Test: Intels kleinste SSD: X25-V 40 GB

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teaserDie SSDs von Intel erfreuen sich größter Beliebtheit, so haben wir der X25-M G2 Postville bereits unseren Excellent-Hardware-Award verliehen. Die verfügbaren Größen von 80 und 160 GB haben viele Nutzer, die nur ein kleines Laufwerk für das Betriebssystem benötigen, allerdings zu einem anderen Hersteller greifen lassen. Dem möchte man mit der X25-V nun entgegenwirken, sie besitzt den gleichen Controller wie die „Großen“, allerdings eine reduzierte Anzahl an Speicherkanälen, sodass die beworbene Schreibrate auf 35 MB/s sinkt.

Eigentlich haben wir über Intels X25-V bereits berichtet – nämlich in Form der Kingston SSDNow V 40 GB. Leider war diese bereits kurz nach Veröffentlichung unseres Reviews nicht mehr im Handel erhältlich und inzwischen ist auch klar warum: Intel möchte diese SSD lieber selbst verkaufen.

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Damit gibt es bei Intel nun insgesamt drei Serien: Die X25-E „Extreme“, die mit leistungsfähigem und gleichzeitig sehr teurem SLC-Speicher ausschließlich auf den Enterprise-Markt ausgerichtet ist (und inzwischen aufgrund fehlender TRIM-Unterstützung auch leicht veraltet ist). Für Heim-/Privatanwender gibt es die eingangs erwähnte X25-M „Mainstream“, inzwischen in der zweiten Generation mit dem Namenszusatz „Postville“. Mit einem Firmware-Update hat Intel die sequenzielle Schreibrate der 160-GB-Version der X25-M Postville gegenüber der 80-GB-Version um 20 MB/s angehoben, entsprechend fällt die Kennzeichnung auf der Verpackung (siehe unten) aus.

Die X25-V „Value“ rundet das Angebot nun nach unten ab. Sie besitzt ebenfalls den Intel-Controller der zweiten Generation, allerdings wurde die Anzahl der Flash-Chips von zehn auf fünf reduziert. In welchen Fällen sich die niedrige sequenzielle Schreibrate der X25-V bemerkbar macht, untersuchen wir im Verlauf dieses Artikels.

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Wie diese Einteilung schon andeutet, bleiben auf jeden Fall die wesentlichen Vorteile einer SSD bestehen: Extrem kurze Zugriffszeiten, niedriger Stromverbrauch, eine höhere mechanische Belastbarkeit und natürlich keine Geräuschentwicklung.

Die wichtigsten Eckdaten sind in folgender Tabelle zusammengefasst, weitere Details folgen auf der nächsten Seite.


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Der Lieferumfang der Retail-Version fällt im Vergleich zum ehemaligen Angebot von Kingston etwas kleiner aus. Ein Einbaurahmen für den 3,5-Zoll-Schacht wird ebenfalls mitgeliefert, statt Backup-Software und SATA Strom- und Datenkabel gibt es nur einen Aufkleber - über den sich mancher aber vermutlich sogar mehr freuen wird als über zusätzliche Kabel.

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Die Platine der Intel X25-V sieht identisch zur Kingston SSDNow V 40 GB aus, was nicht verwundert, handelt es sich doch praktisch um das gleiche Laufwerk. Die einzige Neuerung besteht hier in der Firmware: Während es für Kingstons SSDNow V 40 GB nie ein offizielles Update gab, welches Unterstützung für den TRIM-Befehl gebracht hat, werden die Laufwerke von Intel mit einer entsprechend verbesserten Firmware ausgeliefert. Findigen Bastlern ist es allerdings gelungen, die eigentlich nur für Intel-Laufwerke gedachte Firmware auch auf das Kingston-Laufwerk aufzuspielen. Dieser Weg wird wie gesagt allerdings nicht offiziell unterstützt und wird mindestens einen Garantieverlust zur Folge haben.

Intels nützliche SSD Toolbox (Download bei Intel) bietet ebenfalls Unterstützung für die X25-V. Seit unserem Erstkontakt mit dieser Software hat es zwar zwei neue Versionen gegeben, diese beschränken sich aber auf das Entfernen von Fehlern, weswegen wir an dieser Stelle auf den entsprechenden Abschnitt in unserem Review der X25-M verweisen, wo wir einen ausführlichen Blick auf Intels SSD Toolbox werfen.

Zum Schluss schauen wir uns noch kurz die Implementation des TRIM-Befehls und der Garbage Collection an. Dazu zuerst ein Testlauf des Laufwerks im fabrikneuen Zustand:

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Nun ein weiterer Testlauf nach längerer Belastung mit zufälligen Schreibzugriffen:

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Die durchschnittliche Leserate sinkt von 253,3 MB/s auf 177,4 MB/s, die Schreibrate von 43,5 MB/s auf 35,8 MB/s. Die vielen Einbrüche im Verlauf der Kurve deuten an, dass der Controller hier viel zu tun hat. Prozentual gesehen besitzt die Intel X25-V den gleichen Reservespeicher wie die größeren X25-M, was bei einer Kapazität von lediglich 40 GB natürlich wesentlich weniger ist als bei den größeren Modellen. Entsprechend empfindlich reagiert die X25-V auf starke Belastung. Wie immer gilt hier allerdings auch: Diese Art der Belastung ist für ein Desktop-System vollkommen untypisch und sollte niemals auftreten.

Nicht zuletzt helfen sequenzielle Schreibzugriffe der Gabage Collection sehr gut, sodass ein zweiter Durchlauf bereits wieder wesentlich bessere Ergebnisse zeigt:

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Die Leserate erreicht 77 % des Ausgangsniveaus, die Schreibrate sogar 96 %.

Nach einem Auslösen des TRIM-Befehls durch ein Schnellformatieren des Laufwerks ist die Leistung schließlich vollständig wiederhergestellt. Der TRIM-Befehl ist sauber implementiert, die Garbage Collection arbeitet in Verbindung mit sequenziellen Zugriffen äußerst effizient: Sehr gut!


Hardware / Treiber

Software

Laufwerke mit SATA-6 Gbit/s-Schnittstelle werden an einer ASUS-U3S6-Erweiterungskarte in Verbindung mit dem passenden Storagetreiber von Marvell getestet, sofern nicht anders vermerkt. Für weitere Tests, insbesondere den TRIM-Befehl betreffend, kommt Windows 7 64-bit zum Einsatz.


Iometer ist ein komplexes Benchmark-Tool, mit dem sich durch Erstellen von verschiedenen Zugriffsprofilen fast jedes erdenkliche Szenario testen lässt. Wir beschränken uns auf zwei Tests: Zufälliges Lesen und Schreiben von 4K-Blöcken, wobei im Alltagsbetrieb verhältnismäßig wesentlich mehr Lese- als Schreiboperationen auftreten.

Neben der Leistung in IOPS (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde) und MByte/s wird außerdem die Antwortzeit ermittelt. Ist diese zu hoch, kann das System einfrieren bzw. für einige Zeit nicht mehr auf Befehle reagieren. In Iometer wurde die Anzahl an Outstanding I/Os (gleichzeitige Anfragen) auf 64 gestellt, um eine hohe Last zu erzeugen. In Einzelbenutzer-/Desktopumgebungen liegt dieser Wert typischerweise im einstelligen Bereich.

Neu hinzugekommen sind bei diesem Benchmark zusätzliche Messungen mit angepasstem Alignment. Ein korrektes Alignment bedeutet, dass die Partition genau auf der Grenze zwischen zwei Blöcken auf der SSD beginnt. Ist dies nicht der Fall, kann es sein, dass die Leistung der SSD stark nachlässt, da unnötig viele Schreiboperationen stattfinden (müssen). Windows XP erstellt beim Partitionieren kein korrektes Alignment, erst ab Windows Vista wird darauf geachtet. Manche Controller sind jedoch auch in der Lage, ein falsches Alignment auszugleichen.

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Die Herkunft der X25-V ist nicht zu übersehen, der Intel-Controller erreicht auch mit lediglich fünf Kanälen noch eine überdurchschnittliche Leistung beim Lesen und Schreiben von kleinen Blöcken.

Im Vergleich zur SSDNow V 40 GB gibt es praktisch keinen Unterschied, auch ein korrektes Alignment beschleunigt das Laufwerk nicht weiter, denn der Intel-Controller kann ein falsches Alignment transparent korrigieren.


CrystalDiskMark ist ein einfacher Benchmark, der Lese- und Schreibvorgänge mit drei unterschiedlichen Blockgrößen testet. Es wird eine Testgröße von 1000 MB und fünf Durchläufe eingestellt. CDM zeigt jeweils den höchsten Wert aller Durchläufe an.

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Bei kleinen Blöcken zeigt die Intel X25-V wieder eine gute Leistung, bei großen Blöcken kann sie sich beim Lesen gut in die Menge mischen, fällt beim Schreiben dann aber deutlich sichtbar zurück. Immerhin werden etwas mehr als die von Intel angegebenen 35 MB/s erreicht.


Der AS-SSD-Benchmark wurde von einem unserer Community-Mitglieder speziell für die Anwendung mit SSDs entwickelt (Link zum Forum). Getestet wird die sequenzielle Transferrate sowie die Transferrate bei 4K-Blöcken, jeweils mit einer und 64 gleichzeitigen Anfrage(n). Im Gegensatz zu CrystalDiskMark zeigt der AS SSD Benchmark Durchschnittswerte an.

