen weren. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

pcmark 7 total 

 pcmark 7 storage

 pcmark 7 computation

 pcmark 7 creativity

 pcmark 7 entertainment

 pcmark 7 lightweight

 pcmark 7 productivity

Im PCMark 7 Benchmark landet die Plextor M5 Pro ziemlich genau in der Mitte. Der Trace-Benchmark (Storage) verspricht zwar eine hohe „Rohleistung“, im Test mit realen Anwendungen scheint jedoch nicht alles davon anzukommen. Wobei auch hier wieder gesagt werden muss, dass die Unterschiede zwischen den SSDs ohnehin so gering sind, dass man abgesehen von den Benchmark-Ergebnissen im Alltag kaum einen Unterschied spüren dürfte.


Plextor setzt bei der M5 Pro SSD auf die zurzeit aktuellste Technologie, die der Markt anbietet. Die Performance des Laufwerks ist insgesamt zwar als gut zu bezeichnen, allerdings dürfte es überall – mit Hinblick auf die performante Hardware – etwas mehr sein. Auf der anderen Seite offenbart Plextors Flaggschiff keine wirklichen Schwächen und empfiehlt sich somit durchaus als Allrounder.

Dieses Mal ohne Award: Die Plextor M5 Pro

Ein Thema, welches in Zusammenhang mit SSDs immer wieder heiß diskutiert wird, ist die Zuverlässigkeit. Es ist natürlich unmöglich, hierzu im Rahmen unserer Tests eine Aussage zu treffen, insbesondere mit nur einem Laufwerk bzw. Testsystem. Man kann lediglich die Berichte von Nutzern zurate ziehen, um sich ein Bild machen zu können. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Man wird natürlich mehr Problemberichte über Laufwerke lesen, die häufiger verkauft werden, auch wenn die tatsächliche (relative) Fehlerrate identisch oder sogar kleiner als bei anderen Herstellern ist.

Preisvergleich einiger SSDs (Amazon, 27.01.13)
LaufwerkPreis
Samsung SSD 840 Basic 250 GB ab 164 Euro
Crucial m4 256 GB ab 186 Euro
Corsair Neutron GTX 240 GB ab 223 Euro
Samsung SSD 840 Pro Series 256 GB ab 224 Euro
Plextor M5 Pro 256 GB ab 234 Euro
OCZ Vector 256 GB ab 243 Euro
Intel SSD 520 Series 240 GB ab 247 Euro

Die Preisgestaltung kann man bei Plextor durchaus als „mutig“ bezeichnen (siehe Tabelle). Für ein gleichgroßes Laufwerk zahlt man bei anderen – ebenfalls renommierten Hersteller – teilweise deutlich weniger. Wenn man davon ausgeht, dass zumindest ein Teil dieses Geldes in eine ausführlichere Validierung des Laufwerks fließt, was natürlich das Argument von Plextor ist, und man ein potenziell fehlerfreieres Laufwerk erhält, reicht das für einige Nutzer sicher als Kaufargument aus. Hier ist die Gefahr für Plextor allerdings groß, dass ein wahrscheinlich ohnehin kleiner Kundenstamm eventuell wegbricht, sollte Plextor die versprochene Qualität nicht liefern (können). Bisher scheint das Versprechen von Plextor allerdings zu stimmen, denn es sind keine Probleme bezüglich der ausgelieferten SSDs bekannt.

Ob die Plextor M5 Pro im Einkaufswagen liegen sollte, muss also jeder für sich entscheiden, denn eine allgemeingültige Empfehlung fällt wie immer schwer. Mit Sicherheit sagen kann man jedoch, dass viele Leute mit einem Laufwerk von Intel (520 Series), Samsung (840 Series) oder Crucial (m4) nicht unbedingt schlechter bedient sind und dabei noch Geld sparen.

Positive Aspekte der Plextor M5 Pro:

Negative Aspekte der Plextor M5 Pro: