Test: Plextor M3 Pro SSD mit Marvell-Controller

Veröffentlicht am: von

teaserMit der M3 Pro schicken wir heute die erste SSD der Firma Plextor durch unseren Testparcours. Die verbaute Technik klingt vielversprechend: Gespeichert werden die Daten auf Toggle-NAND von Toshiba, gefertigt in 24 nm. Der verbaute Controller stammt von Marvell, es handelt sich dabei um das bekannte 9174-Modell, welches auch in einigen anderen SSDs zum Einsatz kommt. Da es von Marvell im Gegensatz zu SandForce keine fertige Firmware gibt, unterscheiden sich SSDs trotz gleichem Marvell-Controller teilweise deutlich in der Performance.

Nachdem wir in letzter Zeit hauptsächlich SSDs mit SandForce-Controller getestet haben, ist es erfrischend, nun wieder eine SSD auf Marvell-Basis genauer unter die Lupe nehmen zu können. Im Gegensatz zu SandForce-Laufwerken, die aufgrund der einheitlichen Firmware (mit Ausnahme der Intel SSD 520) alle exakt die gleiche Performance liefern, überlässt Marvell die Programmierung der Firmware dem jeweiligen Hersteller. Das führt dazu, dass bis jetzt jede von uns getestete SSD mit Marvell-Controller ein eigenes Performance-Profil mit den jeweiligen Stärken und Schwächen hatte. Auch was den Leistungsverlust mit deaktiviertem TRIM angeht, ergeben sich teilweise enorme Unterschiede.

alles
High-End SSD von Plextor: Die M3 Pro

An welchen Stellen die Plextor M3 Pro punkten kann und wo sie schwächelt, untersuchen wir auf den folgenden Seiten. Da wir nur die 128 GB-Version der M3 Pro zur Verfügung haben, sind die Werte mit den meisten anderen SSDs nicht direkt vergleichbar - die Performance der 128 GB und 256/512 GB Modelle ist häufig sehr unterschiedlich, wobei die größeren Modelle praktisch immer im Vorteil sind.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Plextor M3 Pro 128 GB
Straßenpreis ab 165 Euro (128 GB, 27.04.12)
Homepage www.plextor-digital.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 128 GB
Kapazität (formatiert) 119 GiB
Verfügbare Kapazitäten 128, 256, 512 GB
Cache 256 MB
Controller Marvell 88SS9174-BKK
Chipart MLC NAND (Toshiba 24 nm)
Lesen (lt. Hersteller) 535 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller) 350 MB/s

Herstellergarantie 5 Jahre
Lieferumfang Einbaurahmen, Acronis TrueImage

Der Lieferumfang der Plextor M3 Pro fällt durchschnittlich aus: Um das Laufwerk in Gehäusen ohne Aufnahme für 2,5-Zoll-Laufwerke zu montieren, liegt ein Einbaurahmen bzw. Adapter auf 3,5 Zoll bei. Möchte man ein vorhandenes Betriebssystem ohne Neuinstallation weiter nutzen, ist die beigelegte Software in Form von Acronis TrueImage hilfreich. Natürlich lässt sich der Umzug auch mit Hilfe von Bordmitteln durchführen, z.B. der „Sichern und Wiederherstellen"-Funktion, welche in Windows Vista/7 integriert ist.

alles
Der Lieferumfang der Plextor M3 Pro

Das Gehäuse der Plextor M3 Pro besteht vollständig aus gebürstetem Aluminium und wirkt dadurch sehr hochwertig. Nach dem Öffnen des Gehäuses ergibt sich ein etwas ungewöhnlicher Anblick: Neben Controller und DRAM-Cache ist auch jeder einzelne Speicherbaustein über ein Wärmeleitpad mit dem Gehäuse verbunden. Ist dies beim Controller nicht unüblich, ist Plextor der erste Hersteller, der auch die Speicherchips kühlt. Das ist höchstwahrscheinlich unnötig, da bisher bei noch keiner SSD Probleme aufgrund zu hoher Abwärme aufgetreten sind, Plextor möchte offenbar auf Nummer sicher gehen.

alles
Alle Chips sind zwecks Wärmeabfuhr mit dem Gehäuse verbunden

Beim Controller handelt es sich um ein Modell von Marvell, genauer den 88SS9174-BKK2. Das ist exakt die gleiche Revision, die auch in der Intel SSD 510 Series zum Einsatz kommt (welche inzwischen von der Intel SSD 520 Series abgelöst wurde). In der Crucial kommt ebenfalls dieser Marvell-Controller zum Einsatz, allerdings in der Revision „BLD2".

alles
Ein alter Bekannter: Der Marvell 9174-Controller

Zuletzt schauen wir uns noch an, wie sich die Plextor M3 Pro bei starker Belastung und ohne TRIM verhält. Im Neuzustand liegt die Schreibrate bei 342 MB/s. Nach einer Dauerbelastung mit IOMeter sinkt dieser Wert auf sehr schlechte 15,9 MB/s. Ein zweiter HDTach-Durchlauf lässt die Schreibrate wieder auf 101,7 MB/s ansteigen - sequenzielles Schreiben löst offenbar die Garbage Collection aus. Nach einer Schnellformatierung, die den TRIM-Mechanismus in Gang setzt, wird wieder der Ausgangswert erreicht.

new

used 1st

used 2nd

used trimed


Das Testsystem stellen wir auf dieser Seite vor:

testsys

Hardware

Software

Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep, sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert. Außerdem wurde LPM (Link Power Management) durch einen Registry-Eintrag deaktiviert.

Mit Ausnahme von PCMark werden alle Benchmarks mit der zu testenden SSD als sekundäres Laufwerk durchgeführt. Für PCMark wird ein vorgefertigtes Image auf die zu testende SSD eingespielt, da die komplette Benchmarksuite nur durchgeführt werden kann, wenn das zu testende auch gleichzeitig das Systemlaufwerk ist.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 64 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

iometer 4k_read 

 iometer 4k_write

 iometer 4k_read_64

 iometer 4k_write_64

 iometer seq_read

 iometer seq_write

Hier macht die Plextor M3 Pro insgesamt eine gute Figur, vor allem beim Lesen von 4K großen Blöcken und niedriger Anfragetiefe. Auch die sequenzielle Schreibrate ist für eine SSD mit 128 GB sehr ordentlich.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

 as ssd_4k_read

 as ssd_4k_write

 as ssd_4k_read64

 as ssd_4k_write64

 as ssd_seq_read

 as ssd_seq_write

Die Plextor M3 Pro kann auch hier sehr gut mithalten.


Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

 as copy_iso

 as copy_programm

 as copy_spiel

Beim Kopieren von Dateien geht die Plextor M3 Pro zügig zur Sache.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen werden. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

 pcmark 7_total

 pcmark 7_storage

 pcmark 7_computation

 pcmark 7_creativity

 pcmark 7_entertainment

 pcmark 7_lightweight

 pcmark 7_productivity

Auch hier kann die Plextor M3 Pro problemlos mit anderen High-End-SSDs mithalten.


Für Einbenutzer/Desktop-Systeme bietet die Plextor M3 Pro mehr als ausreichend Leistung. Sie gesellt sich damit zu anderen High-End-SSDs wie der Samsung SSD 830 Series, Crucial m4 oder Intel SSD 520 Series. Bei der M3 Pro gefällt vor allem die sehr hohe Übertragungsrate bei 4K-Blöcken und niedriger Anfragetiefe. Aber auch die restlichen Werte können überzeugen, die sequenziellen Transferraten sind für eine SSD mit 128 GB sehr ordentlich. Im Gegensatz zu SandForce-Laufwerken erreicht die M3 Pro ihre Geschwindigkeit außerdem unabhängig von der Komprimierbarkeit der Daten.

Damit man die hohe Geschwindigkeit der M3 Pro auch dauerhaft genießen kann, sollte man sie nur in Verbindung mit einem TRIM-fähigen System benutzen. Ohne TRIM kann die Performance der M3 Pro bei starker Belastung u.U. sehr stark einbrechen. Zwar erholt sich die Performance des Laufwerks auch wieder, für Systeme ohne TRIM (ältere Betriebssysteme, RAID-Volumes) ist die M3 Pro damit allerdings ungeeignet.

alles

Ein Faktor, den man generell sehr schwer objektiv beurteilen kann, ist die Zuverlässigkeit. Über einen längeren Zeitraum negativ aufgefallen ist hier vor allem SandForce. Schwerwiegende Fehler (Bluescreen im laufenden Betrieb) konnten erst nach vielen Firmware-Versionen und langer Wartezeit behoben werden. Aber auch andere Hersteller haben sich nicht immer nur mit Ruhm bekleckert, Intels SSD 320 Series krankte zuletzt am sogenannten 8 MB-Bug. SSDs mit Marvell-Controller sind eher positiv aufgefallen, obwohl auch hier ab und zu eine neue Firmware zur (schnellen) Fehlerbehebung notwendig war. Solange die Plextor M3 Pro hier keine Ausnahme bildet, wofür es keinen Anhaltspunkt gibt, sollte sie also ebenfalls eine hohe Zuverlässigkeit und Kompatibilität besitzen.

Bleibt als letzter Punkt nur noch der Preis: Die 128 GB-Version der M3 Pro kostet derzeit 165 Euro – im Vergleich zur Crucial m4, die mit gleicher Kapazität nur 100 Euro kostet, ist das etwas zu viel. In diesem Fall ist auch der längere Garantiezeitraum von fünf statt drei Jahren und der Vor-Ort-Service kein wirkliches Argument mehr. Bei Crucial oder Samsung bekommt man für deutlich weniger Geld ungefähr die gleiche Leistung.

Letztendlich ist die Plextor M3 Pro also ein sehr gutes Laufwerk, das für eine eindeutige Kaufempfehlung leider etwas zu teuer ist. Aufgrund der Performance erhält sie unseren Award für exzellente Hardware.

excellent_award

Positive Aspekte der Plextor M3 Pro:

Negative Aspekte der Plextor M3 Pro: