Test: OCZ Vertex 2 und Agility 2 mit SF-1200-Controller

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vertex2agility2OCZ Vertex und Agility sind bekannte Namen in Verbindung mit SSDs – besagte Laufwerke besitzen allerdings den Indilinx-Barefoot-Controller, wohingegen die hier getesteten Vertex 2 und Agility 2 auf den SF-1200-Controller der Firma SandForce setzen. Somit haben die Laufwerke bis auf den Namen nicht das Geringste gemeinsam, auch wenn es der schlichte Namenszusatz in Form der „2“ anders vermuten lassen könnte.  Die ersten SSDs, die auf den SandForce SF-1200-Controller setzen, haben wir bereits ausführlich getestet und für sehr gut befunden. Nun schauen wir uns die entsprechenden Laufwerke von OCZ an.

Während die beiden SandForce-Laufwerke aus unserem letzten Test immer noch entsprechende Einträge in unserem Preisvergleich vermissen lassen, kann OCZ in Form der Vertex 2 und Agility 2 nun endlich Laufwerke mit SandForce-Controller ausliefern.

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OCZ ist für eine enge Zusammenarbeit mit SSD-Controller-Herstellern bekannt: Bereits beim Barefoot-Controller hat man mit Indilinx zusammengearbeitet, um Rückmeldungen von Nutzern möglichst schnell in eine neue Firmware einfließen zu lassen und diese dann auch zeitnah zur Verfügung zu stellen. Andere Hersteller haben teilweise mehrere Wochen oder Monate gebraucht, um die gleiche  Firmware zu veröffentlichen (lediglich Super Talent hat hier ebenfalls eine sehr kurze Reaktionszeit gezeigt).

Diese Zusammenarbeit hat sich schließlich auch in Produkten wie der Vertex Turbo geäußert, die durch selektierte Controller etwas schneller als andere SSDs mit Barefoot-Controller sein sollte. Leider hat die Vertex Turbo mehr ein Schattendasein gefristet, denn der Aufpreis stand leider in keinem vernünftigen Verhältnis zur gebotenen Mehrleistung.

Mit der Firma SandForce strebt man bei OCZ nun offensichtlich wieder eine sehr gute Kooperation an, denn auch hier bekommt man wieder einen Vorteil gegenüber anderen Herstellern: Die Vertex 2 besitzt eine spezielle Firmware, mit der der SandForce SF-1200-Controller die gleiche Leistung wie der größere (und teurere) SF-1500-Controller erreicht. Dazu mehr auf der nächsten Seite.

Die wichtigsten Eckdaten sind in folgender Tabelle zusammengefasst, weitere Details folgen auf der nächsten Seite.

Beide Laufwerke sind verfügbar mit einer Kapazität von 50, 100 und 200 GB.


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Der Lieferumfang beschränkt sich bei beiden Laufwerken neben einer Kurzanleitung und dem eigentlichen Laufwerk auf einen schwarzen Einbaurahmen für den 3,5-Zoll-Schacht und einen Satz passender Schrauben.

Auf die wesentlichen Eigenschaften des SandForce-Controllers sind wir bereits im Verlauf unseres letzten Artikels eingegangen, deswegen verweisen wir an dieser Stelle dorthin.

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Welche Platine gehört zu welchem Laufwerk? In diesem Fall gehört die Platine auf der linken Seite zur Agility 2 und die rechte zur Vertex 2. Wüsste man das nicht, könnte man sie allerdings nicht zuordnen, denn beide Platinen besitzen exakt das gleiche Layout, auf der Vorder- sowie auf der Rückseite. Auch hier finden sich noch die Lötpunkte für den Stützkondensator, der aber nur in Verbindung mit dem teureren SF-1500-Controller zum Einsatz kommt.

Wo liegt also der Unterschied zwischen den Laufwerken? Die Antwort ist kurz: In der Firmware. Bereits als wir die A-DATA S599 und Corsair Force getestet haben, sind bei der Schreibleistung von kleinen Blöcken deutliche Unterschiede zwischen den beiden Laufwerken aufgefallen.

Nun gab es also eine ganze Zeit nur eine Vorabversion der Firmware („Release Candidate“), mit welcher der SF-1200-Controller die gleiche Leistung wie der SF-1500 besitzt. Mit der finalen Version der Firmware wurde der SF-1200 von SandForce künstlich gedrosselt. OCZ hat allerdings ein exklusives Abkommen mit SandForce und bekommt eine Spezialversion der finalen Firmware, die auf der Vertex 2 zum Einsatz kommt und diese auf die Leistung eines Laufwerks mit SF-1500-Controller hebt. Alle anderen Hersteller bekommen nur die Firmware, die auch auf der Agility 2 zum Einsatz kommt und das Laufwerk beim Schreiben von kleinen Blöcken drosselt. 


Hardware / Treiber

Software

Laufwerke mit SATA-6 Gbit/s-Schnittstelle werden an einer ASUS-U3S6-Erweiterungskarte in Verbindung mit dem passenden Storagetreiber von Marvell getestet, sofern nicht anders vermerkt. Für weitere Tests, insbesondere den TRIM-Befehl betreffend, kommt Windows 7 64-bit zum Einsatz.


Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: Zufälliges Lesen und Schreiben von 4K-Blöcken, wobei im Alltagsbetrieb verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auftreten.

Neben der Leistung in IOPS (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde) und MB/s wird außerdem die Antwortzeit ermittelt. Ist diese zu hoch, kann das System einfrieren bzw. für einige Zeit nicht mehr auf Befehle reagieren. In Iometer wurde die Anzahl an Outstanding I/Os (gleichzeitige Anfragen) auf 64 gestellt, um eine hohe Last zu erzeugen. In Einzelbenutzer-/Desktopumgebungen liegt dieser Wert typischerweise im einstelligen Bereich.

Neu hinzugekommen sind bei diesem Benchmark zusätzliche Messungen mit angepasstem Alignment. Ein korrektes Alignment bedeutet, dass die Partition genau auf der Grenze zwischen zwei Blöcken auf der SSD beginnt. Ist dies nicht der Fall, kann es sein, dass die Leistung der SSD stark nachlässt, da unnötig viele Schreiboperationen stattfinden (müssen). Windows XP erstellt beim Partitionieren kein korrektes Alignment, erst ab Windows Vista wird darauf geachtet. Manche Controller sind jedoch auch in der Lage, ein falsches Alignment auszugleichen.

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Die Ergebnisse der beiden Laufwerke sind hier leider nicht direkt mit den anderen Laufwerken vergleichbar, da Iometer keine Zufallsdaten zum Schreiben benutzt, der SandForce-Controller die Daten also stark komprimieren und dementsprechend eine sehr hohe Leistung erreichen kann. Wir können hier also lediglich die Leistung der SandForce-Laufwerke untereinander vergleichen.

Eigentlich sollte die Vertex 2 die schnellste SSD mit SF-1200-Controller sein, dank eines kleinen Firmware-Tricks ist die Corsair Force allerdings genauso schnell. Da die Agility 2 und A-DATA S599 die Standard-Firmware des SF-1200-Controllers einsetzen, sind sie mit 4K Alignment beim Schreiben fast 75 % langsamer, was sich schlimmer anhört, als es eigentlich ist, denn rund 50 MB/s sind beim Schreiben immer noch mehr als genug.


CrystalDiskMark ist ein einfacher Benchmark, der Lese- und Schreibvorgänge mit drei unterschiedlichen Blockgrößen testet. Es wird eine Testgröße von 1000 MB und fünf Durchläufe eingestellt. CDM zeigt jeweils den höchsten Wert aller Durchläufe an.

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Beide Laufwerke bewegen sich im Mittelfeld, beim Schreiben von 4K Blöcken belegen die OCZ Vertex 2 und Agility 2 allerdings zusammen mit den anderen SandForce-Laufwerken die ersten Plätze. CrystalDiskMark schreibt Zufallsdaten, sodass der SandForce-Controller hier keine Chance hat, die Daten zu komprimieren. Die hier gemessene Leistung ist also die Leistung im schlechtesten Fall, im normalen Betrieb wird sie höher liegen.


Der AS-SSD-Benchmark wurde von einem unserer Community-Mitglieder speziell für die Anwendung mit SSDs entwickelt (Link zum Forum). Getestet wird die sequenzielle Transferrate sowie die Transferrate bei 4K-Blöcken, jeweils mit einer und 64 gleichzeitigen Anfrage(n). Im Gegensatz zu CrystalDiskMark zeigt der AS SSD Benchmark Durchschnittswerte an.

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Auch AS SSD verwendet Zufallsdaten für den Test, sodass die hier gemessene Leistung ebenfalls wieder die Leistung im schlechtesten Fall darstellt. Ist die Warteschlange lediglich eine Anfrage tief, sichern sich die Laufwerke mit SF-1200-Controller mit großen Abstand den ersten Platz. Beim Lesen erreicht man ein durchschnittliches Ergebnis. Die Leistungsunterschiede zwischen den Firmwareversionen machen sich außerdem erst bei mehr als einer gleichzeitigen Anfrage bemerkbar.

Mit dem eingebauten Kopierbenchmark des AS SSD Tools wird nun die Kopierleistung des Laufwerks mit verschiedenen Profilen getestet: ISO, Programm und Spiel. Dieser Test gibt einen guten Anhaltspunkt für reale Anwendungen, wie z.B. das Entpacken eines Archives.

Des Weiteren wird die Zeit gemessen, die das Laufwerk zum Entpacken eines 3,61 GB großen ISO-Images benötigt. Dieser Test zeigt, wie gut das Laufwerk mit gleichzeitigen Lese- und Schreibzugriffen zurechtkommt. Im Wesentlichen handelt es sich hier also ebenfalls um einen Kopiertest.

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Die OCZ Vertex 2 und Agility 2 zeigen auch hier wie die anderen SandForce-Laufwerke eine gute Kopierleistung, übertroffen werden sie lediglich von Crucicals RealSSD C300, die allerdings auch ein SATA-6 Gbit/s-Interface besitzt.


Da herkömmliche Anwendungstests wie das Starten von Windows und/oder Programmen bei SSDs kaum nützlich sind (die Unterschiede würden sich häufig im Rahmen der Messtoleranz bewegen), testen wir hier die Anwendungsleistung mithilfe von PCMark Vantage, wobei eine ganze Reihe von verschiedenen Alltagsszenarien durchgespielt werden. Insbesondere werden bei allen bis auf einem Test auch die restlichen Komponenten (CPU, Arbeitsspeicher) mit einbezogen, sodass der Test wesentlich näher an der Realität ist als reine Tests der Datentransferleistung. Der HDD-Test bezieht sich schließlich wieder rein auf die Datenträgerleistung. Weitere Informationen zur Funktions- und Arbeitsweise von PCMark Vantage findet man bei Futuremark.

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Wie dieser Test deutlich zeigt, gibt es einen Punkt, ab dem keine zusätzliche Beschleunigung des Systems mehr zu erwarten ist. Während sich der Sprung von einer Festplatte auf eine mäßig schnelle SSD auch noch in der Alltagsleistung deutlich bemerkbar macht, fällt der Sprung auf eine SSD mit wesentlich mehr Rohleistung im Alltag deutlich geringer aus - zumindest bei unserem Testsystem.

Dank der enormen Rohleistung sind SandForce-Laufwerke wie die Vertex 2 und Agility 2 auf jeden Fall eine sehr gute Wahl für übertaktete High-End-Systeme - man wird diese Laufwerke nicht so schnell an ihre Grenzen bringen können.


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Das Fazit zur OCZ Vertex 2 und Agility 2 fällt nicht viel anders aus als zur Corsair Force und A-DATA S599, schließlich besitzen sie die gleiche Technik.

Beim Schreiben von kleinen Blöcken stellen die SandForce-Laufwerke neue Bestmarken auf, bei mehreren gleichzeitigen Schreibanfragen ist die Vertex 2 (zusammen mit der Corsair Force – siehe unten) dank ihrer speziellen Firmware die neue Referenz. Lesend bewegen sich die SandForce-Laufwerke im oberen Mittelfeld, bei 64 gleichzeitigen Anfragen skaliert die Transferrate sehr gut, reicht aber noch nicht ganz an die der Intel X25-M oder Crucial C300 ran.

Geht es um sequenzielle Zugriffe, sind die SandForce-Laufwerke beim Schreiben und Lesen im Mittelfeld, hier ist aber anzumerken, dass mit Daten getestet wurde, die der Controller nicht komprimieren kann. Der Controller zieht nämlich einen großen Vorteil aus komprimierbaren Daten und wie man bereits in unserem letzten Test sehen konnte, steigt die sequenzielle Schreibrate von 143 MB/s (worst case) auf bis zu 257 MB/s (maximale Kompressibilität), in Alltagsgebrauch bewegt man sich also irgendwo zwischen diesen Werten.

Die reine sequenzielle Transferrate ist allerdings noch nicht alles, denn teilweise sind Laufwerke mit höherer sequenzieller Transferrate beim Kopieren langsamer als andere Laufwerke mit niedrigerem sequenziellem Durchsatz. Die SandForce-Laufwerke erreichen bei unserem Kopierbenchmark eine sehr gute Leistung, auf einem Niveau mit Intels X25-M, und werden lediglich von Crucials C300 mit SATA-6 Gbit/s-Interface übertroffen.

Welches der SandForce-Laufwerke soll man nun kaufen? Corsairs Force lockt mit der gleichen Geschwindigkeit wie OCZs Vertex 2, wobei nicht klar ist, ob das auch in Zukunft so bleiben wird, denn schließlich hat lediglich OCZ eine exklusive Abmachung mit SandForce, um so an eine spezielle, schnellere, Firmware zu kommen. Die Leistung der Agility 2 entspricht dem, was man von einer „normalen“ SSD mit SF-1200-Controller erwarten darf. In diese Kategorie fällt auch die S599 von A-DATA. Man sollte die gebotene Mehrleistung allerdings nicht überbewerten, denn sie bezieht sich lediglich auf das Schreiben von kleinen Blöcken. Nun sind Schreibzugriffe erstens sowieso wesentlich seltener als Lesezugriffe, zweitens ist auch die niedrigere Leistung noch weit über dem, was man jemals in einem Desktop-System benötigen wird bzw. überhaupt ansatzweise ausreizen kann.

Es ist also durchaus legitim, zum günstigsten Laufwerk zu greifen. Vergleicht man die beiden Laufwerke von OCZ, so ist zumindest bei einer Kapazität von 100 GB die Vertex 2 das günstigere Laufwerk – in diesem Fall muss man wohl kaum noch überlegen. Anders sieht der Unterschied hingegen bei der Version mit 200 GB aus: Hier muss man im Vergleich zur Agility 2 ca. 50 € (oder 8%) mehr bezahlen. Ob das gerechtfertigt ist, muss jeder für sich entscheiden. Mit der Agility 2 macht man allerdings auch nichts falsch, genauso wenig wie mit der Corsair Force und A-DATA S599. Da die beiden letztgenannten Laufwerke allerdings noch nicht in unserem Preisvergleich gelistet sind, kann man hier natürlich auch noch keinen Preis vergleichen.

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OCZ liefert mit der Vertex 2 und Agility 2 zwei sehr gute SSDs.

Positive Aspekte der OCZ Vertex 2 und Agility 2:

Negative Aspekte der OCZ Vertex 2 und Agility 2:

Weitere Links: