Test: Seagate Momentus XT (750GB)

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palit-680-logoGegen Ende 2010 erblickte Seagates bislang letzte Hybrid-Festplatte, die Momentus XT (unser Testbericht), mit 500 GB das Licht der IT-Welt. Zwischenzeitlich haben sich die HDDs, SSDs und auch die Transfer-Schnittstelle natürlich weiterentwickelt, sodass Seagate nun eine verbesserte Version des 2,5-Zöllers Momentus XT ausgekoppelt hat. Die wesentlichen Neuerungen umfassen dabei die gesteigerte Speicherkapazität sowie den verdoppelten Flash-Speicher. Wir haben uns zum Test ein Exemplar in die Redaktionsräume bestellt, welches wir uns auf den nächsten Seiten ansehen werden. Besonders interessant dürfte dabei das Abschneiden der neuen Momentus XT in den Benchmarks sein.

 

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Die technischen Daten der neuen Momentus XT haben wir tabellarisch zusammengefasst:

Seagate Momentus XT
Modellbezeichnung ST750LX003
Straßenpreis ab 127 €
Homepage www.seagate.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 750 GB (2 Platter)
Kapazität (formatiert) 698 GiB
Verfügbare Kapazitäten 750, 500, 320, 250 GB
Schnittstelle SATA 6 Gbit/s
Sektorgröße 4096 Byte (4K)
Cache 32 MB
Umdrehungsgeschwindigkeit 7200 U/m
Flash-Speicher 8 GB (SLC-NAND)

Herstellergarantie 5 Jahre
Lieferumfang -

 


Die Momentus XT ist im 2,5-Zoll-Formfaktor gehalten und bringt in der aktuellen Ausführung eine Kapazität von 750 GB (verteilt auf 2 Platter zu je 375 GB), mit sich. Die Umdrehungsgeschwindigkeit liegt bei 7200 Umdrehungen pro Minute, was natürlich für höhere Datenraten, bessere Zugriffszeiten aber auch erhöhte Wärmeentwicklung sorgt. Der Cache ist mit 32 MB ausreichend dimensioniert.

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Zusätzlich befinden sich im Inneren noch insgesamt 8 GB Flash-Speicher (SLC-NAND), die für den eigentlichen Performance-Vorteil des Laufwerks sorgen sollen. Das vorherige Flaggschiff der Momentus-Serie hatte hier nur 4 GB. Die Verdopplung des schnellen Flash-Speichers hat natürlich zur Folge, dass deutlich mehr Daten für eine System/Anwendungsbeschleunigung dort gelagert werden können. Die SATA-Schnittstelle hat ebenfalls eine Aufwertung erhalten, sie ist mit den derzeit aktuellen 6 Gbit/s spezifiziert, aber selbstverständlich abwärtskompatibel zu älteren Anschlüssen. Die 750-GB-Version gesellt sich zu den weiteren verfügbaren Modellen mit 500, 320 und 250 GB.

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Der Flash-Speicher lässt sich vom Käufer nicht direkt benutzen, er ist nur über die integrierten Algorithmen zur Leistungsverbesserung adressierbar. Seagate benennt die Technik „FAST Factor“ (Flash-Assisted Storage Technology). Sie soll durch geschickte Datenauswahl und Lagerung auf dem Flash-Bereich zu einer deutlichen System- und Anwendungs-Beschleunigung führen. Das Prinzip ist einfach erklärt: Sobald Daten über deren Zugriffsmuster als wichtig erkannt werden, findet eine Lagerung auf dem schnellen SSD-Bereich statt. Erneute Zugriffe sind dann blitzschnell, da nicht erst von den Magnetscheiben gelesen werden muss.

Dabei werden über einen, auf den Namen "Adaptive Memory" getauften, Algorithmus im Controller die angefragten LBAs und Sektoren ständig überwacht. Die Zugriffsmuster werden dort analysiert und es wird eine hochgerechnete Bereitstellungszeit ermittelt. Liegt diese Zeit oberhalb einer definierten Grenze, werden die Daten in den Flash-Speicher kopiert. Die Erkennung von Dateien, die für den Systemstart verantwortlich sind, wurde laut Seagate im Vergleich zur vorherigen Momentus XT erneut verbessert, sodass niedrigere Boot-Zeiten viel schneller sichtbar sein sollen.

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Die auf den nächsten Seiten folgenden Benchmarks haben wir in aufsteigender Lauf-Reihenfolge aufgeführt, um die jeweilige Steigerung pro Lauf darzustellen und gleichzeitig sichtbar zu machen, wie schnell die Algorithmen eine Verbesserung herbeiführen können.


Hardware

Software / Treiber

Sonstige Einstellungen und Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke grundsätzlich an einem SATA-6 Gbit/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Entgegen unseres bisherigen Ablaufs, zufällige Schwankungen bei den Messungen über die Ermittlung des Mittelwerts zu minimieren, wurden hier alle Benchmark-Durchläufe einzeln aufgeführt.


Bei den Random-Access-Tests von HDTach und HDTune sieht man unmittelbar, wie die für gewöhnliche Festplatten bekannte Zugriffszeit von rund 15 ms im ersten Lauf in späteren Läufen in den SSD-Bereich unterhalb von 0,5 ms hinabschießt:

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Lese- und Schreibrate unter HDTach liegen, für eine 2,5-Zoll-Notebook-HDD, in einem sehr guten Bereich um 95 MB/s.

Während die IOPS im ersten HDTune-Lauf noch den typischen Festplatten-Ergebnissen entsprechen, konnte in den nachfolgenden Läufen eine Steigerung bis hin zum Faktor 67 (4 KB: 69 IOPS verglichen mit 4634 IOPS) gemessen werden:

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Die Transfer-Tests zur Lese- und Schreibrate bleiben dagegen unverändert, hier bringt der Flash-Speicher keinen Vorteil:

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Wer sich ein solches Hybrid-Laufwerk zulegt, wird vor allem an den realen Systembeschleunigungen interessiert sein, weshalb wir uns hier PCMark Vantage und PCMark 7 anschauen wollen, ebenso wie den Windows-7-Startvorgang. Zur Messung der Bootup-Zeiten haben wir das System von der VelociRaptor auf die Momentus XT transferiert und diese als Startlaufwerk angeschlossen. Anschließend wurde per Stoppuhr die Zeit zwischen händischem Einschalten des PCs (Drücken des Power-Knopfes) und Anzeige des Windows-7-Logon-Bildschirms gemessen. Dieses Prozedere wurde 5x nacheinander wiederholt, jedes mal wurde der PC nach Anzeige des Login-Screen wieder vollständig heruntergefahren.

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Obwohl die Hybrid-Technologie in der Momentus XT den Boot-Vorgang des Testsystems um rund 5 Sekunden beschleunigen kann, liegt sie damit nur ganz knapp unter der Zeit der VelociRaptor. Als Upgrade des Systemlaufwerks für Notebooks ist die Momentus XT aber eine greifbare Alternative, wenn der Speicherplatz einer echten SSD zu gering bzw. teuer ist. Gegen hochtourige Enterprise-Laufwerke hat aber auch die Hybrid-Festplatte keine Chance.

Unter PCMark Vantage ist eine signifikante Steigerung der Resultate festzustellen, gerade was den HDD-Bereich betrifft: Von 5285 Punkten im ersten Lauf konnten sich die Ergebnisse auf 13990 Punkte steigern, was einem Faktor von rund 2,6 entspricht, den die Momentus XT hier durch sinnvollen Einsatz des Flash-Speichers herausholen kann.

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Beim Secondary-Storage-Test (mit der Momentus XT als Testlaufwerk und der WD VelociRaptor als Systemlaufwerk) kann das Ergebnis immerhin um über 600 Punkte angehoben werden, wenn man den Unterschied zwischen Initiallauf und dem fünften Lauf betrachtet:

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Der Effekt, den die FAST-Algorithmen auf Anwendungen wie PCMark 7 haben, unterliegt allerdings einem zeitlichen Veränderungsprozess: Beim Einsatz der Momentus XT als System-Laufwerk zeigt sich die bisherige linear sichtbare Steigerung nur dann, wenn die Testläufe einen gewissen zeitlichen Abstand nicht überschritten haben. Unsere Tests zeigen deutlich, dass Seagates Technologie die Inhalte des Flash-Speicher über die Zeit invalidiert und länger unbenutzte Daten aussortiert:

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Während wir die ersten vier Läufe nahezu unmittelbar hinterinander gestartet hatten, haben wir das System vor dem fünften Lauf einige Zeit im Leerlauf belassen, jedoch nicht neugestartet und auch keine anderen Anwendungen ausgeführt. Es lief lediglich der Standard-Bildschirmschoner von Windows 7. Die Auswirkungen sind deutlich sichtbar: Die ersten vier Läufe zeigen ansteigende Werte, während die Ergebnisse beim fünften Lauf teilweise unter das Niveau des Erstlaufs abfallen. Insgesamt sind die Werte der Momentus XT aber sehr gut: Die im System befindliche VelociRaptor schafft unter PCMark 7 lediglich ein Ergebnis von 2750 Punkten.

Hinsichtlich der Temperaturentwicklung liegt die Momentus XT mit Werten zwischen 32 und 37 °C (ermittelt während der Benchmark-Läufe, bei einer Zimmertemperatur von 19 °C, mit Lagerung der HDD außerhalb des Gehäuses ohne aktive Belüftung) in einem guten Bereich.


Seagate bietet mit der neuen Version der Momentus XT eine attraktive Lösung für Notebooks und Desktop-Replacement-Systeme, deren Potential durch Standard-HDDs gehemmt wird, aber deren Speicherplatz-Anforderungen eine SSD sprengen. Die Momentus XT bildet einen ausgezeichneten Querschnitt zwischen Leistung, verfügbarem Speicherplatz und Preis. Gerade bei sich wiederholenden Anwendungsszenarien kann die Hybrid-Festplatte ihre Vorteile ausspielen und gegenüber konventionellen Konkurrenz-Magnetplatten Boden gut machen. Selbst Enterprise-HDDs wie die VelociRaptor können in einigen Benchmarks geschlagen werden. Dabei muss aber auch gesagt werden, dass den Momentus XT nicht an die Leistungen aktueller SSDs heranreicht. Allen herkömmlichen Festplatten aus dem mobilen 2,5-Zoll-Segment ist sie durch ihren Flash-Zusatz jedoch deutlich überlegen.

Seagate Momentus XT
Modellbezeichnung ST750LX003
Straßenpreis ab 127 €
Homepage www.seagate.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller) 750 GB (2 Platter)
Kapazität (formatiert) 698 GiB
Verfügbare Kapazitäten 750, 500, 320, 250 GB
Schnittstelle SATA 6 Gbit/s
Sektorgröße 4096 Byte (4K)
Cache 32 MB
Umdrehungsgeschwindigkeit 7200 U/m
Flash-Speicher 8 GB (SLC-NAND)

Herstellergarantie 5 Jahre
Lieferumfang -


In den Benchmarks konnten sowohl synthetische Leistungsverbesserungen gezeigt werden, ebenso wie Steigerungen bei realen Anwendungsszenarien. Wir haben ein deutliches Plus in den beiden Futuremark-Suiten messen können, wie auch beim Boot-Vorgang. Da bereits bei der zweiten bis dritten Anwendung Zuwächse festgestellt werden konnten und insgesamt 8 GB als Zwischenspeicher bereitstehen, können zahlreiche Anwendungen ohne Zutun des Käufers automatisch profitieren.

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Es bleibt allerdings festzuhalten, dass die Leistungszuwächse gewissen Beschränkungen unterliegen und gerade bei vielschichtigen Nutzungsszenarien mit hohem variablen Datenvolumen marginal ausfallen können. Die Momentus XT kann einem System zu einem anwendungs-spezifischen Leistungszuwachs verhelfen. Sie ist aber kein Allheilmittel und erst recht kein Konkurrent zu einer "echten" SSD. Dafür bietet sie aber deutlich mehr Platz und ist wesentlich günstiger.

excellent award

Positive Aspekte der Momentus XT:

Negative Aspekte der Momentus XT: