Test: Corsair Neutron und Neutron GTX mit LAMD-Controller

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teaserCorsair führt mit der Neutron-Serie nicht nur eine neue SSD ein, sondern auch einen neuen Controller: Nicht von SandForce oder Marvell, sondern von „Link_A_Media Devices" stammt der Controller, der nach einem physikalischen Teilchen benannten Laufwerksserie. Wir schauen uns in diesem Artikel sowohl das Einstiegs- als auch das Performancemodell an und vergleichen die Neutron-SSDs mit anderen aktuellen High-End-Laufwerken.

Fast alle Hersteller, die SSDs verkaufen, müssen mindestens ein Bauteil zukaufen. So hat Intel beispielsweise eine eigene Produktion für Flash-Speicher, der Controller der aktuellen High-End-Serie stammt allerdings von SandForce. Corsair kauft sowohl den Flash-Speicher als auch den Controller ein. So gibt es auch von Corsair eine Baureihe mit SandForce-Controller (die Force-Serie) oder ein Modell mit Marvell-Controller (Performance Pro), wobei es erstere noch mit verschieden schnellem Flash-Speicher gibt.

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Diese bereits große Vielfalt wird mit der Neutron-Serie nun noch erweitert: Corsair setzt hier als erster Hersteller einen Controller von Link_A_Media Devices ein. Die Neutron-SSD gibt es, abgesehen von der Kapazität, zusätzlich in zwei Ausführungen: Im Modell ohne Namenszusatz wird synchroner Flash-Speicher verlötet, die GTX-Version setzt auf Toggle-NAND und erreicht so eine noch höhere Leistung.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Corsair Neutron / Neutron GTX
Straßenpreis k.A.
Homepage www.corsair.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll (7mm Bauhöhe)
Kapazität (lt. Hersteller) 240 GB
Kapazität (formatiert) 224 GiB
Verfügbare Kapazitäten 120, 240, 480 GB
Cache 256 MB DDR2
Controller LAMD LM87800AA
Chipart MLC synchron (Neutron) / Toggle (Neutron GTX)
Lesen (lt. Hersteller) 555 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller) 370 MB/s (Neutron) / 500 (Neutron GTX)
 
Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang 3,5-Zoll-Einbaurahmen

Auf dem folgenden Bild sind die Platinen der Neutron (rechts) und Neutron GTX (links) zu sehen. Der Aufbau ist im Wesentlichen identisch, einen Unterschied gibt es lediglich beim verlöteten Flash-Speicher. Während auf der schnelleren GTX-Version Toggle-NAND von Toshiba zum Einsatz kommt, finden wir auf der Standardversion Flash-Speicher von Micron. Die Endung „AAB" deutet hier auf synchronen Speicher hin, der schneller ist als die asynchrone Version.

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Der Controller stammt von der Firma Link_A_Media Devices (LAMD) und trägt die Bezeichnung LM87800AA. LAMD bietet ähnlich wie SandForce eine fertige Lösung aus Controller, Firmware und Referenzlayout. Es ist insofern möglich, dass auch andere Hersteller SSDs mit LAMD-Controller auf den Markt bringen. Zur besseren Wärmeabfuhr ist der Controller über ein Wärmeleitpad mit dem Gehäuse der SSD verbunden.

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Wie fast alle SSD-Controller (die einzige Ausnahme ist SandForce) benötigt auch das LAMD-Modell einen externen Cache. Auf der Neutron verlötet Corsair zwei DDR2-SDRAM-Chips von Samsung mit je 1 Gbit Kapazität, was insgesamt 256 MB entspricht. Der zweite Cache-Baustein befindet sich auf der Rückseite der Platine. Bei der Standardversion befinden sich auf der Rückseite außerdem acht weitere Speicherchips, die Platine der GTX-Version ist dort ansonsten leer.

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Um das Verhalten der Laufwerke ohne TRIM-Befehl zu untersuchen, wurde das Laufwerk zwei Stunden lang mit Iometer belastet und jeweils vorher und nachher ein HDTach-Durchlauf ausgeführt. Im Neuzustand erreicht die Corsair Neutron konstante Schreib- und Leseraten von 369,9 bzw. 449,3 MB/s. Nach zwei Stunden Iometer fallen diese Werte auf 124,6 bzw. 201,9 MB/s ab. Die minimale Schreibrate ist dabei 50 MB/s und steigt gegen Ende wieder auf über 250 MB/s an. Nach einem weiteren Durchlauf liegen die Werte konstant bei 368,8 bzw. 206,5 MB/s – die Leserate liegt also unter der Hälfte des Wertes im Neuzustand und scheint sich ohne TRIM auch nicht wieder zu erholen. Von einem Einsatz der Neutron-SSDs in einem System ohne TRIM ist also abzuraten.


testsys

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep, sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) durch einen Registry-Eintrag deaktiviert.

Mit Ausnahme von PCMark werden alle Benchmarks mit der zu testenden SSD als sekundärem Laufwerk durchgeführt. Für PCMark wird ein vorgefertigtes Image auf die zu testende SSD eingespielt, da die komplette Benchmarksuite nur durchgeführt werden kann, wenn das zu testende auch gleichzeitig das Systemlaufwerk ist.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 64 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

 iometer 4k read

 iometer 4k write

 iometer 4k read 3

 iometer 4k write 3

 iometer 4k read 64

iometer 4k write 64 

iometer seq read

iometer seq write

Beim Lesen von kleinen Blöcken machen sowohl die Neutron als auch die Neutron GTX eine hervorragende Figur. Beim sequenziellen Lesen fallen beide Laufwerke stark zurück, was aber vermutlich auf die verwendete Blockgröße von 128K zurückzuführen ist – die volle Leistung wird offenbar erst bei noch größeren Blöcken erreicht.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

 as ssd 4k read

 as ssd 4k write

 as ssd 4k read64

 as ssd 4k write64

 as ssd seq read

 as ssd seq write

Auch hier machen beide Laufwerke eine sehr gute Figur. Beim sequenziellen Lesen erreichen sie die Leistung der anderen SSDs, beim sequenziellen Schreiben stellt die Neutron GTX sogar einen neuen Rekord auf und löst den bisherigen Spitzenreiter Performance Pro – ebenfalls von Corsair – ab. Die Neutron ohne Namenszusatz liefert beim sequenziellen Schreiben zwar deutlich weniger Leistung, ist aber immer noch auf einem brauchbarem Niveau.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

 as copy iso

 as copy programm

 as copy spiel

Das Kopieren von Dateien erledigen beide Laufwerke mit einer sehr hohen Geschwindigkeit. Auch hier schafft es die Neutron GTX zwei neue Rekorder aufzustellen.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen werden. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5 Prozent. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

pcmark 7 total 

 pcmark 7 storage

 pcmark 7 computation

 pcmark 7 creativity

 pcmark 7 entertainment

 pcmark 7 lightweight

 pcmark 7 productivity

Bei der Alltagsleistung dominieren nach wie vor Laufwerke mit SandForce-Controller. Danach kommen allerdings gleich drei Laufwerke von Corsair, darunter auch die Neutron und Neutron GTX.


Die Corsair Neutron liefert durchweg eine gute Performance: Beim Lesen von kleinen Blöcken und niedriger Anfragetiefe (1-3), einem häufigen Szenario in Desktop-Systemen, gehören die Neutron-Modelle zu den schnellsten bisher getesteten Laufwerken. Auch die sequenziellen Transferraten sind sehr gut, wobei die GTX-Version der Neutron hier deutlich besser abschneidet als die Standardversion. Die guten sequenziellen Transferraten führen auch zu einer entsprechend guten Kopierleistung. Nicht zuletzt ist auch die Alltagsperformance sehr gut, wobei hier anzumerken ist, dass es zwischen aktuellen Highend-SSDs ohnehin praktisch keinen spürbaren Unterschied gibt.

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Benutzt man ein System, welches der SSD keinen TRIM-Befehl sendet (z.B. Windows-Versionen vor 7), sollte man von der Corsair Neutron zumindest momentan Abstand nehmen, denn sie kann unter diesen Bedingungen einen großen Teil ihrer Leistung verlieren. Dieses Verhalten kann sich mit zukünftigen Firmware-Update zwar noch ändern, momentan sind für diese Konstellationen aber immer noch SandForce-Laufwerke die beste Wahl.

Ebenfalls (noch) nicht beurteilen lassen sich Faktoren wie Kompatibilität und Zuverlässigkeit. Zwar traten während unserer Tests keine Probleme auf, das ist jedoch selbstverständlich nicht repräsentativ für die unzählige Anzahl an verschiedenen Systemen, die es gibt. Hier gibt es nur die Möglichkeit, ein paar Wochen oder Monate abzuwarten, um eventuellen Kinderkrankheiten aus dem Weg zu gehen.

Da die Performance der Corsair Neutron GTX sehr gut ist und sogar einige Rekorde gefallen sind, bekommt die schnellere SSD aus der Neutron-Serie unseren Award für exzellente Hardware. Im Preisvergleich sind die Laufwerke noch nicht gelistet.

Corsair-Neutron-GTXs

Positive Aspekte der Corsair Neutron (GTX):

Negative Aspekte der Corsair Neutron (GTX):