Test: G.Skill Phoenix Pro 120 GB mit SF-1200-Controller

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teaserSandForce soweit das Auge reicht: G.Skill ist nun nach extrememory, Corsair, A-DATA und OCZ der nächste Hersteller, der uns mit der „Phoenix Pro“ eine SSD mit dem vergleichsweise neuen SandForce SF-1200-Controller für einen Test zur Verfügung stellt. Dabei kommt auf den Phoenix-Modellen eine neue Firmware zum Einsatz, die den Reservebereich verkleinert und damit die nutzbare Kapazität von 92 auf 112 GB vergrößert.

Der SandForce-Controller hat sich bereits in unserem ersten Test als sehr potent erwiesen, kann er doch mit einer sehr guten Leistung und innovativen Features überzeugen – einen Überblick darüber gibt es hier. Die G.Skill Phoenix Pro kommt mit dem SF-1200-Controller und besitzt in der Pro-Version die Performance-Firmware (dazu auf der nächsten Seite mehr).

Ein Problem von SSDs mit SandForce-Controller war bisher, dass die für den Benutzer zur Verfügung stehenden Kapazität deutlich kleiner war als der aufgelötete Flashspeicher, was letztendlich den Preis pro Gigabyte sehr stark nach oben getrieben hat. Alle SSDs besitzen einen sogenannten Reservebereich, der genutzt wird, um defekte Zellen zu ersetzen und die Garbage Collection immer mit leeren Blöcken versorgt, sodass die Performance des Laufwerks nicht (zu stark) abnimmt. Dieser Reservebereich ist üblicherweise 7% groß, bei SandForce-Laufwerken waren es bisher jedoch ganze 28%, d.h. von 128 GB Flashspeicher blieben effektiv rund 92 GB übrig. Möglicherweise auf Druck der SSD-Hersteller bekommen dieselben von SandForce nun eine weitere Firmware-Version zur Verfügung gestellt, die den Reservebereich auf 13% verkleinert. Von den erwähnten 128 GB stehen so immerhin rund 112 GB zur Verfügung.

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Die technischen Daten der G.Skill Phoenix Pro tabellarisch zusammengefasst:

Hersteller und
Bezeichnung
G.Skill Phoenix (Pro)
Straßenpreis 259,07 Euro (120 GB, 04.08.10)
Homepage www.gskill.com
Technische Daten
Formfaktor 2,5 Zoll
Kapazität (lt. Hersteller)
120 GB
Kapazität (formatiert)
112 GiB
Cache
nur intern
Controller SandForce SF-1200
Chipart MLC NAND-Flash
Lesen (lt. Hersteller)
285 MB/s
Schreiben (lt. Hersteller)
275 MB/s

Herstellergarantie 3 Jahre
Lieferumfang Einbaurahmen (3,5 Zoll), passende Schrauben

Sehr undurchsichtig war bisher leider, welche Firmware-Versionen für SandForce-Laufwerke überhaupt existieren. So haben wir in unserem ersten Review in einem Benchmark einen großen Performance-Unterschied zwischen zwei Laufwerken festgestellt. Zu dieser Zeit kam auf manchen Laufwerken außerdem noch eine nicht-finale Version der Firmware zum Einsatz, was als Ursache für den Performance-Unterschied ausgemacht wurde. OCZ schien damals der einzige Hersteller zu sein, der die Performance-Firmware in einer finalen Version ausgeliefert hat, ein „exklusives Abkommen“ stand im Raum.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass mehrere Hersteller ihre Laufwerke mit der Performance-Firmware ausstatten – natürlich mit einer fehlerbereinigten finalen Version. Zusätzlich gibt es jetzt auch noch Firmware-Versionen mit verkleinertem Reservebereich, was dann insgesamt vier verschiedene finale Versionen ergibt. Die Firmware mit 28%-Reservebereich wird jedoch von vielen Herstellern gemieden. Andere Hersteller bieten beide Varianten an, da es jedoch häufig keinen Preisunterschied gibt, gibt es hier keinen Grund nicht zu den real größeren Laufwerken zu greifen. Möchte man den Reservebereich doch lieber wieder vergrößern, lässt man beim Partitionieren einfach einen entsprechenden Bereich auf dem Laufwerk frei.

G.Skill bietet die Phoenix nur mit der 13%-Firmware an, wobei die nur marginal teureren Laufwerke mit dem Namenszusatz „Pro“ auf die Performance-Firmware setzen, die die Schreibleistung bei kleinen Blöcken auf 50.000 IOPS anhebt. Die normale Firmware limitiert hier bei gut 10.000 IOPS, was, nebenbei bemerkt, allerdings auch noch mehr ist, als man jemals überhaupt brauchen oder nutzen können wird.

Geliefert wird die G.Skill Phoenix (Pro) mit einem Einbaurahmen inklusive passender Schrauben:

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Das Platinen-Layout bietet keine Überraschung – es entspricht dem, was wir von SandForce-Laufwerken kennen:

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Hardware / Treiber

Software

Laufwerke mit SATA-6 Gbit/s-Schnittstelle werden an einer ASUS-U3S6-Erweiterungskarte in Verbindung mit dem passenden Storagetreiber von Marvell getestet, sofern nicht anders vermerkt. Für weitere Tests, insbesondere den TRIM-Befehl betreffend, kommt Windows 7 64-bit zum Einsatz.


Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: Zufälliges Lesen und Schreiben von 4K-Blöcken, wobei im Alltagsbetrieb verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auftreten.

Neben der Leistung in IOPS (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde) und MByte/s wird außerdem die Antwortzeit ermittelt. Ist diese zu hoch, kann das System einfrieren bzw. für einige Zeit nicht mehr auf Befehle reagieren. In Iometer wurde die Anzahl an Outstanding I/Os (gleichzeitige Anfragen) auf 64 gestellt, um eine hohe Last zu erzeugen. In Einzelbenutzer-/Desktopumgebungen liegt dieser Wert typischerweise im einstelligen Bereich.

Neu hinzugekommen sind bei diesem Benchmark zusätzliche Messungen mit angepasstem Alignment. Ein korrektes Alignment bedeutet, dass die Partition genau auf der Grenze zwischen zwei Blöcken auf der SSD beginnt. Ist dies nicht der Fall, kann es sein, dass die Leistung der SSD stark nachlässt, da unnötig viele Schreiboperationen stattfinden (müssen). Windows XP erstellt beim Partitionieren kein korrektes Alignment, erst ab Windows Vista wird darauf geachtet. Manche Controller sind jedoch auch in der Lage, ein falsches Alignment auszugleichen.

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iom-mbs

iom-aligned

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Die Ergebnisse der G.Skill Phoenix Pro sind hier leider nicht direkt mit den anderen Laufwerken vergleichbar, da Iometer keine Zufallsdaten zum Schreiben benutzt, der SandForce-Controller die Daten also stark komprimieren und dementsprechend eine sehr hohe Leistung erreichen kann. Wir können hier also lediglich die Leistung der SandForce-Laufwerke untereinander vergleichen.

Wie erwartet, gibt es hier keine Überraschungen, die hohe Schreibleistung ist auf die Performance-Firmware zurückzuführen.


CrystalDiskMark ist ein einfacher Benchmark, der Lese- und Schreibvorgänge mit drei unterschiedlichen Blockgrößen testet. Es werden eine Testgröße von 1000 MB und fünf Durchläufe eingestellt. CDM zeigt jeweils den höchsten Wert aller Durchläufe an.

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Die G.Skill Phoenix Pro bewegt sich im Mittelfeld, beim Schreiben von 4K-Blöcken belegt sie allerdings zusammen mit den anderen SandForce-Laufwerken die vordersten Plätze. CrystalDiskMark schreibt Zufallsdaten, sodass der SandForce-Controller hier keine Chance hat, die Daten zu komprimieren. Die hier gemessene Leistung ist also die Leistung im schlechtesten Fall, im normalen Betrieb wird sie höher liegen.


Der AS-SSD-Benchmark wurde von einem unserer Community-Mitglieder speziell für die Anwendung mit SSDs entwickelt (Link zum Forum). Getestet wird die sequenzielle Transferrate sowieso die Transferrate bei 4K-Blöcken, jeweils mit einer und 64 gleichzeitigen Anfrage(n). Im Gegensatz zu CrystalDiskMark zeigt der AS SSD Benchmark Durchschnittswerte an.

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as-4k64

as-seq

Auch AS SSD verwendet Zufallsdaten für den Test, sodass die hier gemessene Leistung ebenfalls wieder die Leistung im schlechtesten Fall darstellt. Ist die Warteschlange lediglich eine Anfrage tief, sichern sich die Laufwerke mit SF-1200-Controller mit großen Abstand den ersten Platz. Beim Lesen erreicht man ein durchschnittliches Ergebnis. Die Leistungsunterschiede zwischen der normalen und der Performance-Firmware machen sich außerdem erst bei mehr als einer gleichzeitigen Anfrage bemerkbar.


Mit dem eingebauten Kopierbenchmark des AS SSD Tools wird nun die Kopierleistung des Laufwerks mit verschiedenen Profilen getestet: ISO, Programm und Spiel. Dieser Test gibt einen guten Anhaltspunkt für reale Anwendungen, wie z.B. das Entpacken eines Archives.

Des Weiteren wird die Zeit gemessen, die das Laufwerk zum Entpacken eines 3,61 GB großen ISO-Images benötigt. Dieser Test zeigt, wie gut das Laufwerk mit gleichzeitigen Lese- und Schreibzugriffen zurechtkommt. Im Wesentlichen handelt es sich hier also ebenfalls um einen Kopiertest.

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Die G.Skill Phoenix Pro zeigt auch hier wie die anderen SandForce-Laufwerke eine gute Kopierleistung, übertroffen wird sie lediglich von Crucials RealSSD C300, die allerdings auch ein SATA-6 Gbit/s-Interface besitzt.


Da herkömmliche Anwendungstests wie das Starten von Windows und/oder Programmen bei SSDs kaum nützlich sind (die Unterschiede würden sich häufig im Rahmen der Messtoleranz bewegen), testen wir hier die Anwendungsleistung mithilfe von PCMark Vantage, wobei eine ganze Reihe von verschiedenen Alltagsszenarien durchgespielt werden. Insbesondere werden bei allen bis auf einen Test auch die restlichen Komponenten (CPU, Arbeitsspeicher) mit einbezogen, sodass der Test wesentlich näher an der Realität ist als reine Tests der Datentransferleistung. Der HDD-Test bezieht sich schließlich wieder rein auf die Datenträgerleistung. Weitere Informationen zur Funktions- und Arbeitsweise von PCMark Vantage findet man bei Futuremark.

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Wie dieser Test deutlich zeigt, gibt es einen Punkt, ab dem keine zusätzliche Beschleunigung des Systems mehr zu erwarten ist. Während sich der Sprung von einer Festplatte auf eine mäßig schnelle SSD auch noch in der Alltagsleistung deutlich bemerkbar macht, fällt der Sprung auf eine SSD mit wesentlich mehr Rohleistung im Alltag deutlich geringer aus - zumindest bei unserem Testsystem.

Dank der enormen Rohleistung sind SandForce-Laufwerke wie die G.Skill Phoenix Pro auf jeden Fall eine sehr gute Wahl für übertaktete High-End-Systeme - man wird diese Laufwerke nicht so schnell an ihre Grenzen bringen können.


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Überraschungen gab es bei der G.Skill Phoenix Pro keine, was auch nicht zu erwarten war, schließlich sind alle SandForce-basierten Laufwerke nahezu komplett baugleich. Das Fazit, was die Leistung des Laufwerks betrifft, bleibt also auch hier das gleiche wie bisher:

Generell stellen die SandForce-Laufwerke neue Bestmarken auf, bei mehreren gleichzeitigen Schreibanfragen sind die Laufwerke mit der Performance-Firmware, wie sie auf der G.Skill Phoenix Pro zum Einsatz kommt, die neue Referenz. Lesend bewegen sich die SandForce-Laufwerke im oberen Mittelfeld, bei 64 gleichzeitigen Anfragen skaliert die Transferrate sehr gut, reicht aber noch nicht ganz an die der Intel X25-M oder Crucial C300 ran.

Geht es um sequenzielle Zugriffe, sind die SandForce-Laufwerke beim Schreiben und Lesen im Mittelfeld, hier ist aber anzumerken, dass mit Daten getestet wurde, die der Controller nicht komprimieren kann. Der Controller zieht nämlich einen großen Vorteil aus komprimierbaren Daten und wie man bereits in unserem letzten Test sehen konnte, steigt die sequenzielle Schreibrate von 143 MB/s (worst-case) auf bis zu 257 MB/s (maximale Kompressibilität), im Alltagsgebrauch bewegt man sich also irgendwo zwischen diesen Werten.

Die reine sequenzielle Transferrate ist allerdings noch nicht alles, denn teilweise sind Laufwerke mit höherer sequenzieller Transferrate beim Kopieren langsamer als andere Laufwerke mit niedrigerem sequenziellen Durchsatz. Die SandForce-Laufwerke erreichen bei unserem Kopierbenchmark eine sehr gute Leistung, auf einem Niveau mit Intels X25-M, und werden lediglich von Crucials C300 mit SATA-6 Gbit/s-Interface übertroffen.

Da die G.Skill Phoenix in der Pro-Version praktisch kaum teurer ist als in der normalen Version, dürfte diese Entscheidung leicht fallen. Die Phoenix-SSD mit 120 GB ist in unserem Preisvergleich bisher sogar nur in der Pro-Variante gelistet.

Die Preise von G.Skill sind zwar schon recht niedrig, werden von der extrememory XLR8 Plus allerdings noch unterboten. Letztere kommt allerdings ohne Einbaurahmen und (momentan noch) mit einer ein Jahr kürzeren Garantiezeit, wodurch der leicht höhere Preis der G.Skill Phoenix Pro gerechtfertigt wäre. Letztendlich muss die Entscheidung, zu welchem Hersteller man greift, jeder für sich treffen. G.Skill liefert auf jeden Fall ein rundes Gesamtpaket, weswegen es, wie üblich für SandForce-Laufwerke, auch hier wieder einen Award gibt.

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Positive Aspekte der G.Skill Phoenix Pro:

Negative Aspekte der G.Skill Phoenix Pro:

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