Test: Super Talent Ultradrive MX 120 GB mit JMF616-Controller

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teaserDass man bei JMicron durchaus in der Lage ist, brauchbare Controller zu entwerfen, haben wir bereits gesehen. Der JMF616 erweitert nun die aktuelle Serie, bestehend aus dem JMF612 und JMF618, um ein weiteres Modell, wobei es sich nicht um eine grundsätzliche Neuentwicklung handelt, wie beim Sprung vom JMF602 auf die aktuelle Serie, sondern lediglich um eine Weiterentwicklung. SuperTalent verbaut den neuen Controller nun in der Ultradrive MX-Serie zusammen mit MLC-NAND-Speicher von Intel. Wie sich das Ultradrive MX und damit der JMF616 im Vergleich zu anderen aktuellen SSDs schlägt, untersuchen wir in diesem Artikel. Natürlich werfen wir auch wieder einen Blick auf die Garbage Collection, TRIM-Funktionalität und den Performanceverlust des Laufwerks nach starker Belastung.

Bei vielen SSD-Nutzern der ersten Stunde dürfte der Name JMicron mit äußerst negativen Erinnerungen verknüpft sein: Laufwerke mit dem inzwischen sehr alten JMF602-Controller sorgten häufig für ein Einfrieren des Systems, da der Controller mit mehreren gleichzeitig oder schnell hintereinander stattfindenden Anfragen hoffnungslos überfordert war. Eine neue Revision des Controllers konnte die Probleme nur teilweise beheben, auch haben Hersteller durch ein Zusammenschalten von mehreren Controllern versucht Abhilfe zu schaffen, was die genannten Probleme allerdings auch nicht beheben konnte.

Man lernte dazu und hat den JMF612 und JMF618 veröffentlicht. Diese beiden Controller sind im Prinzip identisch, der einzige Unterschied liegt darin, welcher Flash-Speicher angesteuert werden kann. Der JMF618 trägt einen Toshiba-Schriftzug und arbeitet auch nur mit Flash von Toshiba zusammen. Soll Flash-Speicher anderer Hersteller zum Einsatz kommen, kommt der JMF612 zum Einsatz. Einen weiteren Unterschied gibt es nicht, so ist auch die Leistung gleich. Auf der Homepage von JMicron ist übrigens auch nur der JMF612 aufgeführt, den JMF618 findet man dort nicht.

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Der JMF616 ist nun der neuste Controller, den JMicron zu bieten hat. An Flash-Speicher wird alles unterstützt, was momentan auf dem Markt ist (Strukturgröße 3x bis 5x nm). Externer Cache kann in Form von DDR oder DDR2 mit einer Größe von 16 bis 256 MB angebunden werden. Das Ultradrive schlägt hier mit 64 MB Cache einen Mittelweg ein. Auf ein Laufwerk mit JMF616 kann außerdem über eine optionale USB-Schnittstelle zugegriffen werden - auf die man bei Super Talent beim Ultradrive MX leider verzichtet hat, auch wenn diese Anschlussmöglichkeit wahrscheinlich nur in Notfällen zur Datenrettung oder bei der Erstinstallation zum Einsatz kommen würde. Selbstverständlich sind hingegen Features wie die Unterstützung für den TRIM-Befehl oder SMART-Support vorhanden.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Super Talent Ultradrive MX 120 GB
Straßenpreis ab 483 Euro (240 GB, 29.12.2010)
Homepage www.supertalent.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller)
120 GB
Kapazität (formatiert)
119 GiB
Verfügbare Kapazitäten
60, 120, 240, 480 GB
Cache
64 MB
Controller JMicron JMF616
Chipart MLC-NAND
Lesen (lt. Hersteller)
240 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller)
180 MB/s (60 GB: 120 MB/s)

Herstellergarantie 2 Jahre
Lieferumfang -

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Geliefert wird das Ultradrive MX gut verpackt in einer antistatischen Folie, eingebettet in Schaumstoff. Auf einen inzwischen häufig beigelegten Einbaurahmen für den 3,5-Zoll-Schacht verzichtet man, wer das Laufwerk in einem Gehäuse ohne Einbaumöglichkeit für 2,5-Zoll-Laufwerke betreiben möchte, sollte bei der Bestellung also an einen passenden Adapter denken.

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Riskieren wir einen Blick auf das Innenleben: Vorzufinden ist die übliche Anordnung bei einer SSD. Auf der linken Seite mittig sitzt der JMicron JMF612 Controller und darunter der externe Cache von Nanya. Auf der Vorderseite der Platine zählen wir acht Flash-Bausteine, weitere acht befinden sich auf der Rückseite:

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Nach starker Belastung bricht das Laufwerk nicht nennenswert ein, es bleiben sogar alle Werte bis auf die 4K Schreibwerte konstant, wobei letztere auf 20 MB/s sinken. Das ist immer noch sehr viel und mehr als wirklich nötig ist. Die nächsten beiden Screenshots zeigen das Laufwerk direkt nach einem Secure Erase und nach starker Belastung mittels Iometer. Des Weiteren scheint der TRIM-Befehl einwandfrei implementiert zu sein, nach dem Auslösen des selbigen hat das Laufwerk wieder die ursprüngliche Leistung - sehr gute Arbeit!

unused

used


Hardware / Treiber

Software

Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: Zufälliges Lesen und Schreiben von 4K-Blöcken, wobei im Alltagsbetrieb verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auftreten.

Viele Herstellerangaben werden mit Iometer ermittelt, wir verwenden deshalb die gleichen (oder zumindest sehr ähnliche, je nach Hersteller) Einstellungen: 64 gleichzeitige Anfragen, 100% Random, Align on 4K. Aufpassen muss man aber, da Iometer mit Daten testet, die sehr gut komprimiert werden können (Null-Pattern). So erreichen SSDs mit SandForce (SF) Controller eine wesentlich höhere Leistung als bei inkompressiblen Daten. Die Ergebnisse der einzelnen Laufwerke lassen sich also nicht unbedingt eins zu eins vergleichen.

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Einen neuen Rekord sehen wir hier nicht, die Leistung ist jedoch trotzdem mehr als ausreichend für alle üblichen Desktop-Systeme. Die Leistung im Vergleich zur Kingston SSDNow V G2 mit JMF618-Controller ist hier zwar signifikant höher, letzteres Laufwerk unterstützt allerdings kein NCQ, womit die Werte hier also nicht direkt miteinander vergleichbar sind.


Der AS-SSD-Benchmark wurde von einem unserer Community-Mitglieder speziell für die Anwendung mit SSDs entwickelt (Link zum Forum). Getestet wird die sequenzielle Transferrate sowie die Transferrate bei 4K-Blöcken, jeweils mit einer und 64 gleichzeitigen Anfrage(n). AS SSD gibt einen guten Überblick über die Rohleistung einer SSD. Des Weiteren testet AS SSD mit Zufallsdaten, die naturgemäß nicht komprimierbar sind. Im Gegensatz zu Iometer, was für manche SSD der Best Case ist, ist AS SSD dementsprechend der Worst Case.

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Für ein SATA-3 Gb/s Laufwerk sind die sequenziellen Transferraten sehr gut. Das Ultradrive MX übertrifft hier sogar die Modelle mit SandForce-Controller, die bei komprimierbaren Daten allerdings schneller werden, wohingegen das Ultradrive MX die Daten nicht komprimiert und daher immer die gleiche Geschwindigkeit liefert. Bei den 4K-Werten sieht es ebenfalls sehr gut aus, lediglich bei 64 gleichzeitigen Anfragen fällt das Ultradrive MX etwas zurück. Eine derart hohe Anfragetiefe wird bei Desktop- und Einbenutzer-Systemen aber praktisch nie erreicht, weswegen diese Werte nicht überbewertet werden sollten.


Mit dem eingebauten Kopierbenchmark des AS SSD Tools wird nun die Kopierleistung des Laufwerks mit verschiedenen Profilen getestet: ISO, Programm und Spiel. Dieser Test gibt einen guten Anhaltspunkt für reale Anwendungen, wie z.B. das Entpacken eines Archives oder das Kopieren eines (großen) Ordners.

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Die sequenziellen Transferraten sind recht gut, entsprechend gut schlägt sich das Laufwerk auch beim Kopieren von Dateien, auch wenn SSDs wie die C300 oder Samsung 470 noch ein Stück schneller sind. Für den Vergleich mit den SandForce-Laufwerken gilt das gleiche wie auf der vorherigen Seite.


Da herkömmliche Anwendungstests wie das Starten von Windows und/oder Programmen bei SSDs kaum nützlich sind (die Unterschiede würden sich häufig im Rahmen der Messtoleranz bewegen), testen wir hier die Anwendungsleistung mit Hilfe von PCMark Vantage, wobei eine ganze Reihe von verschiedenen Alltagsszenarien durchgespielt werden. Insbesondere werden bei allen bis auf einen Test auch die restlichen Komponenten (CPU, Arbeitsspeicher) mit einbezogen, sodass der Test wesentlich näher an der Realität ist als reine Tests der Datentransferleistung. Der HDD-Test bezieht sich schließlich wieder rein auf die Datenträgerleistung. Weitere Informationen zur Funktions- und Arbeitsweise von PCMark Vantage findet man bei Futuremark.

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Bei der Rohleistung siedelt sich das Ultradrive MX im Mittelfeld an, bei der Gesamtwertung, die ungefähr auch die reale oder besser gesagt gefühlte Geschwindigkeit einer SSD widerspiegelt, hängt sich das Ultradrive MX  an die SandForce-Laufwerke an, wobei es generell schwer ist, hier noch eine differenzierte Aussage zu treffen, denn die meisten SSDs sind schon zu schnell - unser Testsystem limitiert an dieser Stelle.


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Auch der JMicron JMF616-Controller, der in dem Super Talent Ultradrive MX sein Werk verrichtet, weiß zu gefallen, genau wie vorher schon der JMF612/618. Die Stärken des Controllers liegen bei den sequenziellen Transferraten. Bei den 4K-Werten und einer sehr hohen Anfragetiefe muss man im Vergleich zu SSDs wie der Crucial C300 oder Modellen mit SandForce-Controller ein paar Abstriche bei der Rohleistung hinnehmen, die bei einem Desktop-System beim produktiven Arbeiten aber nicht spürbar sind. Hier zählt eher die Leistung bei einer bzw. wenigen Anfragen und in dieser Disziplin kann der JMF616 bzw. das Ultradrive MX durchaus überzeugen.

Der TRIM-Befehl arbeitet einwandfrei und eine sehr aktive Garbage Collection sorgt für relativ gleichbleibende Leistung auch nach extrem starker Schreibbelastung. Der Controller bzw. das Laufwerk empfiehlt sich also auch durchaus für Systeme, die nicht TRIM-fähig sind, wie z.B. Mac OS.

Auch wenn es wahrscheinlich nur selten genutzt werden würde, wäre es ein nettes Gimmick gewesen, den vom JMF616-Controller bereitgestellten USB-Port mit einem entsprechenden Anschluss nutzbar zu machen. In Notsituationen zur Datenrettung oder bei der Erstinstallation zum Klonen des Systems hätte man so auch ohne aufwendige SATA-/Strom-Verkabelung Zugriff auf das Laufwerk. Ebenfalls wäre ein Einbaurahmen für den 3,5-Zoll-Schacht eine nette Dreingabe, die inzwischen bei vielen Laufwerken zum Lieferumfang gehört.

Ob man das Ultradrive MX nun kaufen sollte, liegt - wie immer - am Preis. Da bis auf das Modell mit 240 GB aber keine andere Version in unserem Preisvergleich gelistet ist, ist eine klare Empfehlung an dieser Stelle kaum möglich. Zumindest das 240 GB Modell ist mit ca. 2 Euro pro Gigabyte allerdings nicht wirklich günstig, denn SSDs mit SandForce-Controller sind teilweise schon für unter 1,50 Euro pro Gigabyte zu haben. In diesem Fall sollte man auch eher zu letzteren greifen, denn man erhält mehr gefühlte Arbeitsgeschwindigkeit für weniger Geld. Sollte der Preis für das Ultradrive MX (deutlich) fallen, kann sich diese Empfehlung natürlich auch ändern. Wer jedoch konstant hohe sequenzielle Transferraten möchte und das möglicherweise auch ohne TRIM, kann das Ultradrive MX durchaus in die engere Wahl ziehen.

Positive Aspekte des Super Talent Ultradrive MX:

Negative Aspekte des Super Talent Ultradrive MX:

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