Test: Adata Premier Pro SP600 128 GB SSD

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teaserSeitdem wir das letzte Mal eine SSD mit JMicron-Controller in der Redaktion hatten, ist inzwischen deutlich über ein Jahr vergangen. Jetzt ist es wieder soweit: Adata schickt mit der Premier Pro SP600 eine SSD ins Rennen, die auf JMicrons aktuellsten JMF661-Controller setzt. Dabei handelt es sich um den ersten JMicron-Controller, der die SATA-6 Gb/s-Schnittstelle unterstützt. Die Adata Premier Pro SP600 wird allerdings als Einsteiger-SSD beworben, sodass man sich keine Hoffnungen auf neue Geschwindigkeitsrekorde machen darf. Allerdings kann auch eine Einsteiger-SSD ein rundes Gesamtpaket sein - ob das bei der SP600 der Fall ist, untersuchen wir in diesem Artikel.

JMicron stand im Bereich der SSD-Controller nie für aktuelle Highend-Hardware. Sieht man vom allerersten und nahezu unbrauchbaren Controller, dem JMF602, ab, so hat JMicron danach solide Produkte geliefert. Solide heißt in diesem Fall, dass man sich bei der Geschwindigkeit eher am Ende der Rangliste aufgehalten hat, Kompatibilität und Zuverlässigkeit insgesamt aber auf einem überdurchschnittlichen Niveau waren.

Die Adata Premier Pro SP600

Während ein SATA-6 GB/s-Interface bei SSDs inzwischen zum guten Ton gehört, hält dieser Standard bei JMicron erst mit dem in der Adata Premier Pro SP600 verbauten JMF661-Controller Einzug. Während das theoretische Maximum der SATA- 3 GB/s-Schnittstelle bei 300 MB/s liegt (in der Praxis sind es ca. 270 MB/s), erlaubt die SATA-6 Gb/s-Schnittstelle theoretisch bis zu 600 MB/s. Wie viel die SP600 SSD davon ausnutzt, schauen wir uns auf den nächsten Seiten an.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Adata Premier Pro SP600 128 GB
Straßenpreis ab 90 Euro (13.11.12)
Homepage www.adata-group.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 128 GB
Kapazität (formatiert) 119 GiB
Verfügbare Kapazitäten 32, 64, 128 GB
Cache 128 MB
Controller JMicron JMF661
Chipart MLC 
Lesen (lt. Hersteller) 360 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller) 130 MB/s
 
Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang 3,5-Zoll-Einbaurahmen

testsys

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep, sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) durch einen Registry-Eintrag deaktiviert.

Mit Ausnahme von PCMark werden alle Benchmarks mit der zu testenden SSD als sekundärem Laufwerk durchgeführt. Für PCMark wird ein vorgefertigtes Image auf die zu testende SSD eingespielt, da die komplette Benchmarksuite nur durchgeführt werden kann, wenn das zu testende auch gleichzeitig das Systemlaufwerk ist.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 64 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

iometer 4k read 

 iometer 4k read 3

 iometer 4k read 32

 iometer 4k write

 iometer 4k write 3

 iometer 4k write 32

 iometer seq read

 iometer seq write

Während der Tastkandidat beim 4K-Lesen noch halbwegs mit der Konkurrenz mithalten kann, bildet die Adata Premier Pro SP600 ansonsten das Schlusslicht.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

as ssd 4k read 

 as ssd 4k read 64

 as ssd 4k write

 as ssd 4k write 64

 as ssd seq read

 iometer seq write

Die Adata Premier Pro SP600 kann hier leider nur in einem Punkt überzeugen: Beim Lesen von kleinen 4K-Datenblöcken mit einer Anfragetiefe von eins. In allen anderen Benchmarks sieht sie leider kein Land.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

as copy iso 

 as copy programm

 as copy spiel

Aufgrund der niedrigen sequenziellen Transferraten kopiert die Adata Premier Pro SP600 leider auch nicht sonderlich schnell. Sie ist hier nur geringfügig schneller als eine aktuelle Festplatte.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen weren. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

 pcmark 7 total

 pcmark 7 storage

 pcmark 7 computation

 pcmark 7 creativity

 pcmark 7 entertainment

 pcmark 7 lightweight

 pcmark 7 productivity

Aufgrund der Ergebnisse, die wir bisher gesehen haben, überrascht auch dieser Benchmark wenig. Innerhalb der SSDs gehört die Adata Premier Pro SP600 zu den langsamsten, von der Festplatte kann sie sich allerdings deutlich absetzen. Obwohl die SP600 bei der Datenübertragung nicht zu den schnellsten ihrer Klasse gehört, bleibt ein wesentlicher Vorteil von SSDs, nämlich die kurze Zugriffszeit, natürlich weiterhin erhalten.


Schaut man sich die Performance an, liefert die Adata Premier Pro SP600 einnicht vollends überzeugendes Ergebnis. Obwohl die SP600 ein Einsteiger-Laufwerk sein soll, könnte insbesondere die sequenzielle Schreibrate deutlich höher sein. Die niedrigen sequenziellen Transferraten sorgen dementsprechend auch für eine mäßige Kopierleistung – etwas, das im Alltag durchaus stören kann. Bei einer maximalen Kapazität von 128 GB wird es allerdings problematisch, neben dem Betriebssystem, Programmen und evtl. Spielen noch eine größere Menge an Daten zu speichern.

Kein Performance-Wunder: Der JMF661-Controller

Den sonstigen Alltagsbetrieb erledigt die Adata Premier Pro SP600 allerdings recht souverän. Der Grund für die hohe gefühlte Geschwindigkeit von SSDs ist zu einem wesentlichen Teil auf die sehr niedrigen Zugriffszeiten zurückzuführen. Hier hat die SP600 offenbar kein Problem und liefert schließlich auch eine SSD-typische Geschwindigkeit. Im Vergleich zu einer Highend-SSD dürfte man die Unterscheide bei verschiedenen Alltagsaufgaben meistens auch nur mit einer Stoppuhr feststellen können.

Problematisch wird der Einsatz der SP600, wenn das System nicht in der Lage ist, den TRIM-Befehl zu senden. Das Laufwerk besitzt eine zurückhaltende Garbage Collection und kann unter extremer Last sehr stark einbrechen – wovon sich die SSD ohne weiteres auch nicht mehr erholt. Haben wir im Neuzustand mit HD Tach eine Lese- und Schreibgeschwindigkeit von 356 bzw. 166 MB/s gemessen, fallen die Transferraten nach starker Belastung auf 252 bzw. 24 MB/s. Auch nachdem der TRIM-Befehl gesendet wird, erholt sich das Laufwerk nicht vollständig: 355 bzw. 133 MB/s werden erreicht. Bei ständigem Einsatz in einem TRIM-fähigen System sollte es allerdings keine Probleme geben.

Das stabile Gehäuse der SSD besteht aus Aluminium

Wie lautet also die Empfehlung? Diese Frage wollen wir mit einem Blick auf den Preisvergleich beantworten: 

Preisvergleich einiger SSDs (Stand 13.11.12)
LaufwerkPreis
Samsung SSD 830 Series 128 GB ab 84 Euro
Crucial m4 128 GB ab 88 Euro
Adata Premier Pro SP600 128 GB ab 90 Euro
Samsung SSD 840 Series 120 GB ab 91 Euro
Intel SSD 520 Series 120 GB ab 100 Euro

Die Adata Premier Pro SP600 ist leider zu teuer, um eine Kaufempfehlung aussprechen zu können. Für das gleiche Geld, das die SP600 kostet, gibt es viele andere Laufwerke, die deutlich schneller sind. Die SP600 ist prinzipiell kein schlechtes Laufwerk, denn als Einsteiger-SSD kann sie durchaus funktionieren. Allerdings muss auch der Preis entsprechend sein, d.h. in diesem Fall unter 80 Euro.

Positive Aspekte der Adata Premier Pro SP600:

Negative Aspekte der Adata Premier Pro SP600: