Test: OCZ RevoDrive X2 240 GB

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teaserIn der Hardwareluxx [printed] (Ausgabe 01/2011) haben wir uns bereits das erste OCZ RevoDrive angeschaut, welches zwei SSDs mit dem SandForce SF-1200-Controller zu einem RAID 0 zusammenschaltet. Das OCZ RevoDrive X2 hat nun zwei Mal so viele Laufwerke, verlötet werden also insgesamt vier SSDs, die ebenfalls wieder zu einem RAID 0 zusammengefasst wurden, womit sich OCZ nun abermals die Performance-Krone bei einem fertigen Produkt holen dürfte. In diesem Artikel schauen wir aber nicht nur auf die Performance im Neuzustand, sondern auch wie viel davon nach großer Schreiblast übrig bleibt.

Die Idee an sich ist nicht bahnbrechend: Mehrere SSDs werden im RAID 0 betrieben. Das heißt, dass Daten verteilt geschrieben und gelesen werden, was den Datendurchsatz (theoretisch!) verdoppelt. Da inzwischen praktisch jedes Mainboard einen RAID-Controller „on board“ besitzt, kann man sich natürlich auch relativ problemlos selbst ein RAID-Verbund aus einzelnen SSDs bauen. Doch hier lauert auch Gefahr: Wie gut harmoniert der RAID-Controller mit dem Controller auf der SSD? Wie gut kommt das gewählte Modell ohne TRIM zurecht – denn TRIM funktioniert im RAID nicht. Bei OCZ hat man sich darüber Gedanken gemacht und präsentiert – als fertige Lösung – eben das RevoDrive bzw. das RevoDrive X2 (sowie die OCZ IBIS SSD, die die gleiche Hardware besitzt, aber eine etwas andere Philosophie beim Anschluss an den PC verfolgt).

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Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
OCZ RevoDrive X2
Straßenpreis ab 579 Euro (240 GB, 19.12.2010)
Homepage www.ocztechnology.com
Technische Daten
Formfaktor Steckkarte
Kapazität (lt. Hersteller)
240 GB
Kapazität (formatiert)
223 GiB
Verfügbare Kapazitäten
100, 160, 240, 360, 480, 720, 960 GB
Cache
keiner
Controller 4x SF-1200 (SSD), SiI 3124 (RAID)
Chipart MLC-NAND
Lesen (lt. Hersteller)
740 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller)
690 MB/s

Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang Laufwerk, Kurzanleitung

Ein weiterer Vorteil des RevoDrive (X2) ist natürlich das Wegfallen vieler Kabel: Es werden keine vier SATA-Datenkabel benötigt und auch um die Stromversorgung muss man sich keine Sorgen machen, denn alles wird über die PCIe-Schnittstelle des RevoDrive (X2) abgewickelt. Freunden aufgeräumter Gehäuse wird dieses Konzept wahrscheinlich sehr entgegenkommen.

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Die Firmware der einzelnen Laufwerke ist nicht die gleiche wie auf „normalen“ SATA-SSDs mit SF-1200-Controller, OCZ spricht von einer leicht angepassten Version. Während diese Tatsache selbst als neutral zu bewerten ist, ist es äußerst ärgerlich, dass die Firmware nicht aktualisiert werden kann. Es ist die Frage, was passiert, sollte sich ein schwerer Firmware-Fehler o.ä. zeigen. Möglicherweise findet man dann doch einen Weg, die Firmware zu aktualisieren, oder man muss das RevoDrive (X2) zu OCZ schicken, damit es dort aktualisiert werden kann.  Der SF-1200-Controller ist inzwischen zwar einigermaßen ausgereift, was aber nicht ausschließt, dass es noch Firmware-Updates mit kritischen Fehlerbereinigungen geben kann. Man sollte sich außerdem der Tatsache bewusst sein, dass eine RAID 0-Lösung aufgrund der deutlich größeren Anzahl an Komponenten natürlich auch eine höhere Wahrscheinlichkeit besitzt, auszufallen. Das betrifft selbstverständlich nicht nur das RevoDrive, sondern jeden nicht-redundanten RAID-Verbund.

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Die Aktivität des RevoDrive X2 wird über eine Vielzahl von relativ hellen LEDs angezeigt. Im ordnungsgemäßen Betrieb leuchten die LEDs blau, bei Aktivität blinken sie.

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Vom ersten RevoDrive bereits bekannte Bauteile: Der RAID-Controller (links oben), ein SiI 3124 von Silicon Image, besitzt nativ ein PCI-X-Interface, welches von einem Pericom PI7C9X130-Brückenchip (unten mittig, halb verdeckt) kompatibel zum PCIe-Standard gemacht wird. Rechts ist einer der vier SandForce-SSD-Controller zu erkennen, am äußeren Bildrand sieht man einen kleinen Teil der MLC-NAND-Speicherchips.

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Jeder der vier SSD-Controller steuert 16 NAND-Chips an, was dazu führt, das auch auf der Rückseite des RevoDrive Speicherchips sitzen.

Nun wollen wir uns noch kurz anschauen, wie das RevoDrive X2 auf verschiedene Datentypen reagiert: Einmal testen wir mit einem maximal komprimierbaren Null-Pattern, einmal mit inkompressiblen Daten. Die Tests werden nach starker Schreibbelastung wiederholt, um zu sehen, ob sich die fehlende TRIM-Unterstützung negativ auswirkt.

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Der Unterschied zwischen Null-Pattern und Zufallsdaten ist - wie erwartet - sehr groß. Lobenswert ist, dass die Leistung nach starker Belastung und trotz fehlender TRIM-Unterstützung nicht deutlich abfällt. Ein kleiner Leistungsverlust ist zwar vorhanden, das lässt sich aber auch nicht vermeiden.


Hardware / Treiber

Software

Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: Zufälliges Lesen und Schreiben von 4K-Blöcken, wobei im Alltagsbetrieb verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auftreten.

Viele Herstellerangaben werden mit Iometer ermittelt, wir verwenden deshalb die gleichen (oder zumindest sehr ähnliche, je nach Hersteller) Einstellungen: 64 gleichzeitige Anfragen, 100% Random, Align on 4K. Aufpassen muss man aber, da Iometer mit Daten testet, die sehr gut komprimiert werden können (Null-Pattern). So erreichen SSDs mit SandForce (SF) Controller eine wesentlich höhere Leistung als bei inkompressiblen Daten. Die Ergebnisse der einzelnen Laufwerke lassen sich also nicht unbedingt eins zu eins vergleichen.

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Iometer ist das Revier der SandForce-Controller, entsprechend setzt das RevoDrive X2 hier einen neuen Rekord. Auch wenn die Unterschiede zwischen den Laufwerken extrem aussehen, bleibt davon im Alltag häufig nicht mehr viel übrig, denn ein Desktopsystem kann z.B. schon eine Intel X25-V kaum mit kleinen Anfragen auslasten (bei sequenziellen Zugriffen sieht es natürlich wieder anders aus).


Der AS-SSD-Benchmark wurde von einem unserer Community-Mitglieder speziell für die Anwendung mit SSDs entwickelt (Link zum Forum). Getestet wird die sequenzielle Transferrate sowie die Transferrate bei 4K-Blöcken, jeweils mit einer und 64 gleichzeitigen Anfrage(n). AS SSD gibt einen guten Überblick über die Rohleistung einer SSD. Des Weiteren testet AS SSD mit Zufallsdaten, die naturgemäß nicht komprimierbar sind. Im Gegensatz zu Iometer, was für manche SSD der Best Case ist, ist AS SSD dementsprechend der Worst Case.

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as_ssd_4k

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Bei sequenziellen Zugriffen landet auch hier das RevoDrive X2 wieder auf dem ersten Platz (trotz des Worst Case Szenarios für den SandForce-Controller). Bei kleinen Anfragegrößen muss man unterscheiden: Bei lediglich einer Anfrage ist das RevoDrive X2 nicht schneller als ein Einzellaufwerk - hier ist der RAID-Verbund nutzlos. Bei 64 gleichzeitigen Anfragen dreht das RevoDrive X2 jedoch wieder enorm auf, da hier auch wirklich alle vier einzelnen SSDs gleichzeitig genutzt werden können.


Mit dem eingebauten Kopierbenchmark des AS SSD Tools wird nun die Kopierleistung des Laufwerks mit verschiedenen Profilen getestet: ISO, Programm und Spiel. Dieser Test gibt einen guten Anhaltspunkt für reale Anwendungen, wie z.B. das Entpacken eines Archives oder das kopieren eines (großen) Ordners.

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Auch hier gibt es natürlich einen neuen Rekord - Daten lassen sich auf dem RevoDrive X2 äußerst schnell kopieren.


Da herkömmliche Anwendungstests wie das Starten von Windows und/oder Programmen bei SSDs kaum nützlich sind (die Unterschiede würden sich häufig im Rahmen der Messtoleranz bewegen), testen wir hier die Anwendungsleistung mit Hilfe von PCMark Vantage, wobei eine ganze Reihe von verschiedenen Alltagsszenarien durchgespielt werden. Insbesondere werden bei allen bis auf einen Test auch die restlichen Komponenten (CPU, Arbeitsspeicher) mit einbezogen, sodass der Test wesentlich näher an der Realität ist als reine Tests der Datentransferleistung. Der HDD-Test bezieht sich schließlich wieder rein auf die Datenträgerleistung. Weitere Informationen zur Funktions- und Arbeitsweise von PCMark Vantage findet man bei Futuremark.

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Hier zeigt sich nun ein Problem: Die Rohleistung des RevoDrive X2 ist beeindruckend (oben), im Alltag bleibt davon aber leider viel ungenutzt (unten). Unser Testsystem entspricht inzwischen natürlich keinem High-End-System mehr, sodass man bei einem PC mit Sechskern-CPU und passenden restlichen Komponenten ein leicht differenzierteres Bild erwarten kann. Trotzdem wird der Unterschied im Alltagsbetrieb nie so groß werden, wie es die enorme Rohleistung suggerieren mag.


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Eins steht fest: In unseren Benchmarks gibt es momentan kein schnelleres Laufwerk als das RevoDrive X2. Das liegt natürlich an dem verwendeten RAID 0 aus vier einzelnen SSDs. Man könnte sich jetzt fragen: Das kann man sich doch auch selbst zusammenbauen, oder? Selbstverständlich kann man. Vier SSDs mit SF-1200-Controller und 60 GB kosten zusammen um die 400 Euro. Das RevoDrive X2 mit 240 GB ist derzeit – nicht lieferbar – für 580 Euro gelistet. Bei guter Lieferbarkeit könnte der Preis für das RevoDrive X2 noch sinken, wird wohl allerdings nie das Niveau von vier Einzellaufwerken erreichen, schließlich ist das RevoDrive X2 aufwendiger und vereint bereits alle Teile auf einer Platine. Beim Selbstbau müsste man auf den RAID-Controller auf dem Mainboard zurückgreifen, welcher sicher nicht schlechter ist als das Modell, das auf dem RevoDrive (X2) zum Einsatz kommt. Dabei wird man ungefähr bei der gleichen Leistung landen, hat einige Euro gespart, dafür aber einen deutlich höheren Verkabelungsaufwand – jede einzelne SSD benötigt natürlich ein Daten- und ein Stromkabel, wohingegen das RevoDrive keinerlei externe Verkabelung benötigt. Auf TRIM muss man in beiden Fällen verzichten, was aber, sofern SSDs auf Basis des SF-1200-Controllers zum Einsatz kommen, auch nicht weiter tragisch ist, zumindest was einen eventuellen Leistungsverlust betrifft.

Noch ein paar Sätze zur Leistung: Diese ist, wie gesagt, enorm. Doch wer benötigt sie? Dafür muss man schon einen speziellen Anwendungsfall haben, der die enorme sequenzielle Transferrate überhaupt ausnutzen kann – das wäre z.B. Videoschnitt. Die meisten Anwendungen (u.a. Office und Spiele) werden allerdings schon durch eine einzige aktuelle SSD schnell genug beliefert, sodass man sich hier keine Steigerung erhoffen sollte. Der Flaschenhals verschiebt sich bei einem System mit einer SSD als Systemlaufwerk sehr häufig in Richtung CPU, sodass zusätzliche SSDs dann natürlich für keine oder nur eine marginale Geschwindigkeitssteigerung sorgen. Auch der vielzitierte Windows-Start lässt sich durch den Einsatz mehrerer SSDs kaum noch beschleunigen. Das System fühlt sich insgesamt vielleicht noch etwas zackiger als mit einer SSD an, jedoch dürften die Unterschiede häufig vernachlässigbar sein. Auf keinen Fall ist der Sprung so groß wie von einer HDD auf eine (beliebige) SSD.

Wer außerdem maximale Zuverlässigkeit sucht, sollte lieber auf ein Einzellaufwerk zurückgreifen. Der Geschwindigkeitsunterschied wird, wie im letzten Abschnitt erläutert, marginal sein, dafür hat ein Einzellaufwerk natürlich eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit als vier Laufwerke, wobei alle voneinander abhängen. Das ist reine Mathematik und soll nicht heißen, dass das RevoDrive (X2) komplett unzuverlässig ist.

Wer sich jedoch einen High-End-Rechner zusammenbauen möchte und dabei auf der Suche nach besonderer Hardware ist, der wird mit Freude zum RevoDrive X2 greifen, was sicherlich auch keine schlechte Wahl ist, denn das RevoDrive ist ein durchdachtes Produkt, dass auf jeden Fall (s)eine Daseinsberechtigung hat.

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Positive Aspekte des OCZ RevoDrive X2:

Negative Aspekte des OCZ RevoDrive X2:

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