Test: RunCore Pro V 120 GB SSD mit mSATA-Interface

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teaserEine SSD lohnt sich bei nahezu jedem System – allerdings bietet nicht jedes Mainboard einen normalen SATA-Port, wie ihn praktisch alle SSDs besitzen. RunCore hat ein entsprechendes Nischenprodukt im Angebot: Die RunCore Pro V SSD gibt es auch mit einem mSATA-Interface, wie man es beispielsweise in manchen Notebooks oder speziellen Mainboards findet. Ansonsten wird auf bewährte Technik gesetzt: Beim Controller handelt es sich um den wohlbekannten SF-2281 von SandForce. Wie es um die Leistung der RunCore Pro V mSATA bestellt ist, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Das mSATA-Interface erfordert eine entsprechend kleine Bauform: Die eigentliche Platine ist mit vier Flash-Bausteinen bereits voll bestückt. Den Controller, welcher sich auf der Rückseite befindet, haben wir bereits ausführlich in einem früheren Artikel vorgestellt und diskutiert. Um die SSD auch an einem normalen SATA-Port betreiben zu können, legt RunCore außerdem einen entsprechenden Adapter bei.

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Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
RunCore Pro V 120 GB mSATA
Straßenpreis ab 339 Euro (120 GB, 19.12.2011)
Homepage www.runcore.com
Technische Daten
Formfaktor mSATA
Kapazität (lt. Hersteller)
120 GB
Kapazität (formatiert)
112 GiB
Verfügbare Kapazitäten
30, 60, 120 GB
Cache
nur intern
Controller SandForce SF-2281
Chipart MLC 
Lesen (lt. Hersteller)
550 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller)
470 MB/s

Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang mSATA-SATA-Adapter

testsys

Hardware

Software / Treiber

Sonstige Einstellungen und Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke grundsätzlich an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep und sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert.

Beginnend mit Version 10 des Intel Rapid-Storage-Treibers aktiviert die Installationsroutine desselben nun auch auf Desktop-Systemen ein auf Notebook-Systemen schon lange genutztes Feature. Die Rede ist vom sogenannten Link Power Management, kurz LPM, was (ein weiteres) Stromsparfeature ist. Die Kommunikation über den SATA-Link kann dabei vollständig eingestellt werden, sodass hier kein Strom mehr verbraucht wird.

Das Interessante daran? Mit aktiviertem LPM verlieren einige SSDs in manchen Bereichen einen vergleichsweise großen Teil ihrer Leistung. Betroffen sind davon vor allem SSDs, die nicht von Intel kommen. Böse Absicht? Nicht unbedingt, fehlendes Interesse der anderen Hersteller, die eigenen Produkte vollständig kompatibel mit LPM zu machen, könnte hier ebenfalls eine Rolle spielen.

Wann genau wird LPM nun aktiviert? Bei Notebook-Plattformen: Schon immer. Da hier allerdings alle Komponenten auf Strom sparen ausgelegt sind, war eine niedrigere Leistung von SSDs in Notebooks nie ein Thema. Bei Desktop-Plattformen wird LPM nur aktiviert, wenn ein RST-Treiber ab Version 10 auf einem frischen System installiert wird. War vorher schon eine ältere Version des RST-Treibers vorhanden, bleibt LPM deaktiviert. Da LPM bei Desktop-Systemen allerdings praktisch keinen Einfluss auf die Leistungsaufnahme hat, werden alle Benchmarks mit (manuell) deaktiviertem LPM durchgeführt.


Iometer ist ein recht universeller Benchmark, mit dessen Hilfe sich die Rohleistung eines Laufwerks mit nahezu allen erdenklichen Zugriffsmustern untersuchen lässt. In der aktuellen Version ist außerdem die Möglichkeit hinzugekommen, das Datenmuster auszuwählen. Von besonderem Interesse sind hier die Optionen „Repeating bytes“ und „Full random“. Die erste Option erzeugt immer die gleichen Datenmuster, sodass ein Controller diese Daten stark komprimieren kann. Das machen bei weitem nicht alle Controller, manche (z.B. SandForce) besitzen allerdings eine transparente Kompression und erreichen so, stark abhängig vom Datenmuster, eine höhere oder niedrigere Datenübertragungsrate. Die zweite Option erzeugt einen 16 MB großen Puffer mit Daten hoher Entropie, sodass eine Kompression sehr schwer (allerdings nicht komplett unmöglich) wird. Controller, die komprimieren, werden daher mit beiden Datenmustern getestet und die Ergebnisse mit der Einstellung „Full random“ entsprechend gekennzeichnet. Die Standardeinstellung ist „Repeating bytes“, so werden meistens auch die Herstellerangaben ermittelt.

Während die minimale Anfragetiefe (auch Queue Depth, kurz QD) von eins typisch für ein Desktopsystem ist (sie kann auch geringfügig höher sein, befindet sich jedoch meistens deutlich im einstelligen Bereich), zeigt der Test mit QD 64 das Maximum dessen, wozu die SSD imstande ist. Derart hohe Anfragetiefen erreicht man unter normalen Umständen allerdings nur in Mehrbenutzer- bzw. Serverumgebungen.

Der 4K-Test wird über einen Bereich von 8M logischen Sektoren (512 Byte) durchgeführt, der sequenzielle Test findet über die komplette Kapazität des Laufwerks statt.

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iometer_4k_write

iometer_4k_read_64

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iometer_seq_write

Insgesamt liefert die RunCore Pro V mSATA hier keine überragende Performance, zumindest gemessen an normalen SATA-SSDs. Dennoch sollte die gebotene Leistung für nahezu jedes System reichen. Lediglich die etwas niedrige sequenzielle Schreibrate könnte manche Nutzer stören.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller- und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

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as_ssd_4k_write

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as_ssd_seq_read

as_ssd_seq_write

Auch hier liefert die RunCore Pro V mSATA eine durchaus akzeptable Performance.

Der Kopierbenchmark gibt Aufschluss darüber, wie schnell innerhalb des Laufwerks Daten kopiert werden können. Die verwendeten Muster entsprechen typischen Szenarien: ISO (zwei große Dateien), Programm (viele kleine Dateien), Spiel (große und kleine Dateien gemischt).

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as_copy_programm

as_copy_spiel

Aufgrund der niedrigen sequenziellen Transferraten fällt die RunCore Pro V leider auch beim Kopierbenchmark etwas zurück.


PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen werden. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

pcmark_7_total

pcmark_7_storage

pcmark_7_computation

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Genügend Leistung für alle Alltagsaufgaben bietet die RunCore Pro V mSATA auf jeden Fall.


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Die RunCore Pro V mSATA direkt mit anderen SATA-SSDs zu vergleichen wäre unfair, denn wer auf eine SSD mit mSATA-Interface angewiesen ist, hat schlichtweg nicht die Option auf eine herkömmliche SSD auszuweichen.

Die Performance der RunCore Pro V mSATA ist unter diesem Licht auf jeden Fall als gut zu bezeichnen, denn gerade bei den wichtigen zufälligen Zugriffen auf kleine Blöcke müssen keine wesentliche Abstriche gegenüber den „großen" Modelle gemacht werden. Bei hohen Anfragetiefen fällt sie zwar spürbar zurück, dies hat für Einbenutzer- bzw. Desktop-Systeme allerdings keine Relevanz, denn dort muss selten mehr als eine Anfrage gleichzeitig abgearbeitet werden.

Das größte Problem kann unter Umständen die sequenzielle Schreibrate darstellen. Wer häufig mit großen Dateien arbeitet (mehrere GB) wird an dieser Stelle merken, dass der RunCore Pro V mSATA hier etwas die Puste ausgeht. Doch wer auf ein mSATA-Interface angewiesen ist, hat hier wie gesagt kaum andere Optionen. Das recht exotische Interface möchte man des Weiteren auch gut bezahlt haben: Für das 120 GB-Modell werden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels 339 Euro fällig. Vergleichbare SATA-SSDs sind bereits für um die 130 Euro erhältlich.

Positive Aspekte der RunCore Pro V mSATA:

Negative Aspekte der RunCore Pro V mSATA:

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