Test: WD MyBook Live mit "Personal Cloud"

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wdmybook_teaserDie erfolgreiche „MyBook“-Serie vom renommierten Festplatten-Hersteller Western Digital hat einen Neuzugang bekommen: Das MyBook Live. Passend zur allgegenwärtigen „Cloudifizierung“ jeglicher Datenbestände bewirbt auch WD das MyBook Live im Zusammenspiel mit einigen mobilen Apps als „Personal Cloud“. Im Gegensatz zu den anderen MyBooks ist es nämlich mit einem Gigabit-Ethernet-Port ausgestattet und als reines Netzwerkgerät konzipiert. Wir haben uns das neue MyBook natürlich direkt geschnappt, um es unter die Lupe zu nehmen.

 

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Das Buzzword „Cloud“ ist scheinbar überall: Speicherplatz, Daten, Anwendungen: Alles ist bzw. soll über kurz oder lang in der Cloud überall verfügbar sein. Soweit jedenfalls die Theorie und die Wünsche der Anbieter, doch die Technologie steht erst in den Kinderschuhen, und zahlreiche offene Fragen (gerade in Bezug auf Datenschutz) verbleiben noch ungeklärt. Bis es also soweit ist, kann und darf jeder noch selbst Herr über seine Daten sein. WD springt genau hier auf den Zug auf und bietet mit dem MyBook Live die bekannte „MyBook“-Serie als Netzwerk-Speichergerät an:

Eckdaten:WD MyBook Live
Hersteller: Western Digital
Website: www.wdc.com
Netzwerk: 1x 1 Gigabit
Festplatte: 1 - 3 TB (HDD: Caviar Green, 5400 rpm)
Ausmaße: 167 x 139 x 50 mm
Anschlüsse: 1x RJ-45 (Gigabit)
Gewicht: 1,06 kg
Besonderheiten Apps für Remote-Zugriff ("Personal Cloud")
Preis: 97 Euro

Wie man hier bereits sehen kann, muss sich die Hardware des MyBook Live nicht verstecken: Der Gigabit-Port erscheint auf den ersten Eindruck als ausreichend dimensioniert, spannend bleibt die spätere Messung der tatsächlich erreichbaren Durchsatzrate. Auch die vom Hersteller bereitgestellten Apps verheißen ein solides Terrain für die eigene Anwendung der „Personal Cloud“. Doch was genau steckt eigentlich dahinter? Die nächsten Seiten werden dies klären.


Ein Netzwerk-Speicher erfüllt in erster Linie die Absicht, die vorhandenen Daten zentral an einem Punkt im Netz vom lokalen PC zu entkoppeln und dabei ggf. mehrere Anwender parallel daran teilhaben zu lassen. Bild- und Videoarchive sind dabei ähnlich weit verbreitet wie Musik- oder unsortierte Datensammlungen. Alternativ lassen sich Netzwerk-Boxen auch zu Backup-Zwecken nutzen. Gerade bei Boxen mit einzelnen Festplatten sollte man sich aber vorher tunlichst Gedanken darüber machen, wie wichtig die darauf gespeicherten Daten sind. Ein Festplattenausfall kann hier genauso katastrophale Konsequenzen haben wie im normalen PC.

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Unser Testexemplar des WD MyBook Live ist mit einer 1-TB-HDD ausgestattet, wobei der Hersteller entsprechend höher dimensionierte Modelle mit 2 und auch 3 TB anbietet. Bis auf die unterschiedliche Kapazität ist der Ausstattungsumfang bei allen Modellen identisch: Neben dem eigentlichen MyBook Live erhält der Käufer ein RJ-45-Kabel für das LAN sowie eine beiliegende CD und das Netzteil.

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Der verbaute Netzwerk-Port arbeitet mit Gigabit-Geschwindigkeit und bietet damit ausreichend Potential für eine adäquate Auslastung der Festplatte. Im Inneren werkelt ein Exemplar aus WDs hauseigener „Caviar Green“-Serie: Es handelt sich dabei um ein SATAII-Modell, die Umdrehungsgeschwindigkeit liegt bei 5400 rpm, während unterstützend ein Cache von 32 MB bereitsteht. Die gesamte interne Datenverarbeitung wird von einem Applied Micro APM82181-Prozessor (800 MHz) und 256 MB RAM gestemmt, mit zusätzlichen 512 KB Flash-Speicher. Um den Netzwerk-Part kümmert sich ein Broadcom BCM54610-Chip, der alle gängigen Datenraten bis inklusive 1 Gigabit/s unterstützt. Als Betriebssystem wird ein Debian-Linux eingesetzt. Über diverse Tricks ist es möglich, sich per SSH auf das MyBook Live einzuloggen: Hier muss entweder die Konfiguration exportiert und anschließend importiert (mit vorherigem Setzen von ssh_enable="enabled" in der Datei) werden. Alternativ (und einfacher) kann dies über ein semi-verstecktes UI erledigt werden, welches über http://MyBook-IP/UI/ssh im Webbrowser erreichbar ist.

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Der Funktionsumfang des MyBook Live ist sehr übersichtlich gehalten und äußerst einsteigerfreundlich. WD hat hier bewusst den Umfang auf gewisse Kern-Features im Rahmen des Multimedia-Bereichs eingegrenzt (UPnP, DLNA, iTunes-Support, TwonkyMedia-Server), sodass keinerlei Sonderfunktionen wie Download-Clients (wie Bittorrent o.ä.), Printserver, USB-Ports, Verschlüsselung oder erweiterte Management-Optionen (z.B. Nutzergruppen) integriert wurden. Ein Vergleich mit „echten“ NAS-Geräten von dort etablierten Herstellern wie Qnap oder Netgear erübrigt sich also, denn dies wäre mehr als unangebracht.


Die Installation geht schnell von der Hand, und das im Netz angeschlossene MyBook kann auf Wunsch direkt als Netzwerk-Laufwerk im Arbeitsplatz eingebunden werden. Dank einer integrierten Suchfunktion muss man weder nach Mac- oder IP-Adresse im Beipackzettel forschen. Aus dem anfänglichen Setup gelangt man auch direkt in die Admin-Weboberfläche zur erweiterten Konfiguration.

Zu Beginn unseres Praxistests haben wir erst einmal die Firmware auf die zum Testzeitpunkt aktuellste Version 02.02.02-020 angehoben. Dies konnte direkt aus dem Menü über Web-Update geschehen, ein manueller Download war nicht nötig.

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Die Konfiguration des MyBook Live erfolgt ausschließlich über ein Web-Interface per dortiger AJAX-Oberfläche. Die unterschiedlichen Optionen und Setup-Punkte sind dabei übersichtlich gegliedert und angesichts des überschaubaren Umfangs auch schnell zu erreichen und abgeschlossen. Griffige Erklärungen werden direkt per Mouseover-Anwahl angezeigt, ansonsten gibt WD entsprechende Hilfe-Links auf eigene Webseiten an. Die unterschiedlichen Screenshots zeigen sehr gut die einfache gehaltene Oberfläche, die den schnellen Einstieg und Inbetriebnahme ermöglicht.

Zusammen mit den unterschiedlichen MyBooks liefert WD den Kunden immer die SmartWare-Backup-Software als kostenloses Beiwerk. SmartWare ist dabei eine einfach zu bedienende Backup-Lösung, die mittels Ordnern bzw. Kategorien arbeitet. Besonders praktisch ist dabei die Visualisierung der Datenbestände: Entsprechend unterschiedlicher Dateikategorien (E-Mail, Testdokument, Bild, Video, etc.) wird angezeigt, wie viel Platz tatsächlich verbraucht wurde und welcher Umfang davon auf dem angeschlossenen MyBook gesichert ist.

Die Apps:

WD bietet insgesamt zwei (drei, wenn man die kostenpflichtige Pro-Version gesondert zählt) Apps zur mobilen Nutzung des MyBook Live an. Diese können von Android-basierten Smartphones/Tablets oder den iOS-Pendants von Apple im jeweiligen App-Store/Marketplace heruntergeladen werden. Anhand dieser Apps ist ein Remote-Zugriff auf das lokale MyBook von überall aus möglich (Internet-Anschluss beidseitig vorausgesetzt). Die Verbindung erfolgt dabei per UPnP IGD als direkte Peer-to-Peer-Verbindung zwischen Mobilgerät und MyBook Live. Sofern dies vom lokalen Router (meistens aus Sicherheitsgründen) geblockt wird, wird über WDs DataCenter-Server eine Relaisverbindung aufgebaut. WD hebt dabei hervor, dass es sich hierbei um eine standardisierte und abgesicherte OpenVPN-Verbindung im Zusammenhang mit Nutzung von WebDAV handelt. Im Endeffekt werden die Daten mittels SSL (über https) anhand AES-128  gesichert übertragen. Sämtliche Daten des MyBook werden auch nur lokal abgelegt, es findet keinerlei Transfer auf WD-Server (Clouds) etc. statt.

Nachdem die App auf dem jeweiligen Mobilgerät installiert ist, muss man sich innerhalb der MyBook-Konfiguration einen 12-stelligen (3x4 Zahlen) Codeblock generieren lassen. Dabei gilt es zu beachten, dass der Zugriffscode auf einen im MyBook erstellten Benutzernamen gültig ist. Legt man also einen Code mit dem Admin-User an, wird dieser Benutzer für die Remoteverbindung genommen und erbt all dessen Rechte. Der eigentliche Code muss anschließend in der App des Mobilgeräts eingegeben werden, damit ein Zugriff möglich ist. In der MyBook-Weboberfläche wird das Mobilgerät dann als gestatteter Remotezugriff angezeigt. Von dort lässt sich dieser Zugriff ebenfalls wieder sperren.

WD Photos

Die App “WD Photos” dient in erster Linie dazu, vorhandenes Bildmaterial gespeichert auf dem MyBook auf Smartphones oder Tablets anzeigen zu lassen. Zusätzlich kann man aber sehr wohl auch dorthin speichern, sodass das MyBook als extern verfügbarer Datenkontainer angesehen werden kann. Die App von WD ist recht universell gehalten und kostenfrei verfügbar, sowohl in Apples AppStore als auch im Android Marketplace.

Um ein komfortables Browsing zu ermöglichen, gibt es innerhalb der App unterschiedliche Sichten auf die Daten: Einmal wäre dort die klassische Ordneransicht, genauso gibt es aber Datums- und Schlüsselwort-basierte Suchmasken. Sämtliche Bilder können dabei über die App auch direkt zu Facebook geladen oder ganz klassisch per Mail verschickt werden.

In unserem Test funktionierte alles tadellos, die Zugriffsberechtigung war innerhalb weniger Sekunden eingerichtet und auch das Anzeigen von Bildern oder Videos war kein Problem.

WD 2go

Die zweite App hört auf den Namen „WD 2 go“ und ist neben der normalen Variante auch noch als „Pro“-App zu finden. Im Wesentlichen ist die Anwendung für Tablets wie bspw. das iPad konzipiert, da vor allem gängige Datentypen wie Word-Dokumente, Excel-Tabellen, Powerpoint-Folien oder Keynote-Dateien unterstützt werden. Mittels der App kann man die Dateien auf dem MyBook sichten und anzeigen lassen, ebenso wie darauf speichern.

In der „Pro“-Version stehen zusätzliche Funktionen wie Synchronisation, Passcode-Sperre und Zugang für Drittanbieter-Apps zur Auswahl, sodass sich Dateien nicht von überall aus bearbeiten lassen, sondern auch verteilbar bzw. ausdruckbar sind. Über die Synch-Funktion lassen sich dabei nicht nur Bestände angleichen, sondern es wird (speicherplatzabhängig) auch ein Offline-Zugriff ermöglicht, indem die Daten auf das mobile Gerät kopiert werden. Im App-Store kostet die WD2go Pro derzeit 2,39 Euro. WD2go muss genauso wie WD Photos mit einem einmaligen Zugriffscode für das jeweilige Gerät freigeschaltet werden.

Der Nutzen der Pro-App hängt hauptsächlich davon ab, für welche Zwecke man das Mobilgerät einsetzt: Auf Smartphones gestaltet sich die Nutzung von Folien/Sheets oder Test-Dokumenten eher mühselig, während sich dies auf Tablets zu Präsentationszwecken schon deutlich sinnvoller gestaltet.


Zur Messung des Schreib-Durchsatzes haben wir ein größeres Urlaubsvideo von 7,8 Gigabyte auf das MyBook transferiert und dies anschließend (Lese-Messung) wieder von dort auf den lokalen PC kopiert. Alle Netzwerk-Komponenten waren im 1-Gbit/s-Standardbetrieb (keine Jumboframes etc.) konfiguriert. Der eingesetzte PC bestand aus einem Intel Core i7 870 (4x 2,93 GHz) mit 12 GB DDR3-RAM (1333 MHz) und einer G.Skill Falcon als verwendete SSD für die Datentransfers. Als Betriebssystem kam Windows 7 Professional (64 Bit) zum Einsatz.

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Berücksichtigt man die Tatsache, dass es sich hier „nur“ um ein 1-HDD-Gerät handelt, ist das MyBook Live äußerst flott unterwegs. Datenraten in dieser Größenordnung konnten wir in der Vergangenheit bei Einstiegs-Boxen nur selten feststellen.

Der Stromverbrauch:

Das MyBook Live verhält sich während des Betriebs äußerst sparsam: Rund 10 Watt benötigt unser Exemplar bei normaler Benutzung (Lesen bzw. Schreiben). Sobald der Energiesparmodus nach Überschreitung des gesetzten Inaktivitätslimits anspringt, fährt die Festplatte herunter, sodass nur noch rund 3 bis 4 Watt verbraucht werden. Dieser niedrige Verbrauch ist zum einen dem lüfterlosen Design geschuldet und zum anderen dem Einsatz der ohnehin sparsamen „Caviar Green“-Boliden. Dementsprechend arbeitet das MyBook Live auch fast geräuschlos, wenn man die Zugriffsgeräusche der Festplatte außen vor lässt. Diese äußern sich aber auch nur in nächster Nähe bei sonst stillem Umfeld.

Betreibt man das MyBook Live als Dauerläufer rund um die Uhr (24x7x365), so fallen beim obig genannten Leerlaufverbrauch etwa 8,7 Euro an jährlichen Stromkosten an (gerechnet mit 4 Watt bei 25 Cent pro KW/h). In diesem Zusammenhang ist es schade, dass WD hier kein Wake on LAN ermöglicht. Fährt man das MyBook Live einmal über das Web-Menü herunter, muss man händisch den Stromstecker trennen und erneut verbinden, da auch kein dedizierter Ein/Aus-Schalter verbaut wurde.


Angesichts der gebotenen Funktionen und der preislichen Positionierung des Geräts am Markt hat WD mit dem MyBook Live einen erstklassigen Querschnitt zwischen nützlichen Multimedia-Features und einfachem Handling gefunden. Die kleine Box erfüllt die an sie gestellten Anforderungen hervorragend und eignet sich damit in erster Linie für Nutzer, die auf unkomplizierte Art und Weise ihre Multimedia-Inhalte nicht nur im lokalen Netz universell verfügbar machen wollen.

Die zusätzlich bereitgestellten Apps stellen einen deutlichen Mehrwert dar, da die Daten auf Wunsch auch unterwegs auf eigenen Mobilgeräten wie Smartphones oder Tablets verfügbar gemacht werden können. Das einfache Bedienkonzept erleichtert dabei Inbetriebnahme und Benutzung gleichermaßen.

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Doch das MyBook Live hat auch noch mit einigen Kleinigkeiten zu kämpfen: Genannt sei hier der fehlende Ein/Aus-Schalter, ebenso wie der Verzicht auf Wake on LAN. Schade ist auch, dass kein USB-Port für weitere Datenträger verbaut wurde. Ein nachträgliches Speicher-Upgrade durch Anschluss von weiteren externen Speichern ist damit nicht möglich.

Insgesamt stellt das WD MyBook Live ein gelungenes und durchdachtes Einstiegs-NAS dar. Eine einfache Bedienung steht hier im Vordergrund, wobei bewusst auf ein exzessives Setup und weitverzweigte Optionsmenüs verzichtet wurde. Wer also einen flotten Netzwerkspeicher mit einigen Zusatzoptionen betreiben möchte, ist bei WDs MyBook Live sehr gut aufgehoben. Gerade im Bereich Multimedia-Sharing setzt WD sowohl lokal als auch im Mobilsektor deutliche Akzente.

Positive Aspekte des MyBook Live:

Negative Aspekte des MyBook Live:

Weitere Informationen: