Test: Kingston SSDNow V100 128 GB mit JMF618-Controller

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teaserEine SSD mit JMicrons JMF618-Controller haben wir schon mal genauer unter die Lupe genommen, damals handelte es sich um die Kingston SSDNow V G2. Nun haben wir wieder eine SSD mit JMF618-Controller und auch dieses mal stammt sie von Kingston, es handelt sich um die Kingston SSDNow V100 128 GB. Dem JMF618-Controller gelingt es nicht, sich an der absoluten Leistungsspitze einen Platz zu sichern, trotzdem hat er eine Daseinsberechtigung. Besonders wenn das Gesamtpaket stimmt, also Preis und Lieferumfang, kann man durchaus eine Empfehlung aussprechen. Ob das bei der Kingston SSDNow V100 der Fall ist, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Der JMF618 gehört zur aktuellen Controller-Serie der Firma JMicron. Dazu gehört noch der JMF612, der im Prinzip identisch zum JMF618 ist. Der einzige Unterschied: Der JMF618 trägt einen Toshiba-Schriftzug und läuft nur mit Flash-Speicher der gleichnamigen Firma - oder ist zumindest besonders auf diesen abgestimmt. Der JMF612 kommt direkt von JMicron und wird zusammen mit Flash-Speicher von z.B. Samsung oder Intel auf eine Platine gelötet. Auf der Kingston SSDNow V100 kommt wie gesagt der JMF618 und dementsprechend auch MLC-Flash-Speicher von Toshiba zum Einsatz.

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Die Herstellerangaben wurden im Vergleich zur SSDNow V G2 stark angehoben. Während diese noch mit Transferraten von 200 bzw. 160 MB/s lesen/schreiben beworben wurde, verspricht Kingston für die SSDNow V100 nun 250 bzw. 230 MB/s. Wie wir jedoch wissen (sollten), sind die sequenziellen Transferraten für die gefühlte Leistung nicht sonderlich entscheidend. Wie es um die Leistung bei kleinen Blöcken aussieht und ob wir hier ebenfalls eine Verbesserung sehen werden, wird auf den folgenden Seiten untersucht.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Kingston SSDNow V100 Desktop Bundle 128GB
Straßenpreis ab 199 Euro (128 GB, 30.12.2010)
Homepage www.kingston.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller)
128 GB
Kapazität (formatiert)
119 GiB
Verfügbare Kapazitäten
64, 128, 256 GB
Cache
64 MB
Controller JMicron JMF618
Chipart MLC-NAND
Lesen (lt. Hersteller)
250 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller)
230 MB/s (64 GB: 145 MB/s)

Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang Desktop-Bundle:
Einbaurahmen, SATA-Strom-/Datenkabel, Acronis TrueImage HD
Notebook-Bundle:
Externes Gehäuse, USB-Datenkabel, Acronis TrueImage HD

Der Lieferumfang ist wie bei Kingston für das Desktop-Bundle üblich: Neben dem Laufwerk selbst wird ein Einbaurahmen für den 3,5-Zoll-Schacht sowie je ein SATA-Strom- und Datenkabel beigelegt. Zum Klonen eines bestehenden Systems auf das neue Laufwerk liegt außerdem eine bootfähige CD mit der Imaging-Software Acronis TrueImage HD bei. Alternativ bietet Kingston auch noch das Notebook-Bundle an, welches ebenfalls mit TrueImage HD kommt, wohingegen der Einbaurahmen und die SATA-Kabel durch ein externes Gehäuse für die SSD und ein passendes USB-Datenkabel ersetzt wurden.

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Wo ist nun also der technische Unterschied zur SSDNow V G2, die auf den gleichen Controller setzt? Der erste Unterschied ist offensichtlich: Das Platinendesign wurde deutlich geändert. Der Controller wurde um 45 Grad gedreht und der externe Cache ist auf die Rückseite der Platine verschwunden. An der Größe des Caches hat sich jedoch nichts geändert, diese beträgt bei beiden Laufwerken 64 MB und schöpft damit die maximal unterstützen 256 MB nicht aus. Die Typenbezeichnung des Controllers ist gleich geblieben, wohingegen sich die Bezeichnung der Flash-Chips geändert hat. Bei der SSDNow V G2 lautet diese TH58NVG6D2ETA20, bei der V100 TH58NVG6D2FTA20. Hierbei handelt es sich allerdings wahrscheinlich nur um eine neue Charge, der Ursprung des Leistungsunterschieds ist damit wohl in der Firmware zu suchen: Die Versionsnummer hat im Vergleich zur SSDNow V G2 einen Sprung von C091 auf D100 gemacht.

pcb_top
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Der TRIM-Befehl wurde einwandfrei implementiert. Nach starker Belastung bricht die SSDNow V100 nicht nennenswert ein und erholt sich wieder - sogar ohne TRIM - durch sequenzielle Schreibbefehle. Die beiden folgenden Screenshots zeigen die Leistung der SSD nach einem Secure Erase (oben) und nach erwähnter starker Belastung (unten).

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Hardware / Treiber

Software

Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: Zufälliges Lesen und Schreiben von 4K-Blöcken, wobei im Alltagsbetrieb verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auftreten.

Viele Herstellerangaben werden mit Iometer ermittelt, wir verwenden deshalb die gleichen (oder zumindest sehr ähnliche, je nach Hersteller) Einstellungen: 64 gleichzeitige Anfragen, 100% Random, Align on 4K. Aufpassen muss man aber, da Iometer mit Daten testet, die sehr gut komprimiert werden können (Null-Pattern). So erreichen SSDs mit SandForce (SF) Controller eine wesentlich höhere Leistung als bei inkompressiblen Daten. Die Ergebnisse der einzelnen Laufwerke lassen sich also nicht unbedingt eins zu eins vergleichen.

iometer_4k_align

Im Vergleich zur SSDNow V G2 haben die IOPS beim Schreiben deutlich zugenommen, während die Leserate ungefähr gleich geblieben ist. Schade, denn umgekehrt wäre es besser gewesen. Das insgesamt schlechte Abschneiden der SSDNow V100 liegt hier übrigens an der fehlenden NCQ-Unterstützung.


Der AS-SSD-Benchmark wurde von einem unserer Community-Mitglieder speziell für die Anwendung mit SSDs entwickelt (Link zum Forum). Getestet wird die sequenzielle Transferrate sowie die Transferrate bei 4K-Blöcken, jeweils mit einer und 64 gleichzeitigen Anfrage(n). AS SSD gibt einen guten Überblick über die Rohleistung einer SSD. Des Weiteren testet AS SSD mit Zufallsdaten, die naturgemäß nicht komprimierbar sind. Im Gegensatz zu Iometer, was für manche SSD der Best Case ist, ist AS SSD dementsprechend der Worst Case.

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as_ssd_4k

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Das sequenzielle Lesen und Schreiben von Daten gefällt der SSDNow V100 bzw. dem JMF618-Controller, hier werden fast alle anderen SSDs abgehängt. Schneller sind nur die RAID 0-Arrays und die Crucial C300 an einem SATA-6 Gb/s-Anschluss. Die 4K-Werte sind annehmbar, allerdings fällt die SSDNow V100 auch hier, wie schon beim Iometer-Test, bei mehreren gleichzeitigen Anfragen stark zurück, da die NCQ-Unterstützung fehlt. Die Anfragetiefen sind bei Desktop- bzw. Einzelbenutzersystemen allerdings nie besonders hoch (praktisch immer einstellig), sodass das fehlende NCQ nicht übermäßig negativ gewertet werden sollte.


Mit dem eingebauten Kopierbenchmark des AS SSD Tools wird nun die Kopierleistung des Laufwerks mit verschiedenen Profilen getestet: ISO, Programm und Spiel. Dieser Test gibt einen guten Anhaltspunkt für reale Anwendungen, wie z.B. das Entpacken eines Archives oder das Kopieren eines (großen) Ordners.

as_ssd_copy

Entsprechend der sequenziellen Transferraten ist auch die Kopierleistung auf einem hohen Niveau. Am schnellsten ist hier, abgesehen von einem RAID 0, aber immer noch die Samsung 470 Series mit dem neuen MAX-Controller.


Da herkömmliche Anwendungstests wie das Starten von Windows und/oder Programmen bei SSDs kaum nützlich sind (die Unterschiede würden sich häufig im Rahmen der Messtoleranz bewegen), testen wir hier die Anwendungsleistung mit Hilfe von PCMark Vantage, wobei eine ganze Reihe von verschiedenen Alltagsszenarien durchgespielt werden. Insbesondere werden bei allen bis auf einen Test auch die restlichen Komponenten (CPU, Arbeitsspeicher) mit einbezogen, sodass der Test wesentlich näher an der Realität ist als reine Tests der Datentransferleistung. Der HDD-Test bezieht sich schließlich wieder rein auf die Datenträgerleistung. Weitere Informationen zur Funktions- und Arbeitsweise von PCMark Vantage findet man bei Futuremark.

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Die Rohleistung der SSDNow V100 ist auf einem eher durchschnittlichem Niveau. Die Leistung ist aber trotzdem noch gut genug, um unser Testsystem ordentlich zu befeuern.


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Wie sieht es nun mit anfangs erwähntem Gesamtpaket aus?

Die Leistung ist für Desktop-Systeme und Einzelbenutzerumgebungen auf jeden Fall mehr als ausreichend. In einem Server sollte man diese SSD nicht einsetzen, aber für diesen Zweck wurde sie schließlich auch nicht entworfen. Der Lieferumfang ist größer als bei den meisten anderen Herstellern, zumal man noch zwischen dem Desktop- und Notebook-Bundle mit jeweils passenden Dreingaben wählen kann. Gerade für Notebooknutzer dürfte das externe Gehäuse äußerst praktisch sein, denn ansonsten wäre es reichlich aufwendig, ein bestehendes System von einem Laufwerk auf das andere zu klonen, bieten die meisten Laptops doch nur eine Einbaumöglichkeit für ein Laufwerk.

Möchte man den letzten Euro sparen, kann man das Laufwerk auch als Bulk-Version kaufen. Mit momentan (30.12.2010) etwa 1,45 Euro pro Gigabyte gehört die SSDNow V100 mit 128 GB dann zu den günstigsten Laufwerken, wobei man für das gleiche Geld auch schon Laufwerke mit SF-1200-Controller bekommt. Dieser bietet deutlich bessere Werte bei kleinen Blöcken, ist beim sequenziellen Schreiben und Lesen dafür aber unter Umständen wieder spürbar langsamer. Dies spürt man aber nur beim Arbeiten mit riesigen Dateien (Kopieren, Verschieben, Entpacken, ...), geht es nur um die Alltagsleistung, wird die SSDNow V100 den kürzeren ziehen - zumindest wenn das restliche System ausreichend schnell ist.

Zugute halten muss man der SSDNow V100, dass sie sehr resistent gegenüber Leistungseinbrüchen ist. Auch nach absolut unnatürlicher und extremer Schreibbelastung bricht die SSD praktisch nicht ein und erholt sich dabei auch wieder relativ schnell. TRIM arbeitet einwandfrei, die Garbage Collection räumt das Laufwerk sehr aggressiv auf und sorgt so für die gleichbleibende Leistung. Für Systeme ohne TRIM-Unterstützung sollte man die SSDNow V100 also in die engere Wahl ziehen - wobei auch hier Laufwerke mit SF-1200-Controller ebenfalls keine schlechte Figur machen.

Um die Frage nun endlich zu beantworten: Damit das Gesamtpaket Kingston SSDNow V100 restlos überzeugen könnte, müsste das Paket noch etwas günstiger sein. Für den aktuellen Preis dürfte für die meisten Nutzer eine SSD mit SF-1200-Controller das bessere Erlebnis bieten, wobei das nicht heißen soll, dass die SSDNow V100 grundsätzlich nicht zu empfehlen ist - wer hohe sequenzielle Raten und ein extrem resistentes Laufwerk sucht, sollte sich die SSDNow V100 auf jeden Fall näher anschauen.

Positive Aspekte der Kingston SSDNow V100:

Negative Aspekte der Kingston SSDNow V100:

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