Test: OCZ RevoDrive Hybrid 1 TB – PCIe-Laufwerk mit Festplatte und SSD-Cache

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teaserDas Konzept des RevoDrive gibt es bei OCZ nun schon eine ganze Weile. Dabei handelt es sich stets um eine PCIe-Erweiterungskarte, auf welcher mehrere SSDs direkt aufgelötet und zu einem RAID 0 zusammengeschaltet sind. Für den Benutzer bedeutet das wenig(er) Verkabelungs- und Konfigurationsaufwand. Beim RevoDrive mit dem Zusatz „Hybrid" wurde diese Idee nun weiterentwickelt: Auf der Platine des RevoDrive Hybrid findet man neben dem Flash-Speicher nun auch noch eine klassische Festplatte. Die SSDs (in diesem Fall zwei) dienen als Cache und sollen den Zugriff auf häufig genutzte Dateien beschleunigen. Vor- und Nachteile dieser Technik beleuchten wir im folgenden Artikel.

Prinzipiell neu ist die Idee „langsame Festplatte kombiniert mit schnellem SSD-Cache" nicht. Seagate bietet mit der Momentus-XT-Festplatte schon eine ganze Weile eine 2,5-Zoll-Festplatte mit integriertem Cache an. Dieser ist allerdings nur 4 GB groß, was die Effektivität natürlich stark einschränkt. Dafür lässt sich dieses Laufwerk aufgrund der Standardgröße auch in Notebooks verwenden. Intel bietet auf Mainboards mit Z68-Chipsatz eine ähnliche Technologie, hierbei lassen sich beliebige SSDs als Cache-Laufwerk einsetzen. Doch auch hier gibt es einen großen Nachteil, denn man ist an die Z68-Plattform gebunden.

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Das OCZ RevoDrive Hybrid funktioniert unabhängig von der Plattform (allerdings nicht unabhängig vom Betriebssystem, dazu später mehr) und bietet mit einer 100 GB großen SSD auch genügend Speicherplatz, um zahlreiche Daten zu cachen. Insgesamt stellt das RevoDrive Hybrid eine Kapazität von 1 TB zur Verfügung, was der Kapazität der auf dem RevoDrive Hybrid verwendeten Festplatte entspricht.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
OCZ RevoDrive Hybrid
Straßenpreis ab 393 Euro (1000 GB, 22.10.11)
Homepage www.ocztechnology.com
Technische Daten
Formfaktor PCIe (Dual-Slot)
Kapazität (lt. Hersteller)
1000 GB
Kapazität (formatiert)
931 GiB
Verfügbare Kapazitäten
1000 GB
Cache
100 GB SSD-Cache
Controller SSD-Cache: 2x SF-2281
Chipart MLC-NAND (asynchron)
Lesen (lt. Hersteller)
910 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller)
810 MB/s

Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang -

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Da der Festplatten-Aufsatz des RevoDrive Hybrid recht viel Platz benötigt, belegt das Laufwerk insgesamt zwei Steckplätze. Der Originalaufkleber der Festplatte wurde zwar teilweise durch einen „RevoDrive Hybrid"-Aufkleber verdeckt, startet man jedoch den Rechner und installiert den passenden Treiber, findet man im Gerätemanager zwei zusätzliche Laufwerke: „OCZ-CACHE-RVHY" und „Toshiba MK1059GS". Bei letzterem handelt es sich um die Festplatte, deren Scheiben mit 5400 U/min drehen. Die Festplatte stellt eine Kapazität von 1 TB (nutzbar 931 GiB) zur Verfügung.

Schauen wir uns den SSD-Teil des RevoDrive Hybrid an, finden wir zwei SandForce SF-2281-Controller, die insgesamt 16 MLC-Flash-Chips über ein asynchrones Interface ansteuern. Da beide Laufwerke zu einem RAID 0 zusammengeschaltet sind, ergeben sich so auch die hohen Herstellerangaben von 910 MB/s lesen und 810 MB/s schreiben. Diese werden jedoch nur für maximal komprimierbare Daten erreicht, welchen man im Alltag selten bis nie begegnen dürfte. Entsprechend irrelevant sind die genannten Transferraten für den Alltag.

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Möchte man das RevoDrive Hybrid in Betrieb nehmen, gibt es zwei Möglichkeiten: Eine frische Windows-Installation, wobei während des Setups der Treiber des RevoDrive Hybrid geladen werden muss. Das System muss dann auf die Festplatte des RevoDrive Hybrid installiert werden. Möchte man allerdings mit einer bestehenden Installation umziehen, startet man zuerst das System vom bestehenden Laufwerk und installiert dort den Treiber für das RevoDrive Hybrid. Danach kann das System mit einer entsprechenden Software (z.B. Acronis TrueImage) auf die Festplatte des RevoDrive Hybrid geklont werden. Klont man das System ohne den Treiber zu installieren, wird das Betriebssystem danach nicht mehr starten.

Hat man das System auf die Festplatte des RevoDrive Hybrid installiert (oder geklont), fehlt noch ein letzter Schritt, um das Laufwerk vollständig nutzen zu können: die Installation der sogenannten Dataplex-Software. Diese kümmert sich um das Cachen von häufig genutzten Daten. Das Caching findet dabei nicht auf Datei-, sondern auf Sektorbasis statt. Es ist also möglich, dass von einer mehreren Gigabyte großen Datei nur wenige Megabyte auf dem SSD-Cache gespeichert werden. Hier offenbart sich auch gleich ein Nachteil: Da das Caching in Software gelöst ist, funktioniert es nur, wenn das verwendete Betriebssystem unterstützt wird. Eine Hardware-Lösung wäre hier deutlich eleganter gewesen. Damit man die Dataplex-Software verwenden kann, muss man sich außerdem auf der OCZ-Homepage registrieren. Während der Installation der Software ist eine Internetverbindung notwendig, damit sich die Software (online) aktivieren lässt. Werden mehr als zwei Hardwarekomponenten geändert, ist eine erneute Aktivierung notwendig. Soll das Betriebssystem neu installiert werden, muss die Lizenz zuerst deaktiviert werden. OCZ begründet dieses Vorgehen mit dem Eindämmen von Raubkopien. Ob eine derart starke Gängelung allerdings wirklich notwendig ist, kann bezweifelt werden.

Der volle Funktionsumfang des RevoDrive Hybrid lässt sich nur nutzen, wenn es als Systemlaufwerk genutzt wird. Als sekundäres Laufwerk kann man zwar auf die Festplatte und SSD (getrennt) zugreifen, die Cache-Funktion lässt sich dann allerdings nicht verwenden. Wird das RevoDrive Hybrid als Systemlaufwerk eingesetzt, kann man, wenn ein anderes Betriebssystem gestartet wird, außerdem nicht auf die Daten des RevoDrive zugreifen (weder Festplatte noch SSD).

Da es sich bei der Festplatte um ein 2,5-Zoll-Modell mit 5400 U/min handelt, geht sie entsprechend gemächlich zu Werke: Beim Schreiben (direkt auf die Festplatte) werden durchschnittlich 62 MB/s erreicht, beim Lesen sind es 75 MB/s. Da der Cache mit 100 GB allerdings recht groß ist, sollten diese niedrigen Transferraten selten ins Gewicht fallen. Da die SSD(s) mit asynchronem Flash arbeiten, fallen auch ihre Transferraten vergleichsweise gering aus, das RAID 0 kompensiert die Nachteile des langsameren Flashs natürlich teilweise. Anzumerken ist, dass die sequenzielle Schreibleistung des SSD-Arrays auf bis zu 55 MB/s fallen kann. Dies ist jedoch der Worst Case nach sehr starker Belastung und mit inkompressiblen Daten und daher für den Alltag auch nicht wirklich relevant.

Es ist natürlich sehr schwer, die Leistung einer Cache-Lösung wie dieser zu beurteilen. Für Daten, die auf der SSD liegen, wird die Leistung SSD-typisch sehr hoch sein, für Daten, die von der Festplatte geholt werden müssen, wird die Leistung eher unbefriedigend sein, da es sich um eine ohnehin nicht sehr schnelle Notebook-Festplatte handelt. Auf der folgenden Seite wurde mit AS SSD die Leistung des RevoDrive Hybrid in zwei Fällen gemessen: Zum einen wurde nur die Performance der SSD gemessen (RevoDrive als sekundäres Laufwerk), zum anderen wurde die Performance des RevoDrive Hybrid als Systemlaufwerk getestet, d.h. mit aktiviertem Caching. Der PCMark 7 Test auf der übernächsten Seite wurde ebenfalls für zwei Fälle durchgeführt: Zum einen nur auf der Festplatte des RevoDrive Hybrid (Caching deaktiviert bzw. ohne installierte Dataplex-Software) und zum anderen mit aktiviertem Caching (drei Durchläufe).

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Das RevoDrive Hybrid zieht durch seine Beleuchtung einige Aufmerksamkeit auf sich. In einem normalen ATX-Gehäuse zeigt die Festplatte allerdings nach unten.


testsys

Hardware

Software / Treiber

Sonstige Einstellungen und Anmerkungen

Sofern nicht anders angegeben, werden alle Laufwerke grundsätzlich an einem SATA-6 Gb/s-Port des P67-Chipsatzes getestet. Um zufällige Schwankungen bei den Messungen zu minimieren, wurden im BIOS SpeedStep und sämtliche C-States sowie der Turbo-Modus deaktiviert.

Beginnend mit Version 10 des Intel Rapid-Storage-Treibers aktiviert die Installationsroutine desselben nun auch auf Desktop-Systemen ein auf Notebook-Systemen schon lange genutztes Feature. Die Rede ist vom sogenannten Link Power Management, kurz LPM, was (ein weiteres) Stromsparfeature ist. Die Kommunikation über den SATA-Link kann dabei vollständig eingestellt werden, sodass hier kein Strom mehr verbraucht wird.

Das Interessante daran? Mit aktiviertem LPM verlieren einige SSDs in manchen Bereichen einen vergleichsweise großen Teil ihrer Leistung. Betroffen sind davon vor allem SSDs, die nicht von Intel kommen. Böse Absicht? Nicht unbedingt, fehlendes Interesse der anderen Hersteller, die eigenen Produkte vollständig kompatibel mit LPM zu machen, könnte hier ebenfalls eine Rolle spielen.

Wann genau wird LPM nun aktiviert? Bei Notebook-Plattformen: schon immer. Da hier allerdings alle Komponenten auf Strom sparen ausgelegt sind, war eine niedrigere Leistung von SSDs in Notebooks nie ein Thema. Bei Desktop-Plattformen wird LPM nur aktiviert, wenn ein RST-Treiber ab Version 10 auf einem frischen System installiert wird. War vorher schon eine ältere Version des RST-Treibers vorhanden, bleibt LPM deaktiviert. Da LPM bei Desktop-Systemen allerdings praktisch keinen Einfluss auf die Leistungsaufnahme hat, werden alle Benchmarks mit (manuell) deaktiviertem LPM durchgeführt.


Der AS SSD Benchmark wurde, wie der Name vermuten lässt, speziell für SSDs entwickelt. Es werden komplett inkompressible Daten verwendet, sodass dieser Benchmark für komprimierende Controller praktisch ein Worst-Case-Szenario darstellt. Sequenzieller und 4K-Test finden bei einer Queue Depth von eins statt. Für Desktopsysteme ist auch hier wieder der 4K-Test mit QD 1 am wichtigsten, wohingegen der Test mit QD 64 wieder das Maximum (mit aktiviertem NCQ) zeigt.

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Auffällig ist, dass bei sequenziellen Operationen trotz des RAID 0 nur vergleichsweise niedrige Transferraten erzielt werden. Das ist offenbar der Verwendung von asynchronem Flash-Speicher zuzuschreiben.

PCMark 7 ist der direkte Nachfolger der älteren Vantage-Version und ist, wie der Name bereits vermuten lässt, auf die Verwendnung mit Windows 7 optimiert. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Benchmarks in andere Kategorien eingeteilt, wobei, abgesehen vom Storage-Benchmark, alle Tests wieder die reale Leistung des Systems ermitteln, indem neben der SSD (oder HDD) alle anderen Komponenten des Systems (CPU, Arbeitsspeicher, Grafikkarte) ebenfalls in die Tests mit einbezogen weren. Wer an allen Einzelheiten interessiert ist, dem sei das umfangreiche PCMark 7 Whitepaper (PDF) als Lektüre empfohlen.

Erfreulicherweise hat die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zur Vorgängerversion enorm zugenommen, so unterscheiden sich die Punktzahlen bei mehreren Durchläufen fast immer um weniger als 0,5%. Dadurch ist es nun deutlich einfacher, Performance-Unterschiede zwischen mehreren SSDs auszumachen, die nicht nur einer Messschwankung geschuldet sind.

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Ohne aktivierten Cache ist die Leistung erwartungsgemäß sehr schlecht, schließlich arbeitet in diesem Fall auch nur eine Notebook-Festplatte mit 5400 U/min. Mit aktiviertem SSD-Cache sieht man schließlich eine SSD-typische Performance. Solange Daten im Cache liegen, sollte man also keinen Unterschied zwischen dem RevoDrive Hybrid und einer reinen SSD spüren.


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Das RevoDrive Hybrid ist ohne Frage ein innovatives Produkt. Das größte Manko ist jedoch das lediglich in Software gelöste Caching. So ist man zum einen abhängig vom Support des Herstellers, was die Unterstützung von verschiedenen/neuen Betriebssystemen angeht. Zum anderen kann das strenge DRM der notwendigen Dataplex-Software in Form von Online-Aktivierungszwang und notwendiger Deaktivierung der Lizenz bei Neuinstallation durchaus als störend empfunden werden.

Für knapp 400 Euro wechselt das RevoDrive Hybrid den Besitzer. Dafür erhält man eine 1 TB große Festplatte samt 100 GB Cache-SSD. Eine 1 TB Festplatte ist (im 3,5-Zoll-Format) bereits für gut 40 Euro zu haben. Kauft man sich beispielsweise noch eine 256 GB große Crucial m4 SSD, hat man insgesamt um die 350 Euro ausgegeben, liegt also noch unter dem Preis des RevoDrive Hybrid und besitzt eine mehr als doppelt so große SSD. Dieser Vergleich hinkt natürlich etwas, denn kauft man sich Festplatte und SSD einzeln, muss man natürlich auf das automatische Cachen von häufig genutzten Daten verzichten. Andererseits sollte es auch kein Problem sein, die Daten per Hand aufzuteilen: Auf einer 256 GB großen SSD finden das Betriebssystem, wichtige Programme und sogar einige Spiele problemlos Platz. Daten, die keine hohe Datenträgergeschwindigkeit benötigen, wie z.B. eine Musiksammlung, speichert man auf der Festplatte.

Für gecachte Daten ist die Leistung des RevoDrive Hybrid erwartungsgemäß auf SSD-Niveau. Werden Daten zum ersten Mal verwendet, ist die Leistung natürlich deutlich geringer. Wie häufig man es spürt, dass Daten nicht gecacht sind, konnte in diesem Test leider nicht untersucht werden, denn das Laufwerk stand uns leider nicht lange genug zur Verfügung. Zum anderen ist dies natürlich auch vom Nutzungsmuster abhängig. Wer weniger als 100 GB an Daten häufig verwendet, wird immer vom SSD-Cache profitieren.

Letztendlich muss hier also jeder selbst entscheiden, ob maximale Flexibilität und Kontrolle im Vordergrund stehen (HDD + SSD mit manueller Aufteilung der Daten) oder maximaler Komfort (RevoDrive Hybrid mit automatischem Caching).

Positive Aspekte des OCZ RevoDrive Hybrid:

Negative Aspekte des OCZ RevoDrive Hybrid:

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