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Auch hier wieder das inzwischen bekannte Bild: Bei kleinen Blöcken kann die X25-V sehr gut mithalten, genau wie beim sequenziellen Lesen. Beim schreiben landet sie zusammen mit der baugleichen SSDNow V 40 GB leider auf dem letzten Platz, übertrifft allerdings immerhin die Herstellerangabe von 35 MB/s.


Mit dem eingebauten Kopierbenchmark des AS SSD Tools wird nun die Kopierleistung des Laufwerks mit verschiedenen Profilen getestet: ISO, Programm und Spiel. Dieser Test gibt einen guten Anhaltspunkt für reale Anwendungen, wie z.B. das Entpacken eines Archives.

Des Weiteren wird die Zeit gemessen, die das Laufwerk zum Entpacken eines 3,61 GB großen ISO-Images benötigt. Dieser Test zeigt, wie gut das Laufwerk mit gleichzeitigen Lese- und Schreibzugriffen zurechtkommt. Im Wesentlichen handelt es sich hier also ebenfalls um einen Kopiertest.

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Die Ergebnisse der X25-M G2 zeigen, dass der Intel-Controller in der Lage ist, eine hohe Kopierleistung zu erreichen. Der X25-V macht die niedrige sequenzielle Schreibrate hier allerdings leider einen Strich durch die Rechnung, sodass sie sowohl beim AS-SSD-Kopierbenchmark als auch beim Entpacken des ISO-Images deutlich zurückfällt.


Da herkömmliche Anwendungstests wie das Starten von Windows und/oder Programmen bei SSDs kaum nützlich sind (die Unterschiede würden sich häufig im Rahmen der Messtoleranz bewegen), testen wir hier die Anwendungsleistung mithilfe von PCMark Vantage, wobei eine ganze Reihe von verschiedenen Alltagsszenarien durchgespielt werden. Insbesondere werden bei allen bis auf einem Test auch die restlichen Komponenten (CPU, Arbeitsspeicher) mit einbezogen, sodass der Test wesentlich näher an der Realität ist als reine Tests der Datentransferleistung. Der HDD-Test bezieht sich schließlich wieder rein auf die Datenträgerleistung. Weitere Informationen zur Funktions- und Arbeitsweise von PCMark Vantage findet man bei Futuremark.

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Hier zeigt sich das, was gar nicht oft genug gesagt werden kann: Für ein Systemlaufwerk ist die sequenzielle Schreibrate das unwichtigste Kriterium. Intels X25-V schlägt hier sogar Kingstons SSDNow V G2, die eine wesentlich höhere sequenzielle Schreibrate besitzt. Auch ist der Abstand zu Laufwerken mit wesentlich mehr Rohleistung nicht so groß, wie man es vielleicht erwarten würde, die sehr gute Transferrate bei kleinen Blöcken zahlt sich hier deutlich aus.


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Das Fazit zur X25-V fällt ähnlich aus wie das Damalige zur baugleichen und inzwischen nicht mehr erhältlichen Kingston SSDNow V 40 GB: Intel bietet mit der X25-V eine SSD an, die sehr gut als Systemlaufwerk geeignet ist. Die Leistung beim Schreiben und Lesen von kleinen Blöcken ist sehr gut, auch die sequenzielle Leseleistung ist auf einem hohen Niveau. Die niedrige sequenzielle Schreibrate fällt bei der Nutzung als Systemlaufwerk praktisch nicht ins Gewicht. Lediglich große Kopieraktionen werden durch die niedrige Schreibrate spürbar gebremst, wobei die 37 GB, die effektiv zur Verfügung stehen, ohnehin nicht viel Platz für große Dateien lassen.

In Verbindung mit einer zusätzlichen Festplatte als reinen Datenspeicher wird die niedrige Schreibrate der X25-V abermals unwichtiger, denn so kann man auf der Festplatte mit großen Dateien arbeiten und dort von der sequenziellen Geschwindigkeit profitieren, wobei die X25-V als Systemlaufwerk dafür sorgt, dass das System nicht ins Stocken gerät. Intels SSD Toolbox ist außerdem ein willkommenes Tool, das eine genaue Überwachung des Zustands der SSD zulässt sowie das manuell TRIMen unter nicht TRIM fähigen Systemen wie Windows XP und Windows Vista erlaubt.

Der Preis der X25-V ist leider ein paar Euro höher als der damalige Preis, den Kingston verlangt hat, was einer Kaufempfehlung aber nicht abträglich ist: Für weniger als 100 € erhält man mit dieser SSD ein Upgrade für seinen Rechner, wie es keine schnellere CPU oder schnellerer Arbeitsspeicher je bieten könnte, auch ältere Systeme lassen sich mit einer SSD noch einmal spürbar beschleunigen.

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