Test: extrememory XLR8 Plus SSD 120 GB

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aufmacherSSDs mit SandForce-Controller hatten wir nun schon einige im Test. Dabei ist die Performance hauptsächlich Firmware-abhängig, die Laufwerke untereinander unterscheiden sich allerdings kaum. So ist es kein Wunder, dass weitere Hersteller auf den Markt drängen, denn im SSD-Bereich ist die Nachfrage groß und mit einer fertigen, soliden Technik lässt sich schnell auf den Zug aufspringen. extrememory ist eine neue Firma, die dies versucht: Die XLR8 Plus SSD aus der Plus-Series des Herstellers nutzt den SandForce-1200-Controller - mit den bekannten Funktionen.

extrememory ist allerdings kein Nobody, der nun versucht, auf den SSD-Markt aufzuspringen, sondern eine Tochter der MEMQ AG. Als Teil der Schweizer COS-Gruppe gehört man zu den größten Distributoren für Speicherprodukte - somit hat sicherlich jeder schon einmal ein Produkt wie Speichermodule, Compact-Flash-Karten oder SSDs gekauft, welche von MEMQ vertrieben worden sind. Mit der Marke extrememory bringt man nun auch SSDs direkt an Endkunden, nach einer Indilinx-basierten SSD ist die SandForce-SSD nun das aktuelle Flaggschiff.

In unserem Preisvergleich findet man die neue Plus-Serie von extrememory noch nicht - wir erhielten eines der ersten Laufwerke für einen ersten Test der SSD. 

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Im Gegensatz zu den Versionen von OCZ und Corsair mit schneller Firmware setzt extrememory auf die klassische Version. Die SSD sollte also die typische Performance des SandForce SF-1200-Controllers erreichen und nicht die etwas gesteigerte Leistung des teureren SandForce-1500-Controllers. Für die meisten Anwender wird der Unterschied aber nicht ins Gewicht fallen.

Die wichtigsten Eckdaten sind in folgender Tabelle zusammengefasst, weitere Details folgen auf der nächsten Seite.

Firmwareupdates verspricht man regelmäßig, sofern SandForce neue Firmwares auf den Markt bringt. Man muss also nicht befürchten, bei neuen Funktionen oder Optimierungen auf dem Trockenen zu sitzen. Die Endkundenpreise sind sehr niedrig - hier liegt man unter den momentan günstigsten Modellen von G.Skill, OCZ, Corsair und SuperTalent, die ebenso auf den SandForce-1200-Controller setzen.


Der Lieferumfang beschränkt sich bei dem Laufwerk auf die SSD selber, ein Einbaurahmen oder eine Anleitung sind nicht mit im Lieferumfang vorhanden. Auch Schrauben muss man selber haben - aber dies wird wohl für die meisten Anwender kein Problem darstellen.

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Auf die wesentlichen Eigenschaften des SandForce-Controllers sind wir bereits im Verlauf unseres letzten Artikels eingegangen, deswegen verweisen wir an dieser Stelle dorthin. Das Innenleben der extrememory-SSD sieht demnach auch identisch aus zu vielen anderen SSDs:

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Die verwendeten NAND-Chips hat extrememory unkenntlich gemacht, sodass man hier keinen Rückschluss darauf ziehen kann, welches Fabrikat zum Einsatz kommt. Wir wissen aber: Es sind Chips von IM Flash Technologies, dem Joint-Venture zwischen Intel und Micron. Die typischen Kennzeichen des PCBs anderer SandForce-Laufwerke sind allerdings auch hier zu finden, beispielsweise die Lötpunkte für den Stützkondensator, der aber nur in Verbindung mit dem teureren SF-1500-Controller zum Einsatz kommt.

Der Unterschied beschränkt sich also wieder einmal auf die verwendete Firmware. Es gab eine ganze Zeit nur eine Vorabversion der Firmware („Release Candidate“), mit welcher der SF-1200-Controller die gleiche Leistung wie der SF-1500 besitzt. Mit der finalen Version der Firmware wurde der SF-1200 von SandForce künstlich gedrosselt. OCZ und Corsair haben allerdings ein Abkommen mit SandForce und bekommen eine Spezialversion der finalen Firmware, die die Leistung eines Laufwerks auf das Niveau des SF-1500-Controllers hebt. Alle anderen Hersteller bekommen nur die Standard-Firmware, die das Laufwerk beim Schreiben von kleinen Blöcken drosselt. Somit besitzt auch dieses Laufwerk dieselbe Performance wie andere typische SandForce-1200-Laufwerke.

Der verwendete USB-Port macht das Laufwerk übrigens leider nicht zu einem einfachen externen Datenspeicher, denn der Port ist nur für Diagnosezwecke des Herstellers da. 

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Firmware-Updates werden übrigens nicht über den USB-Port vorgenommen, sondern auch elegant über SATA.


Im Vergleich zu den letzten Tests können wir den Test der extrememory-SSD leider nicht mit dem üblichen Testsystem durchführen, sondern müssen auf ein System mit einem Rampage III Extreme-Mainboard und einem Core i7-980X und 6 GB Corsair DDR3-2133 ausweichen. Die gemessenen Werte - gerade bezüglich der CPU-Belastung - sind also nicht mit dem Testsystem vergleichbar, welches wir sonst nutzen. Wir haben deshalb die Werte der extrememory-SSD nicht in unsere Ranking-Listen mit eingefügt, sondern führen die Werte separat auf.

Hardware / Treiber des jetzt verwendeten Testsystems:

Hardware / Treiber des normalerweise verwendeten Testsystems:

Software

Laufwerke mit SATA-6 Gbit/s-Schnittstelle werden an einer ASUS-U3S6-Erweiterungskarte in Verbindung mit dem passenden Storagetreiber von Marvell getestet, sofern nicht anders vermerkt. Für weitere Tests, insbesondere den TRIM-Befehl betreffend, kommt Windows 7 64-bit zum Einsatz.


CrystalDiskMark ist ein einfacher Benchmark, der Lese- und Schreibvorgänge mit drei unterschiedlichen Blockgrößen testet. Es wird eine Testgröße von 1000 MB und fünf Durchläufe eingestellt. CDM zeigt jeweils den höchsten Wert aller Durchläufe an.

Hier die Screenshots für die extrememory-SSD in unterschiedlichen Varianten:

crystal-idecrystal-ahcicrystal-ahci-intel

Links: IDE, Mitte: AHCI Microsoft-Treiber, Rechts: AHCI Intel-Treiber

Anbei auch die Vergleichswerte von unserem anderen Testsystem mit Intel-Treiber:

cdm-4k

cdm-512k

cdm-seq

Das Laufwerk zeigt eine ähnlich gute Leistung wie die SandForce-Laufwerke von OCZ und Corsair - leichte Unterschiede können durch die unterschiedlichen Testsysteme erklärt werden. CrystalDiskMark schreibt Zufallsdaten, sodass der SandForce-Controller hier keine Chance hat, die Daten zu komprimieren. Die hier gemessene Leistung ist also die Leistung im schlechtesten Fall, im normalen Betrieb wird sie höher liegen.


Der AS-SSD-Benchmark wurde von einem unserer Community-Mitglieder speziell für die Anwendung mit SSDs entwickelt (Link zum Forum). Getestet wird die sequenzielle Transferrate sowie die Transferrate bei 4K-Blöcken, jeweils mit einer und 64 gleichzeitigen Anfrage(n). Im Gegensatz zu CrystalDiskMark zeigt der AS SSD Benchmark Durchschnittswerte an.

Hier die Messwerte der extrememory-SSD:

assd-ideassd-ahci-intel

Links: AHCI mit Microsoft-Treiber, Rechts: AHCI mit Intel-Treiber

Und zum Vergleich wieder einmal die Messwerte unseres anderen Testsystems mit Intel-Treiber:

as-4k

as-4k64

as-seq

Auch hier gibt es Unterschiede zu unseren bisherigen Tests - auch hier ist aber das Testsystem der Grund. Die Leistung pendelt sich ungefähr auf dem Niveau der anderen SandForce-1200-SSDs ein.

Auch AS SSD verwendet Zufallsdaten für den Test, sodass die hier gemessene Leistung ebenfalls wieder die Leistung im schlechtesten Fall darstellt. Ist die Warteschlange lediglich eine Anfrage tief, sichern sich die Laufwerke mit SF-1200-Controller mit großem Abstand den ersten Platz. Beim Lesen erreicht man ein durchschnittliches Ergebnis. Die Leistungsunterschiede zwischen den Firmwareversionen machen sich außerdem erst bei mehr als einer gleichzeitigen Anfrage bemerkbar.


HD Tune Pro verwenden wir in der Version 3.5. Der Benchmark ist ein klassisches Tool zum Messen der Transferleistung einer Festplatte. Mit der Alltagsperformance hat dies meistens nichts zu tun, da hier keine Zugriffe simuliert werden, die im PC-Alltag üblich sind - höchstens beim Kopieren einer sehr großen Datei auf die Festplatte oder von ihr. Die Lese- und Schreibraten dienen deshalb eher dem Vergleich mit den Angaben des Herstellers, schwanken aber auch mit dem verwendeten SATA-II-Controller.

Folgende Messungen konnten wir feststellen:

Die Leseraten:

hdtune-read-idehdtune-read-ahcihdtune-read-ahci-intel

Links: IDE, Mitte: AHCI Microsoft-Treiber, Rechts AHCI Intel-Treiber

Die Schreibraten:

hdtune-write-idehdtune-write-ahcihdtune-write-ahci-intel

Links: IDE, Mitte: AHCI Microsoft-Treiber, Rechts AHCI Intel-Treiber

Damit liegt die extrememory-SSD auf dem typischen Niveau für SATA-II-basierende SandForce-Laufwerke.

Da herkömmliche Anwendungstests wie das Starten von Windows und/oder Programmen bei SSDs kaum nützlich sind (die Unterschiede würden sich häufig im Rahmen der Messtoleranz bewegen), testen wir hier die Anwendungsleistung mithilfe von PCMark Vantage, wobei eine ganze Reihe von verschiedenen Alltagsszenarien durchgespielt werden. Wir haben hier aufgrund der unterschiedlichen Testbasis nur den HDD-Test durchgeführt, der allerdings auch von der CPU-Leistung abhängt - die Messwerte sind also nur eingeschränkt vergleichbar. Weitere Informationen zur Funktions- und Arbeitsweise von PCMark Vantage findet man bei Futuremark.

Anbei der Messwert der extrememory-SSD (AHCI mit Intel-Treiber):

vantage

Und zum wiederholten Male die Vergleichsbenchmarks unseres anderen (deutlich langsameren) Testsystems:

pcmark-hdd

Auch hier bekommen wir unterschiedliche Werte aufgrund des Testsystems, die Leistung der extrememory-SSD ist jedoch auf gleichem Niveau wie die anderen SandForce-1200-Laufwerke. 


Der aufmerksame Leser wird vielleicht zu der richtigen Schlussfolgerung kommen: Wenn das Innere einer SSD praktisch identisch ist und sich von Hersteller zu Hersteller nicht unterscheidet, wären andere Punkte entscheidungsrelevant. Beispielsweise die Firmware - doch auch diese ist bei SandForce-Laufwerken größtenteils identisch. Also kann man sich noch am Service, den Garantiezeiten und dem Verpackungsinhalt orientieren - und natürlich am Preis.

Die Leistung der extrememory XLR8 Plus liegt auf einem Niveau mit den anderen SandForce-1200-SSDs (auch wenn wir durch unser anderes Testsystem dies nicht 100%ig wiedergeben können), deshalb kann die Performance kein ausschlaggebendes Argument für oder gegen eine bestimmte SandForce-SSD sein. Beigaben wie ein Einbaurahmen für den Betrieb des 2,5-Zoll-Laufwerks in einem 3,5-Zoll-Slot findet man leider nicht. Und bei der Garantiezeit hebt man sich auch nicht vom Rest der Hersteller ab. Letztendlich ist der Preis ein Aspekt, denn wenn extrememory das Laufwerk preisgünstig anbietet, kann man ohne Probleme zuschlagen: Die Qualität und die Performance stimmt, warum sollte man mehr bezahlen bei einem anderen - identischen - Laufwerk?

Update 11.08.2010: Extrememory gibt nun drei Jahre Garantie auf die SSD.

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Generell stellen die SandForce-Laufwerke neue Bestmarken auf, bei mehreren gleichzeitigen Schreibanfragen ist die Vertex 2 (zusammen mit der Corsair Force) dank ihrer speziellen Firmware die neue Referenz. Lesend bewegen sich die SandForce-Laufwerke im oberen Mittelfeld, bei 64 gleichzeitigen Anfragen skaliert die Transferrate sehr gut, reicht aber noch nicht ganz an die der Intel X25-M oder Crucial C300 ran.

Geht es um sequenzielle Zugriffe, sind die SandForce-Laufwerke beim Schreiben und Lesen im Mittelfeld, hier ist aber anzumerken, dass mit Daten getestet wurde, die der Controller nicht komprimieren kann. Der Controller zieht nämlich einen großen Vorteil aus komprimierbaren Daten und wie man bereits in unserem letzten Test sehen konnte, steigt die sequenzielle Schreibrate von 143 MB/s (worst case) auf bis zu 257 MB/s (maximale Kompressibilität), in Alltagsgebrauch bewegt man sich also irgendwo zwischen diesen Werten.

Die reine sequenzielle Transferrate ist allerdings noch nicht alles, denn teilweise sind Laufwerke mit höherer sequenzieller Transferrate beim Kopieren langsamer als andere Laufwerke mit niedrigerem sequenziellem Durchsatz. Die SandForce-Laufwerke erreichen bei unserem Kopierbenchmark eine sehr gute Leistung, auf einem Niveau mit Intels X25-M, und werden lediglich von Crucials C300 mit SATA-6 Gbit/s-Interface übertroffen.

Die extrememory XLR8 Plus kann man also ohne Weiteres empfehlen - sie rangiert mit der OCZ Agility 2 und der A-Data S599 auf einem Niveau - die gebotene Mehrleistung der teureren SandForce-Laufwerke mit optimierter Firmware muss man nicht überbewerten, denn sie bezieht sich lediglich auf das Schreiben von kleinen Blöcken. Nun sind Schreibzugriffe erstens sowieso wesentlich seltener als Lesezugriffe, zweitens ist auch die niedrigere Leistung noch weit über dem, was man jemals in einem Desktop-System benötigen wird bzw. überhaupt ansatzweise ausreizen kann.

Somit kann man zum günstigsten Laufwerk greifen - und hier ist es interessant, wo sich die extrememory-SSD am Markt einordnen kann. Die Herstellerangaben von extrememory sind auf jeden Fall vielversprechend, so sollte sich das 120-GB-Modell unter den momentan günstigsten Laufwerken einordnen. Genaueres werden wir in ca. 10 Tagen wissen, wenn die Laufwerke am Markt verfügbar sind.

Positive Aspekte der extrememory XLR8 Plus:

Negative Aspekte der extrememory XLR8 Plus:

Letztendlich - sollte sich der günstige Preis bewahrheiten - erhält die extrememory XLR8 Plus von uns den Preis-Leistungsaward:

Preis-Leistungs-Award

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