Test: Samsung SSD 470 Series - zurück an die Spitze?

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teaserNachdem Samsungs erste SSD mit dem im eigenen Haus entwickelten RBB-Controller zwar immer noch von vielen großen Notebook-Herstellern  verbaut wird, im Endkundenmarkt allerdings nur einen mäßigen Erfolg verzeichnen konnte, meldet sich Samsung nun zurück: Mit der „470 Series“ verkauft man nun erstmals Retail-Laufwerke, die wieder mit der aktuellen Konkurrenz mithalten können.  Der auf der 470 Series zum Einsatz kommende MAX-Controller ist dabei wieder eine hauseigene Entwicklung - was er kann, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Die letzte Begegnung mit einer SSD basierend auf dem Samsung-RBB-Controller liegt inzwischen über ein Jahr zurück. Damals konnte sie zwar bei der sequenziellen Transferrate überzeugen, blieb bei der Königsdisziplin, nämlich dem Lesen und Schreiben von kleinen Blöcken, allerdings deutlich hinter der Konkurrenz zurück. Auch war Samsung damals der letzte Hersteller, der seinem Controller den TRIM-Befehl beigebracht hat – Indilinx und Intel hatten entsprechende Firmware-Updates schon lange angeboten. Samsung SSDs waren daher im Endkundenmarkt lange Zeit nicht berühmt.

Auch hat Samsung zwar schon die ganze Zeit nicht nur Controller, sondern ebenfalls komplette Laufwerke gefertigt, diese waren jedoch ausschließlich für den OEM-Markt bestimmt. Wollte man ein Laufwerk mit Herstellergarantie, musste man auf einen Hersteller wie Corsair oder OCZ zurückgreifen, die Samsung-Laufwerke unter ihrem eigenen Namen verkauft haben. Mit der 470 Series wird nun nicht nur ein neuer Controller eingeführt, der die Bezeichnung S3C29MAX01 trägt und im Folgenden kurz mit MAX bezeichnet wird, die 470 Series wird nun auch zum ersten Mal von Samsung selbst im Endkundenmarkt – mit entsprechender Herstellergarantie – angeboten.

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Samsung konnte uns für einen Test leider nur die OEM-Version der 470 Series zur Verfügung stellen, die Retail-Version besitzt ein deutlich aufwendiger gestaltetes Gehäuse. Die Leistung der beiden Versionen ist jedoch absolut identisch.

Die technischen Daten tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
Samsung SSD 470 Series
Straßenpreis ab 297 Euro (128 GB, 03.10.10)
Homepage www.samsungssd.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller)
128 GB
Kapazität (formatiert)
119 GiB
Verfügbare Kapazitäten
64, 128, 256 GB
Cache
256 MB
Controller Samsung MAX
Chipart MLC NAND-Flash
Lesen (lt. Hersteller)
250 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller)
170 MB/s (64 MB), 200 MB/s (128 GB), 220 MB/s (256 GB)

Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang -

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Wie bereits auf der letzten Seite erwähnt, besitzt die OEM-Version der Samsung 470 Series ein anderes Gehäuse als die Retail-Version, über die eines unserer Community-Mitglieder bereits ein User-Review geschrieben hat. Dort findet man nicht nur weitere Fotos, sondern auch einen Überblick über den sog. Samsung SSD Magician, eine Software ähnlich der Intel SSD Toolbox, mit der das Laufwerk z.B. manuell gesäubert werden kann, sollte man kein TRIM-fähiges System besitzen. Der Vorteil der OEM-Version ist allerdings, dass sich das Gehäuse sehr leicht öffnen lässt und wir daher einen Blick in das Innere werfen können.

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Die Platine füllt nicht wie üblich das ganze Gehäuse aus, damit wären kleinere Formfaktoren ohne größere Probleme möglich. Auf der Vorderseite der Platine der Samsung 470 Series sitzt unter dem MAX-Controller ein 128 MB großer DRAM-Cache, daneben befinden sich sieben NAND-Speicherchips. Auf der Rückseite der Platine befindet sich ein weiterer DRAM-Cache-Baustein, sodass die Cache-Größe auf insgesamt 256 MB steigt. Zusammen mit den neun NAND-Speicherchips auf der Rückseite wächst deren Gesamtzahl auf 16, die der MAX-Controller gleichzeitig über bis zu acht Kanäle ansteuern kann. Des Weiteren ist die Geschwindigkeit des Controllers unabhängig von der Art der Daten, die geschrieben bzw. gelesen werden.

Auch zeigt sich die 470 Series relativ resistent gegen Leistungseinbrüche. Nach dem zweimaligen, vollständigen Füllen des Laufwerks mit Daten und anschließender Belastung durch Iometer gab es hauptsächlich einen kleinen Einbruch bei der Schreibrate von kleinen Blöcken. Die sequenzielle Übertragungsrate hat sich praktisch nicht verändert - weder der AS SSD Benchmark noch HDTach haben einen Einbruch bei der sequenziellen Leistung aufzeigen können. Lediglich HDTune hat einige Einbrüche angezeigt, es könnte sich hier allerdings auch um Messfehler bzw. Inkompatibilitäten zwischen der SSD und HDTune handeln. Fest steht jedenfalls, dass sich die 470 Series von starker Belastung ziemlich unbeeindruckt zeigt, zumal im Alltagsbetrieb weder eine so hohe Belastung wie hier simuliert auftreten wird und man außerdem auf den TRIM-Befehl vertrauen kann (sofern Windows 7/Linux eingesetzt wird), mit dessen Hilfe die Leistung auch auf Dauer nicht so stark wie in diesem Test abfallen sollte - beim Test auf Leistungseinbrüche wird der TRIM-Befehl bei uns komplett deaktiviert, um wirklich den worst case zu simulieren. Die folgenden Screenshots zeigen die 470 Series nach einem Secure Erase (oben) und nach starker Belastung (unten).

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as_used


Hardware / Treiber

Software

Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: Zufälliges Lesen und Schreiben von 4K-Blöcken, wobei im Alltagsbetrieb verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auftreten.

Neben der Leistung in IOPS (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde) und MB/s wird außerdem die Antwortzeit ermittelt. Ist diese zu hoch, kann das System einfrieren bzw. für einige Zeit nicht mehr auf Befehle reagieren. In Iometer wurde die Anzahl an Outstanding I/Os (gleichzeitige Anfragen) auf 64 gestellt, um eine hohe Last zu erzeugen. In Einzelbenutzer-/Desktopumgebungen liegt dieser Wert typischerweise im einstelligen Bereich.

Neu hinzugekommen sind bei diesem Benchmark zusätzliche Messungen mit angepassten Alignment. Ein korrektes Alignment bedeutet, dass die Partition genau auf der Grenze zwischen zwei Blöcken auf der SSD beginnt. Ist dies nicht der Fall, kann es sein, dass die Leistung der SSD stark nachlässt, da unnötig viele Schreiboperationen stattfinden (müssen). Windows XP erstellt beim Partitionieren kein korrektes Alignment, erst ab Windows Vista wird darauf geachtet. Manche Controller sind jedoch auch in der Lage, ein falsches Alignment auszugleichen.

4k-iops

4k-mbs

4k-response

4k-align

Wie man hier sieht, benötigt die Samsung 470 Series bzw. der MAX-Controller unbedingt ein korrektes Alignment der Partition(en) - Windows Vista und 7 machen das automatisch richtig. Dann liefert der Controller eine hervorragende Leistung, vor allem die Leseleistung bei 4K-Blöcken kann überzeugen.  Beim Schreiben von 4K-Blöcken ist der SandForce-Controller zwar teilweise mehr als doppelt so schnell, allerdings ist diese Schreibleistung so hoch, dass sie in einem Desktop-System niemals ausgereizt werden kann.


CrystalDiskMark ist ein einfacher Benchmark, der Lese- und Schreibvorgänge mit drei unterschiedlichen Blockgrößen testet. Es wird eine Testgröße von 1000 MB und fünf Durchläufe eingestellt. CDM zeigt jeweils den höchsten Wert aller Durchläufe an.

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Im Gegensatz zu Iometer arbeitet CrystalDiskMark nur mit einer gleichzeitigen Anfrage, daher sieht der Unterschied zwischen den einzelnen Laufwerken hier etwas anders aus. Beim Test mit 4K-Blöcken stellt der MAX-Controller der Samsung 470 Series zwar keinen neuen Rekord auf, kann aber gut mithalten und liefert mehr als ausreichend Leistung.

Beim sequenziellen Test sehen wir allerdings einen neuen Rekord: Mit fast 260 MB/s schreibt die Samsung 470 Series schneller als alle anderen Laufwerke, die wir bisher getestet haben. Auch beim Lesen holt der Controller hier so ziemlich das Maximum aus dem SATA-3 Gbit/s-Interface. Schneller ist hier nur noch ein RAID 0 aus zwei SSDs und Crucials C300, die dank SATA-6 Gbit/s-Interface keiner Beschränkung durch die Schnittstelle unterliegt.


Der AS-SSD-Benchmark wurde von einem unserer Community-Mitglieder speziell für die Anwendung mit SSDs entwickelt (Link zum Forum). Getestet wird die sequenzielle Transferrate sowie die Transferrate bei 4K-Blöcken, jeweils mit einer und 64 gleichzeitigen Anfrage(n). Im Gegensatz zu CrystalDiskMark zeigt der AS SSD Benchmark Durchschnittswerte an.

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as-seq

Hier wird noch einmal der Eindruck der letzten beiden Seiten bestätigt: Die Leistung bei kleinen (4K) Blöcken darf ohne weiteres als sehr gut bezeichnet werden, wenngleich die SandForce-Laufwerke hier immer noch den Titel halten. Sequenzielle Transfers sind die Stärke  der Samsung 470 Series, sie arbeitet hier knapp an der Grenze der Übertragungskapazität der SATA-3 Gbit/s-Schnittstelle.


Mit dem eingebauten Kopierbenchmark des AS SSD Tools wird nun die Kopierleistung des Laufwerks mit verschiedenen Profilen getestet: ISO, Programm und Spiel. Dieser Test gibt einen guten Anhaltspunkt für reale Anwendungen, wie z.B. das Entpacken eines Archives.

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Der bisherige Rekordhalter in Form der Crucial C300 wird abgelöst: Bei allen drei Profilen kopiert die Samsung 470 Series schneller als jede andere bisher getestete SSD. Kopiert man häufig Dateien und/oder (ent)packt Archive, darf hier mit einem spürbaren Geschwindigkeitsplus rechnen - sofern die CPU die Daten schnell genug (de)komprimieren kann.


Da herkömmliche Anwendungstests wie das Starten von Windows und/oder Programmen bei SSDs kaum nützlich sind (die Unterschiede würden sich häufig im Rahmen der Messtoleranz bewegen), testen wir hier die Anwendungsleistung mithilfe von PCMark Vantage, wobei eine ganze Reihe von verschiedenen Alltagsszenarien durchgespielt werden. Insbesondere werden bei allen bis auf einen Test auch die restlichen Komponenten (CPU, Arbeitsspeicher) mit einbezogen, sodass der Test wesentlich näher an der Realität ist als reine Tests der Datentransferleistung. Der HDD-Test bezieht sich schließlich wieder rein auf die Datenträgerleistung. Weitere Informationen zur Funktions- und Arbeitsweise von PCMark Vantage findet man bei Futuremark.

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Die Rohleistung, die bei der HDD Test Suite gemessen wird, fällt hier niedriger aus, als man bei den Ergebnissen der letzten Seite erwarten würde, ist aber immer noch recht gut. Dass der Unterschied beim Gesamtergebnis nicht mehr sehr so groß ausfällt liegt einfach daran, dass unser Testsystem die SSD limitiert: Die Daten können nicht so schnell verarbeitet werden, wie sie die SSD liefern kann.


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Eins ist klar: Samsung hat mit der 470 Series bzw. dem MAX-Controller wieder den Anschluss an die aktuellen Controller gefunden und macht manches sogar besser. So bekommt man bei Samsung momentan die höchste sequenzielle Schreibrate, zumindest bei den 120 (bzw. 128) GB großen SSDs. Bei der Kopierleistung schlägt sie sogar die Crucial Real SSD C300, die dank ihres schnellen SATA-6 Gbit/s-Anschluss zumindest bei der sequenziellen Leseleistung alle anderen Laufwerke deutlich übertrumpft. Bei kleinen 4K-Blöcken ist sie bei einer Anfragetiefe von eins fast so schnell wie die SandForce-Modelle  bzw. Crucial C300, bei 64 gleichzeitigen Anfragen wird der Abstand leider etwas größer. Die Samsung 470 Series bietet hier trotzdem noch genügend Leistungsreserven für jedes aktuelle System.

Wer gerne mit großen Dateien arbeitet, für den ist die 470 Series die SSD. Leider ist der Preis momentan vergleichsweise hoch, sodass man (noch) keine allgemeine Empfehlung aussprechen kann – zumindest, wenn der Preis in die Kaufentscheidung mit einfließt.  Die 470 Series ist derzeit ab gut 2 Euro pro Gigabyte gelistet, die günstigsten SandForce-Modelle fangen bei ca. 1,50 Euro pro Gigabyte an (Stand 13.10.10). Hier gilt es allerdings noch zu beachten, dass die 470 Series SSDs derzeit gar nicht von Samsung in Deutschland verkauft werden, sondern aus den USA importiert werden. Samsung wird die neuen SSDs um den Jahreswechsel herum in Deutschland offiziell einführen und verkaufen, was sich dann möglicherweise auch positiv auf den Verkaufspreis auswirken könnte.

Den „Samsung SSD Magician“ (Download) konnten wir nicht testen, da die Software wie gesagt nicht mit unserem OEM-Laufwerk zusammenarbeitet. Der Funktionsumfang ähnelt allerdings der Intel SSD Toolbox, wobei das wichtigste Feature wohl das manuelle TRIMen des Laufwerk unter Windows XP und Vista sein dürfte.

 

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Hier ist ein Award fällig:
Die Samsung 470 Series darf als rundum gelungen bezeichnet werden.

 

Positive Aspekte der Samsung SSD 470 Series:

Negative Aspekte der Samsung SSD 470 Series:

Weitere Links: